Berliner
Platz
Bisher gibt
es nur ein Vertragsangebot. Die Stadt Heilbronn und die Stuttgarter Bülow AG
haben ein „Grundstückvertrags-Angebot“ unterzeichnet, mit dem das Unternehmen
eine Kaufoption auf das Grundstück
westlich des Theaterbaus mit 8.480 Quadratmetern besitzt. Die Chancen für
eine notwendige und sinnvolle Überbauung des Berliner Platzes, dem derzeit noch
reichlich häßlichen „Nord-Tor“ zur Heilbronner City, sind also beträchtlich
gewachsen. Jetzt geht es auch noch um den Kauf des letzten Privatgrundstücks.
Dann soll auf dem Schandfleck neben dem Stadttheater ein prachtvoller Neubau
entstehen, der nach derzeitigen Planungen rund 150 Millionen Mark kosten wird.
Was später alles dort untergebracht sein wird, das wird die Zukunft weisen.
Neben Büros, Praxen, Läden - so die ersten Planungen - soll auch eine weitere
Kulturstätte am Berliner Platz in den Neubau angesiedelt werden. Man denkt an
Musical, Kabarett, Varieté oder Kinos. Ich drücke den Initiatoren, dem mutigen Unternehmer Horst Bülow und dem
ideenreichen Ersten Bürgermeister Heilbronns Werner Grau, hier oben auf dem
Turm meine steinernen Daumen. Hoffentlich wird‘s noch was in diesem Jahrtausend
mit der schon so oft versprochenen Überbauung des Berliner Platzes.
Peter und
Paul
Die
katholische Gemeinde des Deutschordensmünsters ist zur Zeit Gast in der
evangelischen Kilianskirche. So ändern sich die Zeiten. Als ich begann, dieses
hohe Haus hier oben auf dem Kiliansturm zu bewachen, da gabs in deutschen
Landen nur eine christliche Kirche. Aber die Zeiten sind schon lang vorbei.
Jetzt sind es viele. Und die Traditionsreichste kehrte zu meiner Freude für
kurze Zeit in meinen Bau zurück. Aber diese Besuchszeit der Katholiken neigt
sich dem Ende zu: am 2. Juli 1995 wird das Deutschordensmünster Sankt Peter
und Paul feierlich eingeweiht werden. Und damit kann die Gemeinde wieder an
ihren angestammten Ort, den ältesten Sakralbau in Heilbronn, zurückkehren. Für
acht Millionen Mark wurde das geschichtsträchtige Münster renoviert. Und
herausgekommen ist eine Meisterleistung der Restauratoren, die das Haus mit all
seinen unterschiedlichen Stilrichtungen in schönsten Kirchen-Glanze erstrahlen
lassen wird. Der Hausherr, Kreisdekan Wolfgang Westenfeld, ist zu Recht
schon jetzt stolz auf das, was seine Gemeinde und die Baumeister geleistet
haben.
Ami-Kirche
Eine der
ältesten christlichen Kirchen der Welt, die syrisch-orthodoxe, hat in Heilbronn
endlich ein eigenes Gotteshaus. Für 800.000 Mark konnte die 450-Seelen-Gemeinde
die US-Kirche auf dem Gelände der ehemaligen Wharton-Barracks vom Bund
erstehen. Allein 300.000 Mark sind schon durch Spenden der syrisch-orthodoxen
Christen im Unterland zusammengekommen. Durch „Bettelprediger“ in vielen
Gemeinden dieser christlichen Glaubensrichtung überall in Europa sollen jetzt
Spenden gesammelt werden, um den Rest zur vollen Summe zusammenzutragen.
Außerdem kostet die Renovierung des ehemaligen US-Gotteshauses nochmal eine
halbe Million Mark. Und da hoffen die Syrisch-Orthodoxen auf einen
„Sanierungsanteil“ von einer Million Mark durch die Stadt Heilbronn für den
sogenannten Schwabenhof. Ein so großes und intensives Engagement der Gläubigen
ist auch den Gemeinden unserer sogenannten deutschen Volkskirchen zu wünschen.
Die Lebendigkeit des Glaubens ist nämlich am Wirken der Gemeinde zu erkennen
und nicht an verheißungsvollen Worten ihrer amtlichen Verkünder.
Ohrfeigen-Urteil
Das war ein
herber Schlag. Der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof in Mannheim
hatte letzte Woche die Betriebsgenehmigung für das Atomkraftwerk Obrigheim
aufgehoben. Die Dauergenehmigung erteilt hatten ja die beiden SPD-Minister
in der Stuttgarter Großen Koalition Dieter Spöri und Harald B. Schäfer.
Wirtschaftsminister und Umweltminister wurden von den Richtern kritisiert, daß
„vor Abschluß des Genehmigungsverfahrens im Oktober 1992 etwaige Risiken, die
von dem tatsächlichen Zustand der seit 1968 betriebenen Anlage ausgehen
könnten, nicht abschließend ermittelt und bewertet“ wurden. Das heißt, die
Minister Spöri und Schäfer hätten ihre politischen Hausaufgaben äußerst
schlampig gemacht. Der Umweltminister kündigte auch prompt an, er werde wie die
Betreiber des Kraftwerks Revision gegen das Urteil einlegen. Und die Grünen im
Landtag - und nicht nur die - rieben sich die Hände und sprachen von einer
schallenden Ohrfeige des Gerichts für die beiden Minister. Kein gutes
Vorzeichen für eine von Dieter Spöri angestrebte rot-grüne Koalition nach der
Landtagswahl im März 1996 in Stuttgart.
Ohne Staus?
Es tut sich
etwas in Sachen Autobahnzubringer-Ausbau bei Untergruppenbach. Wurde
bislang im Heilbronner Gemeinderat und anderen Gremien nur darüber gestritten,
ob nun gar nicht ausgebaut, dreispurig ausgebaut oder die Zubringerstraße zur Autobahn
Heilbronn-Stuttgart auf vier Spuren erweitert werden soll, sieht man nun
bauliche Veränderungen. Die Aral-Tankstelle auf Höhe Untergruppenbach wurde zum
Teil abgerissen. Ich bin fast versucht zu behaupten, dies hatte den Charakter
einer Nacht-und-Nebelaktion, aber war es wohl doch nicht. Der Abbruch der
Tankstelle ist nämlich schon lange beschlossene Sache. In jedem Fall wird es
Konkurrenz für die Tankwarte des südlichen Landkreises geben. Denn bei
Auenstein wird eine der größten Zapfsäulenanlagen Europas an der Autobahn A 81
gebaut. Für mich ist das wieder mal ein Beleg, wie hoch die Wirtschaftskraft
der Region um Heilbronn herum eingeschätzt wird. Denn welcher Konzern
investiert in einer Gegend, von der er sich nicht gute Renditen verspricht?
Die Last der
Abgaben
Hut ab, Herr
Klatte! Sie verschieben nicht nur einfach Kosten und verlagern Sie auf den
Bürger. Es geht um die geplatzte Feuerwehrabgabe, die ja von Gerichts wegen
kassiert wurde. Bürgermeister Jürgen Klatte erhöht in seiner Kommune Weinsberg
nun nicht die Grundsteuer B für Häuslesbesitzer und Wohnungseigentümer. Er
versucht den finanziellen Engpaß anderweitig auszugleichen. Recht so, denn
bedenkt man, daß künftig Wasser- und Abwasserabgaben in baden-württembergischen
Gemeinden kräftig in die Höhe gehen werden, ist die Grenze der Belastbarkeit
der Bürger wohl nun doch erreicht. Überhaupt wird das liebe Wasser noch eines
der Hauptthemen der Zukunft werden. Wer heute mit einem Schultes spricht,
bekommt dazu nicht viel Gutes zu hören. Schon jetzt macht die Klärung der
Abwässer einen ordentlichen Brocken im Gemeindeetat aus. Strengere
Umweltgesetze haben dafür gesorgt, daß sauberes Wasser nicht mehr für einen
Appel und ein Ei zu haben ist. Und da die kommunalen Verwaltungen zum Prinzip
der Kostendeckung vergattert sind, müssen sie die Klärkosten und die Kosten für
Investitionen wie Kläranlagen oder neue Rohrleitungen an die Bürgerinnen und
Bürger weitergeben.
Schweigen im
Walde
Was macht
eigentlich der Neckarwestheimer Bürgermeister Horst Armbrust? Er
schweigt. Das hört man aus seiner engsten Umgebung. Doch irgendwann muß die
Staatsanwaltschaft wohl doch die Punkte für eine Anklage zusammenhaben. Ob
Horst Armbrust seine Lage durchs Nichts-Sagen verbessert sei dahingestellt.
Doch ein ganz anderer Punkt stimmt nachdenklich. Zu leiden hat unter dem
Neckarwestheimer Millionenskandal auch die Familie des Bürgermeisters. Da wird
so eine Art Sippenhaft von bestimmten Menschen in Neckarwestheim verhängt. Ein
schlechter Charakterzug!
Kapitulation
Der 8. Mai
1995 ist ein Samstag und Gedenktag - vor fünfzig Jahren kapitulierte das
nationalsozialistische Deutsche Reich. Für viele, die erst nach dem Krieg
geboren wurden, ist das der Tag der Befreiung Deutschlands von der Nazi-Diktatur.
Und für viele Überlebende, die unter den Nazis erbärmlich gelitten hatten,
ebenfalls. Aber für die meisten Deutschen damals im Jahre 1945, die Väter,
Mütter, Söhne, Töchter und andere Verwandte oder Bekannte durch das
Kriegsgeschehen verloren hatten, war dieser Tag nur ein Ende der Höllenfahrt,
kein Freudentag. - Heute ist der 8. Mai Gedenktag, um an schreckliche und
tragische Zeiten zu erinnern. Nach diesem Frühlingstag im Jahre 1945 war
Deutschland zerrissen, kein selbständiger Staat mehr. Das deutsche Volk schien
wie gelähmt zu sein und stand wegen der ungeheuren Nazi-Greueltaten am Pranger
- vor aller Welt. In dieser „Stunde Null“ gings wie zuvor auch ums nackte
Überleben. Gerade in einer Stadt wie Heilbronn werden in diesen Mai-Tagen viele
ihrer Toten aus den Kriegszeiten gedenken. Befreiung? Der Hölle entronnen?
Untergang? Tag der Niederlage? Alles nur wohlfeile politische Schlagworte, die
den Schmerz, den der Zweite Weltkrieg bei den Überlebenden damals eingebrannt
hatte, nicht wegwischen können.
Tag der
Befreiung
In Heilbronn
werden am 8. Mai viele Veranstaltungen zum 50 Jahrestag „Ende des Zweiten
Weltkrieges“ über die Bühne gehen. Insgesamt 20 Gruppierungen warten mit 18
Veranstaltungen auf. „Für uns ist der 8. Mai nicht der Tag der Kapitulation,
sondern der Tag der Befreiung von Faschismus und nationalsozialistischer
Gewaltherrschaft.“, heißt es in Aufrufen. Wer hat denn da wen befreit? Die
Deutschen sich selber garantiert nicht. Der 8. Mai ist der Tag der deutschen
Kapitulation - und zwar der bedingungslosen. Und dieser historische Akt mußte
auf schauerliche Weise mehrmals wiederholt werden. Vor allem legten die Sowjets
gesteigerten Wert auf diese Zeremonie. Auch damals mußte alles seine Ordnung
haben - so verlangten es die Sieger. Die Militär-Machthaber kapitulierten im
Namen des deutschen Volkes. Die
Alliierten gewannen diesen Krieg, keine deutschen Antifaschisten - und
sie diktierten die Bedingungen für den Frieden. Die Nachkriegsgeschichte
müßte eigentlich alle Deutschen lehren, daß ein glühender Antifaschist noch
lange kein aufrechter Demokrat ist. Denn entscheidendes Kennzeichen des
Demokraten ist, daß er sich gegen jegliche Form des Totalitarismus ausspricht
und tatkräftig einsetzt. Die „feindlichen Brüder der Nazis“, die Kommunisten,
nannten sich Antifaschisten und wurden deshalb noch lange keine Demokraten. Sie
befolgten nicht die Lehre aus der Nazizeit, als Demokrat gegen jegliche Form
des Totalitären anzutreten. Im Gegenteil. Sie ließen in den Gefängnissen und
KZs der Nazis die Terrorherrschaft nur unter rotem Vorzeichen
wiederauferstehen. Und deshalb müßte einen aufrechten Demokraten heute
kennzeichnen, daß er Anti-Nazi und Anti-Kommunist ist.
Im Ruhestand
Nun ist er
im verdienten Ruhestand: Heiner Weidner, Pressesprecher des Landratsamtes
Heilbronn. In seine Zeit fielen zwei deftige Kommunalskandale: der Fall des
Bürgermeisters von Beilstein und die Neckarwestheimer Millionenpleite. Weidner
wehrt sich immer wieder, daß - auch an dieser Stelle - seinen beiden Landräten
Widmaier und Czernuska eine Mitschuld am Versagen der beiden Bürgermeister
gegeben wird. Daß er sich vor die beiden Landräte stellt, ehrt Heiner Weidner.
Doch mal Hand aufs Herz, Herr Weidner, in der Position eines Landrates hört man
doch das Gras wachsen? Und Anzeichen, daß in Beilstein, aber auch in
Neckarwestheim nicht alles zum besten bestellt ist, hat es weit früher gegeben,
als die beiden Skandale ruchbar wurden.
Audi und Fiat
Audi und
Fiat - das sind die Traditionsfirmen, die in diesem Jahrhundert bisher für den
Industriestandort Unterland stehen. Allerdings: Wenn Audi in Neckarsulm hustet,
dann bekommt die Region Franken, das heißt der neue „Wirtschaftsraum
Heilbronn“, einen Husten. Aber die Erkältungsgefahr für Audi scheint vorerst
gebannt. Im vergangenen April wurde für die rund 31.800 Beschäftigten wegen der
schlechten Absatzlage eine Regelarbeitszeit von 32,4 Stunden
ausgehandelt. Aber die wirtschaftliche Lage bei Audi ist heute so gut, daß
jetzt die Arbeitszeit pro Woche wieder auf 35 Stunden heraufgesetzt wird. Und
auch die Gehälter steigen seit 1. April wieder auf 97,2 Prozent der
tariflichen Regelarbeitszeit, die ja bei 36 Stunden liegt. Um die
gestiegene Nachfrage nach Audi-Fahrzeugen weiterhin decken zu können, wird
sogar ab Mai die Nachtschicht ausgedehnt. - Auch der zweite große Autofirma im
Unterland, die Fiat AG in Heilbronn, kann sich freuen. Der jetzt scheidende Vorstandsvorsitzende
Dietmar Fütterer und seine Mannschaft haben es geschafft, dem italienischen
Autoimporteur in diesem Jahr ein Umsatzplus von rund 25 Prozent zu
bescheren. Angepeilt wird von Fiat, am Ende des Jahres 1995 an erster Stelle
der Importeure in Deutschland zu stehen. Und das ohne Dietmar Fütterer, der
dann schon in der Zentrale in Turin seinen Schreibtisch bezogen hat.

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