Dudel-Radio?
Wenn ich die
Pressemitteilungen und Verlautbarungen in der Lokalzeitung zum Thema Radio
TON-Regional lese, könnte ich den Eindruck gewinnen, künftig würde sich nichts
ändern an den Radiosendungen des ortsansässigen Privatsenders - in und um
Heilbronn herum. Doch jetzt sind ja sogar schon einige Hörerinnen und Hörer für
einen Moderator auf die Straße gegangen, dessen Country- und
Oldie-Musik-Sendung gestrichen wurde. Demonstriert wurde am Samstagabend
vor der Heilbronner Stimme, dem Noch-Sitz des Radios. Also hat sich im Programm
doch etwas geändert. Damit nicht genug, das Abendmagazin „Kompass", das
journalistischen Nachrichten-Hintergrund bot, fällt weg. Und damit auch der „Wirtschaftskompass“,
der für die Unternehmen und Gewerkschaften der Region ein Radio-Forum war. Von
der Sendezeit her um eine Stunde gekürzt wurde auch die Diskussionssendung
„Stammtisch“ - immer sonntags. Da stellt sich mir die Frage soll in Heilbronn
künftig Dudel-Radio produziert werden - Hauptsache billig?
Wer hat noch
Töne
Erwin
Teufel, unser Ministerpräsident, so ist aus Stuttgart zu hören, wünscht sich
bei der anstehenden ARD-Reform für Baden Württemberg einen Landessender.
Süddeutscher Rundfunk in Stuttgart und Südwestfunk in Baden-Baden, die zwei
zusammen sind ein wenig arg teuer geworden und nicht gerade effektiv fürs
Ländle. Aber so ist halt die baden-württembergische Rundfunkgeschichte: im
Nachkriegsdeutschland wurde die Grenze zwischen Südfunk und Südwestfunk entlang
der Autobahn Karlsruhe-Ulm gezogen. Dabei könnte ich mir gut vorstellen, daß
beim Hörfunk das Bessere den Vorrang erhält. SWF 1 ist mit seinem Programm halt
Südfunk 1, dem betulichen Spätzlessender musikalisch und vom Wort her bei
weitem überlegen. Eben flotter, schneller, genauer und angenehmer zu hören.
Und auch SWF 3 war immer schon Klassen besser als Südfunk 3 mit seiner Extrem-Musik
und seinen Moderatoren, die oft meinen, es sei besonders witzig in einen
rheinischen Dialekt zu verfallen. Von der Musik bei S 4 will ich gar nicht erst
reden. Wenn ich da mal gelandet bin, denke ich oftmals, um mich dröhnt entweder
ein Bierzelt. Einziger Trost bei S 4: die gute, regionale Berichterstattung des
Frankenradios. Aber ich schätze, auf die Reform zum Landesender kann ich lange
warten - so wie ich unsere Politiker in Stuttgart kenne.
Radio-Standort
Heilbronn
ist nach wie vor Senderstandort des Süddeutschen Rundfunks und des
Privathörfunksenders Radio TON-Regional. Wer weiß wie lange noch - bei der
einsetzenden Sparwut - sowohl bei den Öffentlich-Rechtlichen als auch den
Privaten. Dessen ungeachtet weitet das Frankenradio
des Südfunks zur Zeit seine guten Informationssendungen aus und wird auch
immer besser, dank neuer Frequenzen, in der Region empfangen. Und Radio TON-
Regional? Zur Zeit bietet dieser Sender aus Heilbronn ein ganz sanftes
Oldie-Basisprogramm, das nur zu bestimmten Informations-Sendeteilen
auseinandergeschaltet wird. Aber ob Heilbronn weiterhin das Basisprogramm sendet,
das entscheiden demnächst die Gesellschafter dieses zusammengelegten privaten
Radios für die Region. Zunächst sah es ja so aus, als ob die Heilbronner
Hörfunkmitarbeiter auf unbestimmte Zeit nach Bad Mergentheim umsiedeln
müßten. Aber da ist offensichtlich ein Meinungswandel eingetreten - dank
technischer Schwierigkeiten. Aber das kann uns im Unterland je egal sein - denn
Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich warte hier oben auf meinem Turm geduldig
ab, was sich demnächst tut in der regionalen Medienlandschaft, spitze die Ohren
und werde mir meine Informationen aus dem Äther holen - so wie es mir paßt. Ich
bin nämlich kein Stammhörer, sondern ein Wechselhörer. Die schlechten Sendungen
weggezappt, die guten ins Ohr.
Teures
Plantschen?
Darauf habe
ich schon lange gewartet: Es beschweren sich die Badegäste über die „zu hohen
Eintrittspreise“ im Neckarsulmer Spaßbad „Aquatoll“. Eine Familie mit
Kinder, verbringt sie denn im Neckarsulmer Pool einen Tag, läßt dort einen
Batzen Geld liegen. Hundert Mark werden da lange nicht reichen, rechnet man die
Verpflegung dazu. Ein kostspieliges Plantschen? Gemach, gemach. Erstens weiß
jeder Badegast, was es zu berappen gilt - die Eintrittspreise stehen groß und
deutlich an der Kasse. Zweitens höre ich jetzt schon die Unkenrufer, die sich
darüber aufregen, wenn das „Aquatoll“ nicht kostendeckend oder gewinnbringend
arbeitet. Jetzt hat eine Stadtverwaltung ein Projekt aufgebaut, das etwas
abwirft, nun sollten die Bürger dies auch honorieren. Und übrigens, andere Wassertempel
sind auch nicht billiger, sonst würden die Gäste ins „Aquatoll“ nicht selten
von weit her kommen.
Preisabsprachen?
Ein kleiner
Nachtrag zum Heilbronner Pferdemarkt. Sehr üppig soll die Zahl der
Besucher ja nicht gewesen sein. Vielleicht liegt es auch daran, daß den Leuten
das Geld nicht mehr so locker in der Tasche sitzt. Und mal ehrlich, wer zahlt
schon gerne 4,50 Mark für eine Curry-Wurst? Das war nicht nur an einem
der zahlreichen Wurst-Stände so, nein, an nahezu jeder Imbiß-Bude mußte König
Kunde diesen horrend hohen Preis bezahlen. Da liegt der böse Verdacht nahe, daß
sich die Herren und Damen Wurstverkäufer abgesprochen haben. Nächstes Jahr sind
die Markt-Verantwortlichen gefordert, um solche Auswüchse der
Markt-Marktwirtschaft zu verhindern.
Noch mehr
Pfusch?
Erinnern Sie
sich noch? Ein paar Monate ist es her, da schrieb ich übers vereinfachte Bauen.
Künftig soll es möglich sein, ohne die Prüfungen der Baurechtsämter vor Ort zu
bauen. Geplante Reform der Landesbauordnung nennt sich das ganze.
Verbraucherschützer in Heilbronn und anderswo fürchten bei Wegfall dieser
Prüfungen um Sicherheit und Kontrolle am Bau. Starker Tobak ist das schon. Da
wird behauptet, daß durch die Reform erreicht wird, daß am Bau künftig noch
mehr als ohnehin schon gepfuscht wird. Aber vielleicht ist ja doch ein
Quentchen dran. Besser wäre schon, wenn der Bauherr künftig die Einhaltung
wichtiger sicherheitsrelevanter Standards überprüfen lassen muß.
Image-Verlust
Unsere
Schultes können einem schon leidtun. Da schlagen gerade mal zwei Mann ihrer
Zunft in den vergangenen Jahren über die Stränge und schon ist das Image aller
Bürgermeister angekratzt. Erst war es Paul Stadel in Beilstein und nun Horst
Armbrust, der mit dem Heilbronner Landratsamt und dem Gesetz in Konflikt
kam. Aber schlecht geredet wird über die ganze Riege der Rathauschefs. Wer von
den Kommunal-Managern derzeit in Kneipe oder Besenwirtschaft geht, muß sich
immer mal wieder spöttische Fragen zur Haushaltslage der eigenen Gemeinde gefallen
lassen. Da wäre ein öffentlicher Vorstoß des Landrates gefragt. Der müßte sich
doch nun vor seine Bürgermeister stellen. Oder will er das nicht?
Park und
Villa
Parklandschaft
am Neckar - vom Götzenturm bis zur Rosenaubrücke. Ein Traum. Der sogenannte,
aber vielgelobte Götzenturmpark (2,5 Hektar) ist nur ein
Fleckchen Wiese, begrenzt vom Neckar, dem neuen IHK-Gebäude, dem Kutscherhaus
und der klassizistischen Villa Mertz, ein Kleinod im sonst mit schönen
Bauwerken nicht gerade verwöhnten Heilbronn. Nun soll das ein wenig heruntergekommene
Kutscherhaus ein Weinlokal mit Gartenwirtschaft werden. Der Heilbronner Gastronom
Thomas Aurich will in sein Drei-Millionen-Projekt mit einem komplizierten
Beteiligungsmodell auch einheimische Wengerter einbinden. Ein „sensibles Feld“
wird da beackert. Die Stadt hätte ja gern schon lange die Villa Mertz erworben.
Aber die Familie zeigt offensichtlich wenig Interesse an einem Verkauf des noch
bewohnten Hauses. Und nun der Vorstoß mit dem Weinlokal. Dann wäre Trubel auf
der Wiese angesagt. Und wo sollen die frühen oder späten Weinschlotzer parken?
Etwa in der Tiefgarage der IHK oder auf den umliegenden Straßen, die ohnehin
schon von den Anwohnern oder den Besuchern der beiden in der Nähe liegenden
gastronomischen Betriebe abends und nächtens in Beschlag genommen werden. Die
Zielrichtung der Stadt ist deutlich: Aufweichung. Ein jahrelanger
Rechtsstreit, der ja bis zum Bundesverfassungsgericht ging, ergab: der
Bebauungsplan steht. Und das hieße, gastronomische Nutzung des Kutscherhauses.
Die Ruh ist hin ...
VHS-Fortschritt
Volkshochschulen
in Baden-Württemberg gelten als fortschrittliche Bildungseinrichtungen. Ein
Großteil der Dozentinnen sind weiblich. Das ist in der Heilbronner VHS nicht
anders. Daß diese Volkshochschullehrerinnen sich nicht gerade als Heimchen
hinterm Herd verstehen - selbstverständlich. Doch an der Heilbronner VHS
soll sich unlängst ein Fall zugetragen haben, der emanzipierte Frauen auf die
Palme bringen müßte. In einem Deutschkurs soll die Dozentin folgende
Lebensweisheit verbreitet haben. Sie soll die ausländischen Schülerinnen und
Schüler gefragt haben: „Was muß eine Frau tun, die von ihrem Mann geschlagen
wurde?“ Die Antwort habe die Lehrerin, so eine Schülerin, gleich gegeben: „Sie
muß sich fragen, was sie falsch gemacht hat.“ Gut zu wissen, daß die Mehrzahl
der VHS-Dozentinnen ein anderes Frauenbild haben. Sonst fühlte man sich als
Kiliansweible ja ins tiefste Mittelalter zurückversetzt.
OB in
Stuttgart?
Erinnern Sie
sich noch an Ulrich Bauer, den ehemaligen Baubürgermeister von
Heilbronn? Der SPD-Mann ist seit fünf Jahren Oberbürgermeister von Esslingen
und, wie ich gehört habe, in dieser Funktion ein äußerst erfolgreicher Macher.
Gemessen an den finanziellen Nöten der Stadt Esslingen hat er dort einiges
bewegt. Bauer wird wohl in Esslingen bleiben. Aber der Ex-Heilbronner
kandidiert jetzt für ein weiteres Amt: den Vorsitz im Regionalparlament. Nach
dem Wechsel von Ludwigsburgs OB Henke als Staatssekretär nach Bonn ins Verkehrsministerium
ist Bauer als Vorsitzender der Regionalversammlung von der SPD vorgeschlagen.
Er ist ein Mann des Ausgleichs. Das wußten die Heilbronner schon an ihm zu
schätzen. Und deshalb munkelt man auch schon recht laut in Stuttgart darüber,
daß Ulrich Bauer Nachfolger von OB Manfred Rommel werden könnte.
Wimpfens
Diamant
Der kann
aber große Töne spucken, der Bürgermeister von Bad Wimpfen. Orginalton
Claus Brechter: „Bad Wimpfen ist ein Diamant, es geht nur noch darum ihn zu
schleifen." Es geht um die nicht so neue Idee eines Arbeitskreises
Stadtmarketing. Die Staufferstadt will sich künftig ein größeres Stück vom
Kuchen Fremdenverkehr abschneiden. Ziemlich großspurig, bedenkt man, daß Bad
Wimpfen unlängst ganz knapp daran vorbeigeschrammt ist, seinen Status als
Kurstadt zu verlieren. Der Grund: Die Luft ist nicht besonders gut in dem
Kurort. Zuviel Autos fahren tagtäglich durch Bad Wimpfen. Aber Urlauber wollen
sich erholen, lieber Herr Brechter, und nicht ein Stauerlebnis auf Wimpfens
Durchgangsstraße genießen. Also, bevor man hochtrabende Begriffe wie Stadtmarketing
bemüht, sollte man doch erst einmal für reine Luft sorgen. Ansonsten könnte man
denken, daß es sich um eine Mogelpackung handelt.
Glück gehabt
Die etwas
älteren Heilbronner werden ihn noch kennen: Harry Reitmair, heute
Reporter beim ZDF. In den Hochzeiten der Rote Armee Fraktion war er als
Story-Jäger ein gern gesehener Gast im Heilbronner Polizeirevier. Reitmair hat
unlängst einen ganz großen Schutzengel gehabt. Er war auf Recherche in
Mecklenburg-Vorpommern. Ein Rundflug über die Insel Usedom stand auf dem
Programm. Der Pilot setzte die einmotorige Cessna auf die Landebahn. Dabei
schlug das Bugfahrwerk hart auf den Boden. Der Motor fing Feuer. Pilot und
Reporter Reitmair retteten sich aus der Maschine. Sie blieben unverletzt. Wenig
später schlugen Flammen aus dem Benzintank. Die Maschine brannte aus. Reitmair
und Pilot im Glück.
Da ist Musik
drin
Unlängst
hatte ein Leserbriefschreiber die Lokalzeitung angegriffen. Die Medien würden
meist Negatives mit den Gesangsvereinen verbinden, meinte der Schreiber. Dem
Manne hat Finanzminister Gerhard Mayer-Vorfelder Genugtuung
verschafft. „Die Musikvereine des Landes nehmen wichtige
gesellschaftspolitische Aufgaben war. Die Landesregierung wird daher ihre
Unterstützung für Laien- und Volksmusik in Baden-Württemberg trotz Sparzwängen
auf hohem Niveau halten.“ Dies erklärte der Finanzminister anläßlich einer
Feierstunde zum 200. Geburtstag von Karl Pfaff. Dieser hatte die
Sängerbewegung maßgeblich mitgeprägt und unterstützt. Mayer-Vorfelder: „Als
politisch denkender Mensch hat Karl Pfaff die Sängerbewegung als
Instrumentarium gefunden, um sein liberales Gedankengut weiterzugeben.“

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