Kreuz
und quer
Da
hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, daß Kreuze in Schulen nicht per
Anordnung eines Ministeriums hängen dürfen. Und wenn schon eins hängt, dann muß
es auf Wunsch eines Schülers entfernt werden, so es ihn bei seinem Lernen
stört. Es geht um Bayern, wo in vielen Schulklassen noch Kreuze hängen. Bei uns
im Ländle ist das schon lange nicht mehr üblich. Ich verstehe die ganze
Aufregung jetzt nicht. Schließlich ist Religion doch in unserem Staate immer noch
die Sache eines jeden einzelnen. In vielen Klassen sitzen Kinder von Christen,
Juden, Moslems, Hindus, Sektenmitgliedern und Atheisten friedlich beieinander. Da kann niemand den Anspruch erheben, daß
das Symbol seiner Religion fortwährend im Klassenzimmer, vielleicht sogar
amtlich angeordnet an der Wand hängt. Man stelle sich vor, in einer
schwäbischen Grundschule sind mehr als 50 Prozent der Schüler Moslems, und
deren Eltern verlangten nun, daß die Fahne des Propheten fortwährend im
Klassenzimmer aufgehängt wird. Zur Toleranz in einem Staat, der die
Religionsfreiheit garantiert und schützt, gehört auch, daß er die Freiheit der
Minoritäten gewahrt bleibt. Wenn nicht,
dann haben wir sehr schnell bei uns einen Ansatz für jugoslawische Zustände.
Kino-Center
Es
geht um Arbeitsplätze. Um den Erhalt der bestehenden und die Schaffung neuer.
In Stuttgart trat neulich samt Landesregierung der Musical-Mogul Deyle vor die
versammelte presse und verkündete, daß er neben dem vorhandenen Musicaltheater
in Stuttgart noch ein zweites setzen will - samt Kinocenter. Der
Ministerpräsident applaudierte, der Stuttgarter Gemeinderat läßt erst vor vier
Jahren gebaute Wohnhäuser für Spätaussiedler im Wert von 10 Millionen Mark
abreißen, damit das neue Vergnügungscenter in der Nähe des Flughafens entstehen
kann. Und auch unser Heilbronner SPD-Landtagsabgeordneter Dr. Dieter Spöri,
Erwin Teufels Stellvertreter und baden-württembergischer Wirtschaftsminister,
ist von der Deyle-Idee begeistert. Stuttgart,
das künftige Musical-Zentrum Deutschlands, war aus seinem Munde zu vernehmen.
Wie wär´s denn mal mit der Käthchenstadt? Heilbronn könnte durchaus ein
Kino-Center auf der grünen Wiese vertragen. Das Umland für diese attraktive
Idee wäre vorhanden. Jetzt fehlt es nur noch an einem der das umsetzt und
Zuschüsse, von Stadt und Land erhält. So wie der Deyle in Stuttgart. Aber
offenbar müssen in Heilbronn die Kühe zum Saufen getragen werden.
Parken
und Trinken
Wenn
am Abend oder in der Nacht das Leben in der City Heilbronns dank angenehmer
Temperaturen derzeit mit südlichem Flair schmückt, dann ist das den Straßencafes,
den Bierkneipen und Restaurants zu verdanken. Fußgängerzonen in Heilbronn laden
kaum zum Bummeln ein, weil die Schaufenster schon sehr ohne Beleuchtung sind.
Aber wer mit seinem Auto in die Innenstadt will, der benötigt einen Parkplatz.
Und die sind im Kern der Stadt - also zwischen Allee, Neckar, Weinsberger
Straße und Rosenbergstraße rar. Trotzdem findet offensichtlich das
unternehmungsfreudige Völkchen der Nachtschwärmer genügend Parkraum. Sonst
wären die bereitgestellten Parkplätze in den Tiefgaragen rund um den Stadtkern
ja am Abend und in der Nacht ausgebucht. Nichts dergleichen ist jedoch
festzustellen. Die Parkhausbetreiber
klagen seit Monaten über zu wenige Parker in den Tiefgaragen. Vielleicht
liegt´s aber auch daran, daß wegen der bekannten harschen Umgehensweise gar
nicht mehr so viele Auswärtige in die Innenstadt Heilbronns fahren. Jene, die
in Heilbronn wohnen, erreichen ja mühelos bei diesen Temperaturen ihre weiter
entfernt liegenden Kneipen mit dem Fahrrad.
Im
Blatte lesen
Das
kennen wir ja aus der Schulzeit. Da müssen alle Pennäler irgendwann den Faust
lesen. Den von Johann Wolfgang von Goethe (Deutscher Dichter - 18. und 19.
Jahrhundert). Und da schrieb dieser Dichterfürst doch treffend einer
verlassenen Ehefrau namens Marthe Schwerdtlein
- als sie vom Tod ihres Mannes im fernen Italien erfahren hatte - auf
den Leib: „Ich bin von je der Ordnung Freund gewesen, Möcht ihn auch tot im
Wochenblättchen lesen.“ - So traurig der Anlaß, so hart die Realität. Ein anständiger Tod ist nur einer, der auch
standesgemäß angezeigt wird. Und so sind Todesanzeigen in Tageszeitungen
und Ortsblättern beliebter Lesestoff - entscheidender sogar für die
Leser-Blatt-Bindung, behaupten die Marketing- und Werbefachleute. Aber manchmal
frage ich mich, ob nicht zuviel getan wird. Da erscheinen dann von Freunden,
Bekannten, Schulkameraden, Arbeitskollegen oder Kneipenkumpels Anzeigen, die
bestimmt ehrlich gemeint sind, aber durchaus auch in Eigenwerbung abrutschen
können. Davon hat der geliebte und verehrte Tote nichts, umso mehr aber jene,
die den Tod mehrmals anzeigen. Pietät heißt das Stichwort. Und da ist weniger
in stiller Trauer immer mehr als ein Zuviel an Aufwand. Aber über Geschmack
läßt sich andererseits wieder nicht streiten. Drum laßt die Toten ehrenvoll
ruhen und kümmert Euch umso mehr liebevoll um die Lebenden.
Hunde
im Wald
Immer
wieder kommt das Thema hoch. Heilbronns Wälder, das Klo für die Stadthunde. Wo
sollen sie auch sonst hin? Fragen die Hundebesitzer. In der Stadt müssen sie
mit einem Schäufelchen hinter ihrem Vierbeiner herlaufen, so er Gassi muß - und
das Häufchen brav in den Rinnstein oder auf den Gehsteig setzt. Wasserlassen an
Bäumen, das ist eine Selbstverständlichkeit für Hundebesitzer. Wo soll der
Wauwau das auch sonst machen? In der Dreizimmer-Wohnung etwa? Igitt. Am elegantesten ist daher, man packt Waldi
ins Auto, fährt aufs Jägerhaus oder den Gaffenberg, und schon springt das arme
Vieh von Baum zu Baum, beschnuppert die Nachlassenschaft der Vorgänger, findet
ein noch relativ geruchsfreies Plätzchen, drückt den Kot, bespritzt noch ein
paar Baumstämme - und dackelt brav hinter Herrchen oder Frauchen durch die
Landschaft. Gelegentlich scheucht der Köter dann auch noch ein paar Rehe
durch Unterholz, ehe er es sich wieder auf dem bequemem Polster des
Autorücksitzes gemütlich macht und zurück in die Stadtwohnung chauffiert wird.
Im Sommer geht‘s ja. Da stinkt der Wald nur bei entsprechender Luftfeuchtigkeit
und Temperatur nach Hundescheiße. Im Winter jedoch sind die Spuren im Schnee in
all ihrer abscheulichen Prächtigkeit zu bewundern. Tierliebe nennt man das im
Volksmund. Ich nenne es Tierquälerei.
Auto-Telefon
Manche
finden es schick. Die Polizei warnt davor. Und für die meisten ist es einfach
lästig. Das Telefon im Auto oder einfach in der Tasche: Das sogenannte Handy.
Nur ein paar von mir erlebte kleine Szenen mit dem Ding. Mitten in der Stadt
Heilbronn im offenen Wagen, Cabrio nennt man´s, fährt einer und telefoniert.
Sieht schon lässig aus. und an der nächsten Ampel hält er mit einem heftigen
Quietschen in den Reifen, das Handy fliegt ihm aus der Hand. Unfall gerade noch
verhindert. Oder man sitzt im Café, es
piept, der Nachbar holt sein Handy aus der Tasche und spricht locker und
selbstbewußt, so daß alle mithören können mit irgendeinem Bekannten. Einfach
lästig. Oder: Irgendwo an einem Unterländer Waldesrand. Eine rostige Karre. Die Fahrertür ist geöffnet - und Mister X
unterhält sich per Handy mit Misses Y, gurrend, zirpend und mit reichlich
verblödetem Gesichtsausdruck. Naja. Es war halt schon immer etwas teurer,
einen guten Geschmack zu haben. Das heißt im Handy-Fall: Es war schon immer
etwas geschmackvoller, nicht jederzeit erreichbar zu sein. Den Mann von Welt,
die Frau mit Geschmack macht´s halt aus, daß sie das Handy dort benutzt, wo es
sinnvoll ist. Man geht ja schließlich auch nicht mit Gummistiefeln in die Oper
oder mit dem Smoking zum Wandern. Und im übrigen ist´s immer noch zu teuer, mit
einem solchen Ding zu telefonieren - für Otto Normalverbraucher und Lieschen
Müller. Nur ein Stenz trägt Handy privat.
Städte
und Bauen
Die
Gebäude in einer Stadt zeugen vom Geist in diesem Gemeinwesen. So wuchsen
vielerorts entweder schöne oder häßliche Gebilde in den Jahrhunderten heran.
Vieles wurde im Krieg vor fünfzig Jahren zerstört, wieder aufgebaut oder
geschleift und Neues an diese Stelle gesetzt. Schöne Städte in unserer Region sind Schwäbisch Hall, Ludwigsburg, Bad
Mergentheim, Tauberbischofsheim, Würzburg - aber auch kleinere Orte wie
Lauffen, Gundelsheim, Mosbach, Brackenheim, Güglingen oder Öhringen. Wenn
man von Heilbronn als architektonisch schön gestalteter Stadt reden will, dann
muß man sich schon arg anstrengen. Kilianskirche, Rathaus, die neue Volksbank
oder das neues Knorr-Verwaltungsgebäude, vielleicht auch noch das eine oder
andere Privathaus. Dann ist aber schon das Ende der architektonischen
Fahnenstange erreicht. Vieles wertvolle an Bausubstanz hat man in den wilden
Fünfziger und Sechzigern einfach abgerissen, so manche Jugendstilvilla und das
durchaus wieder aufbaubare Stadttheater. Die Theatersünde sollte man den
verantwortlichen Stadtvätern und -müttern immer wieder vorhalten, damit ihre
Nachfolger daraus lernen. Übrigens: Einige Schmuckstücke des alten
Jugendstiltheaters wollte man ja in den Neubau, das Kupfergebäude am Berliner
Platz, integrieren. Zum Beispiel die am
Foyer befindlichen Köpfe. Sie aber sind verschwunden. Lagern in irgendwelchen
Magazinen. So verstaubt halt der Geist von einst.
Warum
soviel?
Rief
mich doch erst vor wenigen Tagen eine junge Dame an, die dem Blatte vorwarf:
„Warum steht denn soviel über Rauschgift im Neckar-Express? Schreiben Sie doch
mal über den Drogenkonsum mit Alkohol auf dem Weindorf oder dem Unterländer
Volksfest! Darüber regt sich niemand in Heilbronn auf, wenn die Besoffenen
nachts nach Hause torkeln oder sogar noch Auto fahren. Und wenn in der
Innenstadt Heilbronns die Hauseingänge der Anwohner vollgepinkelt werden,
Straßen und Gassen erfüllt sind vom Lärm grölender Weindorfbesucher, sodaß
niemand mehr richtig schlafen kann.“ Recht hat sie, die junge Dame aus
Heilbronn. Nur wohnt sie nicht in der Innenstadt, wie sich herausstellte. Und
Drogensüchtige kennt sie auch nicht. Sie spricht aus purem Mitleid. Wenn in
Familien das Problem Drogensucht mit Heroin oder anderen harten Rauschmitteln
zur Kenntnis genommen wird, dann ist es meistens schon zu spät. Die Folgen
haben die unmittelbaren Angehörigen zu tragen, so der Süchtige noch im Kreis der
Familie lebt. Da werden Sparkassenbücher geplündert, Geld geklaut, die Nächsten
um die Hab und Gut gebracht. Asozialität breitet sich wie Mehltau über die
Gemeinschaft. Denn Drogensucht kostet
pro Tag um die 300 bis 500 Mark. Meistens aber flieht der Süchtige aus dem
Familienkreis, wenn er überhaupt die Lebensgemeinschaft Familie nennen konnte.
Und auf der freien Wildbahn muß dann ja auch das Geld für die Sucht beschafft
werden. Arbeiten ist bei dieser Krankheit da kaum drin. Kriminalität,
Prostitution liefern die Kohle für den Stoff. Ein Teufelskreis, in den niemand
gern geraten möchte, der mit Arbeit die Existenz seiner Familie in unserer
harten Zeit sichern muß. Ein kleiner Alkoholrausch auf dem Volksfest oder
Weindorf - das ist noch lange keine Sucht. Hier sollte genau unterschieden
werden, mit welchen Drogen die Mehrheit der Bevölkerung seit Jahrhunderten
eingeübt ohne Schaden umgehen kann.
Welcher
Computer?
Wer
sich einen Computer kaufen will, der steht in den meisten Fällen wie ein Ochs
vor dem Tor. Die sogenannte Hardware, also Bildschirm, Rechner, Drucker - all
das wird von Monat zu Monat preiswerter, trotz stärkerer Leistung. Aber es gilt
immer noch: Alles in allem kostet das High-Tech-Gerät samt Drucker für den
Hausgebrauch so um die 3.000 bis 3.500 Mark. Und jeder sollte wissen, daß der
gerade gekaufte Personalcomputer,
schon der Computer von gestern ist. Derzeit wird viel von Windows 95, das neue
Betriebssystem des allesbeherrschenden
Microsoft-Herstellers geredet. In diesem Monat noch soll es vorgestellt werden.
Aber Programme, die unter diesem System angemessen laufen, die sind kaum auf
dem Markt. Wer sich mit einem Personal Computer bisher eingedeckt hatte,
arbeitet mit den Betriebssystem DOS/Windows oder OS 2 von IBM. Daneben gibt‘s
seit Jahren schon jene Computer, die all das können was Windows 95 jetzt
verspricht: Die Apple-Macintosh-Computer. Zehn Prozent Marktanteil hat dieses
System. Derzeit sind elf verschiedene
Rechnersysteme und verschiedenen Prozessortypen und -varianten auf dem Markt.
Aber laut Apple-Händlern herrscht die professionelle Kundschaft in diesem
Bereich der Computer immer noch vor. Ich frage mich, warum eigentlich. denn der
Apple-Computer ist weitaus leichter von Beginn an zu bedienen als alle Rechner
der Intel- und DOS-Typen. Naja, nach wie vor trifft ein überwiegender teil der
Käufer seine Entscheidung beim Computerkauf innerhalb der Welt der
Intel-Architektur. Die dort herrschende Vielfalt von Anbietern und
Kombinationsmöglichkeiten - und damit auch das wesentlich höhere Risiko,
schlecht harmonierende Komponenten zusammenzustellen - gibt es bei Apple nicht.
Jedem Computer-Tierchen sein Plaisierchen. Übrigens vom Preis her sind sie
heute alle nahezu gleich - ob Apple oder DOS/Windows.
Musical
Es
gab mal eine Zeit an deutschen Theatern, ob Staats-, Stadt- oder
Freilichttheatern, da galt das Musical als etwas nicht Spielbares. Man übte
sich in hehrer Kunst. Dieses Sing- und Tanztheater aus Amerika hatte den
Straßengeruch von Show an sich. Das breite Publikum trällerte die Melodien so
einfach nach, ohne lang zu überlegen. Ballett, Oper und Schauspiel wurde an
deutschen Bühnen geboten, also etwas zum Nachdenken, etwas Erhabenes, eben
Kunst. Und was für eine Kunst!? Die
Theater wurden immer leerer - aber waren immer voller Lehrer. man die
Darstellende Kunst wie in einer Kirche. Dann aber - so vor zwanzig, dreißig
Jahren fingen einzelne Bühnen an, Musicals aufzuführen. Vor allem jene, die
bisher auch ganz erfolgreiche Vorstellungen mit Operetten gemacht hatten. Und
mit der zeit ahmten alle das nach. zunächst spielte man das, was das
Kinopublikum schon längst kannte: „My Fair Lady“, „Annie get your gun“, „Hello
Dolly“ oder „Porgy and Bess“. Und mit der Zeit, alles andere auch was auch
Amerika und England ins deutsche Vaterland rüberschwappte. Spät, sehr spät
entdeckten dann die Freilichtbühnen das Musical. Und heute ist es ihr großer
Publikumsrenner, bringt ordentlich Geld in die Kasse. „Oper der kleinen Leute“
- so nannte man das Musical einst in Deutschland - und siedelte es unterhalb
der Operette an. Wie sich die Zeiten doch ändern. Heilbronn heute ohne Musical
- das wäre wie die Kilianskirche ohne Männle.
Oben
ohne
Sie
tun es nicht oder selten in einem Freibad irgendwo im schwäbischen Unterland.
Im Hallenbad schon gar nicht. Aber wenn sie irgendwo ums Mittelmeer herum
Urlaub machen, möglichst noch in einem Land mit vorwiegend muslimischem
Glaubensbekenntnis, dann reißen sie das Oberteil ihres Bikinis runter und
zeigen der prallen Sonne und anderen am Strand oder Hotelpool herumflanierenden,
seien es nun Einheimische mit ihren Kindern oder anderen Urlaubern, das, was
Gott ihnen an weiblicher Brust so mit auf den Weg gegeben hat. Manchmal nicht
viel, manchmal üppig und prall, dann wieder hängend und schlaff kommt die
Wahrheit an den Tag, die sonst unter BHs oder Kleidern schamhaft versteckt
wird. Wen schert´s, daß in den
Reiseunterlagen steht, daß Oben-Ohne-Baden in diesem Land verboten ist.
Hauptsache die individuelle Freiheit genießen. Sitten und Gebräuche anderer
Länder beachten? Das wird nur von Ausländern bei uns verlangt. Deutsche Frauen
im Ausland? Die bringen ja schließlich Devisen ins Land. Und der Kunde ist
bekanntlich König. Es soll sich aber niemand wundern, wenn er in Ländern rund
ums Mittelmeer dann direkt angegangen wird. Bei strengen Sitten werden jene,
die ihre Reize auf dem Tablett darbieten, nach dem Otto behandelt: Wer Sex
ausstellt, darf sich über Kundschaft nicht wundern.
Wetter,
Wetter, Wetter
Das
war ein Sommer wie im Bilderbuch. Selbst die Daheimgebliebenen konnten Urlaub
pur in Freibädern und auf Balkonien genießen. Aber nichts ist gottseidank
beständig außer dem Wechsel. Und seit einigen Tagen pfeift mir ganz schon Wind
und Regen um die Ohren - hier oben auf dem Turm. Die Zeit der freundlichen Wettergebiete
mit Männernamen weichen jenen weniger angenehmen mit Frauennamen. Tief Monika
soll uns in den nächsten Tagen stark durchwachsenes Wetter bescheren, sagen die
Wetterfrösche. Das heiß, der Sommer ist endgültig vorüber. Die wenigen warmen
Tagen sind halt schon nach meteorologischem Verständnis Herbsttage. Denn für
die hauptamtlichen Wettervorhersager ist seit dem 1. September der Herbst in
deutsche Lande eingezogen. Wer jetzt
noch „Sommer“ genießen möchte, der muß rund ums Mittelmeer seine Tage - möglichst
Urlaubstage - verbringen. Allerdings ist da auch nur die Türkei, Israel,
Aegypten, Tunesien oder Marokko sonnensicher. Ebenso wie die Kanarischen Inseln
mitten im Ozean, gleich neben der Sahara gelegen. Und die haben noch den
Vorteil, daß sie mit einem Heilklima aufwarten können. Wir aber, die zuhause
bleiben müssen, werden mit dem sonnigen Weindorf in Heilbronn rund ums Rathaus
vorlieb nehmen müssen. Da scheint dann die Sonne halt mehr von innen heraus.
Rückschlag?
Die
Furcht vor einem wirtschaftlichen Rückschlag in der Bundesrepublik wächst
derzeit. Denn beim im ersten Halbjahr 1995 noch schnurrenden Konjunkturmotor
scheint Sand ins Getriebe gekommen zu sein. Das Wachstum im zweiten Halbjahr
wird sich verlangsamen, sagen die Wirtschaftsinstitute. Politiker
diagnostizieren allerdings nur eine „Wachstumsdelle“. Nach einem „Atemholen“ im
Herbst werde sich der Aufschwung vom Beginn wieder zum Ende des Jahres
fortsetzen, versichern sie mit ihrem treuem Politiker-Augenaufschlag. Aber
glauben ist eine Sache, Vertrauen wieder eine andere - und auf die Prognosen
von Politikern setzen, da könnte man das Geld ja gleich verbrennen. Verglichen was uns vor Wahlen versprochen
und was dann eingehalten wurde - ja, da ist das breite Volk immer hinters Licht
geführt. Und was sagen die Fakten? Aus dem Verarbeitenden Gewerbe werden
Warnsignale gemeldet. Im Juni brachen
jetzt die Bestellungen Saison- und preisbereinigt um 3,5 Prozent ein. Die
Geschäftserwartungen in der westdeutschen Industrie haben sich darüber hinaus
im Juli verschlechtert. Und das größte Sorgenkind, der Arbeitsmarkt hat
ebenfalls keine guten Zukunftsaussichten. Die Arbeitslosenquote kletterte von
neun auf 9,5 Prozent. Die Zahl der Erwerbslosen stieg im Juli wieder um 134.000
auf 3,59 Millionen. Dauerte es bislang nur ein halbes Jahr, bis sich der
Konjunktur-Aufschwung auch in einer höheren Beschäftigungszahl niederschlug, so
sind diesmal schon fast zwei Jahre verstrichen, ohne daß sich eine
durchgreifende Besserung auf dem Arbeitsmarkt abzeichnet.
Theater,
nur Theater
Wenn´s
den Leuten schlecht geht, so sagt der Volksmund, dann geht‘s den Theatern gut.
In den Goldenen Zwanzigern soll Deutschland eine Kulturblüte erlebt haben. Den
Leuten ging´s damals verdammt schlecht - den breiten Schichten vor allem am
Ende der Zwanziger. Nach dem Krieg gab´s eine zweite Theater- und
Kino-Kulturblüte in deutschen Landen. Den Leuten ging´s schlecht. Und als dann
das Wirtschaftswunder über uns hereinbrach, kam auch prompt die Kino- und
Theaterkrise. Jetzt geht‘s uns scheinbar auf hohem Niveau nicht mehr so gut -
und das Theater blüht auf. Die deutschen
Staats- und Stadttheater verbuchten in der Saison 1993/94 rund 22,8 Millionen
Besucher, 700.000 mehr als in der Saison zuvor. Teilte jetzt der
Bühnenverein mit. Allerdings wollen die Leute
mehr die klassischen Sparten sehen. Oper, Ballett, Musical sowie Kinder-
und Jugendtheater waren die Wachstumsbranchen im Theater. Bei Schauspiel und
Operette gab´s Rückgänge. Rechnet man alle öffentlich finanzierten und privaten
Theater zusammen, dann ist die Zahl noch imponierender: rund 35 Millionen Menschen gingen ins
Theater, 1,6 Millionen mehr als im Vorjahr. Es gehen also weiterhin mehr
Leutepro Saison ins Theater als auf den
Fußballplatz.
Natur
und Ozon
Ein
Loch ist bekanntlich dort, wo etwas nicht ist. Mit einem einzigen Stich ins
Etwas wird dann so manches entwertet, was zuvor hochheilig war. Beispiel:
Luftballon, Jungfrau, Politikersprechblase. unser altbekanntes Sommerloch
ist aber nicht irgendein Loch. In diesem
Loch oder besser diesem Nichts geht es oftmals besonders kreativ zu.
Gelegentlich gebiert es dank besonders ausgetüftelter Politikergedanken auch
Monster der ganz besonderen Art. In diesem Jahr wurde die Sommersmog-Verordnung
ins hochsommerliche Leben katapultiert. Und jetzt - der Sommer ist noch nicht einmal richtig
vorüber - kommt der Zusammenbruch: Die
Natur hat sich verdammt nochmal an diese Verordnung nicht gehalten. Sie ist
einfach nicht bereit, die Ozongefahr in deutschen Landen - ob Ost, ob West -
mit ausreichender Ernsthaftigkeit heraufzubeschwören. Sie sorgt nicht für
Konzentrationen, die ein unverzügliches Eingreifen der Ordnungsmächte nötig
machten. Im Gegenteil, sie vernichtet schöne Ansätze steigender Meßwerte mit
kühler Witterung und kräftigen Winden. Wir im Unterland regen uns da gar nicht
mehr auf. Wir kennen das schon - vom schönen Ozon-Modell-Versuch unseres
allseits bewunderten Umweltministers Harald B. Schäfer, der ja auch mal
Ministerpräsidenten-Kandidat seiner Partei werden wollte. Zu Beginn des Sommers
war das. Aber dieser Gedanke fiel dank Dieter Spöri ins große Sommerloch.
SPD-Mitglieder
Sie
war einst die stärkste der Parteien. Nicht nur in Deutschland - auch im
schwäbischen Unterland. Jetzt bröckelt sie so dahin. Nicht weil Rudolf Scharping ihr Bundesvorsitzender
ist und seinen populären innerparteilichen Gegner in die Wüste schickte,
sondern weil die Leut langsam genug haben von nichtssagenden Gezanke,
Solidaritätsgeschwafel oder dem ewigen Hinterherhinken bei politisch brisanten
Themen (Stichworte: Ladenschluß, militärischer Einsatz in Bosnien, einfache
Steuergesetze, etc. etc.). Folge: Die
Traditionspartei SPD verliert Mitglieder. Einst über eine Million Menschen
im Westen Deutschland waren sozialdemokratisch organisiert. Jetzt sind es in
ganz Deutschland, dem wiedervereinten wohlgemerkt, nur noch 835.000 eingetragene Mitglieder. Seit Jahresbeginn haben
rund 14.000 ihr Parteibuch
zurückgegeben. Das sollte den Genossen Funktionären und Mandatsträgern gehörig
zu denken geben. Aber da die Sozialdemokratie sich langsam aber sicher von einer Volkspartei zu einer Partei der
Bedenkenträger, der Beamten und Akademiker entwickelt, wird dieser Schwund
wohl weiter anhalten. Vielleicht ändert sich dieser Trend ja, wenn das einfache
Mitglied mit seiner Ansicht auch mitentscheiden kann - was Ansicht der Partei
ist, wer Spitzenkandidat in Stadt, Land oder Bund wird.
Einkaufen
Die
Änderung oder das völlige Verschwinden der Ladenschlußzeiten in Deutschland,
auch das war ein schönes Sommerthema 1995. Das Ladenschlußgesetz, nachdem die
Läden werktags um 18.30 Uhr ihre Türen schließen müssen, ist nicht nur
antiquiert, sondern im Vergleich mit Praxis in anderen Ländern der Europäischen Gemeinschaft geradezu veränderungsbedürftig.
Niemand muß seinen Laden, sofern die verordneten Ladenöffnungszeiten gestrichen
werden, die ganze Nacht geöffnet haben. Ich sage das nur, weil in so mancher
Propaganda für die Beibehaltung der derzeitigen Regelung, dergleichen
suggeriert wird. Jeder Ladenbesitzer
regelt seine Öffnungszeiten so wie es seine Kunden wünschen - im Idealfall. Aber
aus Erfahrung kann man ja sagen, es wird zu Regelungen kommen, die der
Einzelhandel einer Stadt oder Gemeinde unter sich abstimmt. Der eine oder
andere wird sich nicht anschließen. Und hat dank Familienbetrieb vielleicht die
Chance einen ergänzenden Service zu bieten. Warum sollen zum Beispiel nicht
auch bei uns wie jetzt in den USA geschehen bei Vorstellung eine ganz
bestimmten Ware, hier ging´s um das neue „Windows 95“, die Geschäfte ausnahmsweise
bis um 24 Uhr oder später geöffnet haben. Ganz dem Bedarf entsprechend. Einige
Politiker haben diese Tage verkündet, daß vielleicht, ja nur vielleicht, in der
Vorweihnachtszeit die Läden bei uns auch mal bis 22 Uhr „probeweise“ geöffnet
haben. Ihr Wort in des geschätzten Gesetzgebers Ohr. Die Botschaft hör ich wohl
...
Kriegsdienstverweigerer
Den
Wehrdienst kann bei uns jeder junge Mann verweigern, so er Gewissensgründe für
seine Entscheidung glaubhaft vorweisen kann. Junge Frauen können keinen Wehrdienst
verweigern. Weil sie gar nicht eingezogen werden. Eine Ungleichheit der
Geschlechter, die es demnächst auch einmal näher zu betrachten sich lohnt - vor
allem im Zeichen der Emanzipation der Frau. In diesem Fall sind Mann und Frau
in Deutschland immer noch nicht gleichgestellt. Und Proteste von den
Gleichstellungsbeauftragten in Städten und Kreisen habe ich bisher noch nicht
vernommen. Aber vielleicht waren solche bisher auch nur zu leise vorgetragen
worden. Dessen ungeachtet: Die Zahl der Verweigerer beim Wehrdienst steigt von
Jahr zu Jahr. Im ersten Halbjahr 1995
wurde sogar ein neuer Höchststand registriert: 85.397 junge Männer verweigerten
den Dienst an der Waffe. Manche sagen auch: den Kriegsdienst. Und nennen
sich dann Kriegsdienstverweigerer. Ein bösartiges Wort aus der Mottenkiste
kommunistischer DDR-Propaganda. Für die gab´s im Westen Deutschland nur
Kriegsdienst, im Osten Friedensdienst mit der Waffe. Aber die Einheit brachte
es an den Tag: Der kriegslüsterne deutsche Staat mit präziser und intensiver
Vorbereitung auf Aggression ausgelegt hieß DDR. Der Überfall auf die
Tschechoslowakei ist dafür beredtes Beispiel. Einige Altlinke wolle das heute
noch vertuschen. Jetzt aber, so behaupten Politiker, sei dank der hohen Zahl an
Wehrdienstverweigerern der Bestand der Bundeswehr gefährdet. Auch wieder so ein
Propagandawörtchen aus dem Sommerloch. Kleiner muß die Bundeswehr werden - und
effektiver. Und Wehrgerechtigkeit muß endlich hergestellt werden.
Kreuz
schlagen
Das
mit dem Kreuz in deutschen Schulzimmern ist schon ein Kreuz. Zumindest die
derzeitige Diskussion darüber. Dabei ging´s vor Gericht in Karlsruhe nur darum,
daß eine Bestimmung der bayrischen Schulordnung nichtig ist, nach der Kreuze in
Unterrichtsräumen staatlicher Pflichtschulen aufzuhängen sind. Diese Vorschrift
ist durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts beseitigt. So wie die Kreuze
in deutschen Gerichtssälen. Denn es kann kein Anwalt zum Beispiel jüdischen
oder moslemischen Glaubens gezwungen werden, vor einem Kruzifix zu verhandeln.
Jetzt stellen sich so manche Zeitgenossen die Frage, ob demnächst vom
Bundesverfassungsgericht das christliche Glockengeläut zum Verstummen gebracht
wird, das ja viele Mitbürger als unchristlich laut empfinden. Aber da dieses
Geläut eine religiöse Betätigung der Kirchen und nicht des Staates ist, werden
die Gerichte - vorläufig noch - in dieser Frage wohl kaum entscheiden. Aber was
nicht ist, kann ja noch werden. Mich stört das alles hier oben auf dem Turm
überhaupt nicht. Die Stadtväter hatten ja einst entscheiden, kein Kreuz oder
einen Hahn auf dem Kirchturm zu postieren, sondern einen Soldaten, einen
Landsknecht. Die Heilbronner hatten
schon immer - auch zu ihren Symbolen - ein eher nüchternes Verhältnis. Auf
die Praxis ausgerichtet. Denn gegen Überfälle hat noch nie das Kreuz geholfen,
sondern eine gut ausgebildete Truppe. Auch vor mehr als vierhundert Jahren.

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