Das Konjunkturbarometer zeigt für den Westen Deutschlands eine Abkühlung, aber keinen Temperatureinbruch an. So las ich dieser Tage in einem klugen Blatte. Wenige Tage später teilt die Industrie- und Handelskammer für die Region Franken mit: „Die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung im Kammerbezirk Heilbronn ist im zweiten Quartal dieses Jahres vorerst zum Stillstand gekommen. In vielen Bereichen der heimischen Wirtschaft ist die Stimmung von zunehmender Skepsis geprägt.“ Die vorsichtigen Beobachter aus der IHK wählen ihre Worte mit Bedacht. Und wenn jetzt davon gesprochen wird, daß die Unternehmen ihre Geschäftslage im Vergleich zum ersten Quartal nahezu unverändert beurteilen, dann ist vom erwarteten Aufschwung eben keine Rede mehr. Vor allem der Einzelhandel, der sich laut Kammer nun „seit über zwei Jahren auf Talfahrt“ befindet, steckt noch immer tief in der Rezession. Das Kaufverhalten ihrer Kunden schätzten die Einzelhändler laut IHK-Umfrage ähnlich schlecht wie im Vorquartal ein. Das heißt für die Kunden in diesem Sommer: Über den Schlußverkauf hinaus wird‘s noch Preisnachlässe geben. Denn die Lager sollen ja restlos geräumt werden.
Nein-Sager
Es
gibt die Nein-Sager und die Ja-Sager. Das Heilbronner Stadttheater hat mir
jetzt einen „netten“ Brief geschrieben, in dem es mich den Nein-Sagern
zuordnet. Denn pünktlich zu den Sommerferien würde ich mich in
„Stammtischpolitik üben.“. Worum es geht? Um nichts anderes als um „den Plan
der Stadt, im neuen Einkaufszentrum am
Berliner Platz eine Spielstätte für das Stadttheater mitzuplanen“. Das Theater
Heilbronn schreibt: „Wahr ist: Ein solches Einkaufszentrum wäre eine große
Chance für Heilbronn. Drei Fliegen würden mit einer Klappe geschlagen: Aus den
jetzigen Kammerspielen könnte endlich ein Kindertheater im Stadtzentrum werde -
eine bessere Kammerspielbühne für mehr Publikumsplätze könnte geschaffen
werden, die attraktiv und nicht ständig ausverkauft ist. Und trotzdem wäre
nicht mehr Personal nötig, denn der Betrieb wird ja nicht größer und alle
Bühnen liegen neben den notwendig gewordenen Werkstätten, die man vor Jahren zu
bauen versäumt hat.“ - Und dann weiß das Theater auch noch genau, was ich will:
„Keine unnötigen Mehrkosten für die Bürger, ein besseres Theaterangebot für die
Bürger und ein Kindertheater für Heilbronn: das, meint das Kiliansmännle, wäre
etwas Schlechtes. Deshalb malt es das neue Einkaufszentrum und damit eine
Aufwertung des Industriestandortes
Heilbronn so schwarz wie möglich - und den Theaterintendanten gleich
mit! Wie gut, daß das Kiliansmännle auf seinem Turm so weit vom Schuß und von
journalistischer Sorgfaltspflicht so weit entfernt ist.“ - Sorgfalt heißt im Schwäbischen in erster Linie, sei Sach zusammehalte.
Und das bedeutet: Wenn man Schulden hat wie unsere Kommune, sollte man sich
keine neuen Kosten aufbürden. Auch keine kulturellen.
Nonverbal
Da
haben sich doch einige Psychologen - oder waren es Psychiater - was ganz
besonderes ausgedacht. Per Anzeige suchten sie Interessenten für einen
Arbeitskreis oder eine Arbeitsgruppe „Nonverbale Kommunikation“. Und es
meldeten sich fleißig einige, die sehr interessiert waren. Auch ich habe mich
gefragt, was das denn sei - die nonverbale Kommunikation. Wenn ich mit Ihnen,
meinen Lesern kommuniziere, dann geht das ohne gesprochene Worte ab. Halt mit
gedruckten Worten. Und wenn Sie mich hier oben auf meinem Turm betrachten, dann
schauen Sie halt von unten hoch - und denken sich Ihren Teil. Ist dieses Denken
jetzt schon Nonverbal? Wir denken ja
eigentlich in Worten, in ganzen Sätzen - selbst im Traum haben wir unsere
Sprache noch beisammen. Manche Sprachbegabten träumen dann französisch oder
englisch. Sie kommunizieren mit sich selbst auch in Worten. Und selbst wenn wir
uns nur anschauen oder betasten - wie das heute ja „in“ ist in so mancher
Gruppierung, dann geht in den Köpfen nichts Nonverbales vor sich, sondern eben
unausgesprochen laufen da ganze Romane ab, die man sich vielleicht später
erzählt. In der Gruppe - oder auch woanders. Trotz meines versteinerten Maules:
Ich glaube die Herren Seelendoctores aus dem Unterland haben sich da einen
derben Scherz mit zarten Seelchen
erlaubt - mit ihrer „Nonverbalen Kommunikation“. Oder wie? Oder was?
Region
- gut oder schlecht?
Das
Wirtschaftsministerium in Stuttgart sagt, der Region geht‘s gut. Denn der
Landesentwicklungsbericht sage: In der zeit von 1987 bis 1994 seien per saldo
32.000 zusätzliche Arbeitsplätze in der Region Franken geschaffen worden. Der Zuwachs mit 12,5 Prozent sei doppelt so
hoch wie im Landesdurchschnitt, der nur bei 5,7 Prozent lag. Das sind die
schönen Zahlen. Die weniger schönen Daten lieferte dieser Tage die Industrie
und Handelskammer Heilbronn: Für die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung in der
Region konstatierte sie Stillstand. Und die Handwerkskammer legte gleich nach:
Die wirtschaftliche Talsohle im Handwerk der Region ist noch nicht
durchschritten. Denn neben der saisonüblichen Belebung der Auftragsvolumen sei
in der vergangenen Monaten auch der zu erwartende Beschäftigungsaufschwung
ausgeblieben. Natürlich geht‘s uns schlecht in der baden württembergischen
Wirtschaft: Das aber auf sehr hohem Niveau. Und den Vergleich zu anderen
Ländern Europas will ich gar nicht erst ziehen. Daß die Zahlen aus dem
SPD-geführten Wirtschaftsministerium dagegen als gut interpretiert werden,
dürfte nicht verwundern. Ist der Vorwahlkampf für den März 1996 schon in vollem
Gange.
10
Tage Volksfest
Das
war schon ein besonderer Auftakt für die Festwirtin
Josefine Maier und ihren 28jährigen Sohn Karl. Selten in der vergangenen
Jahren war die Eröffnung und der Volksfesttrubel mit so guten Ergebnissen
gekrönt. Die Besucher strömten und gaben dazu auch noch verhalten aber
ausreichend Geld aus. Das Bier floß zur Freude von Cluss-Direktor Dr. Hans Wilhelm
Dietel in Strömen, ganz seinem
Motto entsprechend - frei nach Karl Valenti: „Leute, versaufts nicht Euer
ganzes Geld. Kaufts lieber Bier dafür.“ Das taten die Unterländer dann auch
gewaltig. War die letzten zehn Jahre Unterländer Volksfest der Bierverkauf
rückläufig oder stagnierte, so drehte sich der Wind jetzt beim 69. Volksfest
auf der asphaltierten Wiesn am Neckar. Nicht Radler oder Sprudel wurde gegen
den Durst geschluckt, sondern das süffige, extra für diesen Anlaß vor vierzehn
Wochen bei Cluss in Heilbronn gebraute Bier. Es schmeckt. Ich kann‘s bezeugen.
Meiner Ansicht nach sogar sehr gut. Aber das will ja nichts heißen in einem
Weinland, wo der edle Rebensaft in allen Variationen besungen wird. Und das
vermittelte auch gleich noch unser OB beim Auftakt. Ein Mann, der eine Flasche
Wein wahrscheinlich schneller und besser entkorken kann, als ein Bierfaß
anstechen. Die Blaskapelle auf der Bühne: Dieser OB ist weniger Ober-, sondern
vielmehr Bademeister. Weil er den Gerstensaft nicht die Maßkrüge, sondern durch
seine Zapfkunst auf den Bühnenboden fließen ließ. So ist das halt mit den OBs
von Weinstädten. Beim Weindorf ist er von dergleichen Peinlichkeiten befreit.
Steinige
Pisten
„Sport
ist Mord“ oder weniger vernichtend „No sports“, um mit dem ehemaligen britischen Premier Winston Churchill zu sprechen. Nichts
verstanden? Gemach, es geht um Radfahren. Viele tun es, viele treten in die
Pedale, um ein bißchen etwas für die Fitneß zu tun. Doch, Freundinnen und
Freunde unter den Pedalfräuleins und Pedalrittern, wenn euch eure Gesundheit
lieb ist, meidet die Höhen und Täler der Löwensteiner Berge. Denn auf diesen
landschaftlich sehr reizvoll gelegenen Pisten liegt immer mal wieder Schotter,
besser feinkörniger Rollsplitt. Und dann wird die sportliche Aktivität zum
Husarenritt, der für manchen Pedaleur ziemlich unsanft enden kann. Die
Verantwortlichen in den Straßenbauämtern zucken bedauernd mit den Schultern:
„Ohne Splitt läuft uns der Bitumen weg.“ Okay, dafür haben wir Radler ein
Einsehen. Aber wäre es nicht möglich den übriggebliebenen Splitt möglichst
schnell per Kehrmaschine wieder von der Straße zu holen? Und noch eine Bitte an
die Autofahrer: Bei Rollsplitt heißt es Abstand halten und nicht schneller als
Tempo 30 fahren. Daran hält sich kaum einer. Den Schaden haben wieder die
Radler. Denen spritzen die Steinchen um die Ohren. Churchill hätte wohl gesagt:
„No sports, give me a lift“. Das heißt
dann so viel wie, „kein Sport und nimm mich mit - im Auto natürlich.
Ladenschluß
- endlich weg?
Die
Spatzen pfeifen es seit langer Zeit schon von den Dächern: Das antiquierte
deutsche Ladenschlußgesetz muß fallen. Freiheit bedeutet auch, einzukaufen ohne
Zeitbeschränkung. „Wieso ist es in Deutschland so schwierig, sein Geld
loszuwerden?“, fragte ein englischer Journalist. Es liegt an der deutschen
Regelungswut. Warum überhaupt noch Begrenzungen bei Ladenschlußzeiten? Sollen
doch die Händler selber bestimmen, wann sie ihre Geschäfte öffnen, wann sie
schließen. Warum jetzt schon wieder Gesetze zu Regelung? Die großen
Handelsunternehmen werden ohnehin bei völliger Freigabe der Öffnungszeiten zu
Absprachen mit den Gewerkschaften kommen müssen. Das ist die Chance für den
Tante Emma Laden - eine Überlebenschance für die Zukunft. Und warum jetzt so schrille Töne von den Gewerkschaften? In anderen
Wirtschaftszweigen ist Schichtarbeit eine Selbstverständlichkeit, auch
Samstags- und Sonntagsarbeit. Durch neue Regelungen, möglichst überhaupt keine
bei Ladenöffnungszeiten wird die Wochenarbeitszeit für die Arbeitnehmer nicht
länger, der Verdienst nicht geringer - im Gegenteil. Wer an schlechten, überkommenen Traditionen
festhält, der verschläft die Zukunft. Wie sagte doch der Sozialist Gorbatschow:
..., den bestraft das Leben. Siehe auch Mitgliederschwund bei den
Gewerkschaften.
Zimmerhof-Ruhe
Das
kennen wir ja. Da baut jemand irgendwo auf der grünen Wiese sein Haus - in
einem neuen Wohngebiet. Die Gemeinde hat‘s ausgewiesen, um potente Kunden für die friedliche Ruhe
anzulocken. Aber irgendwo müssen auch Straßen sein, die ins Wohngebiet führen.
Und je größer das neuerschlossene Bauland dann ist, desto stärker wird der
Autoverkehr sein. Im Wohngebiet
Zimmerhof in Bad Rappenau geht es derzeit aber nicht darum, sondern um den
Ausbau der Kreisstraße K 2038. Eine Bürgerinitiative wendet sich gegen den
Ausbau - weil „alle sachlichen Argumente, sowohl auf der verkehrsplanerischen,
der ökonomischen, der administrativen als auch der ökologischen Ebene gegen
einen solchen Ausbau“ sprechen würden. Man befürchtet, daß ein erheblicher Verkehrsanteil
aus Richtung Siegelsbach in Richtung Bad Wimpfen/Heilbronn über Zimmerhof
abgeleitet würde und zu einer unangenehmen Lärmbelastung für die Bewohner des
neuen Stadtteils werden würde. Ein
ganzes Paket an Vorschlägen wurde jetzt dem Bad Rappenauer Gemeinderat übergeben - bis hin zur
„Busanbindung Zimmerhof-Heilbronn direkt und vor allem zurück!“ Und
darüberhinaus haben die Bewohner auch gleich noch etwas dazugelegt: „Klagen
über Lärmbelästigung durch laute Musik vom Golfclub-Restaurant und mangelnde
Kooperativität des Golfclubs mit den Anwohnern“. Denn: die Zimmerhöfer Bürger
haben teilweise viel Geld investiert, weil sie den Darstellungen der Stadt
glaubten, es entstehe ein Baugebiet mit hoher Wohnqualität.
Kinderfreizeit
Der
Sommer hat sich vergrünt. Es regnet - und alles, was grünt und noch blühen
will, freut sich. Rund um Heilbronn verbringen in diesem satten Grün der Wälder
Kinder ihre Freizeiten. Auf dem Gaffenberg, dem Haigern oder im AWO-Waldheim.
Wer mittags im Wald spazierengeht , der sieht die Kleinen auf den Wegen
zwischen Büschen und Bäumen herumtollen.
Aber es gibt auch einige Momente, da wird dem harmlosen Spaziergänger ganz
mulmig. Auf den Geräten des Waldlaufpfades klettern Buben und Mädchen herum.
Vor allem auf den nassen Balken besteht die Gefahr, schnell auszurutschen. und
ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn ein Kind zwei Meter herunterfällt.
Es kann wenig geschehen - aber Unglücke
sind in solchen Fällen auch nicht fern. Hinzukommen noch unsere Hundebesitzer,
die ihre Tiere auf den Waldwegen sorglos spazierenführen. Johlende, herumtollende Kinder und frei umherlaufende Hunde, da ist
auch nicht klar, was so ein Haustier aus der engen Stadtwohnung von diesen
seltsamen Waldbewohnern hält. Und die dritte Gefahr: Immer noch baumeln
mehr als vier Meter lange Äste von Bäumen neben Waldweg herunter. Fällt dieses
Ungetüm auf den Weg - und ganz zufällig ist eine Kindergruppe oder
Spaziergänger am Baum, was dann? Wer ist verantwortlich, nachdem diese
Rieseäste schon Monate lang hängend vor sich hinmodern. Die Stadt? Die
Forstverwaltung? Vielleicht will es dann niemand gewußt haben.
Teufelskreis
Ich
erinnere mich noch genau. Nachdem das Gelände beim Harmonie-Park in Heilbronn
Dealern und Süchtigen geräumt war, sollte man an den obersten Behördenstellen
der Käthchenstadt nicht von einer „offenen Drogenszene in der Käthchenstadt“
sprechen. Hätte ja auch dem Image geschadet. Aber Tatsache bleibt Tatsache. Das Unterland mit seinen geschätzten 3.000
bis 3.500 Süchtigen ist eine Drogenhochburg. Experten sagen, das käme von
den vielen Therapieplätzen rund um Heilbronn. Süchtige aus allen Teilen
Baden-Württembergs werden eingewiesen. Bekannt ist, daß viele über kurz oder
lang ihre Therapie schnell wieder abbrechen (über 90 Prozent schätzen Kenner)
und sich dann im Umfeld ihrer Therapieeinrichtung niederlassen. Und der Markt
bestimmt dann das Drogengeschehen. Ist der Konsum, die Nachfrage vorhanden,
sind die Dealer auch nicht weit. Und mit beiden - Händlern und Verbrauchern -
bildet sich dann das Umfeld mit all seinen negativen Begleiterscheinungen:
Prostitution, Diebstähle, Überfälle, etc. etc. Zentrum des Handels in Heilbronn ist zur Zeit die
nördliche City. Kaufleute und Anwohner sind schon seit längerer Zeit bei der
Stadt und der Polizei vorstellig geworden. Drogensucht,
Drogenkonsum, Drogenhandel - ein Teufelskreis, in dem Heilbronn durch verlogene
Gutmütigkeit, liberale Verdrängungspraxis in der Vergangeneheit und eine
sträfliche Wurschtigkeit gefangen scheint.

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