Rote Eierwürfe
Vor
einigen Wochen schrieb mir eine 31jährige Frau mit Namen „Anja Semmelweiß“
einen bitterbösen Brief. Mitglied der SPD will sie sein - und auch bei den
Jusos gelegentlich mitarbeiten. Aber die SPD im Unterland kennt diese Dame
nicht. Sie ist dort weder als Parteimitglied noch als Jungsozialistin
registriert. Wäre sie es gewesen, hätte ich ihren Namen nie genannt. Aber so
ist es halt nur ein schöner und falscher Name. In ihrem 21-Seiten-Brief teilte
sie mir auch nicht mit, wo sie wohnt. Also ab damit in den Papierkorb, wie
viele andere anonyme Briefe. Oder abgeheftet in meinem Ordner „Kuriositäten“. Wenn da nicht die Drohung mit Steinen und Molotow-Cocktails wäre, die
jene Dame in die Neckar Express-Redaktion werfen lassen will. Weil ich im
September diesen Jahres geschrieben hatte, daß die Gleichheit von Männern und
Frauen vor dem Gesetz auch Pflichten mit sich bringt. Zum Beispiel die
Wehrpflicht. Was in anderen Ländern wie in Israel und den USA ja schon
durchgesetzt ist. Dort tragen Frauen auch den Soldatenrock. Aber Drohungen sind
eine Sache - und Tatsachen eine andere. Die Eierwürfe der letzten Woche gegen
die Eingangstür des Neckar Express in der Heilbronner Orthstraße 19 lassen mich
hellhörig werden. Wer Gewalt einsetzt, um damit seinen Widerwillen kund zu tun,
der sollte sich der Folgen bewußt sein. Ob nun zwischen dem linksradikalen
Argumenten jener anonymen Dame, der Steinwurf- und Molotow-Cocktail-Androhung
und den Eierwürfen der letzten Woche ein Zusammenhang besteht, das ist bisher
nicht zu beweisen. Sicher ist nur, daß einige wütende und drohende Briefe aus
linksradikalen Kreisen beim Kiliansmännle eingegangen sind. Und die stehen ganz
in der Tradition jenes Freiheitsbegriffs, der im roten Ostblock einst gepflegt
wurde: Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein.
Fiat
wohin?
Seit
1947 hat die Deutsche Fiat Automobil Aktiengesellschaft ihren Sitz in
Heilbronn. Ein Kind der Nachkriegsgeschichte. Wenn Fiat jetzt Teile des Hauses
nach Frankfurt am Main auslagert, dann hat diese Entscheidung in erster Linie
etwas mit dem Standortvorteil in der Mainmetropole zu tun. Sagen die
Firmenvertreter. Dort sind die großen Banken und andere wichtige Dienstleister
wie Presse- oder Wirtschaftsagenturen. Und da Fiat in Deutschland nicht
produziert, sondern nur ein Handelsunternehmen ist, dürfte die Argumentation in
diese Richtung nicht ganz unschlüssig sein. Am Montag (4. Dezember) wurde von
300 Firmenangestellten, Gewerkschaftern der IG-Metall und durch Dr. Dieter
Spöri, baden-württembergischer Wirtschaftsminister heftig gegen diese
Umzugspläne protestiert. Vor dem Firmensitz im Heilbronner Industriegebiet
hatten sich die Protestversammlung eingefunden. Harte Worte fand der IG-Metall-Chef aus dem Unterland Frank Stroh für
die Fiat-Manager. ihnen gehe es nur um die Humanisierung der Arbeitsplätze von
Vorstandsmitgliedern. Auch Dieter Spöri warnte vor dem Umzug. Denn die
neuen Kommunikationstechniken böten genügend Möglichkeiten, so der Wirtschaftsminister:
Vernetzte Arbeitsplätze, On-Line-Dienste, Multimedia. Und da spiele es dann
letztendlich keine Rolle, ob ein Unternehmen aus Frankfurt oder Heilbronn
geführt werde. Und er nannte auch Namen von Unternehmen, die aus der Provinz
heraus sozusagen ihre Welt regieren: Würth in Künzelsau oder SAP in Walldorf.
Nun, wer will, der kann auch aus Heilbronn heraus einen Konzern führen. Aber
die Mutter von Fiat Deutschland sitzt im italienischen Turin. Und letztendlich
werden die Entscheidungen dort gefällt. Ich habe den schlichten Eindruck: Dort
ist die Entscheidung für Frankfurt schon längst gefallen. Jetzt stellt sich mir
die Frage: Wann zieht die Fiat-Bank aus ihren angemieteten Räumen in Heilbronn um - vielleicht auch an den
Banken-Platz Frankfurt?
Zeichen
locken
Die
schöne Weihnachtszeit macht die Herzen groß und breit. Oder auch ein wenig
weich. Das wissen Tippelbrüder und Bettler am besten. Seit Jahrhunderten schon
verständigen sie sich untereinander mit sogenannten Zinken an der Wand: An den
Hauswänden ihrer Opfer. Was andere als Kindergeschmier abtun, ist in diesen
Kreisen das Morsezeichen. Striche, Kreise, Kringel erklären den Eingeweihten
alles Wissenswerte über die Bewohner des Hauses und ihre Eigenheiten. Bettler und Landstreicher signalisieren sich
mit Zinken, wo es etwas zu holen gibt. Sie informieren über die Zahl und das Geschlecht der Hausbewohner. Wie
viele Männer, Frauen oder Kinder. Ist die Frau allein im Hause - und wenn ja,
wann. Die Gaunerzeichen zeigen an, wo auf Geld oder Essen oder ein Plätzchen
zum Schlafen zu hoffen ist. Gaunerzeichen sind eine Geheimsprache, eine
Möglichkeit, sich gegenseitig zu informieren. Ein einfaches Kreuz bedeutet:
Fromm tun, dann gibt es was zu holen. Ein großes „V“: Als Kranker hast Du
bessere Chancen. Zwei gekreuzte Krücken sagen:
In diesem Haus hat ein Krüppel Glück. Andere Zinken warnen die
Kameraden. Weil man fürs Geld arbeiten muß, ein bissiger Hund durch den Garten
streunt, das Haus mit einer Alarmsignal ausgerüstet ist, ein Polizist im Hause
wohnt. Aber das ist nur die eine Seite der Gaunerei. Moderne Verbrecher
telefonieren derzeit mit dem Handy, haben Anrufbeantworter, arbeiten mit
Computer der Spitzenklasse, schreiben ihre Geschäftsbriefe auf Laptops, faxen
was das Zeug hält, fahren auf der Datenautobahn oder hängen im Internet. Die
Polizei mit ihren alten Geräten, mit ihren nach der Vernunft ausgerichteten
Ermittlungsmethoden hat da oftmals nur am Rande eine Chance, den
professionellen Gaunern auf die Schliche zu kommen. Also aufgepaßt: Zeichen an
der Wand einfach wegwischen, wenn niemand im Haus weiß, wer sie angebracht hat.
Trauerarbeit
Böse
Briefe gab es, weil ich in der letzten Woche an dieser Stelle gefragt hatte: Wo
sind sie geblieben, die aktiven Kommunisten der siebziger, achtziger Jahre, die
so erfolglos immer bei Kommunalwahlen kandidierten, in der Friedensbewegung so
engagiert gegen die Atomraketen der Amerikaner bei uns in Heilbronn wetterten
und kämpften, ohne zu erwähnen, daß ihre Klassenbrüder im Osten ebenso
schreckliche Waffen auf die Bevölkerung hier bei uns gerichtet hatten. Als der
kommunistische Ostblock-Spuk so sang- und klanglos in sich zusammenbrach, weil
die Völker in Polen, Ungarn, Rußland und auch im Osten Deutschlands einfach die
Nase voll hatten vom alltäglichen Terror und den offensichtlichen Lügen, da
verschwanden nicht nur die Raketen der Amerikaner aus Heilbronn, sondern die
friedensbewegten Kommunisten verstummten nahezu - bis zum heutigen Tage. Wo
sind sie geblieben? Etwa im politischen Untergrund? Dabei wäre es doch wahrlich
sinnvoll, wenn sie sich jetzt wieder formieren würden - als „echte
sozialistische Alternative“. Diesmal allerdings ohne die Gelder aus dem Osten,
die einst von den roten Diktatoren der Bevölkerung schamlos abgepreßt wurden.
Jetzt heißt es auf eigenen Beinen stehen, Mitgliedsbeiträge sammeln, sich dem
demokratischen Wettbewerb stellen. Aber offensichtlich haben Sozialisten und
Kommunisten zur Zeit mit ihren Politik-Modellen keine große Konjunktur. Selbst die Sozialdemokraten bei uns im
Ländle müssen hart kämpfen, um über die 30-Prozent-Marke bei Wahlen zu
gelangen. Und ich prophezeie, wenn die gewendeten Kommunisten und
Sozialisten demnächst mal wieder als „Partei des demokratischen Sozialismus“
namens PDS bei uns antreten, dann werden sie dort landen, wo sie früher
meistens herumkrebselten: Unter zwei Prozent. Wie heißt es so schön:
Aufarbeiten, Trauerarbeit und Vergangenheitsbewältigung leisten - und mit den
Resultaten dann vors Wahlvolk treten. Aber wer will schon ein
Gesellschaftsmodell wählen, das sich selbst ad absurdum geführt hat.
Nikolaus
war da
Heute
ist der erste große Festtag im Monat Dezember. Vor allem für die Kinder. Wer
seinen Schuh oder Strumpf gestern abend ordentlich rausgehängt oder
rausgestellt hat, der findet süße Sachen in dem Behältnis. Sofern er oder sie
die Fußbekleidung vorher ordentlich gereinigt hat. Denn wie mir der Nikolaus
insgeheim verriet, steckt er seine Gaben in keine Stinkestrümpfe oder
Schweißschuhe. Und darum – so erzählte er mir -– wollen immer mehr Menschen die
Gaben schlicht auf den Tisch. Vor allem die Erwachsenen. Was sollen denn auch
die Schmuckstücke, die Krawatten, die Feuerzeuge oder Edelschokoladen in den
Traditionsbehältnissen? Wenn der Vater
nervös am Morgen in die Schuhe schlüpft, einfach nicht daran denkt, daß heute
Nikolaus ist, dann hat er vielleicht die Krawattennadel im großen Zeh stecken.
Und da gehört sie ja nun wahrlich nicht hin. Oder die Frau Mama: Was soll ihr
Seidenschal in der Strumpfhose. das ist nun wirklich keine Überraschung mehr!
Und die Kinder? Deren Computer-Spielzeug paßt nun wahrlich in keinen Strumpf
mehr hinein. Auch die Riesen-Schokoladen-Nikoläuse haben da keinen Platz. Und
bei mir? Ich habe vom Nikolaus nichts bekommen. Ein neuer Stein für meinen
Sockel, der war ihm einfach zu schwer.
Essen
& Trinken
Die
Zeiten als mit Geschäftsessen das große Geld in den Gourmet-Tempeln verdient
wurde, die scheinen vorüber zu sein. Küchenchefs mochten diese Großessen
ohnehin nie so recht. Denn, was sich da unter dem Dach so mancher Firmenkasse
als Feinschmecker in den heiligen Hallen labte, das hatte es mehr auf die
kostenlose Abspeisung und einen guten Geschäftsabschluß abgesehen als auf die
Kochkünste des Küchenchefs. Heute ist wieder mehr das
Preis-Leistungs-Verhältnis gefragt, die Phantasie des Kochs und ein guter
Service. Wobei unter Service nicht die übertriebene, manchmal höfisch wirkende
Betreuung, sondern Fachkompetenz verstanden wird. Und dann kommen die
Gourmet-Führer-Begutachter, prüfen und bewerten. Ob der Kunde sich nun an dieses Urteil hält oder nicht, das ist weniger
entscheidend als die gute Mundpropaganda. Wem es bei dem einen oder anderen
Koch gefallen hat, der sagt`s weiter. Und mit den Kritiken, da verhält es sich
so wie beim Kino. Zumindest bei mir. Es gibt Kritiker, denen vertraue ich, weil
sie mich mit ihrer Beurteilung selten enttäuscht haben. Andere lese ich gern
wegen ihrer Schreibe, aber vertraue ihnen nicht. In einer Bewertung sind sich
aber alle einig: Die Schweizer Stuben in Wertheim-Bettingen, das ist nicht nur
das Beste, was sich an Küche in der Region bietet, sondern dort kocht
unverwechselbar ein Mann namens Schilling, der seinesgleichen sucht. Ansonsten
habe ich schon bittere Erfahrungen mit den Mützen und Sternen gemacht. Da
werden Restaurants, auch bei uns im Landkreis, hoch gelobt. Und wenn ich als
Otto Normalverbraucher dort esse, dann stimmt der Service nicht und Speisen
sind ungenießbar. Zum Beispiel Maultaschen, die außen lauwarm und innen mit
Vereisungen versehen waren. Keine neue Kreation des Kochs, sondern
Schlampigkeit, die mich mehr als stutzig macht. Auch wenn sie nach der
Beschwerde bereinigt wird.
4.
Dezember
Im
Jahre 1944 - an einem 4. Dezember: da sank Heilbronn in Schutt und Asche. Rund
7.000 Menschen fielen den Bomben zum Opfer. Der schwärzeste Tag in der
Geschichte der Stadt Heilbronn sei dieser 4. Dezember 1944 gewesen. Sagte
Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann am Montag dieser Woche vor den
vielen Trauernden im Köpfertal. Und
mahnend wies er auf die aktuelle Kriegssituation in Europa hin. Nur die Liebe
könne den Haß der Menschen untereinander überwinden. Aber seltsamerweise speist
sich dieser Haß ja immer wieder aus jenen Quellen, die eigentlich die Liebe,
das Himmelreich, den einzig wahren Gott auf ihre Fahnen geschrieben haben. Denn wie anders erklärt sich, daß Christen
und Moslems im ehemaligen Jugoslawien aufeinander schießen. Warum terrorisieren
Juden Moslems und umgekehrt. Warum tötet ein Jude den Ministerpräsidenten
seines Landes - und Orthodoxe klatschen Beifall und sammeln Geld für seine
Verteidigung? Warum schießen Protestanten und Katholiken aufeinander in Irland?
Und warum kämpfen Moslems gegen Moslems wie zum Beispiel in Algerien? Hilflose
Erklärungsversuche werden dafür tagtäglich von klugen Leuten herausgearbeitet.
Geändert hat sich aber wenig. Die Konflikte sind nicht entschärft. Und das
Töten im Namen von Gerechtigkeit und Gott geht weiter. Wir dürfen unsere Finger
nicht allzu stark auf jene richten, die heute so handeln. Denn es ist noch
nicht allzu lange her, da wurde bei uns auf Mitmenschen an der Zonengrenze wild
geschossen, da wurde im Namen des Führers aller Deutschen bestialisch gemordet.
Friede auf Erden - eine Worthülse?
Weihnachtsmarkt
Auf
dem Altdeutschen Weihnachtsmarkt in Bad Wimpfen erzählte ein Christkind (mit
Namen Sandra), daß auf den Wunschzetteln der Kinder vornehmlich zu lesen sei:
Computerspiele. Da muß der Wimpfener Weihnachtsmann also kräftig in Südostasien
einkaufen gehen. Da ich bei der Eröffnung des Traditionsmarktes nicht mit von
der Partie sein konnte, hab ich mir am Freitag letzter Woche das Spektakel im
Fernsehen angeschaut. Denn in Südwest 3 ist das Wimpfener Auftaktgeschehen für
alle Schwaben und Badener übertragen worden. Was wünscht sich unser Wimpfener
Christkind zu Weihnachten? Antwort: Ein neues Snowboard. Und: „Was macht ein
Christkind im Sommer?“, lautete die letzte Frage des interessierten
Fernsehreporters. „Urlaub“, so die muntere Antwort unseres Wimpfener
Christkinds. Was auch sonst, wenn dem Reporter keine bessere Frage einfällt.
Danach habe ich die Glotze abgeschaltet und dem Treiben auf dem Heilbronner
Weihnachtsmarkt wieder interessiert vom Turm aus zugeschaut. Dort zwischen
Käse- und Wurstständen, Heiße-Würstchen-Buden und Kunschd-Kram gibt‘s sogar
begehbare kleine Kaufhäuser. Man kommt sich vor wie in einem Supermarkt.
Weihnachtsschmuck aus allen Teilen Deutschlands, aber auch die feinen Waren aus
Fernost. Dort weiß man halt, was deutsche Seelen so alles an Flitter- und
Glitzerkram zum Fest der Feste benötigen. Woher?
Wahrscheinlich von jenen deutschen Geschäftsleuten, die diese Weihnachtswaren
dort im fernen China (zum Beispiel) preiswert fertigen lassen. So manches
soll ja auch aus den chinesischen Gefängnissen, die zum industriellen Komplex
der Armee gehören, kommen. Wenn sie halt schon nicht mit ihrer abstrusen
kommunistischen Ideologie unsere westliche Welt überholen konnten, mit billigen
Arbeitskräften geht‘s allemal. Damit kann die freie Welt schon eher - rein
wirtschaftlich - in die Knie gezwungen werden. Übrigens: Weihnachtsmärkte
gibt‘s ja nicht nur auf Marktplätzen in der Region, sondern in nahezu jedem
Kaufhaus und Warencenter. Und mir schien, als ob dort die Waren preiswerter
sind. Oder?
Ebert-Brücke
19
Millionen Mark hat sie gekostet. Seit Juli 1993 wurde gebaut. Im März 1991
hatte es noch geheißen, daß „reine Baukosten“ in Höhe von 14 Millionen anfallen
werden. Jetzt muß die Stadt 16 Millionen aufbringen, den Rest teilen sich Post,
Telekom und ZEAG. 28 Monate Bauzeit, das war für die Heilbronner Bürger, aber
insbesondere die Geschäftsleute schon ein starkes Stück. Und es geht ja auch
noch weiter. Im Frühjahr 96 werden die Stadtbahngleise eingelegt. Und wenn das
geschafft ist, die Treppen zum Neckar-Wasser und zur Galerie für
zeitgenössische Kunst fertig sind, dann gibt es erst einmal - wie üblich in der
Käthchenstadt - ein großes Fest. Großes Brückenfest mit Fischmarkt, so der
offizielle Titel. Hoffentlich kommen die Fische nicht aus dem Neckar, die zum
Schmaus gereicht werden. Groß gefeiert wurde bei der Einweihung am Freitag
letzter Woche nicht auf der neuen Friedrich-Ebert-Brücke. Wozu auch. Es bestand
kein Anlaß. Als die Stadtoberen -
Bürgermeister und Räte - allerdings
verschwunden waren, da wurde die Brücke nahezu ausschließlich von Fußgängern
und städtischen Bussen angenommen.
Die Personenkraftwagen aus Richtung Bahnhof fuhren wie gewohnt brav nach links
in Kranenstraße ab. Was sollten sie auch auf der neuen Brücke? Parkplätze gibt es eh keine in der City. Und
zum Parkhaus- Ansteuern muß man ja ohnehin um die Innenstadt herum. Ob nun in
die Theater-, die Harmonie- oder Wollhaus-Tiefgarage. Die Geschäftsleute in der
Kaiserstraße konnten sich übrigens den freudigen Worten des Oberbürgermeisters
nicht ganz anschließen. Viele grummelten weiterhin über die schlechte
Verkehrsanbindung und warten nicht gerade zuversichtlich auf bessere Zeiten.
Kann man es ihnen verdenken?
Digitales
Radio
In
der vergangenen Woche wurde in Karlsruhe der Startschuß für das digitale
Rundfunkzeitalter in Baden-Württemberg gegeben. Aber nur wenige Hörer können
dem neuen „Digital Audio Broadcasting“, kurz DAB, lauschen. Denn dazu ist ein
spezielles Empfangsgerät vonnöten. Bisher stehen drei Typen zur Auswahl. Ein
schlichtes Autoradio, ein Autoradio mit Bildschirm und ein Radio für das traute
Heim. Und dieses kann man dann auch an den Personalcomputer anschließen.
Entwickelt wurde das neue Spielzeug von der Firma Blaupunkt. Bisher sind
allerdings nur wenige in Betrieb. 750 Anmeldungen sollen schon vorliegen. Im
nächsten Jahr werden dann insgesamt 3.000 Geräte ausgeliefert, zu einem
Stückpreis zwischen 900 und 1.600 Mark. Sagen die Betreiber. Und mit denen
könne man dann Rundfunk in CD-Qualität empfangen. Per Antenne. Vier private Sender und das Baden-Radio des
Südfunks sind in der Region um Karlsruhe jetzt digital empfangbar. Es paßt
einfach zu uns - in die Technologieregion. So der Karlsruher OB Gerhard
Seiler. Das Stadtoberhaupt jener Gemeinde, die einst als Beamtenstadt im Lande
verschrien war. Übrigens: Demnächst ist auch Stuttgart an der DAB-Reihe. Und
die Region um Heilbronn? Mal wieder abgehängt? Ich gewinne immer mehr den
Eindruck, daß hier bei uns die Zeichen der Zeit nicht erkannt werden. Im
privaten Rundfunk ist man 1987 furios gestartet - und heute ist das Überbleibsel
ein Teil vieler Lokalsender im Lande. Eben nicht mehr Trendmacher. Von DAB kann
man da nur träumen. Die Maßstäbe werden woanders im Ländle gesetzt. Aber wie
sagte unser OB in Heilbronn so schön: Wenn wir uns alle tüchtig anstrengen, an
einem Strang ziehen, wird aus unserem Städtle eine Stadt mit Zukunft. Ich seh’
nur den Strang nicht so recht, an dem gezogen wird.

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