Wahlen
im Ländle
In
Nordrhein-Westfalen und in Bremen wurde am vergangenen Sonntag gewählt. Und das
Resultat? Keine Vorzeichen für die Landtagswahl im März 1996 bei uns in Baden
Württemberg, die besagen könnten: im wesentlichen bleibt alles so wie es ist.
Die Wahlbeteiligung sinkt. Viele Bürger setzen offensichtlich kein allzugroßes
Vertrauen in unsere Politiker. Nicht die Mehrheit. Aber eine große Minderheit,
die teilweise an die 40 Prozent reicht. Und die Folge davon? Das traditionelle
Parteienverhältnis wird ordentlich durcheinandergewirbelt. Das mußten wir ja
auch schon bei der letzten Landtagwahl bei uns im Ländle feststellen. Die
Republikaner mit 10,9 Prozent waren damals der Stachel im Fleisch von CDU und
SPD. Und den gilt es in zehn Monaten herauszuziehen. Kommt es 1996 in Baden
Württemberg auch zu einem Rauswurf der FDP aus dem Landtag, dann könnte im
einstigen Musterländle - wenn die Reps die 5-Prozent-Hürde nicht mehr schaffen
- eine rotgrüne Koalition durchaus nahe sein. Auch wenn die CDU erheblich
dazugewinnt. Nur als Beispiel: CDU 43,2,
SPD 33,3, Grüne 14,7, Reps 4,3 und FDP ebenfalls 4,5 Prozent. Und schon
regiert die Koalition Spöri/Kuhn mit 48 zu 43,2 Prozent gegen Erwin Teufel. Nur
ein Rechenbeispiel? Wer weiß, wer weiß?
Gerechter
Verkauf?
Nun
ist es wieder soweit: Mit Zeitungssonderbeilagen und hehren Grußworten hat sich
das Heilbronner Gaffenberg-Festival
angekündigt, zum achten Mal übrigens. Vom 12. bis 16. Juli geht es rund „über
den Dächern Heilbronns“, wie die Festival-Macher schreiben. Wieder kündigt Festival-Leiter Harry Mergel gewisse zu
erwartende Probleme mit den Kartenvorverkauf an. Böse Zungen behaupten ja, daß
Karten so rar sind, weil die Sponsoren ihr Kontingent einstecken. Daß nun nur
noch Tageskarten an einer Vorverkaufsstelle - ab 20. Mai, 9 Uhr, direkt unter
meinem Kiliansturm - zu kaufen sind, mag die Ungerechtigkeiten des Vorverkaufs
etwas eindämmen, gelöst sind sie damit nicht. Vorschlag an Meister Mergel: Pro
bestellende Person werden nur noch zwei Karten verkauft. Wenn die Nachfrage so
gewaltig ist, dürfte ein lohnender Kartenverkauf doch dann kein Problem sein.
Und im Zeitalter von Computer und Datenautobahn doch erst recht nicht, gell
Herr Mergel? Vielleicht sind Querelen um den Vorverkauf aber auch nur ein
netter Marketing-Gag, um über die Unterländer Grenzen hinaus für Aufmerksamkeit
zu sorgen.
Wer
ist wer?
Gaffenberg
II: In der Sonderbeilage der Heilbronner Lokalzeitung kommt übrigens auch ein
gewisser Norbert Winzek zu Wort.
Doch wer ist dieser Schreiber? Festival-Leiter Harry Mergel und der zweite
Vorsitzende der Heilbronner Kulturtage, Otto Friedrich lassen sich mit Bild und
Kurz-Kultur-Biografie abfeiern, aber wer ist Norbert Winzek? Eines wissen wir
über und von ihm: Er läßt sich, wie viele Kulturtage-Macher übrigens - „in der
Aufbauwoche die Sonne auf den Ranzen scheinen“. Lieber Norbert Winzek, bitte
zwei Dinge beachten: Ozonloch, das den Sonnenbrand bringen könnte und
bodennahes Ozon, das dir an Lunge und Schleimhäute gehen könnte. Also lieber
nicht so viel Sonne auf dem Ranzen. Ab in den Schatten, heißt die Devise.
Wo
sind sie?
Der
8. Mai ist vorüber. Viele schrieben, redeten über dieses Tag, an dem erinnert
wurde an das, was vor fünfzig Jahren geschehen war. Viele, die dabei gewesen sind
und keine Schuld tragen. Viele, die
nicht dabei gewesen waren, aber genau wissen, wer Schuld hat. Und viele,
die immer noch nicht verstanden haben, daß es schon lange keine Möglichkeit
mehr gibt, dabei gewesen zu sein. Verstärkt wurde dieses eigentümliche Raunen
über den 8. Mai durch das nahezu vollkommene Ignorieren des aktuellen
Geschehens. Ist es den vielen Aposteln der öffentlichen Moral zu kompliziert,
sich durch die Verflechtungen der Völker des Balkans zu fragen? Oder sind sie
zu beschränkt, um die Geschehnisse im Kaukasus zu durchschauen? Wie kommt es,
daß jene, die nachträglich zu militantem Widerstand gegen untergegangene Reiche
aufrufen, in Fragen der Gegenwart zu pazifistischen Nichtstuern werden, deren
Hauptbeschäftigung der Erhalt ihres geschlossenen Weltbildes ist? Dabei sind
die Kriege im Osten und Süden bei uns in der Stadt durch Flüchtlinge präsent.
Park-Zeit
Heilbronn,
die Stadt der Parks und Gärten. Stolz verkündete der Heilbronner
Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann diese Erkenntnis am Wochenende bei der
Einweihung des Böckinger Ziegeleiparks. Dabei war das seit 1991 renaturierte Industriegelände mit
seinem neuen See zu einem Witz verkommen. Hatte doch die von klugen
Spezialisten ausgehobene und abgedeckte Grube im 14,5 Millionen Mark teuren
Park das Wasser über lange Zeit nicht halten können. Jetzt ist er endlich voll
- der Böckinger See. Und ein Landschaftsgärtner behauptete gar in wilder
Freude, was den Franzosen Saint Tropez, das ist den Böckingern jetzt der
Ziegeleipark. Kann durchaus sein. Denn Fixerbesteck, das bestätigte sogar die
Polizei, wurden in einigen Anliegergärten auch schon gefunden. So hat Böckingen
jetzt auch noch Großstadtniveau mit seinem lang ersehnten Park erhalten. Nur
unter einem negativem Vorzeichen.
Liberale
Kandidaten
Die
Freien Demokraten in der Stadt Heilbronn haben ihren Kandidaten für die
Landtagswahl im März 1996 gekürt: Fachhochschul-Professor Dr. Georg Bucher (43) aus Schwaigern. Zweitkandidatin wurde die 48
jährige Ingeborg Wenzel, Chefin einer Personal Service GmbH in Heilbronn.
Verwunderlich an der Geschichte ist eigentlich nur, daß ein Mann aus dem
Wahlkreis des FDP-Landtagsabgeordneten Richard Drautz liberaler Kandidat in
Heilbronn wird, während Richard Drautz seinen Wohnsitz in Heilbronn hat. Wäre
es da für die FDP nicht einfacher gewesen, den Professor Bucher aus Schwaigern
im Wahlkreis Eppingen kandidieren und den Heilbronner Wengerter Drautz in
seinem Heimatort für den Wahlkampf antreten zu lassen? Aber - das ist halt
jetzt die hohe Schule der Politik. Schließlich konnte die FDP bei der letzten
Landtagswahl 1992 nur 4,2 Prozent der Stimmen im Wahlkreis Heilbronn erzielen.
Und diese hohe Politik, die versteht unsereins auf dem steinernen Turm eben
nicht so richtig.
Arbeit
im Mai
Der
Tag der Arbeit war in diesem Jahr ein Montag und selbstverständlich wie es
Tradition ist, ein Feiertag. Die deutschen Gewerkschaften und ihre Mitglieder
marschierten und demonstrierten - gegen Arbeitslosigkeit und gegen weiteren
Sozialabbau. In Heilbronn sprach der erste Bevollmächtigte der IG-Metall
Heilbronn/Neckarsulm Frank Stroh zu
den 500 Demonstranten und forderte auf, darüber nachzudenken, wie man
flexiblere Arbeitszeitmodelle entwickeln könne. Aber nicht nur das. Strohs
Mairede war heimatlich eingefärbt. Nicht das Gegeneinander, sondern das
Miteinander in der Region steht für ihn im Vordergrund. Selbst bei steigender
Produktion werden künftig keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen, stellte
Stroh nüchtern fest. Strukturwandel war sein Zauberwort . Nur hochwertige
Produkte, die am Markt absetzbar sind schaffen günstige Voraussetzungen - auch
für den Arbeitsmarkt. Und deshalb plädierte der Gewerkschafter Stroh für den
Ausbau der Umwelttechnologie im Unterland. Das sollten sich auch einige
Kommunalpolitiker hinter die Ohren schreiben - und endlich etwas tun. 8500
Arbeitsplätze sind in den vergangenen drei Jahren im Unterland abgebaut worden.
Ein schmerzlicher Rekord, der wohl demnächst noch durch weiter steigende
Arbeitslosenzahlen übertroffen wird.
Treu
und Redlichkeit
Da
tritt einer sein neues Amt als Schultes an - und gleich muß er eine bittere
Pille schlucken. Verständlich, daß jetzt die Lust Bürgermeister in der Region
zu werden, rapide abnimmt. Volker Schiek
in Nordheim ist offenbar trotz alledem guten Mutes und trat sein neues Amt
als Bürgermeister ohne allzugroßes Zähneknirschen an. Muß er doch seinem
Gemeinderat am 19. Mai ein korrigiertes Zahlenwerk vorlegen. Denn der
Nachtragshaushalt ist ein wenig aus den Fugen geraten. Eigentlich wollte die
Gemeinde Schulden tilgen - zwei Millionen insgesamt. Aber daraus wird wohl
nichts. Denn beim Rathausneubau hatten die Gemeindeväter und -mütter sich
tüchtig verrechnet. Am 17. März 1995 waren noch 800.000 Mark als Baukosten
genannt worden. Jetzt heißt es, daß die Gesamtsumme wohl bei 1,5 bis 1,6
Millionen Mark liegen dürfte. Wenn ein privater Unternehmer so rechnet, dann
wäre er schnell pleite. Aber hier geht es ja nur um die Steuergelder des
Bürgers. Und hinzu kommt noch, daß die Nordheimer bei der Planung ihrer Einnahmen
für 1995 auch ein wenig zu hoch gegriffen hatten. Außerdem hatten sie
übersehen, daß aus 1994 ein Fehlbetrag von schlichten 766.000 Mark in der Kasse
auszugleichen ist. Wer schenkt dem Nordheimer Gemeinderat endlich die Spieluhr
mit der Melodie „Üb immer Treu und Redlichkeit“.
Audi-Standort
Audi
rief und alle kamen nach Neckarsulm - an der Spitze der Wirtschaftsminister des
Landes Dr. Dieter Spöri. Und der
lobte den Neubau der Autolackiererei auch über den Klee. Standortsicherung war
sein Thema dabei. Hatte doch das Land Baden Württemberg ordentlich
subventioniert. Und Audi-Vorstandsvorsitzender Dr. Herbert Demel unterstützte den Minister verhalten.
Schließlich waren bis jetzt 312 Millionen Mark investiert worden, soviel wie
noch nie in ein Neckarsulmer Audi-Großprojekt. Die neue „modernste
Autolackiererei in Deutschland“ setzt Maßstäbe in Qualität und Umweltschutz.
Zum Beispiel wurde eine neuartige Anlage entwickelt, die den Füllerspritznebel
aus dem Kreislaufwasser der Füllerlackierliene herausfiltert. Und das heißt:
110.000 Kilogramm Lackschlamm pro Jahr müssen durch das neue Verfahren nicht
mehr thermisch entsorgt werden. Und genau dieses Verfahren wurde vom Land Baden
Württemberg finanziell gefördert. Übrigens: Dieter Spöri sprach bei der offiziellen
Einweihung der Lackiererei immer von einer Firma Audi-NSU, die es ja schon
lange nicht mehr gibt. Aber so schlimm ist das nicht. Es gab ja auch schon
Bundespräsidenten, die nicht wußten in welchem Land sie sich bei ihrer
Staatsvisite gerade befanden. Oder hatte Spöri anderes mit seinem Versprecher
im Sinn? Etwa den Firmennamen NSU wieder zu beleben? Nostalgie hin oder her -
bei Audi in Neckarsulm geht es nur noch um Produktivität. Und die muß
wettbewerbsfähig sein.
Drogen-Stadtpark
ade?
Razzia
im Stadtpark. Was Heilbronn wenigen Tagen rund um die Harmonie erlebte, das
dürfte dem ordnungsliebenden Bürger das Herz höher haben schlagen lassen. 120
Polizisten riegelten das Gelände des „Rauschgiftparks“ ab und kontrollierten
Dealer und Konsumenten. Schon im Vorfeld hatte die Staatsmacht sorgfältig
beobachtet und gegen 34 Rauschgiftdealer Haftbefehl erlassen und vollstreckt.
Eine wahrhaft multikulturelle Gesellschaft des Drogenhandels tat sich da auf.
Und seither gehen Polizisten Tag und Nacht Streife durch die Innenstadt,
insbesondere an den Brennpunkten Friedensplatz, Stadtpark und Alter Friedhof.
Eine mobile Polizeiwache am Harmoniegarten ist für die dreizehn Beamten rund um
die Uhr die Ausgangsposition. Es wurde auch langsam Zeit, daß sich in der offenen Rauschgiftszene inmitten der Stadt
Heilbronn etwas tut. Schließlich ist die Vorsorge bei Unfallschwerpunkten
von der Polizei in den vergangenen Jahren ausgebaut worden. Und was bei der
Verkehrssicherheit billig ist, das müßte im gefährlichen Rauschgiftmilieu nur
recht sein. Und hinzu kommt: die Rauschgiftkriminalität in der Innenstadt
Heilbronns ist die Basis für viele Raubüberfälle und den Drogenstrich. Das
Drogenproblem muß hart bekämpft und nicht als gottgegeben hingenommen werden.
Denn die Experten sagen schon lange: nicht nur in Südamerika hat die
Drogenmafia der jeweiligen Staatsgewalt den Krieg erklärt, sondern auch hier in
Deutschland. Und Krieg führen auch die Drogenabhängigen - gegen ihren eigenen
Körper und gegen ihre Umwelt. Auch sie müssen mit Vernunft dazu gebracht
werden, Frieden zu schließen.
Hemmschuh
Kürzlich
in der Gemeinderatssitzung von Ilsfeld: Es
geht um den alten Konflikt zwischen Gewerbeansiedlung und Wohnbebauung. Ein
örtlicher Unternehmer möchte seine Produktionsanlagen vergrößern. Heftige
Diskussion im Ratsgremium. Anwohnern der Firma geht der derzeitige Lärm bereits
auf die Nerven - und nun womöglich noch mehr Krach? Nein danke. Moment, Moment.
Der Unternehmer hat seine Firma seit Jahren am Ort. Die Menschen, die in der
Nachbarschaft leben wissen das. Doch nun soll die Wohnbebauung erweitert werden
- eben in Nachbarschaft von der Firma. Der Landverkauf könnte Bares bringen,
die Einwohnerzahl von Ilsfeld sich vergrößern
- und und und. Die Firma wird zum Hemmschuh. In anderen europäischen
Ländern wäre dies ein viel kleineres Problem. Dort ist die
Industriefeindlichkeit noch nicht so ausgeprägt wie bei uns.

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