Montag, 17. Februar 2014

Kiliansmännle, 18.01.1995

Pershing

Zehn Jahre nach dem Pershing-Unglück auf der Waldheide vor den Toren Heilbronns trafen sich die Protestler von damals wieder, um nochmals zu protestieren und zu gedenken. Zur Erinnerung: am 11. Januar 1985 wurden bei einem Raketen-Unfall drei US-Soldaten getötet und 16 zum Teil schwer verletzt. Jetzt gab es von jenen Deutschen, die sich auf der Seite der Friedfertigen wähnen, einen Kranz und gutgemeinte Worte. Dabei haben die amerikanischen Soldaten auf der Waldheide einst ihren Dienst zu unserem Schutz versehen - nicht als Selbstzweck oder aus bösem politischen Willen, wie oft dargestellt. Sie sind also für unsere Sicherheit gestorben. Die heutigen Kriege im Osten und in anderen Teilen der Welt sind deutliche Beispiel für kriegslüsterne Aggressionen. Die Waldheide-Raketenbasis dagegen war unser Nato-Schutzschild. Viele im Osten wären heute froh, sie hätte solche Schutzschilder. Darum meine ich: Statt Worte, laßt jetzt Taten sprechen. Kräftige Spenden für die Hinterbliebenen der amerikanischen Soldaten wären wichtiger gewesen als selbstgerechte Satzgebilde.

Gefährliche Fahrt
Schnee satt, Eiseskälte und eben auch Tauwetter, der Winter macht seinem Namen heuer alle Ehre. Rodel und Ski, prima! Auf dem Stocksberg herrschte an den vergangenen Tagen Hochbetrieb, wie man ihn sonst nur von den Pisten der Alpen kennt. Blank und schnell war die Abfahrtsstrecke. Wer wollte, bekam mit seinem Schlitten ein rekordverdächtiges Tempo drauf. Doch leider gab es eine ganze Reihe schwerer Unfälle. Einmal mußte sogar der Rettungshubschrauber kommen. Mit schuld an den Unglücken, natürlich neben zu großer Risikobereitschaft, ist sicherlich die unzureichend gesicherte Piste. Am Fuß des Berges drängen sich Zuschauer, mit einer Würstchen- und Glühweinbude läßt sich dort gut Geld verdienen. Und dann ist da noch ein jäh und steil abfallender Graben. Reihenweise stürzen hier die Rodler schwer. Teils brausen sie in die Zuschauer. Völlig unverständlich, daß vor dem Graben nicht per Schild gewarnt oder ein Fangnetz aufgebaut wird. Viele schwere Stürze wären dann sicher nicht passiert.

Ökokonservative
Interessant, was da an neuen politischen Strömungen in Heilbronn entsteht: Die ökokonservative Welle beginnt sich aufzutürmen. Ein Beispiel: Da lehnt unser christdemokratischer Verkehrsminister Hermann Schaufler ab, Tempolimits rund ums Weinsberger Kreuz zu verschärfen. Zusätzlich meckert er noch über Sinn und Zweck des Schäferschen Ozonversuchs. Soweit eine klare althergebrachte Position der CDU. Doch nun gibt es in der Unterländer Union und deren Sympathiesanten immer mehr, die einerseits die Werte des Wirtschaftsaufschwungs genießen wollen, andererseits jedoch die Schauflersche Haltung als Blockadepolitik abtun. Es grünt unter den Konservativen. Eines muß man freilich in Sachen Ozonversuch nochmals sagen: Die baden-württembergische Ärztekammer hat Ende des vergangenen Sommers klipp und klar erklärt, daß Ozon in den bisher in Deutschland gemessenen Konzentrationen nicht schädlich ist. Davor sollten auch die neuen Ökokonservativen nicht die Augen zukneifen. Und bitte schön, nicht nur das Gute im Menschen sehen. Zumindest ein großer Teil der in Stuttgart ansässigen Zeitungskorrespondenten schreibt, daß die Haltung des Umweltministers Schäfer beim Ozonversuch immer mehr einer Werbekampagne in eigener Sache gleicht.

Neidisch?
Freuen Sie sich auch immer so über Jubiläen? Besonders, wenn‘s das eigene ist? Aber kein Mensch schreibt auch nur eine Zeile drüber - meistens zumindest. Anders bei unseren Freunden, den Bürgermeistern. Da läßt sich die Lokalzeitung gleich dreispaltig und mit großem Bild darüber aus, daß der XY jetzt seinen 50sten gefeiert hat. Und was der XY doch für ein toller Kerle ist. Jüngstes Beispiel ist Talheims Schultes Hansjörg Apprich. Der ist 50 geworden und darf zum Jahresausklang in „seiner“ Zeitung orakeln, was er die nächsten Jahre für den Ort geplant hat: „Ich möchte weiter modernisieren“, sagt er. Was meinen Sie damit, lieber Herr Apprich? Noch ein Gewerbegebiet? Noch ein Rathaus? Aber halt, Sie wollen ja den Blick ins Ortsinnere richten. Es wird ja gemunkelt, daß Sie die Schozach völlig im Boden verschwinden lassen möchten. Ist natürlich Quatsch, Sie sind ja modern. Und in der neuen Moderne läßt man die Bäche wieder mäandern. Also wollen sie wahrscheinlich aus Talheims Ortsinnerem eine naturbelassene Bachlandschaft machen. Viel Glück dabei!

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