Dienstag, 18. Februar 2014

Kiliansmännle, 15.11.1995



Unterländer Herbst
Zum dritten Mal gab es in der Landeshauptstadt einen Unterländer Herbst. Eingeladen hatten der FDP-Landtagsabgeordnete und Wengerter Richard Drautz und der Pächter der Stuttgarter Landtagsgaststätte Peter Klein, im Unterland durch seine Aktivitäten in Güglingen und auf der Heilbronner Landesgartenschau 1985 bestens bekannt. Aber nicht nur Liberale, sondern Politiker aller Couleur, Bürgermeister, Wirtschaftsvertreter und Journalisten des Ländles gaben sich ein Stelldichein beim Unterländer Wein. Was der Richie Drautz da vor drei Jahren angeleiert hatte, das kann sich heute noch sehen lassen - und trägt zur Verständigung zwischen Stuttgart und dem Unterland entschieden bei. Mehr als so manche trockene Sachveranstaltung, bei der dann außer Spesen und Papier nichts herauskam. Und illustre Sponsoren gab´s auch:  Die Weingärtnergenossenschaft Cleebronn-Güglingen, die Weingärtner Flein-Talheim, die Winzergenossenschaft Sasbach am Kaiserstuhl, die Badische Staatsbrauerei Rothaus, die Wörsinger Mineralbrunnen, Pflanzen-Kölle, die Filmproduktion Elser-Haft und  die Firma Gross-International, die den kostenlosen Bustransfer arrangierte. Und die Spenden des Abends kamen auch noch einem wohltätigen Zweck zugute. Das nenne ich: Geschäftstüchtig die Geselligkeit und Unterländer Festlesfreudigkeit klug mit Politik zusammengeschnürt. Und so fühlten sich auch alle sauwohl. Vor allem Dieter Spöri, der SPD-Wirtschaftsminister aus Heilbronn, der sich über den neuen Sparkurs der Großen Koalition sehr zufrieden zeigte. Alles in allem: im März ´96 muß die FDP/DVP nur noch über die fünf Prozent-Hürde springen, dann könnte sie im nächsten Jahr beim Unterländer Herbst 1996 im Stuttgarter Landtag als Regierungspartei auftreten.



Beilstein-Kür

Einst war er der ungekrönte König von Beilstein. Jetzt - bei der Bürgermeisterwahl in der Langhansstadt - schrieben weniger als 20 Bürger den Namen Paul Stadel auf ihren Stimmzettel. Die Ära Stadel scheint nun endgültig abgehakt. Auch sein Widersacher im Gemeinderat, der Oberstudienrat Dr. Paul-Felix Thiede konnte mit seinem Rigorismus die Wähler nicht überzeugen. Mit einem Viertel der Wählerstimmen für ihn rechneten die kommunalpolitischen Auguren. Nur 16,8 Prozent sind es geworden. Wirklich keine gute Basis für den Dauer-Oppositionellen von der grünen Seite im Gemeinderat. Günter Henzler, der Amtsinhaber, konnte rundum strahlen. Hatten doch 80,3 Prozent der Wähler für ihn gestimmt. Beilstein, in vielen Bereichen schon mehr ein Schlaf-Vorort des Großraums Stuttgart, hat die Durststrecke nach dem Stadel-Finanz-Schlamassel hinter sich. Die zweite Amtsperiode des Sanierers Henzler wird zeigen, ob er nicht nur verwalten, sondern auch gestalten kann. Und das mit weniger Manövriermasse als je zuvor. Aber da geht es Beilstein nicht anders als vielen anderen Gemeinden im Landkreis Heilbronn. Sparen heißt zur Zeit das Zauberwort in den Kommunen.



Pleitewelle

Eine neue Rekordmarke wird die Anzahl der Firmenzusammenbrüche in diesem Jahr in Deutschland erreichen. Sagt der Bundesverband der deutschen Industrie.  130.000 Arbeitsplätze sind allein im ersten Halbjahr 1995 durch Pleiten im Westen Deutschlands verlorengegangen. Zählte man im vergangenen Jahr noch insgesamt 18.000 Insolvenzen, so schätzen Wirtschaftsfachleute, daß 22.000 Betriebe 1995 von der Pleitewelle erfaßt werden. Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer in der „Region Heilbronn“ können diesen Trend nur bestätigen. Als Gründe werden oftmals die zu hohen Löhne bei uns, die horrenden Lohnnebenkosten oder die ungünstige Zinssituation genannt. Aber es gibt noch einen Grund, der gern verschwiegen wird. Die Unfähigkeit einiger Manager, einen Betrieb ordentlich, sachgerecht und zukunftssicher zu führen. Nicht erst seit „Nieten in Nadelstreifen“ wissen wir, wie verantwortungslos oft angestellte Geschäftsführer oder Vorstandsmitglieder Betriebe ausplündern. Sparsamkeit? Fehlanzeige - wie beim Staat. Aber gottseidank sind diese schwarzen Schafe bisher noch eine Minderheit, wenn auch eine zu große in der deutschen Wirtschaft. Wenn´s in der Wirtschaft nicht so glatt läuft, dann sind nicht nur immer die anderen schuld. Wer ständig auf schlichte Arbeitnehmer und ihr angeblich zu hohes Anspruchsdenken einprügelt, der darf nicht erstaunt sein, wenn Angst umgeht, der private Konsum gedrosselt wird und Politikverdrossenheit sich breit macht. Der kleine Mann kann schließlich nicht ewig der Verlierer sein. Er zahlt schließlich mit seiner Lohnsteuer den Löwenanteil der Staatseinnahmen. Wer da unvorsichtig zündelt, darf sich über soziale Explosionen nicht wundern. Weniger und bewußter Kaufen - auch das führt zu Knalleffekten in der Wirtschaft.



Der Haken beim „s“

Deutsche Sprach, schweres Sprach. Heißt es. Offenbar ist sie so schwer, daß selbst viele Deutsche nicht mehr damit klar kommen. Ein wahrer Volkssport in letzter Zeit: Ein „s“ wird am oder vielmehr vom Wortende gnadenlos durch ein Apostroph abgetrennt. Ganz egal, ob Plural-s, Genitiv-s oder ob hinten ein „s“ hingehört. Zack! Schon ist das Apostroph gesetzt. Besonders gerne zieren Schaufensterdekorateure im Einzelhandel ihre Plakate mit falschen Apostrophen. Ein paar besonders schöne Beispiele: „Nicht´s vergessen für den Urlaub?“, „Wahnsinn´s Preise“ oder „Bereit´s für fünf Mark ...“. Und diese Apostrophen werden von ihren Schreibern mit äußerster Hartnäckigkeit verteidigt. So sehe ich beispielsweise immer wieder einen jungen Mann, der bei einem Café die falschen Kreide-Apostrophe von der Preistafel wegwischt. Doch jeden Morgen schreiben die Wirtsleute wieder hin: „Wenn´s um´s gute und preiswerte Essen geht, ...“  Hoffentlich geht`s nur darum.



Multikulti

Zwei Sprachen spricht der Mensch in unseren Gefilden: Deutsch und Schwäbisch. Und wenn er halbwegs gebildet ist, dieser Mensch, dann kann er auch noch Englisch daherschwätza. Da manche noch mehr auf dem Kasten  haben, sprechen sie außerdem französisch - oder  gar italienisch (das ist zur Zeit sehr in Mode, wie mir die Volkshochschulen versichern). Aber unser Durchschnittsdeutscher kommt mit seinem dialektgefärbten Deutsch und leidlichem Englisch ganz gut durch die Welt. Vor allem dann, wenn er nur die Gebrauchsanleitungen für Fernseher, Videorekorder oder Computer verstehen will. Selbst ein Taschenrechner setzt heute schon eine gewisse Kenntnis angelsächsicher Sprachbrocken voraus. Wer auch noch ein wenig herumkommt in Leben und  Beruf, der muß Englisch sich derart einbleuen, daß er damit schreibend, lesend und parlierend fit ist. Denn in nahezu jedem Dritt-Welt-Land - ob in Afrika oder Südostasien - beherrschen Kaufleute, Industrielle und Verwaltungsbeamte die englische Sprache. Muttersprache und Englisch - das hat sich langsam aber sicher weltweit durchgesetzt. Selbst im ehemaligen Ostblock, wo die Flamme der Freiheit zur Zeit ein wenig zu heiß brennt. Einst hieß es, Französisch sprechen Diplomaten, Englisch Techniker und Kaufleute. Aber das ist schon lange Zeit her. Bei Werbung, Wirtschaft und Computer - ob in Ost, West, Süd oder Nord - kommt man an der Sprache der Nordsee-Inselbewohner nicht mehr vorbei. Also dann - rein in die Volkshochschulen und CNN geschaut.



Hauptstadt?

Im Ländle heißt die Hauptstadt Stuttgart. Aber es gibt schönere Städte als diese. Karlsruhe oder Freiburg, aber selbst Mannheim können mit der schwäbischen Metropole durchaus konkurrieren. Aber darauf kommt  es ja nicht an. Stuttgart ist halt das baden-württembergische Verwaltungszentrum. Für ganz Deutschland heißt dieses Zentrum bisher immer noch Bonn. Weil am Rhein Regierung, Bundestag und Bundesrat ihren Sitz haben. Dort kann munter regiert und Opposition betrieben werden, solange bis die Hauptstadt Berlin so ausgebaut ist, daß dasselbe von der Stadt an der Spree aus bewältigt werden kann. Ich frage mich heute noch, ob es wirklich nötig war, einem Nationalgedanken des 19. Jahrhunderts nachzueifern. Ein Bundesstaat benötigt keine Hauptstadt. Die Stadt für Regierung und die beiden Kammern des nationalen Parlaments ist vorhanden. Sicher - Berlin wird jetzt wieder eine multinationale Metropole, ein Schmelztiegel für den Osten, der seine europäische Bedeutung in kultureller und vielen anderen Bereichen haben wird. Hier wird vieles Neue vorausgedacht und auch umgesetzt, vieles mit heißer Nadel gestrickt, was nur Experiment bleibt. Das haben Städte dieser Größe in aller Welt an sich. Aber ob diese Atmosphäre auch gut für die Politik ist, das wage ich entschieden zu bezweifeln. Und Geld kostet dieser Umzug, das beim Schuldenstand der Republik eigentlich derzeit gar nicht vorhanden ist. Mal sehen, woher es kommt. Das heißt: Wo es nachher fehlt.



Königin mit 18

Freitag, 10. November in der Stadthalle „Alte Kelter“ in Besigheim am Neckar: Wahl der Württembergischen Weinkönigin 1995/96. Über drei Stunden wurden sieben junge Damen aus  dem Ländle von einer 35köpfigen Jury auf Herz und Nieren geprüft. Kurz nach 18 Uhr stand dann fest, daß Stefanie Frank aus Lehrensteinsfeld, Alexandra Müller aus Bretzfeld-Geddelsbach und Anja Mayer aus Schorndorf als Weinprinzessinnen ab 19 Uhr auf die Bühne dürfen. Tränen gab es bei einigen der vier jungen Damen, die nicht in die Endrunde gekommen waren. Dabei hatten sich alle wacker geschlagen. Waren doch die verzwickten Fragen der Jury nicht immer leicht zu beantworten. Neben Fachwissen spielte dabei auch die Allgemeinbildung eine Rolle - und vor allem das gekonnte und schlagfertige Auftreten in der Öffentlichkeit. Bei der Krönungsfeier und Verabschiedung der „alten“ Weinkönigin Christina Häußermann, die in einer beschaulichen Vorstellungsrunde vor Publikum durchgeführt wurde, kitzelte Maria Soulas vom Frankenradio Heilbronn das Individuelle der Prinzessinnen-Charaktere mit einer Palette von Fragen zur Person hervor. Dabei konnte sich die angehende Krankenschwester Anja Mayer aus Schorndorf offensichtlich von ihrer besten Seite zeigen. Denn wenige Minuten, nachdem die Stimmkarten der Juroren abgegeben waren, stand das Ergebnis schon fest. Die neue Württembergische Weinkönigin kommt aus dem Remstal. Eine gute Wahl. Ebenso überzeugend war allerdings auch die Melanie Reichert aus Beilstein gewesen, die sich bei ihrer Prüfung vom Wissen und Darstellen her als herausragend erwiesen hatte. Aber der Tochter eines Industriekaufmanns und einer Damenschneiderin fehlte das notwendige Quentchen Glück. Und so langte es der Rechtsanwaltsgehilfin nicht mal zur Prinzessinnenwürde. Schade eigentlich, denn als Beilsteiner Weinprinzessin trägt sie schon viel Erfahrung im Tornister. Vielleicht wird es 1996 langen, sofern sie nochmal antritt. Zu wünschen wäre es der Melanie aus Beilstein.



Veterinär-Ämter

Nicht nur, daß die Gesundheitsämter im Unterland sich zweigeteilt haben, dank Koalitionsbeschluß in Stuttgart, nein, auch die Veterinärämter in Heilbronn haben sich dergestalt vermehrt. Kommt heute ein Viehtransport nach Bad Rappenau oder Neckarsulm, so ist das Amt in der Urbanstraße Heilbronns zuständig. Fährt der Transporter mit seiner Ladung in die Stadt, zum Beispiel nach Biberach oder Kirchhausen, so ist das Städtische Veterinäramt im Schlachthof die Anlaufstelle. Die Metzger in und um Heilbronn schütteln verwundert den Kopf, ob dieses weiteren Schildbürgerstreichs einer Verwaltungsreform. Allerdings sind sie mit den Leitern dieser neuen Ämter durchaus zufrieden. Ich frage mich immer wieder: Hat es nicht eine Möglichkeit gegeben, diesen Unsinn abzuwenden? Oder lag es doch nur an der Stadt Heilbronn, die unbedingt ihren Kopf durchsetzen wollte. Seltsamerweise ist jetzt, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, niemand mehr Schuld an dem verzwickten Blödsinn, der da verzapft wurde. So ist das halt bei Staatsdienern: Sie sind kaum haftbar zu machen. Übrigens gilt das auch für viele Teile der Wirtschaft, wo in Großkonzernen einige Manager sehr schnell Nebelgranaten werfen, wenn es um Verantwortung geht.



Wo sind sie?

Vor der Nazi-Zeit gab´s in Heilbronn organisierte Kommunisten. Nach 1945 formierten sie sich wieder und sangen das Hohelied des Sowjetdiktatur. Dann wurden sie als Verfassungsfeinde eingestuft und die Organisation verboten. Anfang der siebziger Jahre tauchten sie als Wolf, der Kreide gefressen hatte, wieder  als DKP auf. Bis dann die DDR sang- und klanglos in sich zusammenbrach. Da war´s auf einmal auch aus mit den Kommunisten in Heilbronn. Das Geld der Bruderparteien aus dem Osten fehlte. Heute wissen wir, daß viele dieser DKP‘isten zu einer Terrororganisation gehörten, ausgebildet und geschult in der Sowjetunion und der DDR. Diese sollte im Konfliktfall Sabotageakte im Hinterland des Feindes durchführen, damit die Rote Armee besser durchmarschieren kann. Ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, daß man von diesen gerade zur Friedensmarschierer-Zeit zu Beginn der Achtziger so aktiven DKP-Genossen und -innen nichts mehr hört und sieht. Sie sind spurlos vom politischen Erdboden verschwunden. Wie einst die Nazis nach dem verlorenen Krieg. Dabei könnten sie sich doch gerade in Heilbronn hinstellen und Auskunft über ihre Irrtümer geben. Auch über die ach so friedvollen Absichten ihrer schrecklichen Auftraggeber im Osten. Aber das wird wahrscheinlich eher Thema für angehende Wissenschaftler sein, die ihre Diplom- oder Doktorarbeiten über diese für viele Menschen im Osten grausame Zeit in der warmen und sicheren Studierstube einer freien Gesellschaft anfertigen.



Hören und Sehen

Eine Runderneuerung hat es im Regionalstudio des Süddeutschen Rundfunks in Heilbronn gegeben. Klimaanlage, Archiv, Möbel - nach 22 Jahren war da einiges stark renovierungsbedürftig geworden. Schließlich ist seit 1974, als Werner Kieser mit einer Mannschaft von vier Leuten auf 100 Quadratmetern begann einiges geschehen. Heute zählt das Studio unter der Leitung von Lutz Wagner im Heilbronner Shoppinghochhaus an der Allee rund 400 Quadratmeter und 24 Mitarbeiter. „Wir sind der journalistische Betrieb in der Medienlandschaft der Region - außer den Tageszeitungen. Und darauf sind wir stolz.“ Verkündete der Studioleiter beim Tag der offenen Tür. Und SDR-Intendant Hermann Fünfgeld bestätigte, daß das Frankenradio die Menschen in der Region erreicht - mit einem inhaltlich guten und akzeptablen Programm auf S4 Baden-Württemberg. Was Rang und Namen in Wirtschaft, Politik und Verbänden hat, das ließ sich im Heilbronner SDR-Studio sehen. „Die Leute, die hier beisammen sind, die stehen hinter S4, ihrem Frankenradio.“, lobte Heilbronns OB Dr. Manfred Weinmann. Wie recht er doch hat. Ist doch das Frankenradio des SDR die einzige publizistische Klammer für die Gesamtregion, nachdem die privaten Regionalsender vom Markt verschwunden sind. Und von den Gerichten wurde ja erst vor kurzem das Regionalisierungskonzept des Südfunks bestätigt. Es gehört zur Grundversorgung. Und das heißt: Mehr SDR-Frequenzen.



Kinostadt

Heilbronn ist statistisch gesehen die Stadt mit den meisten Kinos pro Einwohner. Leider ist das Käthchenstädtchen deshalb noch keine Stadt der Kinos. Denn dazu muß vor allem die Qualität stimmen. Mäkelt so manche cineastische Kritikaster. Kinogänger klagen aber über das Programm: Masse statt Klasse. Und den Grund wissen die Besserwisser auch: die Monopolstellung eines Kino-Unternehmens. Zum Beispiel der Kassenerfolg „Das Piano“ habe doch deutlich gezeigt, daß man in Heilbronn auch Filme außerhalb des Mainstreams zeigen kann und trotzdem keine Verluste machen muß. Für mich hier auf dem Turm sind die goldenen Kinozeiten in Heilbronn zu Anfang des Jahrhunderts als die Stadt als eine der ersten in Deutschland mit einem Kino aufwarten konnte. Heute ist alles perfekter in der Technik: Unscharfe Bilder und schlechter Ton müssen da nicht sein. Zum Beispiel eine Vorstellung des Streifens „Mary Shelleys Frankenstein“: Nicht nur, daß der angepriesene Raumklang nicht eingeschaltet war, offensichtlich spielte der Vorführer nur die Lichttonspur ab - und die war deutlich hörbar nicht richtig eingefädelt: Dolby Aquario, Blubbern auf technisch hohem Niveau eben. Doch nicht nur das: Aufgrund diverser Differenzen zwischen dem Heilbronner Monopolisten und dem Filmverleih UIP liefen in Heilbronn keine UIP-Filme mehr. Selbst „Jurassic Park“, der weltweit die Kassen füllte, war in Heilbronn nicht zu sehen, dafür in Neckarsulm und Öhringen. Seit Anfang diesen Jahres sollen sich die Wogen übrigens wieder geglättet haben - denn UIP-Filme flimmern wieder über die Heilbronner Leinwände.



Schilderwald

Manchmal habe ich den Eindruck, Heilbronn liegt nicht in Baden-Württemberg, sondern in einem der neuen Bundesländer östlich der Elbe. Da wird gebaut, vor allem Straßen sind aufgerissen, Schilder weisen auf alles Mögliche hin, selten nur auf ein durchschaubares Verkehrskonzept. Aber der darniederliegenden Bauwirtschaft tut´s gut. Wenn die Banken im Unterland feststellen müssen, daß ihr Neugeschäft im Baubereich teilweise ein Minus von 28 Prozent aufweist, bei den Baugenehmigungen im Unterland voraussichtlich mit einem Minus von 20 Prozent zu rechnen ist, dann ist Alarm angesagt. Im Ausbaugewerbe sähen die Zahlen noch einigermaßen stabil aus, aber insgesamt wirke sich der gnadenlose Preiswettbewerb existenzvernichtend aus. Sagten die Experten bei der Jahrespressekonferenz der Heilbronner Kreissparkasse. Eine bedrohliche Entwicklung. Auch wenn kritische Geister behaupten, die Republik sei langsam zugebaut. Und irgendwann müsse eben ein Ende sein mit den großen Zuwächsen beim Bauen. Das hilft den vielen Familien auch nicht weiter, deren Ernährer in der Bauwirtschaft tätig sind - und jetzt das Gespenst der Arbeitslosigkeit tagtäglich vor Augen haben. Besorgniserregend sind auf dem Bau übrigens - vor allem im privaten Wohnungsbau - die vielen preiswerten Arbeitskräfte aus dem osteuropäischen Raum. Sie sind eine Konkurrenz, der mit deutscher Arbeitskraft nicht entgegenzutreten ist.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen