Dienstag, 18. Februar 2014

Kiliansmännle, 06.12.1995



Rote Eierwürfe
Vor einigen Wochen schrieb mir eine 31jährige Frau mit Namen „Anja Semmelweiß“ einen bitterbösen Brief. Mitglied der SPD will sie sein - und auch bei den Jusos gelegentlich mitarbeiten. Aber die SPD im Unterland kennt diese Dame nicht. Sie ist dort weder als Parteimitglied noch als Jungsozialistin registriert. Wäre sie es gewesen, hätte ich ihren Namen nie genannt. Aber so ist es halt nur ein schöner und falscher Name. In ihrem 21-Seiten-Brief teilte sie mir auch nicht mit, wo sie wohnt. Also ab damit in den Papierkorb, wie viele andere anonyme Briefe. Oder abgeheftet in meinem  Ordner „Kuriositäten“. Wenn da nicht die Drohung mit Steinen und Molotow-Cocktails wäre, die jene Dame in die Neckar Express-Redaktion werfen lassen will. Weil ich im September diesen Jahres geschrieben hatte, daß die Gleichheit von Männern und Frauen vor dem Gesetz auch Pflichten mit sich bringt. Zum Beispiel die Wehrpflicht. Was in anderen Ländern wie in Israel und den USA ja schon durchgesetzt ist. Dort tragen Frauen auch den Soldatenrock. Aber Drohungen sind eine Sache - und Tatsachen eine andere. Die Eierwürfe der letzten Woche gegen die Eingangstür des Neckar Express in der Heilbronner Orthstraße 19 lassen mich hellhörig werden. Wer Gewalt einsetzt, um damit seinen Widerwillen kund zu tun, der sollte sich der Folgen bewußt sein. Ob nun zwischen dem linksradikalen Argumenten jener anonymen Dame, der Steinwurf- und Molotow-Cocktail-Androhung und den Eierwürfen der letzten Woche ein Zusammenhang besteht, das ist bisher nicht zu beweisen. Sicher ist nur, daß einige wütende und drohende Briefe aus linksradikalen Kreisen beim Kiliansmännle eingegangen sind. Und die stehen ganz in der Tradition jenes Freiheitsbegriffs, der im roten Ostblock einst gepflegt wurde:  Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein.



Fiat wohin?

Seit 1947 hat die Deutsche Fiat Automobil Aktiengesellschaft ihren Sitz in Heilbronn. Ein Kind der Nachkriegsgeschichte. Wenn Fiat jetzt Teile des Hauses nach Frankfurt am Main auslagert, dann hat diese Entscheidung in erster Linie etwas mit dem Standortvorteil in der Mainmetropole zu tun. Sagen die Firmenvertreter. Dort sind die großen Banken und andere wichtige Dienstleister wie Presse- oder Wirtschaftsagenturen. Und da Fiat in Deutschland nicht produziert, sondern nur ein Handelsunternehmen ist, dürfte die Argumentation in diese Richtung nicht ganz unschlüssig sein. Am Montag (4. Dezember) wurde von 300 Firmenangestellten, Gewerkschaftern der IG-Metall und durch Dr. Dieter Spöri, baden-württembergischer Wirtschaftsminister heftig gegen diese Umzugspläne protestiert. Vor dem Firmensitz im Heilbronner Industriegebiet hatten sich die Protestversammlung eingefunden. Harte Worte fand der IG-Metall-Chef aus dem Unterland Frank Stroh für die Fiat-Manager. ihnen gehe es nur um die Humanisierung der Arbeitsplätze von Vorstandsmitgliedern. Auch Dieter Spöri warnte vor dem Umzug. Denn die neuen Kommunikationstechniken böten genügend Möglichkeiten, so der Wirtschaftsminister: Vernetzte Arbeitsplätze, On-Line-Dienste, Multimedia. Und da spiele es dann letztendlich keine Rolle, ob ein Unternehmen aus Frankfurt oder Heilbronn geführt werde. Und er nannte auch Namen von Unternehmen, die aus der Provinz heraus sozusagen ihre Welt regieren: Würth in Künzelsau oder SAP in Walldorf. Nun, wer will, der kann auch aus Heilbronn heraus einen Konzern führen. Aber die Mutter von Fiat Deutschland sitzt im italienischen Turin. Und letztendlich werden die Entscheidungen dort gefällt. Ich habe den schlichten Eindruck: Dort ist die Entscheidung für Frankfurt schon längst gefallen. Jetzt stellt sich mir die Frage: Wann zieht die Fiat-Bank aus ihren angemieteten Räumen  in Heilbronn um - vielleicht auch an den Banken-Platz Frankfurt?



Zeichen locken

Die schöne Weihnachtszeit macht die Herzen groß und breit. Oder auch ein wenig weich. Das wissen Tippelbrüder und Bettler am besten. Seit Jahrhunderten schon verständigen sie sich untereinander mit sogenannten Zinken an der Wand: An den Hauswänden ihrer Opfer. Was andere als Kindergeschmier abtun, ist in diesen Kreisen das Morsezeichen. Striche, Kreise, Kringel erklären den Eingeweihten alles Wissenswerte über die Bewohner des Hauses und ihre Eigenheiten. Bettler und Landstreicher signalisieren sich mit Zinken, wo es etwas zu holen gibt. Sie informieren über die Zahl  und das Geschlecht der Hausbewohner. Wie viele Männer, Frauen oder Kinder. Ist die Frau allein im Hause - und wenn ja, wann. Die Gaunerzeichen zeigen an, wo auf Geld oder Essen oder ein Plätzchen zum Schlafen zu hoffen ist. Gaunerzeichen sind eine Geheimsprache, eine Möglichkeit, sich gegenseitig zu informieren. Ein einfaches Kreuz bedeutet: Fromm tun, dann gibt es was zu holen. Ein großes „V“: Als Kranker hast Du bessere Chancen. Zwei gekreuzte Krücken sagen:  In diesem Haus hat ein Krüppel Glück. Andere Zinken warnen die Kameraden. Weil man fürs Geld arbeiten muß, ein bissiger Hund durch den Garten streunt, das Haus mit einer Alarmsignal ausgerüstet ist, ein Polizist im Hause wohnt. Aber das ist nur die eine Seite der Gaunerei. Moderne Verbrecher telefonieren derzeit mit dem Handy, haben Anrufbeantworter, arbeiten mit Computer der Spitzenklasse, schreiben ihre Geschäftsbriefe auf Laptops, faxen was das Zeug hält, fahren auf der Datenautobahn oder hängen im Internet. Die Polizei mit ihren alten Geräten, mit ihren nach der Vernunft ausgerichteten Ermittlungsmethoden hat da oftmals nur am Rande eine Chance, den professionellen Gaunern auf die Schliche zu kommen. Also aufgepaßt: Zeichen an der Wand einfach wegwischen, wenn niemand im Haus weiß, wer sie angebracht hat.



Trauerarbeit

Böse Briefe gab es, weil ich in der letzten Woche an dieser Stelle gefragt hatte: Wo sind sie geblieben, die aktiven Kommunisten der siebziger, achtziger Jahre, die so erfolglos immer bei Kommunalwahlen kandidierten, in der Friedensbewegung so engagiert gegen die Atomraketen der Amerikaner bei uns in Heilbronn wetterten und kämpften, ohne zu erwähnen, daß ihre Klassenbrüder im Osten ebenso schreckliche Waffen auf die Bevölkerung hier bei uns gerichtet hatten. Als der kommunistische Ostblock-Spuk so sang- und klanglos in sich zusammenbrach, weil die Völker in Polen, Ungarn, Rußland und auch im Osten Deutschlands einfach die Nase voll hatten vom alltäglichen Terror und den offensichtlichen Lügen, da verschwanden nicht nur die Raketen der Amerikaner aus Heilbronn, sondern die friedensbewegten Kommunisten verstummten nahezu - bis zum heutigen Tage. Wo sind sie geblieben? Etwa im politischen Untergrund? Dabei wäre es doch wahrlich sinnvoll, wenn sie sich jetzt wieder formieren würden - als „echte sozialistische Alternative“. Diesmal allerdings ohne die Gelder aus dem Osten, die einst von den roten Diktatoren der Bevölkerung schamlos abgepreßt wurden. Jetzt heißt es auf eigenen Beinen stehen, Mitgliedsbeiträge sammeln, sich dem demokratischen Wettbewerb stellen. Aber offensichtlich haben Sozialisten und Kommunisten zur Zeit mit ihren Politik-Modellen keine große Konjunktur. Selbst die Sozialdemokraten bei uns im Ländle müssen hart kämpfen, um über die 30-Prozent-Marke bei Wahlen zu gelangen. Und ich prophezeie, wenn die gewendeten Kommunisten und Sozialisten demnächst mal wieder als „Partei des demokratischen Sozialismus“ namens PDS bei uns antreten, dann werden sie dort landen, wo sie früher meistens herumkrebselten: Unter zwei Prozent. Wie heißt es so schön: Aufarbeiten, Trauerarbeit und Vergangenheitsbewältigung leisten - und mit den Resultaten dann vors Wahlvolk treten. Aber wer will schon ein Gesellschaftsmodell wählen, das sich selbst ad absurdum geführt hat.



Nikolaus war da

Heute ist der erste große Festtag im Monat Dezember. Vor allem für die Kinder. Wer seinen Schuh oder Strumpf gestern abend ordentlich rausgehängt oder rausgestellt hat, der findet süße Sachen in dem Behältnis. Sofern er oder sie die Fußbekleidung vorher ordentlich gereinigt hat. Denn wie mir der Nikolaus insgeheim verriet, steckt er seine Gaben in keine Stinkestrümpfe oder Schweißschuhe. Und darum – so erzählte er mir -– wollen immer mehr Menschen die Gaben schlicht auf den Tisch. Vor allem die Erwachsenen. Was sollen denn auch die Schmuckstücke, die Krawatten, die Feuerzeuge oder Edelschokoladen in den Traditionsbehältnissen? Wenn der Vater nervös am Morgen in die Schuhe schlüpft, einfach nicht daran denkt, daß heute Nikolaus ist, dann hat er vielleicht die Krawattennadel im großen Zeh stecken. Und da gehört sie ja nun wahrlich nicht hin. Oder die Frau Mama: Was soll ihr Seidenschal in der Strumpfhose. das ist nun wirklich keine Überraschung mehr! Und die Kinder? Deren Computer-Spielzeug paßt nun wahrlich in keinen Strumpf mehr hinein. Auch die Riesen-Schokoladen-Nikoläuse haben da keinen Platz. Und bei mir? Ich habe vom Nikolaus nichts bekommen. Ein neuer Stein für meinen Sockel, der war ihm einfach zu schwer.



Essen & Trinken

Die Zeiten als mit Geschäftsessen das große Geld in den Gourmet-Tempeln verdient wurde, die scheinen vorüber zu sein. Küchenchefs mochten diese Großessen ohnehin nie so recht. Denn, was sich da unter dem Dach so mancher Firmenkasse als Feinschmecker in den heiligen Hallen labte, das hatte es mehr auf die kostenlose Abspeisung und einen guten Geschäftsabschluß abgesehen als auf die Kochkünste des Küchenchefs. Heute ist wieder mehr das Preis-Leistungs-Verhältnis gefragt, die Phantasie des Kochs und ein guter Service. Wobei unter Service nicht die übertriebene, manchmal höfisch wirkende Betreuung, sondern Fachkompetenz verstanden wird. Und dann kommen die Gourmet-Führer-Begutachter, prüfen und bewerten. Ob der Kunde sich nun an dieses Urteil hält oder nicht, das ist weniger entscheidend als die gute Mundpropaganda. Wem es bei dem einen oder anderen Koch gefallen hat, der sagt`s weiter. Und mit den Kritiken, da verhält es sich so wie beim Kino. Zumindest bei mir. Es gibt Kritiker, denen vertraue ich, weil sie mich mit ihrer Beurteilung selten enttäuscht haben. Andere lese ich gern wegen ihrer Schreibe, aber vertraue ihnen nicht. In einer Bewertung sind sich aber alle einig: Die Schweizer Stuben in Wertheim-Bettingen, das ist nicht nur das Beste, was sich an Küche in der Region bietet, sondern dort kocht unverwechselbar ein Mann namens Schilling, der seinesgleichen sucht. Ansonsten habe ich schon bittere Erfahrungen mit den Mützen und Sternen gemacht. Da werden Restaurants, auch bei uns im Landkreis, hoch gelobt. Und wenn ich als Otto Normalverbraucher dort esse, dann stimmt der Service nicht und Speisen sind ungenießbar. Zum Beispiel Maultaschen, die außen lauwarm und innen mit Vereisungen versehen waren. Keine neue Kreation des Kochs, sondern Schlampigkeit, die mich mehr als stutzig macht. Auch wenn sie nach der Beschwerde bereinigt wird.



4. Dezember

Im Jahre 1944 - an einem 4. Dezember: da sank Heilbronn in Schutt und Asche. Rund 7.000 Menschen fielen den Bomben zum Opfer. Der schwärzeste Tag in der Geschichte der Stadt Heilbronn sei dieser 4. Dezember 1944 gewesen. Sagte Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann am Montag dieser Woche vor den vielen  Trauernden im Köpfertal. Und mahnend wies er auf die aktuelle Kriegssituation in Europa hin. Nur die Liebe könne den Haß der Menschen untereinander überwinden. Aber seltsamerweise speist sich dieser Haß ja immer wieder aus jenen Quellen, die eigentlich die Liebe, das Himmelreich, den einzig wahren Gott auf ihre Fahnen geschrieben haben. Denn wie anders erklärt sich, daß Christen und Moslems im ehemaligen Jugoslawien aufeinander schießen. Warum terrorisieren Juden Moslems und umgekehrt. Warum tötet ein Jude den Ministerpräsidenten seines Landes - und Orthodoxe klatschen Beifall und sammeln Geld für seine Verteidigung? Warum schießen Protestanten und Katholiken aufeinander in Irland? Und warum kämpfen Moslems gegen Moslems wie zum Beispiel in Algerien? Hilflose Erklärungsversuche werden dafür tagtäglich von klugen Leuten herausgearbeitet. Geändert hat sich aber wenig. Die Konflikte sind nicht entschärft. Und das Töten im Namen von Gerechtigkeit und Gott geht weiter. Wir dürfen unsere Finger nicht allzu stark auf jene richten, die heute so handeln. Denn es ist noch nicht allzu lange her, da wurde bei uns auf Mitmenschen an der Zonengrenze wild geschossen, da wurde im Namen des Führers aller Deutschen bestialisch gemordet. Friede auf Erden - eine Worthülse?



Weihnachtsmarkt

Auf dem Altdeutschen Weihnachtsmarkt in Bad Wimpfen erzählte ein Christkind (mit Namen Sandra), daß auf den Wunschzetteln der Kinder vornehmlich zu lesen sei: Computerspiele. Da muß der Wimpfener Weihnachtsmann also kräftig in Südostasien einkaufen gehen. Da ich bei der Eröffnung des Traditionsmarktes nicht mit von der Partie sein konnte, hab ich mir am Freitag letzter Woche das Spektakel im Fernsehen angeschaut. Denn in Südwest 3 ist das Wimpfener Auftaktgeschehen für alle Schwaben und Badener übertragen worden. Was wünscht sich unser Wimpfener Christkind zu Weihnachten? Antwort: Ein neues Snowboard. Und: „Was macht ein Christkind im Sommer?“, lautete die letzte Frage des interessierten Fernsehreporters. „Urlaub“, so die muntere Antwort unseres Wimpfener Christkinds. Was auch sonst, wenn dem Reporter keine bessere Frage einfällt. Danach habe ich die Glotze abgeschaltet und dem Treiben auf dem Heilbronner Weihnachtsmarkt wieder interessiert vom Turm aus zugeschaut. Dort zwischen Käse- und Wurstständen, Heiße-Würstchen-Buden und Kunschd-Kram gibt‘s sogar begehbare kleine Kaufhäuser. Man kommt sich vor wie in einem Supermarkt. Weihnachtsschmuck aus allen Teilen Deutschlands, aber auch die feinen Waren aus Fernost. Dort weiß man halt, was deutsche Seelen so alles an Flitter- und Glitzerkram zum Fest der Feste benötigen. Woher? Wahrscheinlich von jenen deutschen Geschäftsleuten, die diese Weihnachtswaren dort im fernen China (zum Beispiel) preiswert fertigen lassen. So manches soll ja auch aus den chinesischen Gefängnissen, die zum industriellen Komplex der Armee gehören, kommen. Wenn sie halt schon nicht mit ihrer abstrusen kommunistischen Ideologie unsere westliche Welt überholen konnten, mit billigen Arbeitskräften geht‘s allemal. Damit kann die freie Welt schon eher - rein wirtschaftlich - in die Knie gezwungen werden. Übrigens: Weihnachtsmärkte gibt‘s ja nicht nur auf Marktplätzen in der Region, sondern in nahezu jedem Kaufhaus und Warencenter. Und mir schien, als ob dort die Waren preiswerter sind. Oder?



Ebert-Brücke

19 Millionen Mark hat sie gekostet. Seit Juli 1993 wurde gebaut. Im März 1991 hatte es noch geheißen, daß „reine Baukosten“ in Höhe von 14 Millionen anfallen werden. Jetzt muß die Stadt 16 Millionen aufbringen, den Rest teilen sich Post, Telekom und ZEAG. 28 Monate Bauzeit, das war für die Heilbronner Bürger, aber insbesondere die Geschäftsleute schon ein starkes Stück. Und es geht ja auch noch weiter. Im Frühjahr 96 werden die Stadtbahngleise eingelegt. Und wenn das geschafft ist, die Treppen zum Neckar-Wasser und zur Galerie für zeitgenössische Kunst fertig sind, dann gibt es erst einmal - wie üblich in der Käthchenstadt - ein großes Fest. Großes Brückenfest mit Fischmarkt, so der offizielle Titel. Hoffentlich kommen die Fische nicht aus dem Neckar, die zum Schmaus gereicht werden. Groß gefeiert wurde bei der Einweihung am Freitag letzter Woche nicht auf der neuen Friedrich-Ebert-Brücke. Wozu auch. Es bestand kein Anlaß. Als die Stadtoberen - Bürgermeister und Räte -  allerdings verschwunden waren, da wurde die Brücke nahezu ausschließlich von Fußgängern und städtischen  Bussen angenommen. Die Personenkraftwagen aus Richtung Bahnhof fuhren wie gewohnt brav nach links in Kranenstraße ab. Was sollten sie auch auf der neuen Brücke?  Parkplätze gibt es eh keine in der City. Und zum Parkhaus- Ansteuern muß man ja ohnehin um die Innenstadt herum. Ob nun in die Theater-, die Harmonie- oder Wollhaus-Tiefgarage. Die Geschäftsleute in der Kaiserstraße konnten sich übrigens den freudigen Worten des Oberbürgermeisters nicht ganz anschließen. Viele grummelten weiterhin über die schlechte Verkehrsanbindung und warten nicht gerade zuversichtlich auf bessere Zeiten. Kann man es ihnen verdenken?



Digitales Radio

In der vergangenen Woche wurde in Karlsruhe der Startschuß für das digitale Rundfunkzeitalter in Baden-Württemberg gegeben. Aber nur wenige Hörer können dem neuen „Digital Audio Broadcasting“, kurz DAB, lauschen. Denn dazu ist ein spezielles Empfangsgerät vonnöten. Bisher stehen drei Typen zur Auswahl. Ein schlichtes Autoradio, ein Autoradio mit Bildschirm und ein Radio für das traute Heim. Und dieses kann man dann auch an den Personalcomputer anschließen. Entwickelt wurde das neue Spielzeug von der Firma Blaupunkt. Bisher sind allerdings nur wenige in Betrieb. 750 Anmeldungen sollen schon vorliegen. Im nächsten Jahr werden dann insgesamt 3.000 Geräte ausgeliefert, zu einem Stückpreis zwischen 900 und 1.600 Mark. Sagen die Betreiber. Und mit denen könne man dann Rundfunk in CD-Qualität empfangen. Per Antenne. Vier private Sender und das Baden-Radio des Südfunks sind in der Region um Karlsruhe jetzt digital empfangbar. Es paßt einfach zu uns - in die Technologieregion. So der Karlsruher OB Gerhard Seiler. Das Stadtoberhaupt jener Gemeinde, die einst als Beamtenstadt im Lande verschrien war. Übrigens: Demnächst ist auch Stuttgart an der DAB-Reihe. Und die Region um Heilbronn? Mal wieder abgehängt? Ich gewinne immer mehr den Eindruck, daß hier bei uns die Zeichen der Zeit nicht erkannt werden. Im privaten Rundfunk ist man 1987 furios gestartet - und heute ist das Überbleibsel ein Teil vieler Lokalsender im Lande. Eben nicht mehr Trendmacher. Von DAB kann man da nur träumen. Die Maßstäbe werden woanders im Ländle gesetzt. Aber wie sagte unser OB in Heilbronn so schön: Wenn wir uns alle tüchtig anstrengen, an einem Strang ziehen, wird aus unserem Städtle eine Stadt mit Zukunft. Ich seh’ nur den Strang nicht so recht, an dem gezogen wird.

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