Dienstag, 18. Februar 2014

Kiliansmännle, 27.12.1995



Ladenschluß
Das fragen sich viele: Wird die Änderung des Ladenschlußgesetzes ein Wahlkampfthema? Schließlich schreiten in drei Monaten die Bürger in drei Bundesländern zur Wahl – in Baden-Württemberg, Rheinland und Schleswig-Holstein. Nach den liberalen Chaostagen in Bonn hat das Bundeskabinett einen Beschluß verabschiedet, der besagt, daß täglich bis um 20 Uhr geöffnet werden kann – so der Ladenbesitzer will. Und samstags kann auch länger verkauft werden. Aber ich sehe schon: Da werden die Gegner, Einzelhandelsverband in trauter Zweisamkeit mit der Gewerkschaft ÖTV, zum Sturm blasen. Dabei ist die Regelung überfällig, vor allem wenn wir uns als Europäer und Demokraten der Welt zeigen wollen. Oder war der Beschluß in Bonn nur ein Zuckerle zum Weihnachtsfest für die angeschlagenen Freidemokraten, deren Wirtschaftsminister man aus jenem Regen herausholen wollte, in den ihn seine eigene Partei geschubst hatte? Die Argumente, das Für und Wider, sind nun langsam genug hin und hergewälzt worden. Jetzt reicht es. Die Politik müßte eigentlich entscheiden. Aber gemach, gemach! Erst im neuen Jahr, irgendwann in ein paar Monaten, kommt der Kabinettsentwurf in den Bundestag. Und wer weiß, ob sich bis zu den Landtagswahlen die FDP nicht derart zerfleischt hat, daß sie die Koalition in Bonn verläßt. Bei einer Großen Koalition dürfte das Thema auf der langen Bank liegen – und bei Neuwahlen im Bund? Darüber sollen andere spekulieren. Wir feiern erst mal gemütlich Silvester – und warten danach auf eine Neuauflage des Theaterstücks: Pro und Contra Ladenschlußgesetz in Deutschland. Dasselbe Stück dann vielleicht in neuer politischer Besetzung.



Wald-Randale

Sind Sie auch schon an einem dieser schönen, frostigen Wintertage spazierengegangen? Warm eingepackt lohnt sich derzeit so eine kleine Wanderung durch Wald und Flur. Wenn ich meinen Blick über die Stadt Heilbronn schweifen lasse, dann sehe ich vor allem samstags und sonntags viele  Bürger auf den Weinberg- oder Waldwegen rund um das Käthchen-Städtchen geruhsam flanieren. An einem der vergangenen Adventssonntage stieg ich runter vom Turm und war im Wald unterwegs. Da sah ich auf den Waldwegen rund um den Gaffenberg einige Jugendliche, teilweise wohlbeleibt, Waldkrieg spielen. Sie kämpften – offensichtlich nur so zum Spaß – mit langen Stöcken nicht nur gegeneinander, grölten und lachten viel und laut, so daß die Hunde der anderen Waldbesucher ängstlich ihre Schwänze einzogen. Darüber hinaus schlugen die Kerle auch mit ihrem Kampfwerkzeugen lustig auf die Bäume an den Wegen und am Waldrand ein. Was mußte ich nach meinem Spaziergang sehen? Auf rund 200 Meter Waldweg abgeknickte junge Bäume, der Spazier- und Jogging-Weg voller großer Holzteile, als wenn ein heftiger Sturm über die Gipfel und das Gehölz gefegt wäre. Ich habe in letzter Zeit viele Mitbürger auf unseren Waldwegen beobachtet, die mit abgeschnittenen Tannenzweigen für die Vasen ihrem parkenden Auto zustrebten. Aber die Folgen einer derart brutalen Waldrandale sind mir bisher noch nicht begegnet. Jugendlicher Vandalismus der besonderen Art. Es dürfte wurscht sein, ob von deutschen oder ausländisch sprechenden Heranwachsenden – wie in diesem Fall – die Untaten begangen werden. Solche Zerstörungen sind genauso schlimm, wie der Mißbrauch des Stadtwaldes als Hundeklo. Jene düngenden Rückstände der kläffenden Vierbeiner waren ja dank der weißen Schneedecke in den letzten Wochen wieder in ihrer ganzen stinkenden Pracht zu bewundern.



Machtlos?

Wir haben Weihnachten gefeiert. Manche weniger fröhlich. Andere, und das dürfte die Mehrheit sein – wie vom Turm aus sehen konnte – doch recht stimmungsvoll. „Oh du fröhliche ...“. Wie in jedem Jahr in deutschen Landen. Denn hier bei uns ist das Weihnachtsfest ja auch zuhause. Sagen die Ausländer. So machen wir halt täglich – das ganze Jahr über – die Dinge, die wir immer tun. Unabhängig von den Geschehnissen in der weiten Welt, wie immer sie auch geartet sein mögen. Wir agieren im Kleinen, im Privatbereich - und reagieren damit auch auf das, was von außen kommt. Woher? Niemand weiß es so genau. Sei es beim Klima, im wirtschaftlichen Auf und Ab oder bei einer Grippewelle. Was sollen wir auch anderes tun, die wir nicht an den Hebeln der Macht sitzen, keine Beweger sind. Und selbst jene, die dort sitzen, die können meistens auch nur mit ihrem Handeln reagieren. Der Krieg vor unserer Haustür in Bosnien hat es uns vor Augen geführt. Für den Frieden dort müssen wir – das heißt auch deutsche Soldaten – etwas tun. Und damit begeben sie sich in tödliche Gefahr. Wie einst jene Soldaten, die uns 1945 von der Diktatur befreiten. Soldaten sind Mörder? Hätten Pazifisten 1945 vor den Toren deutscher KZs mit diesem Spruch auf ihren Schildern gestanden, ich glaube, die gerade befreiten KZ-Häftlinge hätten ihre alliierten Soldaten-Befreier energisch in Schutz genommen und sich vehement gegen die Sprücheklopfer gewehrt. So wie jetzt die Menschen in Bosnien genau wissen, daß die Nato-Soldaten nicht mit jenen zu verwechseln sind, die ihnen jahrelang als mörderische Banden nach dem Leben trachteten. „Vom sicheren Port läßt sich gemächlich raten“ – und dumme Sprüch verbreiten. Vor allem auf grünen Parteitagen.



Hauen und Stechen

Beim Schlagabtausch zwischen Politik und Wirtschaft geht es in letzter Zeit nicht zimperlich zu. Die Schläge sollen auch treffen – und verursachen Schmerzen. Ich meine nicht nur, daß die Arbeitgeber die regierende konservativ-liberale Koalition in Bonn ordentlich zausen. Auch die Gewerkschaften sind mit Lösungsvorschlagen, die aus dem ihnen nahestehenden Politlager kommen, nicht einverstanden. Und so vermitteln die Tarifpartner, daß in Bonn oder Stuttgart Politik nicht mehr gestaltet, sondern daß dort nur noch das Allernotwendigste entschieden wird. Alles stöhnt über die hohe Abgaben- und Steuerlast. Unsere obersten Politiker schreien laut „Sparen“ und bedienen sich schamlos aus dem Steuersäckel, wenn es um ihre eigenen Bezüge geht. Ob aus dem linken oder rechten Lager. Da werden hunderttausende von Mark Übergangsgelder für eine Person gezahlt, obwohl dieser Politiker nur auf einen Ruheposten in öffentlichen Banken oder Unternehmen abgeschoben wird. Da treten Minister zurück – und ihre Staatssekretäre auch gleich, und das Geld fließt in Strömen. Ich sage nur Schnarri, Hirsch, Roth, etc. So verstehe ich auch, wenn es für den Arbeitgebervorsitzenden aus der Region Franken Karl Schaeff ein besonderes Ärgernis ist, daß die Bundestagsabgeordneten monatlich eine steuerfreie Kostenpauschale von 6.000 Mark erhalten, während gleichzeitig mit dem Steuerjahresgesetz ’96 eine Spesenregelung in Kraft tritt, die sowohl für Unternehmen als auch deren Mitarbeiter völlig unverständlich ist. Karl Schaeff macht deutlich: Das hat verheerende Auswirkungen auf die Motivation der Arbeitnehmer. Um die Wirtschaft in Deutschland voranzubringen, seien Kostenumverteilungen und höhere Steuerbelastungen das völlig falsche Rezept. Notwendig seien echte Sparmaßnahmen. – Aber ich sehe von hier oben keine „Sparmaßnahmen“, die diesen Namen verdienen. „Weniger ausgeben“, das heißt eben noch lange nicht sparen. Jeder anständige Hausfrau weiß das. Nur viele Politiker wissen es offenbar - noch nicht.



Sekten-Quark

In Tauberbischofsheim wird vom berühmten Emil Beck ein Mitarbeiter entlassen. Grund:  Der Mann verhehlt seine Sympathien für die Scientologen nicht. Im dritten Fernsehprogramm Südwest 3 wird über Scientology diskutiert und die Moderatorin Jaqueline Stuhler kennt offenbar diesen Fall aus Baden-Württemberg nicht. Und vieles andere auch nicht. Was mir kurz vor Weihnachten da am 20. Dezember auf dem Bildschirm geboten wurde, war schon ein starkes Stück. Der Südfunk kritisiert in seiner Abendschau gegen 19.20 Uhr die Machenschaften des ABI-Vorstandsvorsitzenden Eberhard Kleinmann, der auch im Unterland als Scientologen-Jäger kein Unbekannter ist. Er soll Firmen, die bei ABI um Hilfe gegen Scientologen-Unterwanderung nachgesucht hatten, mit billigen und wertlosen  Fotokopien uralter Zeitungsartikeln bedacht haben, für die er auch noch satte Summen verlangte. Dabei wird sein Stuttgarter Institut vom Staat honorabel subventioniert. Ein Heilbronner Unternehmer namens Eberhard Schaul war empört über die Praxis dieses Herrn Kleinmann. Aber das spielte beim Scientologen-Spektakel am späten Abend dann gar keine Rolle mehr. Lügner, Betrüger beschimpften sich die Kontrahenten. Man spie Gift und Galle – von allen Seiten. Und auf der Strecke blieb die demokratische Streitkultur. Über Scientologen war wenig zu erfahren. Dafür aber umso mehr über selbsternannte Hexenjäger, wie sie sich bespitzeln, mit Prozessen überziehen, mit halbwahren und unwahren Behauptungen traktieren und ständig beleidigen. Wir hatten zweimal in diesem Jahrhundert deutsche Staaten, die Religionsfreiheit mißachteten, in denen christliche Kirchen schamlos sich zu Handlangern der Diktatur deformieren ließen, Sektenmitglieder in KZs gesteckt wurden (Zeugen Jehovas). Wer die Sekte der Scientologen mit denunziatorischen Mitteln aus der Nazizeit, mit Halbwahrheiten bekämpfen will, der macht sich zum Handlanger jener, die Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit einschränken wollen. Der liberale Staat möge uns vor solchen Fundis schützen. Und der öffentlich-rechtliche Südfunk vor solch chaotischen Sendungen. Dafür sind die Gebühren zu hoch.



1995 – ade

Was war das nun für ein Jahr – dieses 1995? Ich erinnere mich noch, wie zu Beginn des Jahres die Spezialisten aus Politik und Wirtschaft über einen Schimmer am Konjunktur-Horizont frohlockten und eine Wende ins Positive voraussagten. So im Herbst ’95 sollte der Aufschwung dann zum Tragen kommen. Leider, leider. Es wurde nicht viel aus diesen Hoffnungen. Die Voraussagen erwiesen sich als Wort-Müll. Der Gürtel muß noch enger geschnallt werden, weil in Staat und Gesellschaft das Geld fehlt. Wenn Politikern nichts mehr einfällt, dann erhöhen sie die Steuern und Abgaben. Und auch dieser platte Spruch ist mit seiner ganzen naiven Wucht Realität geworden. Zum Jahreswechsel hat Otto Normalverbraucher weniger Geld in der Tasche als zuvor. Der private Verbrauch stagniert. Die Wirtschaftsinstitute revidieren ihre Prognosen nach unten – und setzen einen Aufschwung mit „moderatem Tempo“ erst für die zweite Hälfte des Jahres 1996 an. Bis dahin kann viel geschehen. Siehe 1995. Fazit für das zu Ende gehende Jahr: Die Konjunktur hat sich deutlich abgekühlt. Der Aufholprozeß in den neuen Bundesländern hat an Schwung verloren. Man spricht noch nicht von einer Rezession, nur von einer Wachstumsdelle. Und vor diesem Hintergrund muß in Baden-Württemberg ein Landtagswahlkampf geführt werden, bei dem es nichts zu verteilen gibt, sondern offenbar nur zu holen. Die Frage, mit der Politiker im Wettbewerb stehen: Wer kann wie und wo am besten sparen? Richten wir uns also für das kommende Jahr auf kalte Zeiten ein. Nicht nur in den ersten winterlichen Monaten.



Harmonie-Neubau?

Einst sagte mir ein Kenner der kommunalen Szene in Heilbronn: Der alte Kasten Harmonie gehört einfach abgerissen. Daran herumpopeln, ständig irgendwo eine Reparatur machen, dort einen Anbau, hier einen Ausbau – das bringt nichts. Der Neubau einer Kongreßhalle, das wäre für Heilbronn der richtige Ansatz. Mitten in der Stadt. Das Gelände des Harmonie-Parks, die alte WG und das ehemalige Rathgeber-Gelände wären für solche Planungen ausreichend. Aber nein. Jetzt wird erstmal ein Realisierungs- und Ideenwettbewerb für 267.000 Mark ausgeschrieben. Die Planungsbüros werden sich freuen. Man will herausfinden, wie ein 700-Plätze-Saal in die alte Tante Harmonie hineingepreßt werden kann. Insgesamt soll dann irgendwann das Haus zu einem Kongreß- und Konzertzentrum ausgebaut werden – für weitere 15 Millionen Mark. Aber das kennen wir ja schon vom Heilbronn Theater. Da sollte der Wiederaufbau des zerstörten schönen Jugendstiltheaters zunächst auch nur sechs Millionen oder ein Neubau 12 bis 15 Millionen Mark kosten. Letztlich kamen rund 100 Millionen für den Prachtbau am Berliner Platz zustande. An dem wurde in der Planungsphase soviel ab- und umgeändert, daß man heute nicht gerade von einem architektonischen Meisterwerk sprechen kann. Eher von einem prächtigen „Schuppen“. Es war halt teuer. Aber das wars auch schon. Technisch einigermaßen „ok“, nur sollte man den Intendanten nicht fragen, wie und ob alles zu seiner Zufriedenheit funktioniert. Ich darf den Kopf ja nicht schütteln. Sonst fällt mir noch ein Stein aus der Mütze. Sie aber dürfen.



Neckar-Fische

Wenn die Friedrich-Ebert-Brücke eingeweiht wird, irgendwann im Frühjahr des nächsten Jahres, dann wird es auch ein Fischerfest rund um das Bauwerk geben. Und da hab ich doch neulich gesagt: Hoffentlich nicht mit Fischen aus dem Neckar. Diese dumme Bemerkung hat so manchen Unterländer Hobby-Fischer mordsmäßig geärgert. Teilte mir doch einer erzürnt mit: Wenn der Verzehr von Fischen aus dem  Neckar gesundheitsschädlich wäre, dann käme es einem Verbrechen gleich, daß Angelkarten von den Ämtern ausgegeben werden. Trotz Einspruch meinerseits, daß es ja auch Hobbyfischer gäbe, die nur so zum Spaß angeln, um die Fische dann wieder ins Wasser zu werfen, wurde mir klar und deutlich gesagt: Rotauge, Rotfeder, Schleie oder Aal aus dem Neckar könne man durchaus verspeisen, genauso wie Wels und Zander. Die Nachricht hör ich gern. Gegessen hab ich diese edlen Wassertiere bisher aber noch nicht. Und in einem Heilbronner Gasthaus wurden mir auch noch keine angeboten und serviert. Vielleicht wär es mal an der Zeit, daß sich die heimische Gastronomie der Fische aus dem Neckar annimmt. Denn wie mir die Angler mitteilten, würden ihre Vereine das Fleisch der Fische jährlich untersuchen lassen – und dabei hätte es bisher keine Beanstandungen gegeben. Nur beim Wels über einen Meter, da solle der Genießer dann doch vorsichtig sein. Ansonsten gäbe es sogar einen Überbesatz an Fischen im Neckar. Was mir  auch wiederum neu war. Und Ihnen? Haben Sie eigentlich in letzter Zeit Neckarfische gegessen?



Schulden

Und ist man völlig ruiniert, dann lebt’s  sich völlig ungeniert. Soweit ist die Stadt Heilbronn noch nicht. Aber bei einer geplanten Verschuldung von 526,1 Millionen Mark (für 1995 sollen es 385,3 Millionen sein), hat im nächsten Jahr jeder Heilbronner 4.322, 40 Mark Schulden – ob er will oder nicht. In diesem Jahr sollen es nur 3.165,60 Mark gewesen sein.  Mal sehen, was bei der Endabrechnung herauskommt. Jetzt sei an Wünschenswertes kaum mehr zu denken, meinte der OB bei der letzten Gemeinderatssitzung vor dem Weihnachtsfest. Recht hat er. Denn 1997 muß die Stadt für ihre Schulden jährlich 63 Millionen Mark an Zins und Tilgung aufbringen. Das sind Summen – für mich einfach nicht vorstellbar. Hatten Sie jemals eine Million in Scheinen in der Hand? Ich noch nicht. Aber die Stadt ist ja ein Konzern mit mehr als 4.000 Mitarbeitern. Privatwirtschaftlich wäre er schon pleite. Aber wir Steuerzahler halten ihn am Leben. Und verantwortlich für die Schulden? Sind wir Bürger. Sagen die Politiker. Wir würden zuviel an Leistungen vom Staat fordern. Ich meine, die Politiker versprechen irgendwelchen Lobbyisten zuviel – und halten das auch noch ein. Nicht uns Bürgern. Es täte gut, diesen Lobbyisten  aus den Vorzimmern mal die Türe zu weisen. Da liegt der politische Hund begraben. Die Mehrheit der Bürger wäre dankbar und froh, wenn sparsam beim Staat gewirtschaftet würde, ohne Schulden, die den Enkeln vererbt werden. Also: Wie wärs denn mal mit Leistungslohn für Bürgermeister? Und Verantwortung beim Gemeinderat, die einklagbar ist?



Wann geht Fiat?

Entschieden wird letztlich in Turin, der Zentrale des italienischen Fiat-Automobilkonzern, ob Abteilungen der deutschen Zentrale nach Frankfurt am Main abwandern oder ob sie in Heilbronn bleiben. Viel Unruhe haben die zum Jahresende bekanntgewordenen Pläne des Unternehmens unter der Belegschaft kurz vor den Weihnachtstagen ausgelöst. Der Fiat-Betriebsrat zeigte sich über die Unterstützung von Seiten der Stadt Heilbronn und der Unterländer Landtagsabgeordneten nicht gerade begeistert – im Gegenteil. Man hatte weitaus mehr an Solidarität erwartet. Jetzt sind die Pläne erst mal auf Eis gelegt. Heilbronns Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann und der Wirtschaftsminister Dr. Dieter Spöri wollen gemeinsam im Januar 1996 nach Turin reisen, um die Spitze des Konzerns davon zu überzeugen, daß Heilbronn der deutsche Sitz des Automobilkonzerns bleiben muß, inklusive aller heute schon hier befindlicher Abteilungen. Nichts soll ab nach Frankfurt. Und die Argumentation, die der OB im Neckar-Express-Interview vor zwei Wochen aufzählte, die ist ja auch durchaus schlüssig. Hinzu kommen noch die Worte von Dieter Spöri, daß in unserem vernetzten, digitalen Informationszeitalter der Standort eigentlich Nebensache sei. Firmen wie Würth in Künzelsau oder SAP in Walldorf legen dafür täglich Zeugnis ab. Aber so schnell schießen die Italiener auch nicht. In Turin steht schließlich ein Wechsel an der Konzernspitze an. Also – alte und neue Fiat-Bosse: Gebt Eurem Herzen ein Stoß und seid Heilbronn gnädig.

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