Drogen - und kein Ende
Im Jahre 1988 war im Ländle
Landtagswahl. Sie erinnern sich? Damals trat ein bekannter CDU-Politiker, auch
„Stier vom Kraichgau“ genannt, im Unterland als schwarzer Kandidat zurück, weil
Kripo und Staatsanwalt ermittelten. Haschisch-Zigaretten spielten in diesem
Verfahren eine nicht geringe Rolle, die er in einer Bar an der Bergstraße
geraucht haben soll. Später mußte der Politiker einen Strafbefehl in
fünfstelliger Höhe bezahlen. Was er auch prompt tat. Recht und Ordnung lauteten
seine Parolen im Wahlkampf. Sein Tun und Handeln standen dazu offensichtlich im
Widerspruch. Die Öffentlichkeit und seine Partei drängten zum Rücktritt. Eine
völlig andere Lage als jetzt beim „Radelrutsch-Drogen-Skandal“.
Denn Schauspieler sind keine Politiker. Vor allem sind sie keine Personen des
öffentlichen Lebens, wenn sie als freie Mitarbeiter bei einer Truppe
beschäftigt sind, die mit Kindertheater tingelt. Es stellt sich also die Frage,
ob ein privater Konsum von Haschisch-Zigaretten an die Öffentlichkeit gehört.
Der Radelrutsch-Fall ist eine Angelegenheit, bei der bisher nichts bewiesen
ist, sondern zur Zeit ermittelt wird. Und falls Haschisch geraucht wurde, muß
ich mich fragen: Wem haben die Schauspieler geschadet? Sich selbst und dem Ruf
des Kindertheaters Radelrutsch - sicherlich. Kindertheaterchef Bernhard Wilbs hat ja auch harte Konsequenzen für
den Fall des tatsächlichen Drogenkonsums angekündigt. Wie lauten aber die
Konsequenzen, wenn in Luxemburg nichts geschehen ist?
Radio-Erfolg
Zwei Radio-Stationen haben wir bei uns
in der Region Franken: das Frankenradio
S 4 des Süddeutschen Rundfunks und den Privat-Hörfunksender Radio TON-Regional, der seinen Sitz im
Hochhaus der Heilbronner Stimme hat. Wenn es darum geht, wieviele Hörer der
einzelne Sender aufweisen kann, dann sind Umfragen durch renommierte
Meinungsforscher angesagt. Die neuesten Daten einer Medien-Untersuchung geben
dem Heilbronner Privatsender gute Daten, ließ sein Geschäftsführer Edwin Ferring jetzt verlauten. „Radio TON-Regional
ist unter den privaten Anbietern in
seinem Sendegebiet die Nummer eins.“, konnte ich hier auf meinem Turm
lesen. Das Institut Infratest habe
die Zahlen ermittelt. 50 000 Hörer pro Stunde von 6 bis 18 Uhr - und täglich
191 000 Hörer. Das fragt sich der aufmerksame Hörer und Leser: Wie sieht denn
nun mit den anderen Sendern in der Region aus? Denn zu hören sind neben dem
Frankenradio und den anderen drei Programmen des Südfunks, auch noch der
Südwestfunk, Bayrischer und Hessischer Rundfunk. Hinzu kommen die privaten
Sender Antenne 1 Stuttgart, Regenbogen, Welle Fidelitas und RNO. Nummer eins
unter den Privaten im Sendegebiet - das ist eine Sache. Wer aber ist unter allen Hörfunk-Anbietern die tatsächliche Nummer
eins?
Ellen Schwiers
Am letzten Sonntag vor 65 Jahren wurde
sie geboren: Ellen Schwiers. Und der Region ist sie durch ihr Engagement bei
den Burgfestspielen in Jagsthausen
verbunden. Dort spielte sie vielumjubelt einst die Adelheid im „Götz von
Berlichingen“ und die Katharina in Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“.
Aber nicht nur als Schauspielerin drückte
sie dem Freilichttheater im lieblichen Jagsttal ihren Stempel auf. 1972
führte sie erstmals im Burghof in der Komödie „Was Ihr wollt“ Regie. Und von
1984 an war sie mit wenigen Unterbrechungen bis ins letzte Jahr hinein auch die
künstlerische Leiterin der
Götzfestspiele. Sie machte die Burgfestspiele in den Jahren ihrer
„Intendanz“ zu dem, was sie heute sind. Mit neunzehn Jahren hatte sie ihre
Karriere am Theater in Konstanz begonnen. Der deutsche Film in den fünfziger und
sechziger Jahren ließ die Schauspielerin, deren Erscheinung zwischen Erdnähe
und Exotik schwankte, in mehr als vierzig Filmen zur Geltung kommen. Heute
zehrt sie immer noch von der Prominenz aus jenen Tagen - vor allem mit ihrem
Tourneetheater, das sie 1982 zusammen mit ihrem Mann Peter Jacob gegründet hatte. Und auch in diesem Jahr wird sie
wahrscheinlich wieder in Jagsthausen beim Götz - diesmal als Zuschauerin -
dabei sein. Vom Starnberger See, ihrem Domizil, muß Ellen Schwiers aufbrechen,
um zu sehen, was ihr Nachfolger aus dem Traditionsstück im Burghof hat zaubern
lassen.
Hohes Gras
Heilbronn ist eine grüne Stadt. Bäume
allüberall - Sträucher an den Straßenrändern. Und so manche Fußweg-Begrenzung
zur Straße hin ist mit wucherndem Gras bewachsen. Es grünt halt so grün - wenn
nicht gemäht wird. Wenn ich mit scharfem Blick von meinem Turm herabschaue,
dann kann ich die Kleinwiesen an vielen
Straßenrändern oder Mittelstreifen erspähen. Ist ja auch schön anzuschauen,
wenn Margeriten und Klatschmohn blühen. Und die Gärtner der Stadt Heilbronn
haben eh schon zuviel zu tun. Denn die Grünflächen im Stadtgebiet sind heuer um
35 Hektar in die Höhe geschnellt. Jetzt müssen von den armen und geplagten
Gärtnern insgesamt rund 324 Hektar
gepflegt werden. Und das alles mit einem Personalbestand von 121 Mitarbeitern.
Gleich viele im letzten Jahr schon. Wenn sich jetzt so mancher Bürger über die
„kleinen Urwälder“ an Heilbronns Straßenrändern aufregt, dann ist für die
Beamten der Stadt klar, wer an dem Übel Schuld trägt: Der Gemeinderat. Denn die
Damen und Herren Stadträte haben eine Wiederbesetzungssperre und einen
dreiprozentigen Stellenabbau beschlossen. Diese politischen Festlegungen zeigen
jetzt ihre Wirkung. Und mit einem Haushalt von 2,1 Millionen fürs Grünflächenamt
können auch keine allzugroßen Sprünge veranstaltet werden, zumal 400 000 Mark
pro Jahr allein für die Abfallbeseitigung von wild abgelagertem Müll verwandt
werden müssen. Naja - ich habe noch nie einen Beamten gesehen oder gehört, der
um Begründungen für sein Tun oder Nichttun verlegen gewesen wäre.
Frühling - Sommer
Der Mai sei eindeutig zu naß gewesen -
sagen die Wetterfrösche. Und der Juni?
Der scheint nicht viel besser zu sein. Jetzt in der Mitte des Monats, in
wenigen Tagen ist Sommeranfang, da könnte ich hier auf meinem Turm meinen, es sei
noch immer April. Kalt isch, naß isch -
ond iberhaubt net schö! Aber zum Wochenend, da solls besser werden. Sagen
die Meteorologen. Jene, die von Berufs wegen das Wetter für uns beobachten und
voraussagen. Aber denen Glauben zu schenken, das ist oftmals so als ob man den
Börsianern vertraut, wenn es um die Voraussage bei der Entwicklung der
Aktienkurse geht. Erstens kommts anders - zweitens als man denkt. Da beneide
ich doch all jene, die jetzt im sonnigen Süden ihren Sommer- oder
Frühlings-Urlaub verbringen. So rund ums Mittelmeer oder auf den Kanaren. Am
liebsten würd ich auch meine Lanze samt Koffer packen - und ab in den sonnigen
Süden. Aber ich bin halt hier oben fest verankert - heimatverbunden sozusagen.
Teure Rathäuser
Oh - welchen Streit gabs doch um das
Technische Rathaus in Heilbronn. Vor allem weil es so teuer geworden war. Und
die Innenausstattung erst! Da ging die herbe Kritik sogar bis zu den
supereleganten und -teuren Steckdosen-Leisten. Aber wie es heute scheint - das
ist der Schnee vom vergangenen Jahr. Hinter hohen Gräsern versteckt fällt der
Prachtbau im Innenstadtbereich überhaupt nicht mehr ins Blickfeld. Ein zehntel
nur der Heilbronner Kosten dagegen wurde für das Gemminger Rathaus aufgewandt.
Die Sanierung des Komplexes „Altes Rathaus“ schlug mit nur drei Millionen zu
Buche. Ein Prunkstück in neugotischem
Stil, berichteten Spötter. Und insgesamt kostete der Umbau die Gemeinde Gemmingen rund 7,8 Millionen Mark - für
zwei Häuser und den Rathausplatz. Die Wellen schlagen derzeit hoch in
Gemmingen. Denn sicher ist: in Zeiten der knappen Kassen haften solchen Bauten
keine Popularität an. Dabei ist sich Bürgermeister
Werner Reiner sicher, daß er all seine Hausaufgaben erledigt hat und die
Gemeinde sich darob das kostspielige Bauvorhaben leisten konnte. Übrigens
Wetterhahn und Rathausuhr haben jetzt ihren Platz im Foyer des Verwaltungsbaus.
Der Gemminger Hahn hats gut: Immer angenehme Temperatur und keine heftigen
Winde. Außer jene, die im Gebäude selbst verursacht werden.
Minka ist los
Dreizehn Jahre ist sie schon alt, die
Gepardin namens Minka aus Heilbronn. Überregionale Schlagzeilen verursachte sie
in den letzten Wochen, weil sie kurzzeitig das Weite gesucht hatte. Mitten im
Heilbronner Villenviertel in der Guttenbergstraße verließ sie ihre Heimstatt
und schlug sich 200 Meter weiter in die Büsche. Ihr Herrchen, der 54 jährige Heilbronner Hotelier Hans-Peter Gaupp,
meint jedoch daß sein Haustier „harmlos“ sei. Trotzdem rauschten vier
Polizei-Streifenwagen an, um die wilde Katze mittels eines Hundesfanggerätes
einzufangen. Nutzte aber nicht viel. Nach diesem kläglichen Versuch erschien
Raubtier-Besitzer Gaupp als geübter Dompteur auf der Bildfläche, hielt ein
Stück rohes Fleisch in die Gartenlandschaft - und schon saß Minka wieder auf
Herrchens Schoß. Um das edle Tier in Heilbronn überhaupt halten zu können,
benötigte der gelernte Metzger Gaupp eine Genehmigung des Regierungspräsidiums
Stuttgart. Und um diesen Erlaubnisschein ordnungsgemäß zu erhalten, brauchte es
ein Gutachten. Kein geringerer als der Fernseh-Zoologe Professsor Bernhard Grzimek hat das tierische Gutachten für die
Heilbronner Gepardin Minka einst geschrieben. Welch edle Wesen hausen doch in
Heilbronns Mauern.

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