Garten-Idylle
Wenn
man wie ich gelegentlich jetzt im Sommer mit dem Fahrrad durch die heimische
Landschaft gondelt, dann gibts da Dinge zu sehen, die mit dem Auto nur so
vorüberfliegen - ohne eigentlich wahrgenommen zu werden. Zum Beispiel sah ich
edel gepflegte Schrebergärten an der
Bahnlinie Heilbronn-Neckarsulm. Tip-top, kann ich da nur sagen. Und in
einem dieser Saubermann-Gärten flattert im sommerlichen Abendwind sogar das
schwarz-rot-goldene Banner der deutschen Nation. Mit Wetterhahn an der Spitze,
der die Windrichtung anzeigte. Nebenan im ebenso blitzsauberen Nachbargarten:
keine Flagge. Aber deutlich ist an den Kopftüchern der Frauen und an der
Sprache der Männer zu erkennen: Hier sind Menschen türkischer Nation zuhause.
Multikulturelle Kleingärtneridylle an einem deutschen Bahndamm - dachte ich so
bei mir. Hoffentlich ist das Hissen der deutschen Farben in diesem Heilbronner
Schrebergarten keine Demonstration gegen eine andere, die benachbarte Nation.
Denn hüben und drüben wachsen die gleichen Pflanzen. Und die sind weder deutsch
noch türkisch, weder moslemisch noch christlich. Nur Gottes Geschöpfe.
Müll
in der Stadt
An
der Müllfront scheint sich in Heilbronn einiges zu bewegen, wenn man den Zahle
jener glauben kann, die uns vorrechnen: der Müll wurde in der
Käthchenstadt verglichen mit 1993 im
vergangenen Jahr um rund 27 Prozent reduziert. Und bei der städtischen Deponie
Vogelsang sehen die Zahlen noch eindrucksvoller aus. Die Abfallmengen wurden
dort um 37 Prozent reduziert. Dafür gibt es Gründe. Die Stadt Heilbronn sagt:
erhöhte Deponiegebühren, Herkunftsnachweis des Mülls und bessere Beratung
hätten zur Reduzierung des Aufkommens geführt. Und wir Bürger? Im Durchschnitt erzeugt jeder Heilbronner
pro Jahr 222 Kilogramm Müll. Und
trotz der Steigerung der Quote beim „Gelben Sack“ um 40 Prozent, beim Altpapier
gar um 20 Prozent, meint Baubürgermeister Ulrich Frey, daß Heilbronn von Jahr
zu Jahr schmutziger werde. In der Wiederbesetzungssperre sei ein Grund dafür zu
finden. Wenn das
Müllbeseitigungspersonal fehle, dann könne die Stadt halt weniger
herumliegenden Müll einsammeln. Und außerdem würden 13.000 Haushalte überhaupt
keine Müllgebühren bezahlen. Wo die wohl ihren Abfall entsorgen?
Straßensperrungen
Am
vergangenen Donnerstag ging‘s sportlich rund um meinen Turm. Coca-Cola-Trophy war angesagt. Zum
siebten Male fand das Profirennen unterhalb von meinem Turm statt. Vier
Stunden, von 17 bis 21 Uhr, war alles rund ums Rathaus abgesperrt. Wer drinnen
war konnte raus, und wer draußen war nicht rein. Und das an einem langen
Donnerstag. Da hätten sie mal hören sollen, wie die Leute geschimpft hatten.
Trotzdem gelang es den meisten, rein oder wieder rauszukommen. Sie stiegen
einfach übers oder krochen unterm roten Absperrungsseil hindurch. Trotz der
heftigen Ermahnungen der Ordnungshüter.
Gottseidank ist nichts geschehen - kein Radrennprofi mit einem
einkaufenden Unterländer zusammengestoßen.
Hörer
gestern
Wußten
Sie schon, wieviel Radio wir in Baden Württemberg täglich hören? Die
Media-Analyse 1995 sagt es genau: 164
Minuten Radio konsumieren wir täglich. Insgesamt erreichen die
öffentlich-rechtlichen Radioprogramme werktags 4,57 Millionen Hörer, die
privaten Programme kommen auf 2,14 Millionen. Der Marktanteil der
öffentlich-rechtlichen beträgt 70 Prozent, jener der privaten Radio-Sender rund
30 Prozent. Im Sendegebiet des Südfunks rangiert das Hörfunkprogramm SDR 1 mit 22,3 Prozent an erster
Stelle. Es folgen SDR 3 (18,4
Prozent), S4 Baden Württemberg (14,5
Prozent), SWF 3 (8,5 Prozent), Radio Regenbogen (5,7 Prozent), Antenne 1 / RT 4 (5,4 Prozent), SWF 1 (5,2 Prozent), Radio 7 (4,3 Prozent) und S2 Kultur (2,7 Prozent). Dabei hat „S4
Baden Württemberg“ den größten Zuwachs zu verzeichnen: 350.000 neue Radiohörer
im Ländle. Und auch „S2 Kultur“ hat mit 40.000 eine erstaunliche Steigerung zu
vermerken. Was mich immer bei solchen Zahlen verwundert - das ist die
Genauigkeit. 44.000 Personen wurden bei der Media-Analyse in Deutschland befragt.
In Baden Württemberg waren es insgesamt rund 10.000 Menschen. Da muß man sehr
genau über Jahre Statistik führen, die Haushalte sorgsam betrachten und
geschickt fragen, um glaubwürdige Zahlen zu bekommen. Denn diese sind Grundlage
für die Werbewirtschaft, um an die Zielgruppen ihrer Kunden zu gelangen.
Käse
im Hals
Die
Geschichte hat sich vor ein paar Tagen zugetragen - und erzählt von der Gier
nach Käse. Auf der Autobahn A 81 Stuttgart - Heilbronn verunglückte spät in der
nacht ein Käsetransporter. Der tonnenschwere LKW durchbrach auf der Höhe der
Gemeinde Abstatt ein Brückengeländer und krachte auf einen darunterliegenden
Feldweg. Dabei kam der Fahrer ums Leben. Einige Menschen aus dem Wohngebiet
Abstatt-West hatten den Unfall mitbekommen und innerhalb kürzester Zeit
pilgerten Schaulustige und Neugierige zu nahegelegenen Unfallstelle. Aus dem
zertrümmerten LKW war die Käseladung herausgefallen. Gelegenheit macht Diebe
muß sich ein gut Teil der schaulustigen Abstatter gesagt haben. Flugs
wurden Käseschachteln und Käseräder für Mutterns Kühlschrank eingepackt und
abtransportiert. Es heißt, daß selbst im Leichenwagen das eine oder andere
Käseteil davongefahren wurde. Wenn eine solche Geschichte im ehemaligen
Jugoslawien passiert, dann kann ich nur das größte Verständnis für die
Plünderer aufbringen. denn die nagen am Hungertuch. Doch wenn ich mir so manch
wohlgenährten Bauch anguckte, dessen Träger da nächtens auf Diebestour ging,
kann ich nur sagen: der Käse soll ihm im Halse stecken bleiben.
Spitzenkräfte
Viele
in der Käthchenstadt fragen sich: Sind
in Heilbronn keine Nachwuchsspitzenkräfte zu finden? Wenn es um die
Neubesetzung von Spitzenpositionen geht, dann holt man sich seit längerer Zeit
schon die Leute von auswärts. Nach dem Otto: auswärtige Besen kehren besser und
gründlicher. Ob beim Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse, beim
Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, beim Leiter des
Schulamtes, bei den Bürgermeistern, dem Präsidenten des Landgerichts, dem neuen
HSt-Chefredakteur oder zum Ende des Jahres beim Direktor des Finanzamtes. Die
einen sagen: Das ist gut so. Der neue Mann darf nicht im Heilbronn Geflecht und
Mief zu stark involviert sein. Die mehr lokalpatriotisch Gesinnten meinen:
Früher habe man auf Kontinuität gesetzt, die Leute im eigenen Hause
herangezogen, den regionalen und lokalen Gesichtspunkten mehr Bedeutung
beigemessen. Think global, act local
- lautet ein Merkspruch, den sich so manche Firma, so mancher Verband oder so
manches Amt zum Leitgedanken gemacht hat. Mit dem globalen Denken und lokalen
Handeln scheint es aber nicht allzuweit her zu sein. Denn Heilbronn liegt immer
noch abseits der großen Verkehrsflüsse und im Zentrum der Wirtschaftskrise.
Kilianpreise
Wissen
Sie noch, wer im vergangenen Jahr den Kilianpreis in Heilbronn erhielt? Macht
nichts. Wichtig ist die Gegenwart. Obwohl es ja heißt, die Vergangenheit ist
niemals tot, sie ist nicht einmal vergangen. Den kleinen Heilbronner „Oscars“
gabs heuer in den Kammerspielen gleich siebenmal. Die Mitglieder des
Theatervereins hatten ausgewählt und zu Preisträgern erkoren: Viola von Lewinski und Rudolf Lütgens für die beste
schauspielerische Darstellung in einer Hauptrolle, Ina Bleiweiß und Johannes
Bahr für die beste Darstellung in einer Nebenrolle, Thomas Pekny für das beste Bühnenbild und Lech Majewski für die beste Inszenierung. Einen Sonderpreis für
„Darstellende Kunst“ erhielt das Freilichtbühne
Neuenstadt am Kocher, ein Laientheater, das alljährlich im Burggraben zur
Sommerszeit ein volkstümliches Stück zum schenkelschlagenden Vergnügen der
Zuschauer zum Besten gibt. Geld, eine Urkunde und die kleine Statue wurden den
Preisträgern überreicht. Wie sagte noch Jean Luc Godard: Kultur ist die Regel.
Kunst ist die Ausnahme von der Regel. In Heilbronn wird zumeist von Kultur
gesprochen - bei solchen und ähnlichen Anlässen.
Spielstätten-Kampf
Immer
wieder höre ich in diesen Tagen, daß das Kulturleben in Heilbronn aufgepäppelt
werden soll. Da wird vehement eine dritte Spielstätte fürs Heilbronner
Stadttheater gefordert - und niemand weiß, wo das Geld dafür herkommen soll.
Man spekuliert darauf, daß auf dem Berliner Platz von privater Hand prachtvoll
gebaut wird. und dann soll es eben auch noch für eine dritte Spielstätte langen. Hoffentlich hat man da nicht die
Rechnung ohne den Wirt gemacht. Dem Einzelhandel in Heilbronn und im ganzen Lande gehts nicht so prächtig,
daß er in große Baupläne sich verlieren könnte. Und der private Investor
beginnt nicht eher, bis die Finanzierung steht - eine Vermietung oder der
Verkauf der Räumlichkeiten steht. Und für die Stadt wäre, ob sie die dritte
Spielstätte des Theaters nun mietet oder kauft, ein weiterer Kostenschub - Jahr
um Jahr. Aber die Kulturwütigen in
Heilbronn sind mächtig und hartnäckig. Sie müssens ja auch letztendlich
nicht zahlen. Und am hartnäckigsten ist der Intendant des Theaters Klaus
Wagner. Wie ich ihn kenne, setzt er alle Hebel in Bewegung, um die ungeliebte
Kammerbühne in einen Probenraum umwandeln zu können. Und einen langen Atem hat
er auch: schließlich gibts Pläne, seinen Vertrag übers Jahr 2000 hinaus zu
verlängern.
Krise
bei der FH?
Unsere
Fachhochschule in Heilbronn besitzt rund 120 Professoren und um die 180
Lehrbeauftragte. An anderen Fachhochschulen des Landes ist es üblich, daß sich
diese beiden Teile des Lehrkörpers alljährlich einmal zu einem Gespräch,
Gedankenaustausch zusammenfinden. Nichts davon in der Käthchenstadt. Hier geht
man sich eher aus dem Wege. Dabei ist Kooperation zur zeit mehr als notwendig.
Denn die Studentenzahlen sinken. Vor
allem in den technischen Fächern gibts erhebliche Probleme - Elektronik, Physikalische Technik oder Maschinenbau.
Dagegen laufen Medizinische Informatik
oder Touristik offenbar gut. Und hinzu kommt noch, daß die Außenstelle
Künzelsau der Heilbronner Fachhochschule in ihrem Bestand gefährdet ist. Denn
der dritte Fachbereich fehlt immer noch. Elektrotechnik
und Wirtschafts-Ingenieurwissenschaften allein langen halt nicht. ich könnte
mir vorstellen, daß endlich der Studiengang Verfahrens- und Umwelttechnik
eingerichtet wird. das hat Zukunft - gerade in unserer von Umweltproblemen
belasteten Zeit.

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