Unterländer
Herbst
Zum
dritten Mal gab es in der Landeshauptstadt einen Unterländer Herbst. Eingeladen
hatten der FDP-Landtagsabgeordnete und Wengerter Richard Drautz und der Pächter
der Stuttgarter Landtagsgaststätte Peter Klein, im Unterland durch seine
Aktivitäten in Güglingen und auf der Heilbronner Landesgartenschau 1985 bestens
bekannt. Aber nicht nur Liberale, sondern Politiker aller Couleur,
Bürgermeister, Wirtschaftsvertreter und Journalisten des Ländles gaben sich ein
Stelldichein beim Unterländer Wein. Was
der Richie Drautz da vor drei Jahren angeleiert hatte, das kann sich heute noch
sehen lassen - und trägt zur Verständigung zwischen Stuttgart und dem Unterland
entschieden bei. Mehr als so manche trockene Sachveranstaltung, bei der
dann außer Spesen und Papier nichts herauskam. Und illustre Sponsoren gab´s
auch: Die Weingärtnergenossenschaft
Cleebronn-Güglingen, die Weingärtner Flein-Talheim, die Winzergenossenschaft
Sasbach am Kaiserstuhl, die Badische Staatsbrauerei Rothaus, die Wörsinger
Mineralbrunnen, Pflanzen-Kölle, die Filmproduktion Elser-Haft und die Firma Gross-International, die den
kostenlosen Bustransfer arrangierte. Und die Spenden des Abends kamen auch noch
einem wohltätigen Zweck zugute. Das nenne ich: Geschäftstüchtig die
Geselligkeit und Unterländer Festlesfreudigkeit klug mit Politik
zusammengeschnürt. Und so fühlten sich auch alle sauwohl. Vor allem Dieter
Spöri, der SPD-Wirtschaftsminister aus Heilbronn, der sich über den neuen
Sparkurs der Großen Koalition sehr zufrieden zeigte. Alles in allem: im März
´96 muß die FDP/DVP nur noch über die fünf Prozent-Hürde springen, dann könnte
sie im nächsten Jahr beim Unterländer Herbst 1996 im Stuttgarter Landtag als
Regierungspartei auftreten.
Beilstein-Kür
Einst
war er der ungekrönte König von Beilstein. Jetzt - bei der Bürgermeisterwahl in
der Langhansstadt - schrieben weniger als 20 Bürger den Namen Paul Stadel auf
ihren Stimmzettel. Die Ära Stadel scheint nun endgültig abgehakt. Auch sein
Widersacher im Gemeinderat, der Oberstudienrat Dr. Paul-Felix Thiede konnte mit
seinem Rigorismus die Wähler nicht überzeugen. Mit einem Viertel der Wählerstimmen für ihn rechneten die
kommunalpolitischen Auguren. Nur 16,8 Prozent sind es geworden. Wirklich
keine gute Basis für den Dauer-Oppositionellen von der grünen Seite im
Gemeinderat. Günter Henzler, der Amtsinhaber, konnte rundum strahlen. Hatten
doch 80,3 Prozent der Wähler für ihn gestimmt. Beilstein, in vielen Bereichen
schon mehr ein Schlaf-Vorort des Großraums Stuttgart, hat die Durststrecke nach
dem Stadel-Finanz-Schlamassel hinter sich. Die zweite Amtsperiode des Sanierers
Henzler wird zeigen, ob er nicht nur verwalten, sondern auch gestalten kann.
Und das mit weniger Manövriermasse als je zuvor. Aber da geht es Beilstein
nicht anders als vielen anderen Gemeinden im Landkreis Heilbronn. Sparen heißt
zur Zeit das Zauberwort in den Kommunen.
Pleitewelle
Eine
neue Rekordmarke wird die Anzahl der Firmenzusammenbrüche in diesem Jahr in
Deutschland erreichen. Sagt der Bundesverband der deutschen Industrie. 130.000 Arbeitsplätze sind allein im ersten
Halbjahr 1995 durch Pleiten im Westen Deutschlands verlorengegangen. Zählte man
im vergangenen Jahr noch insgesamt 18.000 Insolvenzen, so schätzen
Wirtschaftsfachleute, daß 22.000 Betriebe 1995 von der Pleitewelle erfaßt
werden. Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer in der „Region
Heilbronn“ können diesen Trend nur bestätigen. Als Gründe werden oftmals die zu
hohen Löhne bei uns, die horrenden Lohnnebenkosten oder die ungünstige
Zinssituation genannt. Aber es gibt noch einen Grund, der gern verschwiegen
wird. Die Unfähigkeit einiger Manager, einen Betrieb ordentlich, sachgerecht
und zukunftssicher zu führen. Nicht erst
seit „Nieten in Nadelstreifen“ wissen wir, wie verantwortungslos oft
angestellte Geschäftsführer oder Vorstandsmitglieder Betriebe ausplündern. Sparsamkeit?
Fehlanzeige - wie beim Staat. Aber gottseidank sind diese schwarzen Schafe
bisher noch eine Minderheit, wenn auch eine zu große in der deutschen
Wirtschaft. Wenn´s in der Wirtschaft nicht so glatt läuft, dann sind nicht nur
immer die anderen schuld. Wer ständig auf schlichte Arbeitnehmer und ihr
angeblich zu hohes Anspruchsdenken einprügelt, der darf nicht erstaunt sein,
wenn Angst umgeht, der private Konsum gedrosselt wird und Politikverdrossenheit
sich breit macht. Der kleine Mann kann schließlich nicht ewig der Verlierer
sein. Er zahlt schließlich mit seiner Lohnsteuer den Löwenanteil der
Staatseinnahmen. Wer da unvorsichtig zündelt, darf sich über soziale
Explosionen nicht wundern. Weniger und bewußter Kaufen - auch das führt zu
Knalleffekten in der Wirtschaft.
Der
Haken beim „s“
Deutsche
Sprach, schweres Sprach. Heißt es. Offenbar ist sie so schwer, daß selbst viele
Deutsche nicht mehr damit klar kommen. Ein wahrer Volkssport in letzter Zeit:
Ein „s“ wird am oder vielmehr vom Wortende gnadenlos durch ein Apostroph
abgetrennt. Ganz egal, ob Plural-s, Genitiv-s oder ob hinten ein „s“ hingehört.
Zack! Schon ist das Apostroph gesetzt. Besonders
gerne zieren Schaufensterdekorateure im Einzelhandel ihre Plakate mit falschen
Apostrophen. Ein paar besonders schöne Beispiele: „Nicht´s vergessen für
den Urlaub?“, „Wahnsinn´s Preise“ oder „Bereit´s für fünf Mark ...“. Und diese
Apostrophen werden von ihren Schreibern mit äußerster Hartnäckigkeit
verteidigt. So sehe ich beispielsweise immer wieder einen jungen Mann, der bei
einem Café die falschen Kreide-Apostrophe von der Preistafel wegwischt. Doch
jeden Morgen schreiben die Wirtsleute wieder hin: „Wenn´s um´s gute und
preiswerte Essen geht, ...“ Hoffentlich
geht`s nur darum.
Multikulti
Zwei
Sprachen spricht der Mensch in unseren Gefilden: Deutsch und Schwäbisch. Und
wenn er halbwegs gebildet ist, dieser Mensch, dann kann er auch noch Englisch
daherschwätza. Da manche noch mehr auf dem Kasten haben, sprechen sie außerdem französisch -
oder gar italienisch (das ist zur Zeit
sehr in Mode, wie mir die Volkshochschulen versichern). Aber unser
Durchschnittsdeutscher kommt mit seinem dialektgefärbten Deutsch und leidlichem
Englisch ganz gut durch die Welt. Vor allem dann, wenn er nur die
Gebrauchsanleitungen für Fernseher, Videorekorder oder Computer verstehen will.
Selbst ein Taschenrechner setzt heute schon eine gewisse Kenntnis angelsächsicher
Sprachbrocken voraus. Wer auch noch ein
wenig herumkommt in Leben und Beruf, der
muß Englisch sich derart einbleuen, daß er damit schreibend, lesend und
parlierend fit ist. Denn in nahezu jedem Dritt-Welt-Land - ob in Afrika
oder Südostasien - beherrschen Kaufleute, Industrielle und Verwaltungsbeamte
die englische Sprache. Muttersprache und Englisch - das hat sich langsam aber
sicher weltweit durchgesetzt. Selbst im ehemaligen Ostblock, wo die Flamme der
Freiheit zur Zeit ein wenig zu heiß brennt. Einst hieß es, Französisch sprechen
Diplomaten, Englisch Techniker und Kaufleute. Aber das ist schon lange Zeit
her. Bei Werbung, Wirtschaft und Computer - ob in Ost, West, Süd oder Nord -
kommt man an der Sprache der Nordsee-Inselbewohner nicht mehr vorbei. Also dann
- rein in die Volkshochschulen und CNN geschaut.
Hauptstadt?
Im
Ländle heißt die Hauptstadt Stuttgart. Aber es gibt schönere Städte als diese.
Karlsruhe oder Freiburg, aber selbst Mannheim können mit der schwäbischen
Metropole durchaus konkurrieren. Aber darauf kommt es ja nicht an. Stuttgart ist halt das
baden-württembergische Verwaltungszentrum. Für ganz Deutschland heißt dieses
Zentrum bisher immer noch Bonn. Weil am Rhein Regierung, Bundestag und Bundesrat
ihren Sitz haben. Dort kann munter regiert und Opposition betrieben werden,
solange bis die Hauptstadt Berlin so ausgebaut ist, daß dasselbe von der Stadt
an der Spree aus bewältigt werden kann. Ich frage mich heute noch, ob es
wirklich nötig war, einem Nationalgedanken des 19. Jahrhunderts nachzueifern.
Ein Bundesstaat benötigt keine Hauptstadt. Die Stadt für Regierung und die
beiden Kammern des nationalen Parlaments ist vorhanden. Sicher - Berlin wird jetzt wieder eine multinationale Metropole, ein
Schmelztiegel für den Osten, der seine europäische Bedeutung in kultureller und
vielen anderen Bereichen haben wird. Hier wird vieles Neue vorausgedacht
und auch umgesetzt, vieles mit heißer Nadel gestrickt, was nur Experiment
bleibt. Das haben Städte dieser Größe in aller Welt an sich. Aber ob diese
Atmosphäre auch gut für die Politik ist, das wage ich entschieden zu
bezweifeln. Und Geld kostet dieser Umzug, das beim Schuldenstand der Republik
eigentlich derzeit gar nicht vorhanden ist. Mal sehen, woher es kommt. Das
heißt: Wo es nachher fehlt.
Königin
mit 18
Freitag,
10. November in der Stadthalle „Alte Kelter“ in Besigheim am Neckar: Wahl der
Württembergischen Weinkönigin 1995/96. Über drei Stunden wurden sieben junge
Damen aus dem Ländle von einer
35köpfigen Jury auf Herz und Nieren geprüft. Kurz nach 18 Uhr stand dann fest,
daß Stefanie Frank aus Lehrensteinsfeld, Alexandra Müller aus
Bretzfeld-Geddelsbach und Anja Mayer aus Schorndorf als Weinprinzessinnen ab 19
Uhr auf die Bühne dürfen. Tränen gab es
bei einigen der vier jungen Damen, die nicht in die Endrunde gekommen waren.
Dabei hatten sich alle wacker geschlagen. Waren doch die verzwickten Fragen der
Jury nicht immer leicht zu beantworten. Neben Fachwissen spielte dabei auch die
Allgemeinbildung eine Rolle - und vor allem das gekonnte und schlagfertige
Auftreten in der Öffentlichkeit. Bei der Krönungsfeier und Verabschiedung der
„alten“ Weinkönigin Christina Häußermann, die in einer beschaulichen
Vorstellungsrunde vor Publikum durchgeführt wurde, kitzelte Maria Soulas vom
Frankenradio Heilbronn das Individuelle der Prinzessinnen-Charaktere mit einer
Palette von Fragen zur Person hervor. Dabei konnte sich die angehende
Krankenschwester Anja Mayer aus Schorndorf offensichtlich von ihrer besten
Seite zeigen. Denn wenige Minuten, nachdem die Stimmkarten der Juroren
abgegeben waren, stand das Ergebnis schon fest. Die neue Württembergische
Weinkönigin kommt aus dem Remstal. Eine gute Wahl. Ebenso überzeugend war
allerdings auch die Melanie Reichert aus Beilstein gewesen, die sich bei ihrer
Prüfung vom Wissen und Darstellen her als herausragend erwiesen hatte. Aber der
Tochter eines Industriekaufmanns und einer Damenschneiderin fehlte das
notwendige Quentchen Glück. Und so langte es der Rechtsanwaltsgehilfin nicht
mal zur Prinzessinnenwürde. Schade eigentlich, denn als Beilsteiner
Weinprinzessin trägt sie schon viel Erfahrung im Tornister. Vielleicht wird es
1996 langen, sofern sie nochmal antritt. Zu wünschen wäre es der Melanie aus
Beilstein.
Veterinär-Ämter
Nicht
nur, daß die Gesundheitsämter im Unterland sich zweigeteilt haben, dank
Koalitionsbeschluß in Stuttgart, nein, auch die Veterinärämter in Heilbronn
haben sich dergestalt vermehrt. Kommt heute ein Viehtransport nach Bad Rappenau
oder Neckarsulm, so ist das Amt in der Urbanstraße Heilbronns zuständig. Fährt
der Transporter mit seiner Ladung in die Stadt, zum Beispiel nach Biberach oder
Kirchhausen, so ist das Städtische Veterinäramt im Schlachthof die
Anlaufstelle. Die Metzger in und um
Heilbronn schütteln verwundert den Kopf, ob dieses weiteren
Schildbürgerstreichs einer Verwaltungsreform. Allerdings sind sie mit den
Leitern dieser neuen Ämter durchaus zufrieden. Ich frage mich immer wieder: Hat
es nicht eine Möglichkeit gegeben, diesen Unsinn abzuwenden? Oder lag es doch
nur an der Stadt Heilbronn, die unbedingt ihren Kopf durchsetzen wollte.
Seltsamerweise ist jetzt, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, niemand
mehr Schuld an dem verzwickten Blödsinn, der da verzapft wurde. So ist das halt
bei Staatsdienern: Sie sind kaum haftbar zu machen. Übrigens gilt das auch für
viele Teile der Wirtschaft, wo in Großkonzernen einige Manager sehr schnell
Nebelgranaten werfen, wenn es um Verantwortung geht.
Wo
sind sie?
Vor
der Nazi-Zeit gab´s in Heilbronn organisierte Kommunisten. Nach 1945 formierten
sie sich wieder und sangen das Hohelied des Sowjetdiktatur. Dann wurden sie als
Verfassungsfeinde eingestuft und die Organisation verboten. Anfang der
siebziger Jahre tauchten sie als Wolf, der Kreide gefressen hatte, wieder als DKP auf. Bis dann die DDR sang- und
klanglos in sich zusammenbrach. Da war´s auf einmal auch aus mit den
Kommunisten in Heilbronn. Das Geld der Bruderparteien aus dem Osten fehlte. Heute wissen wir, daß viele dieser DKP‘isten
zu einer Terrororganisation gehörten, ausgebildet und geschult in der
Sowjetunion und der DDR. Diese sollte im Konfliktfall Sabotageakte im
Hinterland des Feindes durchführen, damit die Rote Armee besser
durchmarschieren kann. Ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, daß man von diesen
gerade zur Friedensmarschierer-Zeit zu Beginn der Achtziger so aktiven
DKP-Genossen und -innen nichts mehr hört und sieht. Sie sind spurlos vom
politischen Erdboden verschwunden. Wie einst die Nazis nach dem verlorenen
Krieg. Dabei könnten sie sich doch gerade in Heilbronn hinstellen und Auskunft
über ihre Irrtümer geben. Auch über die ach so friedvollen Absichten ihrer
schrecklichen Auftraggeber im Osten. Aber das wird wahrscheinlich eher Thema
für angehende Wissenschaftler sein, die ihre Diplom- oder Doktorarbeiten über
diese für viele Menschen im Osten grausame Zeit in der warmen und sicheren
Studierstube einer freien Gesellschaft anfertigen.
Hören
und Sehen
Eine
Runderneuerung hat es im Regionalstudio des Süddeutschen Rundfunks in Heilbronn
gegeben. Klimaanlage, Archiv, Möbel - nach 22 Jahren war da einiges stark
renovierungsbedürftig geworden. Schließlich ist seit 1974, als Werner Kieser
mit einer Mannschaft von vier Leuten auf 100 Quadratmetern begann einiges
geschehen. Heute zählt das Studio unter der Leitung von Lutz Wagner im
Heilbronner Shoppinghochhaus an der Allee rund 400 Quadratmeter und 24
Mitarbeiter. „Wir sind der journalistische Betrieb in der Medienlandschaft der
Region - außer den Tageszeitungen. Und darauf sind wir stolz.“ Verkündete der
Studioleiter beim Tag der offenen Tür. Und SDR-Intendant Hermann Fünfgeld
bestätigte, daß das Frankenradio die Menschen in der Region erreicht - mit
einem inhaltlich guten und akzeptablen Programm auf S4 Baden-Württemberg. Was
Rang und Namen in Wirtschaft, Politik und Verbänden hat, das ließ sich im
Heilbronner SDR-Studio sehen. „Die Leute, die hier beisammen sind, die stehen
hinter S4, ihrem Frankenradio.“, lobte Heilbronns OB Dr. Manfred Weinmann. Wie
recht er doch hat. Ist doch das
Frankenradio des SDR die einzige publizistische Klammer für die Gesamtregion,
nachdem die privaten Regionalsender vom Markt verschwunden sind. Und von
den Gerichten wurde ja erst vor kurzem das Regionalisierungskonzept des
Südfunks bestätigt. Es gehört zur Grundversorgung. Und das heißt: Mehr
SDR-Frequenzen.
Kinostadt
Heilbronn
ist statistisch gesehen die Stadt mit den meisten Kinos pro Einwohner. Leider
ist das Käthchenstädtchen deshalb noch keine Stadt der Kinos. Denn dazu muß vor
allem die Qualität stimmen. Mäkelt so manche cineastische Kritikaster.
Kinogänger klagen aber über das Programm: Masse statt Klasse. Und den Grund
wissen die Besserwisser auch: die Monopolstellung eines Kino-Unternehmens. Zum
Beispiel der Kassenerfolg „Das Piano“ habe doch deutlich gezeigt, daß man in
Heilbronn auch Filme außerhalb des Mainstreams zeigen kann und trotzdem keine
Verluste machen muß. Für mich hier auf dem Turm sind die goldenen Kinozeiten in
Heilbronn zu Anfang des Jahrhunderts als die Stadt als eine der ersten in
Deutschland mit einem Kino aufwarten konnte. Heute ist alles perfekter in der
Technik: Unscharfe Bilder und schlechter Ton müssen da nicht sein. Zum Beispiel
eine Vorstellung des Streifens „Mary Shelleys Frankenstein“: Nicht nur, daß der
angepriesene Raumklang nicht eingeschaltet war, offensichtlich spielte der
Vorführer nur die Lichttonspur ab - und die war deutlich hörbar nicht richtig
eingefädelt: Dolby Aquario, Blubbern auf
technisch hohem Niveau eben. Doch nicht nur das: Aufgrund diverser
Differenzen zwischen dem Heilbronner Monopolisten und dem Filmverleih UIP
liefen in Heilbronn keine UIP-Filme mehr. Selbst „Jurassic Park“, der weltweit
die Kassen füllte, war in Heilbronn nicht zu sehen, dafür in Neckarsulm und
Öhringen. Seit Anfang diesen Jahres sollen sich die Wogen übrigens wieder
geglättet haben - denn UIP-Filme flimmern wieder über die Heilbronner
Leinwände.
Schilderwald
Manchmal
habe ich den Eindruck, Heilbronn liegt nicht in Baden-Württemberg, sondern in
einem der neuen Bundesländer östlich der Elbe. Da wird gebaut, vor allem
Straßen sind aufgerissen, Schilder weisen auf alles Mögliche hin, selten nur
auf ein durchschaubares Verkehrskonzept. Aber der darniederliegenden
Bauwirtschaft tut´s gut. Wenn die Banken
im Unterland feststellen müssen, daß ihr Neugeschäft im Baubereich teilweise
ein Minus von 28 Prozent aufweist, bei den Baugenehmigungen im Unterland
voraussichtlich mit einem Minus von 20 Prozent zu rechnen ist, dann ist Alarm
angesagt. Im Ausbaugewerbe sähen die Zahlen noch einigermaßen stabil aus,
aber insgesamt wirke sich der gnadenlose Preiswettbewerb existenzvernichtend
aus. Sagten die Experten bei der Jahrespressekonferenz der Heilbronner
Kreissparkasse. Eine bedrohliche Entwicklung. Auch wenn kritische Geister
behaupten, die Republik sei langsam zugebaut. Und irgendwann müsse eben ein
Ende sein mit den großen Zuwächsen beim Bauen. Das hilft den vielen Familien
auch nicht weiter, deren Ernährer in der Bauwirtschaft tätig sind - und jetzt
das Gespenst der Arbeitslosigkeit tagtäglich vor Augen haben. Besorgniserregend
sind auf dem Bau übrigens - vor allem im privaten Wohnungsbau - die vielen
preiswerten Arbeitskräfte aus dem osteuropäischen Raum. Sie sind eine
Konkurrenz, der mit deutscher Arbeitskraft nicht entgegenzutreten ist.

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