„Seien
Sie doch still. Wenn Sie den Mund aufmachen, schwätzen Sie nur Scheiß, wie die
ganze Ecke dahinten. Keine Ahnung haben, nur immer Mist daherreden.“ - Harte
Worte. Beleidigende Worte. In diesem
Wortlaut sollen sie im Fleiner Gemeinderat gefallen sein. Sagt eine Rätin.
der Bürgermeister will davon nichts gehört haben. Und auch jener Rat, dem die
Worte angeblich im Zorn entschlüpft sind, will sie nie und nimmer von sich
gegeben haben. Und deshalb wollte der Rat seine Kollegin per Gerichtsbeschluß
zwingen, daß sie nimmer wiederholt, er habe solches ihr gegenüber verlauten
lassen. Die Rätin hatte die sie
beleidigenden Sätzchen nämlich schriftlich dem Bürgermeister mitgeteilt.
Das Amtsgericht Heilbronn wollte sich letzte Woche nicht vor den
Streithansel-Karren spannen lassen. Denn selbst wenn die Rätin ihre Worte dem
Bürgermeister gegenüber widerrufen hätte - der angerichtete Schaden wäre
geblieben. Ein gefundenes Fressen für das Sommerloch, in dem ja zur Zeit viele
Medien stecken. Wie wärs mit einem schönen Sommer-Blumenstrauß für die
Ratskollegin - Herr Rat? Nach dem altbekannten Motto: Laßt Blumen sprechen.
Aber wie ich höre, diskutiert zur Zeit der Fleiner Rat, ob der Streit geschadet
habe oder nicht. Schilda, ick hör dir trapsen.
THG
- was ist los
Das
Renommier-Gymnasium Heilbronns steckt in einer Krise. Kurz vor Schuljahresende
hat der Direktor des humanistischen Gymnasiums in der karlstraße seinen Hut in
den Ring geworfen. Jan Christiansen, 48
Jahre alt, hat beim Oberschulamt in Stuttgart darum gebeten, von seinem Amt
als Leiter des Theodor-Heuss-Gymnasiums entbunden zu werden. Nach drei Jahren
Amtszeit ist dem geradlinigen und äußerst korrekten Schulleiter offenbar der
Streit mit dem Personalrat und seinem Vorsitzenden
Dr. Erhard Jöst (47), im Nebenberuf Kabarettist und streitbarer
Leserbriefschreiber, entschieden zu weit gegangen. Schulintern sei die
Problematik nicht mehr zu lösen, ist aus dem THG zu hören. Die Angriffe von Dr.
Jöst und dem Personalrat hätten die massiven Spannungen mit dem Schulleiter so
eskalieren lassen, daß keine andere Lösung mehr möglich scheint. Elternbeirat
und große Teile des Lehrerkollegiums stehen hinter THG-Direktor Christiansen.
Die Frage lautet nun: Wer steht noch hinter dem THG-Personalrat? Denn die
„unterschiedlichen Dienstauffassungen“ und die „unsachlichen Angriffe des Dr.
Erhard Jöst gegen den Direktor“ haben offenbar das Schulamt dazu veranlaßt, mit
hoher Wahrscheinlichkeit dem Antrag des Direktors zuzustimmen. Wobei man in der
Schullandschaft und darüber hinaus weiß: Erhard
Jöst ist kein unbeschriebenes Blatt.
Er soll schon manchen Ministerialen in Stuttgart mit seinen Aktionen in
der Vergangenheit an den Rand der Verzweiflung gebracht haben. Was aber nun die
auslösenden Faktoren für den unheilbaren Streit sind, das bleibt bisher im
THG-Dunkel. Vielleicht klärt der ansonsten sehr mitteilungsfreudige Dr. Jöst
die prekäre Lage an seiner Schule demnächst - öffentlich.
Neuenstadt am Kocher
Die
Verantwortlichen der Neuenstädter
Freilichtbühne im Burggraben können sich nach dem Ende der Spielzeit 1995
am vergangenen Wochenende zufrieden zurücklehnen. Haben sie und ihre muntere
Laienspielschar in diesem Jahr doch nicht nur den Kilanpreis des Heilbronner Theatervereins erhalten, sondern auch
noch Zuschauermassen ins Kocherstädtchen gelockt wie in keinem anderen Jahr. „Don Camillo und Peppone“ brachte
20.212 Menschen dazu, im 38 Spieljahr nach Neuenstadt zu pilgern. Die 24
Vorstellungen waren bis auf den letzten Platz ausverkauft. Und diese Tatsache
ist nicht zuletzt der rührigen Regisseurin Hanna
Reiners zu verdanken, die ihre Laienspieltruppe seit Jahren auf Vordermann
bringt. Jetzt denken sie und ihr Vorstand schon über die kommende Spielzeit
1996 nach. Denn nach dem alten Gesetz des Erfolgs sind die Zahlen von 1995
schon der Schnee von gestern. Es gilt ein Stück zu finden, das den Zuschauern
genauso behagt wie jenes vom streitbaren Priester und kommunistischen
Bürgermeister aus der Nachkriegszeit Italiens - irgendwo in der
norditaliensichen Po-Ebene. Aber wie ich die Neuenstädter kenne, haben sie ein
Händchen für populäre Stoffe. Nur einmal, da hatten sie sich am Kleist‘schen
„Käthchen von Heilbronn“ versucht. Und das war ein grausamer Fehlgriff gewesen,
der aber schon lange verschmerzt ist. Also dann: Toi, toi, toi für 1996.
Tand,
Tand - aber versichert
Ein
gemütlicher Samstagnachmittag - so dachte ich mir - wird das werden. Das Wetter
am Vormittag: sonnig, ein wenig schwül, aber insgesamt gesehen angenehm. Bis
kurz vor drei Uhr. Da wurde es auf
einmal so dunkel wie es in dieser Jahreszeit grad so um zehn Uhr in der Nacht
bei uns ist. Heftiger Sturm kam übers Land, Regen schüttete es gleich
kübelweise vom Himmel. Und die lokalen Rundfunkmoderatoren überschlugen sich in
der Beschreibung als sei der
Weltuntergang nahe. Aber ganz so schlimm war‘s in Heilbronn nicht. Wegen
kurzzeitiger Überflutung wurden ein paar Straßen gesperrt. An die 120 Keller
mußten von der Feuerwehr ausgepumpt werden. Viel schlimmer traf es da die Menschen
im Landkreis. Hagelkörner, Kugeln muß man da schon sagen, mit einem Durchmesser
bis zu sieben Zentimetern durchschlugen Dächer, Autoscheiben und
-schiebedächer, Fenster und Rolläden, legten Felder flach und zerstörten
Weinreben. Ertragseinbuße bei den
Unterländer Wengertern: 30 bis 80 Prozent schätzt der Weinbaupräsident Hermann
Hohl. Ein Unwetter, das auch die Festles-Freudigen arg zauste. Und
komischerweise: In Heilbronn sah und hörte ich nichts von einem Hagelschauer.
So unterschiedlich kann das Wetter auf kurze Distanz verrückt spielen. Das
erinnert mich immer an Theodor Fontanes Vers: Tand, Tand ist das Gebilde von
Menschenhand. Aber gottseidsank sind wir Deutschen ein Volk der
Versicherten.
Durchmarschiert
Vor
wenigen Wochen noch gabs vier Kandidaten bei den Sozialdemokraten im Ländle für
das Amt des Ministerpräsidenten.
Stärkster Konkurrent für den Heilbronner SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Dieter
Spöri war Ulrich Maurer, der SPD-Landesvorsitzende. Ein mächtiger Mann,
denn er ist auch Fraktionschef im Stuttgarter Landtag und war im Schattenkabinett von Rudolf Scharping
bei der letzten Bundestagswahl als
Innenminister angetreten. In der Stuttgarter Großen Koalition hat er
sich vor allem in den letzten Tagen als Mann der harten Worte beim Streit mit
der CDU hervorgetan. Aber der Dieter Spöri hat den Uli Maurer und die beiden
anderen Möchtegern-Kandidaten geschickt in die Ecke monövriert, sodaß diese nur
noch kleinlaut ihr Ja-Wort zum Spöri-Spitzenamt für die Wahl im
SPD-Landesvorstand geben konnten. Offiziell wird ja der erste Mann bei den
Genossen erst im Herbst gekürt. Aber schon heute steht fest: Ohne Mitgliederbefragung wird ein Parteitag
Dieter Spöri aufs Schild heben. Und seine Chancen stehen nicht schlecht, nach dem 24. März 1996 Ministerpräsident
des Landes Baden Württemberg zu werden. Grüne und Sozis hätten ein Mehrheit
im Stuttgarter Landtag, fielen FDP und Reps unter die Fünf-Prozent-Marke. Aber
bis dahin muß noch heftig gerackert werden. Denn schon mancher ist als Adler
gestartet und als Suppenhuhn gelandet.
Bio
und Schimmel
Wo
hab ich es nicht überall gelesen. Das mit den Gelben Säcken und den
Biomülltonnen - das ist eben nicht das Gelbe vom Ei. Ist ja auch klar. Da steht
das Müllzeug oft mehr als vierzehn Tage herum und modert in den Säcken vor sich
hin. Und unsere normalen Mülltonnen brüten jetzt in der Sommerhitze auch eine
Woche so in sonniger Landschaft so manches aus. Das freut die Pilze, Sporen, Bakterien und all die anderen nützlichen
Durchdringer des Mülls ungemein. Daß diese Handhabung der Müllverwertung
nicht unbedingt für den Menschen gesundheitsfördernd ist, das weiß man doch
spätestens nach dem Schulanfang - ob nun mit Hauptschul-, Realschul- oder
Gymnasialreifezeugnis. Schwere Düfte und Gifte wabern durch die Luft. Die Allergiker,
jeder zehnte Deutsche soll schon einer sein, werden dank dieser Praxis nahezu
mit Giftstoffen bombardiert. Da bleibt uns wohl nicht anderes übrig als unseren
Hausmüll brav in Plastiksäcke einzuschnüren ehe wir ihn in die Tonne werfen.
Guter Ratschlag: den Kompostabfall im Sommer wenigsten mit Papier zu
durchmengen. Das hemme die üblen Düfte - sagen die Experten. Und wer den Müll
für den Gelben Sack nicht auswaschen will (und damit teures Abwasser spart),
der wirft ihn auch in den Hausmüll. Denn der wird ja schneller entsorgt als der
Gelbe Müll.
Schuljahresende
Nächste
Woche kann der Schulranzen in die Ecke geworfen werden. Die Ferien beginnen.
Aber nicht für alle Schüler ist diese Zeit Anlaß zur Freude. Es naht für so
manchen die Stunde der Wahrheit. Der Vermerk „Nicht versetzt“ im Jahreszeugnis
ist dann für den betroffenen Schüler und seine Eltern oft ein Problem, das den
Familienfrieden erheblich stört. Und von unbeschwerten Sommerferien ist dann
zumeist auch keine Rede mehr. Ach, werden viele jetzt sagen, das betrifft doch
nur wenige. Die Frage ist nur, wieviele Wenige sind das? In Baden Württemberg, so schätzt die Aktion Humane Schule, bleiben in
diesem Jahr immerhin rund 25.000 Schüler an allgemeinbildenden schulen sitzen.
Das Oberschulamt setzt dagegen, das diese Zahl mit rund drei Prozent
„erfreulich gering“ ausfallen würde. Aber man nimmt die Zahl nicht auf die
leichte Schulter. Denn man weiß bei der Schulbehörde, daß so mancher Schüler
aufgrund seiner schlechten Noten selbstmordgefährdet ist. Deshalb raten die
Schul-Psychologen: die Gefühle der nichtversetzten Kinder und Jugendlichen
ernst nehmen; sachlich mit ihnen über das Zustandekommen der Noten sprechen.
Denn Trost und Ermutigung würden bei schulischem Mißerfolg mehr als Strafen
helfen. Das Schlimmste jedoch ist, wenn ein Sitzengebliebener zur Ansicht
gelangt, daß er als Mensch nichts wert ist - da er ja im Zeugnis schlecht
beurteilt wurde. Eine Ansicht, die in einer rein auf Leistung ausgerichteten
Gesellschaft durchaus konform ist. Ich meine: Aus Fehlern lernen, ist der beste
Weg zum Erfolg. Und dazu gehört auch, daß gelegentlich mal die Schule
gewechselt werden muß. Die Begabungen sind eben verschieden verteilt.
Nonverbal
Da
haben sich doch einige Psychologen - oder waren es Psychiater - was ganz
besonderes ausgedacht. Per Anzeige suchten sie Interessenten für einen
Arbeitskreis oder eine Arbeitsgruppe
„Nonverbale Kommunikation“. Und es meldeten sich fleißig einige, die sehr
interessiert waren. Auch ich habe mich gefragt, was das denn sei - die
nonverbale Kommunikation. Wenn ich mit Ihnen, meinen Lesern kommuniziere, dann
geht das ohne gesprochene Worte ab. Halt mit gedruckten Worten. Und wenn Sie
mich hier oben auf meinem Turm betrachten, dann schauen Sie halt von unten hoch
- und denken sich Ihren teil. Ist dieses Denken jetzt schon Nonverbal? Wir
denken ja eigentlich in Worten, in ganzen Sätzen - selbst im Traum haben wir
unsere Sprache noch beisammen. Manche Sprachbegabten träumen französisch oder
englisch. Sie kommunizieren mit sich selbst noch in Worten. Und selbst wenn wir
uns nur anschauen oder betasten - wie da heute ja „in“ ist in so mancher Gruppe
- dann geht in den Köpfen nichts Nonverbales vor sich, sondern eben
unausgesprochen laufen da ganze Romane ab, die man sich später erzählt. In der
Gruppe - oder auch woanders. Trotz meines versteinerten Maules: Ich glaube die Herren Seelendoctores haben
sich da einen derben Scherz mit zarten
Seelchen erlaubt - mit ihrer „Nonverbalen Kommunikation“.

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