Feuerwerk 1994/95
Wo waren Sie eigentlich am Silvesterabend? Und später dann beim
Jahreswechsel von 1994 zu 1995? Fein Essen im Gourmet-Restaurant mit 21
Gängen? Oder mehr rustikal daheim im Kreise der Familie? Egal, wo auch
immer sie waren - ein gutes Neues. Übrigens: Ich hier oben auf dem Turm
denke mit Schrecken und Grausen an jene Nacht vom 31.12.1994 auf den
1.1.1995 zurück. Mir flogen die Feuerwerkskörper laut krachend und
zischend nur so um die Ohren. Besonders viel hat‘s im Norden, Westen und
Süden Heilbronns geballert. Und über zwanzig Minuten lang stiegen die
Raketen in den Himmel. Ich glaubte, die wollen gar nicht mehr aufhören.
Nur weil die gefährliche Knall-Ware aus Fernost und China im letzten
Jahr so billig war? Weniger wäre in jedem Falle mehr gewesen. Oder
sollten mit dem besonders vielen und lauten Geknalle die bösen Geister
vom Neuen Jahre ferngehalten werden? Wir werden sehen und schreiben, wie
es sich anläßt - das 95ger.
Fünfzig Jahre
Nach fünfzig Jahren ist es Zeit, die Fakten auf den Tisch zu legen: Die
Zerstörung Heilbronns war geplant, sie war kein Versehen“, resümiert Christhard Schrenk, der Leiter des Heilbronner Stadtarchivs, das Ergebnis seiner zusammen mit dem pensionierten Rektor Hubert Bläsi in englischen und amerikanischen Kriegsarchiven unternommenen Recherchen. Aber nach dem Willen von Oberbürgermeister Manfred Weinmann
hatte die Buchveröffentlichung keinen Platz in dem zum fünfzigsten
Jahrestag der Bombadierung Heilbronns inszenierten Veranstaltungsreigen
und wird aufs Frühjahr verschoben: „Die harte Konfrontation mit der
Kriegsstrategie hätte nicht in die Gefühlswelt des 4. Dezembers gepaßt.“
- Diese interessanten Zeilen las ich hier oben auf dem Turm in der FAZ-Beilage Heft 774 vom 30. Dezember 1994. Wo auch sonst?
Ein Schiff wird kommen
So macht man
Kultur! Als die Initiative geboren wurde, war ich noch etwas skeptisch.
Es geht ums Heilbronner Theaterschiff. Sie erinnern sich, auf einem
ausgemusterten Kahn soll künftig Kultur geboten werden. Die Macher um
den Schauspieler Heinz Kipfer sorgen nun mittlerweile bereits für
bundesweites Interesse. Eine ganze Reihe deutscher Tageszeitungen
meldete mit Foto die Theaterschiff-Idee. Das nenne ich prima Werbung für
die Stadt Heilbronn.
Verrückt?
„Einer spielt verrückt“, meint Gerd Härig vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittel-Einzelhandels - schreibt das Wirtschaftsmagazin Capital
jetzt. Denn Deutschlands Discountriese Aldi schlage derzeit mit einer
Preiskeule auf den gesamten Rest ein. „Ein Pfund Butter für 1,49 und ein
Liter Milch für 89 Pfennige, das ist deutlich unter Einstandspreis.“,
wird Verbandsprecher Härig zitiert. Spekulation: Aldi wolle rund 250
Artikel verbilligen und laut „Lebensmittel-Zeitung“ dafür auf drei
Jahresgewinne verzichten - im Kampf um mehr Marktanteile. Laut Theo Albrecht von Aldi gegenüber Capital:
„Völliger Unsinn“. Schärfster Konkurrent von Aldi ist nach dieser
Meldung der Besitzer der expansiven Discountkette Lidl aus Neckarsulm Dieter Schwarz.
Ihm solle der Preiskampf gelten. Aber der sagt schlicht: „Kein
Kommentar.“ Im letzten Jahr dürfte Schwarz mit seiner Lidl-Kette und
seinen Kaufland-Verbraucher-Märkten jeweils rund acht Milliarden Mark
umgesetzt haben - macht mit 16 Milliarden zwei Drittel des Aldi-Umsatzes
von 25 Milliarden Mark. Wenn sich das Umsatzwachstum von zuletzt 30
Prozent jährlich auch in diesem Jahr fortsetzt, dürfte Lidl 1995 auf den
zweiten Platz der deutschen Discountriege vorstoßen - meint Capital. Wenn dem so ist, ja dann heute schon, herzlichen Glückwunsch nach Neckarsulm.
Höhenflüge
Hoch hinaus wollten
auch eine ganze Reihe Unterländer Unternehmer und die Industrie- und
Handelskammer. Da war immer wieder die Rede von einem Regionalflughafen,
den die Region dringend benötige, um konkurrenzfähig zu bleiben. Doch
es ist ganz still geworden um dieses Projekt. Zumindest ist an
offiziellen Stellungnahmen und Forderungen nichts mehr zu hören. Hinter
den Kulissen wird nach Angaben eines IHK-Mannes freilich heftig weiter
für die Flugpiste gearbeitet. Immer wieder mal machen sich Lobbyisten in
Stuttgart stark dafür. Allerdings, so der IHK-Mann, beiße man sich
derzeit mit solch kostspieligen Großunternehmungen in der
Landeshauptstadt oder in Bonn die Zähne aus. Geld will keiner dafür
geben. Und, mal ehrlich, es wäre wahrlich nicht ganz unproblematisch,
dem Bürger und Steuerzahler klarzumachen, warum auf der einen Seite
gespart und geknausert wird, und auf der anderen Seite ein heftig
umstrittenes Projekt wie der Regionalflughafen gefördert werden sollte.
Und eines ist ja bis heute nicht geklärt, wo den überhaupt der Standort
für die Lande- und Startbahn sein soll.
Ein Wort
Nun hat ja
Heilbronn und das Unterland ein einheitliches Erscheinungsbild für eine
klare Außendarstellung für investitionsfreudige Unternehmen: Die
Wirtschaftsförderungsgesellschaft. IHK und Regionalverband werden
zumindest teilweise entlastet. Jetzt ist endlich die Chance für das
Oberzentrum Heilbronn gekommen zum Meinungsführer zu werden und
regionale Kooperationen anzustoßen. Besonders auch in Sachen
Fremdenverkehr könnte die Gesellschaft einiges vorantreiben. Es reicht
nämlich nicht, immer nur darauf hinzuweisen, daß es eine Burgenstraße
und den Breitenauer See gibt. In größeren Veröffentlichungen
einschlägiger Reisemagazine hat sich das nämlich noch nicht groß
niedergeschlagen.
Ozon-Staat
Na, da hat sich unser Umweltminister Harald B. Schäfer ja ganz
schön verrannt. Gell, Sie erinnern sich noch an den Ozonversuch in
Heilbronn und Neckarsulm im Juni 1994? Ein großes Tamtam hat der Schäfer
da veranstaltet. Die ganze Weltpresse war ins Lagezentrum nach
Neckarsulm geeilt. Dem Einzelhandel hatte der Minister mit dem An- und
Absetzen des Versuchs übel mitgespielt. Groß wurde von Reduzierung der
Luftbelastung und Sommersmog geredet und geschrieben. Und nun?
Vielleicht ist es so, daß ein Fahrverbot im kleinen Rahmen gar nichts
bewirkt. Doch damit hält der Herr Minister bis Januar hinter den Berg.
Klar, mit solch einer Nachricht ist ja auch nicht so viel Staat zu
machen.
Abwasser
Da hat sich Baden-Württembergs Umweltminister Harald B. Schäfer
auch bei den Städten und Gemeinden des Unterlandes voll in die Nesseln
gesetzt. Vollmundig verkündete der Minister, er sehe gute
Einsparmöglichkeiten auf dem Abwassersektor. Vor allem im ländlichen
Raum gebe es Möglichkeiten, die Abwassergebühren in Grenzen zu halten.
Selbst so mancher Bürgermeister aus dem Stadt- oder Landkreis Heilbronn,
der den Sozialdemokraten nahe steht, war da erbost über den SPD-Mann
Schäfer. „Völliger Quatsch“, polterte ein Schultes. „Wir halten uns beim
Bau von Kläranlagen an die Standards, die uns von Land, Bund und
Europäischer Union vorgeschrieben werden. Keine Gemeinde vergräbt mehr
Geld in der Erde als notwendig.“ Eine Kalte Dusche für Schäfer.
Nase vorn
Der Erhard Klotz - ehemals Oberbürgermeister von Neckarsulm -
wußte schon vor Jahren, wo es langgeht. Der initiierte Mitte der 80er
Jahre den Bau eines zentral gelegenen Hotels. Hintergrund war: Man muß
Besuchern der damals großen Gewerbesteuerzahler Audi und Kolbenschmidt
eine entsprechende Bleibe für die Nacht bieten. Im Nachbarort
Untereisesheim ist man heute noch nicht so weit. Zwar denkt Schultes Karlheinz Weigelt
immer wieder mal laut über einen Hotelneubau nach, doch passiert ist
bislang nichts. Immerhin, die „Wohngruppe“, diese vertritt die
Interessen der selbständigen Möbelhändler, hat Weigelt Dampf gemacht.
Für die Geschäftsfreunde der von Frankfurt/Main übergesiedelten
Unternehmung wäre eine Hoteladresse vor Ort doch sehr wünschenswert,
ließen Vertreter der Firma durchblicken.
Montag, 17. Februar 2014
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