Strobl folgt
Susset
Es schien
wie ein ehernes Gesetz bei der CDU im Unterland: Der Vorsitzende des
Kreisverbands kommt aus dem Landkreis Heilbronn. Das hat sich jetzt geändert.
Lange 17 Jahre hindurch führte der Landwirt
und Bürgermeister a. D. aus Wimmental Egon Susset die Christdemokraten als
ihr Kreisvorsitzender. Und mit ihm wurde die CDU im Unterland stärkste
parteipolitische Gruppierung. Zog Susset 1969 erstmals über die Landesliste in
den Deutschen Bundestag, so verteidigt er seit 1976 das Direktmandat
erfolgreich gegen seine SPD- und anderen Mitbewerber. In seine Führungszeit
fällt auch, daß die CDU im Unterland seither ununterbrochen die drei direkt
gewählten Landtagsabgeordneten, den Heilbronner Oberbürgermeister und den
Landrat stellt. Wahrhaftig - eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Jetzt hat
die Unterländer CDU einen Generationswechsel vollzogen. Thomas Strobl heißt der neue, 35 jährige Kreisvorsitzende,
der in der letzten Woche gegen die Untergruppenbacher Gemeinderätin und
Kreisrätin Friedlinde Gurr-Hirsch
(41) das Rennen machte. 233 gegen 163 Stimmen lautete sein Wahlergebnis. Damit
führt jetzt ein Vertreter aus der Stadt Heilbronn die CDU im Unterland. Thomas
Strobl, Jurist und Parlamentarischer Berater im Stuttgarter Landtag, ist
ehrenamtlich als Stadtrat und stellvertretender Fraktionschef im Heilbronner
Gemeinderat tätig. Seit seiner Schülerzeit in Heilbronn ist er in der CDU aktiv
und hat sich seine parteipolitische Karriere in den Jahren hart erkämpfen
müssen. Mit dem Wechsel im CDU-Vorsitz dürften jetzt auch die Weichen für die
Nachfolge bei der CDU-Kandidatur für die Bundestagswahl 1998 gestellt sein.
ÖTV-Chefin
Manfred
Keppler, Erster Bevollmächtigter der ÖTV-Verwaltungsstelle Heilbronn-Schwäbisch
Hall gibt aus
gesundheitlichen Gründen sein Amt bis zum 31. August ab. Damit tritt ein
aufrechter und ohne Schnörkel argumentierender Gewerkschafter aus echtem Schrot
und Korn von der tarifpolitischen Bühne ab. Vor allem seine hart vorgetragenen
Ansichten zur Kernkraft waren ja in seiner Gewerkschaft Öffentliche Dienste,
Transport und Verkehr - vor allem bei linken Funktionären - umstritten. Jetzt
hat der ÖTV-Kreisvorstand die 40-jährige Marianne Kugler-Wendt als
seine Nachfolgerin gewählt. Sie war seit 1979 schon als streitbare
Gewerkschaftssekretärin in Heilbronn aufgefallen. Und als SPD-Stadträtin hat
sie sich, obwohl erst im letzten Jahr gewählt, durch politische Argumente und
kämpferische Aktionen schon in die erste Reihe ihrer Fraktion gestellt.
Kniep geht
Bei der
Industrie- und Handelskammer Heilbronn setzt der Wechsel an der Spitze früher
als erwartet sein. Professor Dr. Klaus Kniep (58) scheidet zum 30.
Juni auf eigenen Wunsch aus den Diensten der Kammer aus. Der Stellvertretender
Hauptgeschäftsführer galt lange Zeit als Kronprinz für die Nachfolge von
Hauptgeschäftsführer Dr. Horst Schmalz. Aber erst im November 1994 hatte die
IHK-Vollversammlung Heinrich Metzger von der Ludwigsburger Kammer zum
neuen Hauptgeschäftsführer in Heilbronn gewählt. Ab Oktober diesen Jahres wird
Metzger schon in Heilbronn arbeiten, um bestens gerüstet im September 1996 das
Amt vom dann 65 jährigen Dr. Horst Schmalz ganz offiziell zu übernehmen. Daß es
um die Chemie an der Spitze der IHK in Heilbronn nicht allzugut bestellt war,
das pfiffen in Wirtschaftskreisen der Region die Spatzen schon seit langem von
den Dächern Fabrikhallen. Zwischen IHK-Präsident Otto Christ und Klaus Kniep
gab es Spannungen, die offensichtlich zu diesem vorzeitigen Ausscheiden des
stellvertretenden Hauptgeschäftsführers führten. Dabei gilt Klaus Kniep als
Kenner der Region: seit 1971 war er IHK-Geschäftsführer, gründete 1973 den
Wirtschaftsjuniorenkreis, 1988 wurde er Honorarprofessor an der Heilbronner
Fachhochschule und war in den letzten Jahren bemühte sich aktiv um
Kammerkontakte in die neuen Bundesländer. - Der nächste, vorprogrammierte
Wechsel dürfte demnächst beim IHK-Präsidenten-Amt anstehen. Wie heißt der
Nachfolger von Otto Christ?
Schadenfreude?
Unser Heilbronner
SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Dieter Spöri und sein Genosse, Umweltminister
Harald B. Schäfer stehen nun im Kreuzfeuer der Kritik in ihrer eigenen Partei.
Spöri wird vom SPD-Fraktionsboss Ulrich Maurer und von den Jusos vorgeworfen,
daß sie sich zu schnell auf die Seite der Kernenergiebefürworter
gestellt haben. Spöri scheint geschwächt, besonders, wenn man die ganze
Geschichte vor dem Hintergrund der Landtagswahl 1996 sieht. Denn da ist es gar
nicht mehr so sicher, daß der smarte Mantel- und Hoffnungsträger von einst
wieder als Spitzenmann der Sozialdemokraten antritt. Zu sehr nehmen ihm viele
Genossen von der Basis seine Nähe zur Industrie übel. Ein „Freund der
Industriebosse“ als erster Mann der Sozialdemokraten? Nein danke, hörte ich auf
diese Frage unlängst im Ortsverein der SPD in Böckingen. Andererseits wäre die
linke Volkspartei schlecht beraten, zöge sie mit einem Anti-Volkstyp, wie es
Uli Maurer einer ist, in den Wahlkampf.
Unnütz wie
ein Kropf?
Sie erinnern
sich noch an den weltweit einzigen und ersten Ozonversuch in
Heilbronn/Neckarsulm? Teuer war er und gebracht hat er keine Erkenntnisse
außer Binsenweisheiten, die schon vor Beginn des Test feststanden. Daß die vom
Auto herausgeblasenen Schadstoffe weniger werden, wenn man nicht fährt oder weniger
Gas gibt war klar. Doch das Stuttgarter Umweltministerium entblödet sich nicht
nun auch noch Geld für eine Umfrage bei der Bevölkerung auszugeben, um
herauszubekommen, wie der Versuch bei der Bevölkerung angekommen ist. 80
Prozent der Menschen haben den Versuch im nachhinein als positiv empfunden.
Ich auch, aber muß ein Umweltminister Schäfer zum Zwecke der Eigenwerbung - und
nichts anderes ist diese Umfrage - Steuergelder verpulvern? Und Schäfer weiß
von den Klimaforschern der Universität Karlsruhe mittlerweile ganz genau, daß
Fahrverbote zu Zeiten hoher Ozonkonzentrationen überhaupt keinen Wert haben.
Man müßte sie dann aussprechen, wenn schlechtes Wetter herrscht, aber ein Hoch
im Anzug ist. Das liegt an den komplexen Umwandlungsprozessen des Reizgases.
Schäfer ignoriert diese längst feststehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse
und betreibt Imagepflege in eigener Sache, und immer wieder muß der Ozonversuch
von Heilbronn/Neckarsulm dazu herhalten.
Ami-Kirche
Eine der
ältesten christlichen Kirchen der Welt, die syrisch-orthodoxe, hat in Heilbronn
endlich ein eigenes Gotteshaus. Für 800.000 Mark konnte die 450-Seelen-Gemeinde
die US-Kirche auf dem Gelände der ehemaligen Wharton-Barracks vom Bund
erstehen. Allein 300.000 Mark sind schon durch Spenden der syrisch-orthodoxen
Christen im Unterland zusammengekommen. Durch „Bettelprediger“ in vielen
Gemeinden dieser christlichen Glaubensrichtung überall in Europa sollen jetzt
Spenden gesammelt werden, um den Rest zur vollen Summe zusammenzutragen. Außerdem
kostet die Renovierung des ehemaligen US-Gotteshauses nochmal eine halbe
Million Mark. Und da hoffen die Syrisch-Orthodoxen auf einen „Sanierungsanteil“
von einer Million Mark durch die Stadt Heilbronn für den sogenannten
Schwabenhof. Ein so großes und intensives Engagement der Gläubigen ist auch den
Gemeinden unserer sogenannten deutschen Volkskirchen zu wünschen. Die
Lebendigkeit des Glaubens ist nämlich am Wirken der Gemeinde zu erkennen und
nicht an verheißungsvollen Worten ihrer amtlichen Verkünder.
Kapitulation
Der 8. Mai
1995 ist ein Samstag und Gedenktag - vor fünfzig Jahren kapitulierte das
nationalsozialistische Deutsche Reich. Für viele, die erst nach dem Krieg
geboren wurden, ist das der Tag der Befreiung Deutschlands von der
Nazi-Diktatur. Und für viele Überlebende, die unter den Nazis erbärmlich
gelitten hatten, dürfte dieser 8. Mai im wahrsten Sinne des Wortes ein Tag der
Befreiung gewesen sein. Aber für die meisten Deutschen damals im Jahre 1945,
die Väter, Mütter, Söhne, Töchter und andere Verwandte oder Bekannte durch das
Kriegsgeschehen verloren hatten, war dieser Tag nur ein Ende der Höllenfahrt,
ein Tag des Aufatmens, nicht unbedingt ein Freudentag. - Heute ist der 8. Mai
Gedenktag, um an schreckliche und tragische Zeiten zu erinnern. Nach diesem
Frühlingstag im Jahre 1945 war Deutschland zerrissen, kein selbständiger Staat
mehr. Das deutsche Volk schien wie gelähmt und stand wegen der ungeheuren
Nazi-Greueltaten am Pranger - vor aller Welt. In dieser „Stunde Null“ gings wie
zuvor auch ums nackte Überleben. Gerade in einer Stadt wie Heilbronn werden in
diesen Mai-Tagen viele ihrer Toten aus den Kriegszeiten gedenken. Befreiung?
Der Hölle entronnen? Untergang? Tag der Niederlage? Alles nur wohlfeile
politische Schlagworte, die den Schmerz, den der Zweite Weltkrieg bei den
Überlebenden damals eingebrannt hatte, nicht wegwischen können.
Kandidaten
Die Freien
Demokraten in der Stadt Heilbronn haben ihren Kandidaten für die Landtagswahl im
März 1996 gekürt: Fachhochschul-Professor Dr. Georg Bucher (43) aus
Schwaigern. Zweitkandidatin wurde die 48 jährige Ingeborg Wenzel,
Chefin einer Personal Service GmbH in Heilbronn. Verwunderlich an der
Geschichte ist eigentlich nur, daß ein Mann aus dem Wahlkreis des
FDP-Landtagsabgeordneten Richard Drautz liberaler Kandidat in Heilbronn wird,
während Richard Drautz seinen Wohnsitz in Heilbronn hat. Wäre es da für die FDP
nicht einfacher gewesen, den Professor Bucher aus Schwaigern im Wahlkreis Eppingen
kandidieren und den Heilbronner Wengerter Drautz in seinem Heimatort für den
Wahlkampf antreten zu lassen? Aber - das ist halt jetzt die hohe Schule der
Politik. Schließlich konnte die FDP bei der letzten Landtagswahl 1992 nur 4,2
Prozent der Stimmen im Wahlkreis Heilbronn erzielen. Und diese hohe Politik,
die versteht unsereins auf dem steinernen Turm eben nicht so richtig.
1. Mai
Der Tag der
Arbeit war in diesem Jahr ein Montag und selbstverständlich wie es Tradition
ist, ein Feiertag. Die deutschen Gewerkschaften und ihre Mitglieder
marschierten und demonstrierten - gegen Arbeitslosigkeit und gegen weiteren
Sozialabbau. In Heilbronn sprach der erste Bevollmächtigte der IG-Metall
Heilbronn/Neckarsulm Frank Stroh zu den 500 Demonstranten und forderte
auf, darüber nachzudenken, wie man flexiblere Arbeitszeitmodelle entwickeln
könne. Aber nicht nur das. Strohs Mairede war staatstragend und regional
bestimmt. Nicht das Gegeneinander, sondern das Miteinander in der Region stand
im Vordergrund seiner Rede. Klar erkannte er, daß selbst bei steigender
Produktion künftig keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen werden.
Strukturwandel war sein Zauberwort . Nur hochwertige Produkte, die am Markt
absetzbar sind, die schaffen günstige Voraussetzungen - auch für den
Arbeitsmarkt. Und deshalb plädierte der Gewerkschafter für den Ausbau der
Umwelttechnologie im Unterland. Das sollten sich auch einige Kommunalpolitiker
hinter die Ohren schreiben - und endlich etwas tun. 8500 Arbeitsplätze sind in
den vergangenen drei Jahren im Unterland abgebaut worden. Das ist ein
schmerzlicher Rekord und 8500 zuviel.
SPD-Krach
Der eine ist
Staatsanwalt und SPD-Fraktionsvorsitzender, der andere Kriminalbeamter und
SPD-Stadtrat. Friedrich Niethammer und Herbert Burkhardt sind jetzt harsch
aneinandergeraten. In einem zornigen Brief schrieb Niethammer seinem
Fraktionskollegen Burkhardt, daß seine SPD-Fraktion im Heilbronner
Gemeinderat kein Haufen sei, wo jeder sagen und machen kann, was er will oder
wo ein einzelner sich rücksichtslos auf Kosten der Mehrheit profilieren dürfe.
Hintergrund: Der Kriminal- und Vorbeugungsbeamte Herbert Burkhardt hatte
sich erlaubt, zum Thema „Verbrechensvorbeugung im Rahmen der Bauleitplanung“ im
Heilbronner Gemeinderat seine eigene Meinung deutlich klarzustellen. Sie stand
im Gegensatz zu Aussagen des SPD-Bürgermeisters Harald Friese und der
SPD-Fraktion. Beifall erhielt Burkhardt für seine Ausführungen von der CDU und
den Repubikanern. Jetzt drohte Niethammer in einem Brief, daß seine Partei und
die Fraktion sich von diesem undisziplinierten Kollegen so schnell wie möglich
trennen wolle. Burkhardt solle seinen politischen Standort überprüfen und
möglichst rasch Konsequenzen ziehen. Aber der denkt gar nicht daran. Er will
seine Meinungen nach wie vor standhaft vertreten, ob es Friedrich Niethammer
paßt oder nicht. So ist das halt, wenn die Erfahrungen aus der Praxis und der
Theorie aufeinanderprallen. Ich hoffe nur, daß auch bei der SPD Rede- und
Meinungsfreiheit im Heilbronner Rathaus nicht durch Fraktionszwänge ausgehebelt
werden.

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