Montag, 17. Februar 2014

Kiliansmännle, 08.03.1995



Dudel-Radio?
Wenn ich die Pressemitteilungen und Verlautbarungen in der Lokalzeitung zum Thema Radio TON-Regional lese, könnte ich den Eindruck gewinnen, künftig würde sich nichts ändern an den Radiosendungen des ortsansässigen Privatsenders - in und um Heilbronn herum. Doch jetzt sind ja sogar schon einige Hörerinnen und Hörer für einen Moderator auf die Straße gegangen, dessen Country- und Oldie-Musik-Sendung gestrichen wurde. Demonstriert wurde am Samstagabend vor der Heilbronner Stimme, dem Noch-Sitz des Radios. Also hat sich im Programm doch etwas geändert. Damit nicht genug, das Abendmagazin „Kompass", das journalistischen Nachrichten-Hintergrund bot, fällt weg. Und damit auch der „Wirtschaftskompass“, der für die Unternehmen und Gewerkschaften der Region ein Radio-Forum war. Von der Sendezeit her um eine Stunde gekürzt wurde auch die Diskussionssendung „Stammtisch“ - immer sonntags. Da stellt sich mir die Frage soll in Heilbronn künftig Dudel-Radio produziert werden - Hauptsache billig?

Wer hat noch Töne
Erwin Teufel, unser Ministerpräsident, so ist aus Stuttgart zu hören, wünscht sich bei der anstehenden ARD-Reform für Baden Württemberg einen Landessender. Süddeutscher Rundfunk in Stuttgart und Südwestfunk in Baden-Baden, die zwei zusammen sind ein wenig arg teuer geworden und nicht gerade effektiv fürs Ländle. Aber so ist halt die ba­den-württembergische Rundfunkgeschichte: im Nachkriegsdeutschland wurde die Grenze zwischen Südfunk und Südwestfunk entlang der Autobahn Karlsruhe-Ulm gezogen. Dabei könnte ich mir gut vorstel­len, daß beim Hörfunk das Bessere den Vorrang erhält. SWF 1 ist mit seinem Programm halt Südfunk 1, dem be­tulichen Spätzlessender musikalisch und vom Wort her bei weitem überlegen. Eben flotter, schneller, genauer und an­genehmer zu hören. Und auch SWF 3 war immer schon Klassen besser als Südfunk 3 mit seiner Extrem-Musik und seinen Moderatoren, die oft meinen, es sei besonders witzig in einen rheinischen Dialekt zu verfallen. Von der Musik bei S 4 will ich gar nicht erst reden. Wenn ich da mal gelandet bin, denke ich oftmals, um mich dröhnt entweder ein Bierzelt. Einziger Trost bei S 4: die gute, regionale Berichterstattung des Frankenradios. Aber ich schätze, auf die Reform zum Landesender kann ich lange warten - so wie ich unsere Politiker in Stuttgart kenne.

Radio-Standort
Heilbronn ist nach wie vor Senderstandort des Süddeutschen Rundfunks und des Privathörfunksenders Radio TON-Regional. Wer weiß wie lange noch - bei der einsetzenden Sparwut - sowohl bei den Öffentlich-Rechtlichen als auch den Privaten. Dessen ungeachtet weitet das Frankenradio des Südfunks zur Zeit seine guten Informationssendungen aus und wird auch immer besser, dank neuer Frequenzen, in der Region empfangen. Und Radio TON- Regional? Zur Zeit bietet dieser Sender aus Heilbronn ein ganz sanftes Oldie-Basisprogramm, das nur zu bestimmten Informations-Sendeteilen auseinandergeschaltet wird. Aber ob Heilbronn weiterhin das Basisprogramm sendet, das entscheiden demnächst die Gesellschafter dieses zusammengelegten privaten Radios für die Region. Zunächst sah es ja so aus, als ob die Heilbronner Hörfunkmitarbeiter auf unbestimmte Zeit nach Bad Mergentheim umsiedeln müßten. Aber da ist offensichtlich ein Meinungswandel eingetreten - dank technischer Schwierigkeiten. Aber das kann uns im Unterland je egal sein - denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich warte hier oben auf meinem Turm geduldig ab, was sich demnächst tut in der regionalen Medienlandschaft, spitze die Ohren und werde mir meine Informationen aus dem Äther holen - so wie es mir paßt. Ich bin nämlich kein Stammhörer, sondern ein Wechselhörer. Die schlechten Sendungen weggezappt, die guten ins Ohr. 

Teures Plantschen?
Darauf habe ich schon lange gewartet: Es beschweren sich die Badegäste über die „zu hohen Eintrittspreise“ im Neckarsulmer Spaßbad „Aquatoll“. Eine Familie mit Kinder, verbringt sie denn im Neckarsulmer Pool einen Tag, läßt dort einen Batzen Geld liegen. Hundert Mark werden da lange nicht reichen, rechnet man die Verpflegung dazu. Ein kostspieliges Plantschen? Gemach, gemach. Erstens weiß jeder Badegast, was es zu berappen gilt - die Eintrittspreise stehen groß und deutlich an der Kasse. Zweitens höre ich jetzt schon die Unkenrufer, die sich darüber aufregen, wenn das „Aquatoll“ nicht kostendeckend oder gewinnbringend arbeitet. Jetzt hat eine Stadtverwaltung ein Projekt aufgebaut, das etwas abwirft, nun sollten die Bürger dies auch honorieren. Und übrigens, andere Wassertempel sind auch nicht billiger, sonst würden die Gäste ins „Aquatoll“ nicht selten von weit her kommen.

Preisabsprachen?
Ein kleiner Nachtrag zum Heilbronner Pferdemarkt. Sehr üppig soll die Zahl der Besucher ja nicht gewesen sein. Vielleicht liegt es auch daran, daß den Leuten das Geld nicht mehr so locker in der Tasche sitzt. Und mal ehrlich, wer zahlt schon gerne 4,50 Mark für eine Curry-Wurst? Das war nicht nur an einem der zahlreichen Wurst-Stände so, nein, an nahezu jeder Imbiß-Bude mußte König Kunde diesen horrend hohen Preis bezahlen. Da liegt der böse Verdacht nahe, daß sich die Herren und Damen Wurstverkäufer abgesprochen haben. Nächstes Jahr sind die Markt-Verantwortlichen gefordert, um solche Auswüchse der Markt-Marktwirtschaft zu verhindern.

Noch mehr Pfusch?
Erinnern Sie sich noch? Ein paar Monate ist es her, da schrieb ich übers vereinfachte Bauen. Künftig soll es möglich sein, ohne die Prüfungen der Baurechtsämter vor Ort zu bauen. Geplante Reform der Landesbauordnung nennt sich das ganze. Verbraucherschützer in Heilbronn und anderswo fürchten bei Wegfall dieser Prüfungen um Sicherheit und Kontrolle am Bau. Starker Tobak ist das schon. Da wird behauptet, daß durch die Reform erreicht wird, daß am Bau künftig noch mehr als ohnehin schon gepfuscht wird. Aber vielleicht ist ja doch ein Quentchen dran. Besser wäre schon, wenn der Bauherr künftig die Einhaltung wichtiger sicherheitsrelevanter Standards überprüfen lassen muß.

Image-Verlust
Unsere Schultes können einem schon leidtun. Da schlagen gerade mal zwei Mann ihrer Zunft in den vergangenen Jahren über die Stränge und schon ist das Image aller Bürgermeister angekratzt. Erst war es Paul Stadel in Beilstein und nun Horst Armbrust, der mit dem Heilbronner Landratsamt und dem Gesetz in Konflikt kam. Aber schlecht geredet wird über die ganze Riege der Rathauschefs. Wer von den Kommunal-Managern derzeit in Kneipe oder Besenwirtschaft geht, muß sich immer mal wieder spöttische Fragen zur Haushaltslage der eigenen Gemeinde gefallen lassen. Da wäre ein öffentlicher Vorstoß des Landrates gefragt. Der müßte sich doch nun vor seine Bürgermeister stellen. Oder will er das nicht?

Park und Villa
Parklandschaft am Neckar - vom Götzenturm bis zur Rosenaubrücke. Ein Traum. Der sogenannte, aber vielge­lobte Götzenturmpark (2,5 Hektar) ist nur ein Fleckchen Wiese, begrenzt vom Neckar, dem neuen IHK-Gebäude, dem Kutscherhaus und der klassizistischen Villa Mertz, ein Kleinod im sonst mit schönen Bauwerken nicht gerade verwöhnten Heilbronn. Nun soll das ein wenig herunter­gekommene Kutscherhaus ein Weinlokal mit Gartenwirtschaft werden. Der Heilbronner Gastronom Thomas Aurich will in sein Drei-Millionen-Projekt mit ei­nem komplizierten Beteiligungsmodell auch einheimische Wengerter einbinden. Ein „sensibles Feld“ wird da beac­kert. Die Stadt hätte ja gern schon lange die Villa Mertz er­worben. Aber die Familie zeigt offensichtlich wenig Interesse an einem Verkauf des noch bewohnten Hauses. Und nun der Vorstoß mit dem Weinlokal. Dann wäre Trubel auf der Wiese angesagt. Und wo sollen die frühen oder späten Weinschlotzer parken? Etwa in der Tiefgarage der IHK oder auf den umliegenden Straßen, die ohnehin schon von den Anwohnern oder den Besuchern der beiden in der Nähe liegenden gastronomischen Betriebe abends und nächtens in Beschlag genommen werden. Die Zielrichtung der Stadt ist deutlich: Aufweichung. Ein jah­relanger Rechtsstreit, der ja bis zum Bundesverfassungsgericht ging, ergab: der Bebauungsplan steht. Und das hieße, gastronomische Nutzung des Kutscherhauses. Die Ruh ist hin ...

VHS-Fortschritt
Volkshochschulen in Baden-Württemberg gelten als fort­schrittliche Bildungseinrichtungen. Ein Großteil der Dozentinnen sind weiblich. Das ist in der Heilbronner VHS nicht anders. Daß diese Volkshochschullehrerinnen sich nicht gerade als Heimchen hinterm Herd verstehen - selbstverständlich. Doch an der Heilbronner VHS soll sich unlängst ein Fall zugetragen haben, der emanzipierte Frauen auf die Palme bringen müßte. In einem Deutschkurs soll die Dozentin folgende Lebensweisheit verbreitet haben. Sie soll die ausländischen Schülerinnen und Schüler gefragt haben: „Was muß eine Frau tun, die von ihrem Mann geschlagen wurde?“ Die Antwort habe die Lehrerin, so eine Schülerin, gleich gegeben: „Sie muß sich fragen, was sie falsch gemacht hat.“ Gut zu wissen, daß die Mehrzahl der VHS-Dozentinnen ein anderes Frauenbild haben. Sonst fühlte man sich als Kiliansweible ja ins tiefste Mittelalter zurückversetzt.

OB in Stuttgart?
Erinnern Sie sich noch an Ulrich Bauer, den ehemaligen Baubürgermeister von Heilbronn? Der SPD-Mann ist seit fünf Jahren Oberbürgermeister von Esslingen und, wie ich gehört habe, in dieser Funktion ein äußerst erfolgreicher Macher. Gemessen an den finanziellen Nöten der Stadt Esslingen hat er dort einiges bewegt. Bauer wird wohl in Esslingen bleiben. Aber der Ex-Heilbronner kandidiert jetzt für ein weiteres Amt: den Vorsitz im Regionalparlament. Nach dem Wechsel von Ludwigsburgs OB Henke als Staatssekretär nach Bonn ins Verkehrsministerium ist Bauer als Vorsitzender der Regionalversammlung von der SPD vorgeschlagen. Er ist ein Mann des Ausgleichs. Das wußten die Heilbronner schon an ihm zu schätzen. Und deshalb munkelt man auch schon recht laut in Stuttgart dar­über, daß Ulrich Bauer Nachfolger von OB Manfred Rommel werden könnte.

Wimpfens Diamant
Der kann aber große Töne spucken, der Bürgermeister von Bad Wimpfen. Orginalton Claus Brechter: „Bad Wimpfen ist ein Diamant, es geht nur noch darum ihn zu schleifen." Es geht um die nicht so neue Idee eines Arbeitskreises Stadtmarketing. Die Staufferstadt will sich künftig ein grö­ßeres Stück vom Kuchen Fremdenverkehr abschneiden. Ziemlich großspurig, bedenkt man, daß Bad Wimpfen un­längst ganz knapp daran vorbeigeschrammt ist, seinen Status als Kurstadt zu verlieren. Der Grund: Die Luft ist nicht besonders gut in dem Kurort. Zuviel Autos fahren tagtäglich durch Bad Wimpfen. Aber Urlauber wollen sich erholen, lieber Herr Brechter, und nicht ein Stauerlebnis auf Wimpfens Durchgangsstraße genießen. Also, bevor man hochtrabende Begriffe wie Stadtmarketing bemüht, sollte man doch erst einmal für reine Luft sorgen. Ansonsten könnte man denken, daß es sich um eine Mogelpackung handelt.

Glück gehabt
Die etwas älteren Heilbronner werden ihn noch kennen: Harry Reitmair, heute Reporter beim ZDF. In den Hochzeiten der Rote Armee Fraktion war er als Story-Jäger ein gern gesehener Gast im Heilbronner Polizeirevier. Reitmair hat unlängst einen ganz großen Schutzengel gehabt. Er war auf Recherche in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Rundflug über die Insel Usedom stand auf dem Programm. Der Pilot setzte die einmotorige Cessna auf die Landebahn. Dabei schlug das Bugfahrwerk hart auf den Boden. Der Motor fing Feuer. Pilot und Reporter Reitmair retteten sich aus der Maschine. Sie blieben unverletzt. Wenig später schlugen Flammen aus dem Benzintank. Die Maschine brannte aus. Reitmair und Pilot im Glück.

Da ist Musik drin
Unlängst hatte ein Leserbriefschreiber die Lokalzeitung angegriffen. Die Medien würden meist Negatives mit den Gesangsvereinen verbinden, meinte der Schreiber. Dem Manne hat Finanzminister Gerhard Mayer-Vorfelder Genugtuung verschafft. „Die Musikvereine des Landes nehmen wichtige gesellschaftspolitische Aufgaben war. Die Landesregierung wird daher ihre Unterstützung für Laien- und Volksmusik in Baden-Württemberg trotz Sparzwängen auf hohem Niveau halten.“ Dies erklärte der Finanzminister anläßlich einer Feierstunde zum 200. Geburtstag von Karl Pfaff. Dieser hatte die Sängerbewegung maßgeblich mitgeprägt und unterstützt. Mayer-Vorfelder: „Als politisch denkender Mensch hat Karl Pfaff die Sängerbewegung als Instrumentarium gefunden, um sein liberales Gedankengut weiterzugeben.“

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