Montag, 17. Februar 2014

Kiliansmännle, 14.06.1995



Drogen - und kein Ende
Im Jahre 1988 war im Ländle Landtagswahl. Sie erinnern sich? Damals trat ein bekannter CDU-Politiker, auch „Stier vom Kraichgau“ genannt, im Unterland als schwarzer Kandidat zurück, weil Kripo und Staatsanwalt ermittelten. Haschisch-Zigaretten spielten in diesem Verfahren eine nicht geringe Rolle, die er in einer Bar an der Bergstraße geraucht haben soll. Später mußte der Politiker einen Strafbefehl in fünfstelliger Höhe bezahlen. Was er auch prompt tat. Recht und Ordnung lauteten seine Parolen im Wahlkampf. Sein Tun und Handeln standen dazu offensichtlich im Widerspruch. Die Öffentlichkeit und seine Partei drängten zum Rücktritt. Eine völlig andere Lage als jetzt beim „Radelrutsch-Drogen-Skandal“. Denn Schauspieler sind keine Politiker. Vor allem sind sie keine Personen des öffentlichen Lebens, wenn sie als freie Mitarbeiter bei einer Truppe beschäftigt sind, die mit Kindertheater tingelt. Es stellt sich also die Frage, ob ein privater Konsum von Haschisch-Zigaretten an die Öffentlichkeit gehört. Der Radelrutsch-Fall ist eine Angelegenheit, bei der bisher nichts bewiesen ist, sondern zur Zeit ermittelt wird. Und falls Haschisch geraucht wurde, muß ich mich fragen: Wem haben die Schauspieler geschadet? Sich selbst und dem Ruf des Kindertheaters Radelrutsch - sicherlich. Kindertheaterchef Bernhard Wilbs hat ja auch harte Konsequenzen für den Fall des tatsächlichen Drogenkonsums angekündigt. Wie lauten aber die Konsequenzen, wenn in Luxemburg nichts geschehen ist?

Radio-Erfolg
Zwei Radio-Stationen haben wir bei uns in der Region Franken: das Frankenradio S 4 des Süddeutschen Rundfunks und den Privat-Hörfunksender Radio TON-Regional, der seinen Sitz im Hochhaus der Heilbronner Stimme hat. Wenn es darum geht, wieviele Hörer der einzelne Sender aufweisen kann, dann sind Umfragen durch renommierte Meinungsforscher angesagt. Die neuesten Daten einer Medien-Untersuchung geben dem Heilbronner Privatsender gute Daten, ließ sein Geschäftsführer Edwin Ferring jetzt verlauten. „Radio TON-Regional ist unter den privaten Anbietern in seinem Sendegebiet die Nummer eins.“, konnte ich hier auf meinem Turm lesen. Das Institut Infratest habe die Zahlen ermittelt. 50 000 Hörer pro Stunde von 6 bis 18 Uhr - und täglich 191 000 Hörer. Das fragt sich der aufmerksame Hörer und Leser: Wie sieht denn nun mit den anderen Sendern in der Region aus? Denn zu hören sind neben dem Frankenradio und den anderen drei Programmen des Südfunks, auch noch der Südwestfunk, Bayrischer und Hessischer Rundfunk. Hinzu kommen die privaten Sender Antenne 1 Stuttgart, Regenbogen, Welle Fidelitas und RNO. Nummer eins unter den Privaten im Sendegebiet - das ist eine Sache. Wer aber ist unter allen Hörfunk-Anbietern die tatsächliche Nummer eins?

Ellen Schwiers
Am letzten Sonntag vor 65 Jahren wurde sie geboren: Ellen Schwiers. Und der Region ist sie durch ihr Engagement bei den Burgfestspielen in Jagsthausen verbunden. Dort spielte sie vielumjubelt einst die Adelheid im „Götz von Berlichingen“ und die Katharina in Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“. Aber nicht nur als Schauspielerin drückte  sie dem Freilichttheater im lieblichen Jagsttal ihren Stempel auf. 1972 führte sie erstmals im Burghof in der Komödie „Was Ihr wollt“ Regie. Und von 1984 an war sie mit wenigen Unterbrechungen bis ins letzte Jahr hinein auch die künstlerische Leiterin der Götzfestspiele. Sie machte die Burgfestspiele in den Jahren ihrer „Intendanz“ zu dem, was sie heute sind. Mit neunzehn Jahren hatte sie ihre Karriere am Theater in Konstanz begonnen. Der deutsche Film in den fünfziger und sechziger Jahren ließ die Schauspielerin, deren Erscheinung zwischen Erdnähe und Exotik schwankte, in mehr als vierzig Filmen zur Geltung kommen. Heute zehrt sie immer noch von der Prominenz aus jenen Tagen - vor allem mit ihrem Tourneetheater, das sie 1982 zusammen mit ihrem Mann Peter Jacob gegründet hatte. Und auch in diesem Jahr wird sie wahrscheinlich wieder in Jagsthausen beim Götz - diesmal als Zuschauerin - dabei sein. Vom Starnberger See, ihrem Domizil, muß Ellen Schwiers aufbrechen, um zu sehen, was ihr Nachfolger aus dem Traditionsstück im Burghof hat zaubern lassen.

Hohes Gras
Heilbronn ist eine grüne Stadt. Bäume allüberall - Sträucher an den Straßenrändern. Und so manche Fußweg-Begrenzung zur Straße hin ist mit wucherndem Gras bewachsen. Es grünt halt so grün - wenn nicht gemäht wird. Wenn ich mit scharfem Blick von meinem Turm herabschaue, dann kann ich die Kleinwiesen an vielen Straßenrändern oder Mittelstreifen erspähen. Ist ja auch schön anzuschauen, wenn Margeriten und Klatschmohn blühen. Und die Gärtner der Stadt Heilbronn haben eh schon zuviel zu tun. Denn die Grünflächen im Stadtgebiet sind heuer um 35 Hektar in die Höhe geschnellt. Jetzt müssen von den armen und geplagten Gärtnern  insgesamt rund 324 Hektar gepflegt werden. Und das alles mit einem Personalbestand von 121 Mitarbeitern. Gleich viele im letzten Jahr schon. Wenn sich jetzt so mancher Bürger über die „kleinen Urwälder“ an Heilbronns Straßenrändern aufregt, dann ist für die Beamten der Stadt klar, wer an dem Übel Schuld trägt: Der Gemeinderat. Denn die Damen und Herren Stadträte haben eine Wiederbesetzungssperre und einen dreiprozentigen Stellenabbau beschlossen. Diese politischen Festlegungen zeigen jetzt ihre Wirkung. Und mit einem Haushalt von 2,1 Millionen fürs Grünflächenamt können auch keine allzugroßen Sprünge veranstaltet werden, zumal 400 000 Mark pro Jahr allein für die Abfallbeseitigung von wild abgelagertem Müll verwandt werden müssen. Naja - ich habe noch nie einen Beamten gesehen oder gehört, der um Begründungen für sein Tun oder Nichttun verlegen gewesen wäre.

Frühling - Sommer
Der Mai sei eindeutig zu naß gewesen - sagen die Wetterfrösche. Und der Juni?  Der scheint nicht viel besser zu sein. Jetzt in der Mitte des Monats, in wenigen Tagen ist Sommeranfang, da  könnte ich hier auf meinem Turm meinen, es sei noch immer April. Kalt isch, naß isch - ond iberhaubt net schö! Aber zum Wochenend, da solls besser werden. Sagen die Meteorologen. Jene, die von Berufs wegen das Wetter für uns beobachten und voraussagen. Aber denen Glauben zu schenken, das ist oftmals so als ob man den Börsianern vertraut, wenn es um die Voraussage bei der Entwicklung der Aktienkurse geht. Erstens kommts anders - zweitens als man denkt. Da beneide ich doch all jene, die jetzt im sonnigen Süden ihren Sommer- oder Frühlings-Urlaub verbringen. So rund ums Mittelmeer oder auf den Kanaren. Am liebsten würd ich auch meine Lanze samt Koffer packen - und ab in den sonnigen Süden. Aber ich bin halt hier oben fest verankert - heimatverbunden sozusagen.

Teure Rathäuser
Oh - welchen Streit gabs doch um das Technische Rathaus in Heilbronn. Vor allem weil es so teuer geworden war. Und die Innenausstattung erst! Da ging die herbe Kritik sogar bis zu den supereleganten und -teuren Steckdosen-Leisten. Aber wie es heute scheint - das ist der Schnee vom vergangenen Jahr. Hinter hohen Gräsern versteckt fällt der Prachtbau im Innenstadtbereich überhaupt nicht mehr ins Blickfeld. Ein zehntel nur der Heilbronner Kosten dagegen wurde für das Gemminger Rathaus aufgewandt. Die Sanierung des Komplexes „Altes Rathaus“ schlug mit nur drei Millionen zu Buche. Ein Prunkstück in neugotischem Stil, berichteten Spötter. Und insgesamt kostete der Umbau die Gemeinde Gemmingen rund 7,8 Millionen Mark - für zwei Häuser und den Rathausplatz. Die Wellen schlagen derzeit hoch in Gemmingen. Denn sicher ist: in Zeiten der knappen Kassen haften solchen Bauten keine Popularität an. Dabei ist sich Bürgermeister Werner Reiner sicher, daß er all seine Hausaufgaben erledigt hat und die Gemeinde sich darob das kostspielige Bauvorhaben leisten konnte. Übrigens Wetterhahn und Rathausuhr haben jetzt ihren Platz im Foyer des Verwaltungsbaus. Der Gemminger Hahn hats gut: Immer angenehme Temperatur und keine heftigen Winde. Außer jene, die im Gebäude selbst verursacht werden.


Minka ist los
Dreizehn Jahre ist sie schon alt, die Gepardin namens Minka aus Heilbronn. Überregionale Schlagzeilen verursachte sie in den letzten Wochen, weil sie kurzzeitig das Weite gesucht hatte. Mitten im Heilbronner Villenviertel in der Guttenbergstraße verließ sie ihre Heimstatt und schlug sich 200 Meter weiter in die Büsche. Ihr Herrchen, der 54 jährige Heilbronner Hotelier Hans-Peter Gaupp, meint jedoch daß sein Haustier „harmlos“ sei. Trotzdem rauschten vier Polizei-Streifenwagen an, um die wilde Katze mittels eines Hundesfanggerätes einzufangen. Nutzte aber nicht viel. Nach diesem kläglichen Versuch erschien Raubtier-Besitzer Gaupp als geübter Dompteur auf der Bildfläche, hielt ein Stück rohes Fleisch in die Gartenlandschaft - und schon saß Minka wieder auf Herrchens Schoß. Um das edle Tier in Heilbronn überhaupt halten zu können, benötigte der gelernte Metzger Gaupp eine Genehmigung des Regierungspräsidiums Stuttgart. Und um diesen Erlaubnisschein ordnungsgemäß zu erhalten, brauchte es ein Gutachten. Kein geringerer als der Fernseh-Zoologe Professsor Bernhard Grzimek hat das tierische Gutachten für die Heilbronner Gepardin Minka einst geschrieben. Welch edle Wesen hausen doch in Heilbronns Mauern.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen