Dienstag, 18. Februar 2014

Kiliansmännle, 29.11.1995



Advent, Advent
Advent, Advent ... – das kennen Sie ja schon. Erst brennt das eine Licht am Kranz, dann das zweite, und so weiter. Bei vielen aber brennen gleich vom ersten Adventssonntag an gleich alle vier. Sieht ja auch ein wenig popelig aus in unserer armseligen Zeit, wenn da nur ein Lichtlein vor sich hinbrennt. Aber so leid es mir tut, da bin ich konservativ bis in die Knochen und das bis zum härtesten Stein. Bei mir brennt Sonntag um Sonntag vor Weihnachten ein Lichtlein mehr. Ganz bescheiden. Ist es Ihnen auch schon aufgefallen, daß seit einigen Jahren der Weihnachtsschmuck immer barockere Formen annimmt. In manchen Wohnungen kann man jetzt schon kein Eckchen mehr finden, in dem nichts Weihnachtliches herumliegt, kein Fenster, in dem es nicht blinkt, blitzt und glänzt. Dekoration ist eine Sache, eine ganz andere ist die vorweihnachtliche Stimmung. Und die muß anders erzeugt werden. Weihnachtsdekoration dient da nur als Stimulans. Ruhig und besonnen, in sich gekehrt – sagt die Tradition – soll diese Vorweihnachtszeit sein. Aber wenn ich mich in der Innenstadt so umhöre bei den Verkäuferinnen und den Ladenbesitzern, dann sagen sie mir, zur Zeit seien die Menschen schnell aufbrausend, kurz angebunden, so gar nicht weihnachtlich gestimmt. Woran das wohl liegen mag. Aufs Wetter schieben es viele. Auf den Streß, der von zu großen Erwartungen herrührt. Und auf das fehlende Geld, meinen andere. An allem dürfte etwas Wahres sein. Denn was uns da aus der Glotze allabendlich an Weihnachtszauber bei glücklichen Werbe-Familien entgegenschlägt, das nachzumachen kostet viel Zeit und noch mehr Geld. Also dann – auf in den Kampf, denn Bescheidenheit ist eine Zier, dann kann man nix dafür, oder ...



Innenstadt-Parken

Über die Verödung der Heilbronner Innenstadt, neudeutsch City genannt, wurde schon viel geschrieben, gesprochen und lamentiert. Ungepflegte Fußgängerzonen, Dealerplätze, ständiger Ärger mit der Verkehrs- und Parkplatzsituation, kurz: Niedergang der Heilbronner Innenstadt, wie die „Initiative Lebendige Stadt“ dieser Tage feststellen mußte. Einzelhändler und Gastronomen wurden befragt - 68 an der Zahl.  Rund 44 Prozent  beurteilen die Entwicklung der Stadt eher negativ,  35 Prozent meinen, es habe sich wenig verändert. Nur 21 Prozent sehen positive Aspekte. Und daß eine Reduzierung der Parkplätze in der Innenstadt sich negativ auf ihre Umsätze auswirke, das bestätigen 47 Prozent der Befragten, 29 sehen keinen Umsatzrückgang und 24 Prozent wollten sich nicht äußern. Ich höre von vielen Innenstadt-Besuchern Heilbronns, daß sie immer wieder verärgert sind, wenn es darum geht, größere Einkäufe in der City zu tätigen. Da fährt man doch lieber gleich auf die grüne Wiese, irgendwo vor irgendeiner Stadt, wo es jederzeit ausreichend Parkplätze hat. Dort kann man sperrige Gegenstände an Laderampen abholen, muß nicht kilometerlang mit Tüten vollgepackt durch Straßen laufen. erst vor wenigen tagen rief mich eine alte Heilbronnerin an und klagte mir ihr leid über die Verkehrssituation in der Heilbronner Innenstadt. Sie fand einfach nicht mehr heraus. erst als sie am Marktplatz dort zufällig stehende Polizisten sah, die ihr den Weg aus dem Chaos wiesen, war sie dem Heilbronner Innenstadt-Labyrinth entronnen. Nun ja, wenn jemand ins Rathaus mit Chauffeur und Dienstwagen fährt, dann weiß er wenig über die Plage für den Normalbürger der Käthchenstadt. Wie sollte er auch. Hoffentlich ändert sich das jetzt in der vorweihnachtlichen Einkaufszeit. Denn der Handel in der Stadt braucht Umsätze. Sonst schließen noch mehr Geschäfte ihre Pforten. und es war einmal .



Oskar und Dieter

Oskar Lafontaine war schon für manche Überraschung in Deutschland gut. Aber seine handstreichartige Kür zum SPD-Parteivorsitzenden war bisher der absolute Coup. Das hatte es bei Sozis noch nie gegeben. Die SPD hat sich selbst in ihren marxistischen Zeiten als revolutionäre, nie aber - so der Theoretiker Karl Kautsky - als Revolution machende Partei verstanden. Deshalb kehrte auch nach dem spontanen Aufstand der Delegierten schnell wieder Nüchternheit auf dem Mannheimer Parteitag ein. Mit überbordender Versöhnungsbereitschaft, Großherzigkeit und Gemeinschaftsgefühl gegenüber dem gestürzten Vorsitzenden Rudolf Scharping wurde das Feuer der Revolte schnell wieder gelöscht. Aber die Schockwellen waren bis in die Provinz hinein zu verspüren. Zum Beispiel im Unterland. Manche Genossen waren glücklich, andere wiegen heute noch bedenklich den Kopf. Die Glücklichen erhoffen sich vom Polarisierer Lafontaine eine bessere Ausgangsbasis für die baden-württembergische Landtagswahl am 24. März 1996. Eine vage Hoffnung. Denn der Napoleon von der Saar bietet viele Bonbons für das Selbstwertgefühl der Genossen, bundesweite Mehrheiten hat er bisher nicht zustande gebracht. Die SPD könnte mit Lafontaine am Strauß-Syndrom leiden. Der war in den eigenen Reihen auch hochgeschätzt und vielgeliebt, konnte aber darüber hinaus die Wähler aus der Mitte nicht mobilisieren. Und die geplante SPD-Annäherung an die kommunistische PDS? Dieses Politspiel war in den achtziger Jahren, als die Sozialdemokraten mit den furchtbaren SED-Genossen kungelten, zum selbstbeschädigenden SPD-Rohrkrepierer geraten. Damals hatte die Partei dank Oskar die Einheit verpennt. Bei uns im Ländle ist mit PDS-Flirts ohnehin kein Blumentopf zu gewinnen, höchsten in einigen links-evangelischen Kreisen. Und die sind nicht mehrheitsbildend.  Trotzdem: jetzt werden Alternativen sichtbar. Dafür sorgt Oskar schon. Rechts oder links, oder lechts oder rinks.



Grüne Welle

Von Böckingen wollte ich in die schöne Stadt Heilbronn fahren. Aber nach der Otto-Konz-Brücke über Neckar begann eine eigentümliche Fahrt. Startete ich an einer Ampel und fuhr ganz vorschriftsmäßig, so war an der nächsten Ampel schon wieder rot geschaltet. Und es ging nicht nur mir so. Alle anderen Autofahrer, die mit mir zusammen gestartet waren, mußten ebenfalls schön halten. Stop and go, nennt man das ja wohl in der Fachsprache. Verwunderlich auch, daß gerade die Südstraße, also die Ampeln an einer Umgehungsstraße der Heilbronner Innenstadt so eigentümlich  geschaltet sind. Früher – ich erinnere mich noch genau – da war es modern gewesen, auf derartigen Straßen mit einer grünen Welle vorangetragen zu werden. Jetzt aber will man offenbar den Anwohner der Süd- und Oststraße sowie der jeweiligen Nebenstraßen mehr Abgasdüfte gönnen. Sie hatten bisher ja auch zu wenig davon. Beim Stehen vor den jeweiligen Ampeln schaltet kaum ein Autofahrer - vor allem jetzt in der kalten Jahreszeit - sein Gefährt ab. Vorteil:  Der Verkehr wird gebremst und verlangsamt, die Fahrer sind verärgert, werden es sich künftig zweimal überlegen, ob sie die Stadt ansteuern, und irgendwann wird Heilbronn immer mehr umfahren werden. Zum Vorteil für die saubere Luft, zum Nachteil für den Handel. Standortnachteile für Heilbronn? Unbekannt. Man kann halt nicht alles auf einmal haben.



Cluss-Ende

Schön war die Zeit - als Heilbronn noch eine eigene Brauerei hatte. Mit der außerordentlichen Cluss-Hauptversammlung am Montag dieser Woche ging endgültig eine Aera zu Ende. Betroffen von der Stillegung sind lediglich noch 34 Mitarbeiter. Vor einem Jahr zählte  die Brauerei noch insgesamt 117 Beschäftigte. Harte Worte sind gefallen. Vor allem in Richtung Stadt Heilbronn, deren Oberbürgermeister ja im Cluss-Aufsichtsrat sitzt. Der Betriebsratsvorsitzende Alfred Zimmermann warf Dr. Manfred Weinmann vor, daß er sich in den letzten drei Aufsichtsratssitzungen nicht habe sehen lassen. Und ansonsten habe sich die Stadt auch wenig um die verbliebenen Cluss-Beschäftigten gekümmert.  Jetzt geht es offensichtlich nur noch um Immobilien. 2,2 Hektar am Neckar – und zehn weitere Objekte in Nordwürttemberg. Wohnhäuser sollen auf dem Cluss-Gelände entstehen, so die Wünsche der Heilbronner Stadtplaner. Allerdings muß dafür der Bebauungsplan geändert werden. Das wird Unruhe bringen. Aber vielleicht kann die Stadt ja dann ihren Götzenturm-Park  verwirklichen.



Tafelsilber

Privatisierung von Landeseigentum. Ein Wort, das die beiden Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im März 1996 zur Zeit gern in den Mund nehmen. Am vergangenen Wochenende kündigte der Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Erwin Teufel eine Innovationsoffensive an. Das Geld dafür soll aus Erlösen beim Verkauf staatlicher Unternehmen kommen. So die Teufel-Worte in Ravensburg beim CDU-Landesparteitag. Sein Kontrahent Dieter Spöri, SPD-Wirtschaftsminister und Teufel-Stellvertreter in der Großen Koalition konnte da in Heilbronn beim Treffen mit den acht baden-württembergischen Handwerkskammer-Präsidenten nur lächeln. Hatte er doch vor drei Jahren schon  das gefordert, was Teufel jetzt angekündigt hatte. Auch er will, so er Regierungschef in Stuttgart wird, privatisieren, um die Spitzenposition des Landes zu erneuern. Zahlen und Wahlversprechen wollte Spöri noch nicht in Umlauf setzen. Aber klare Vorstellungen, was verkauft werden könnte, hat er schon: Die Anteile an EVS und Badenwerk, also Energieversorgungsunternehmen und Bankenanteile  zum Beispiel. Ob er dabei auch an die Landesanteile bei den Südwestdeutschen Salzwerken denke, wurde der Minister in Heilbronn gefragt. Aber darüber wollte er sich noch nicht äußern. Übrigens: Die Stadt Heilbronn hätte dann ein Vorkaufsrecht. Land und Kommune halten bekanntlich je 45 Prozent der Aktien. Ich frage mich immer: Was sollen diese Beteiligungen? Wirtschaft ist Wirtschaft und Staat ist Staat. Wir brauchen keinen Staatskapitalismus, sondern eine freie Marktwirtschaft. Also weg mit den Staatsanteilen an Betrieben. Die können auf privater Basis weitaus besser wirtschaften. Verkaufen heißt auch: Schulden drücken. Das käme dann allen Bürgern zugute. Aber da sind  offensichtlich SPD und CDU im Heilbronner Stadtrat davor. Und in Stuttgart? Sie wollen halt alle ein bißchen Manager spielen und in Aufsichtsräten sitzen.



Fachwerkhaus

Heilbronn ist wahrlich nicht mit Gebäuden gesegnet, die als architektonische Meisterwerke gelten könnten. Mal abgesehen von den historischen Gebäuden - wie Kirchen, Rathaus, Käthchenhaus und einigen anderen. Von meinem Turm sehe ich ja tagtäglich die Silhouette der Stadt, mal deutlicher, mal im Dunst. Ob ich nun gen Norden in die Industriezone, gen Süden in die Großbautenzone, gen Westen zum Böckinger Wasserturm oder gen Osten in die Landschaft mit viel Bäumen schaue, nirgendwo ist etwas architektonisch Herausstechendes zu bemerken. Nützliches viel. Industriebauten, Wohnkolosse oder das Theater zum Beispiel. Es zeichnet sich von seinem Baukörper nicht als etwas Besonderes aus. So baute man Kreissparkassen. Und manches Verwaltungsgebäude in Heilbronn strahlt mehr Charme aus als dieser von plüschiger Nüchternheit geplagte Musentempel. Jetzt hat der Fraktionsvorsitzende der SPD im Gemeinderat angeregt, daß in der Kaiserstraße gegenüber dem Käthchenhaus ein Gebäude im Fachwerkstil entstehen soll. Heilbronn war vor seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gesegnet mit solchen Bauwerken. Aber eine Architektengruppe, die mit ihm über das Vorhaben diskutierte, hatte nur Hohn und Spott für das Anliegen Friedrich Niethammers bereit. Mir kam es so vor, als ob man in der alten DDR mit Kommunisten über die Vorteile der westlichen Freiheit diskutierte. Man wußte von Beginn an, was das Ergebnis der Diskussion sein wird. Dabei haben die Polen mit dem Wiederaufbau ihrer Städte wie Danzig, Breslau oder Warschau gezeigt, wie wertvoll für die Menschen alte Bausubstanz ist - und welche Bereicherung sie für eine Stadt ist. Warum soll in Heilbronn nicht endlich einmal etwas entstehen, was für die meisten Menschen eine Freude fürs Auge darstellt. Die Architekten-Werke der letzten Jahrzehnte fallen nicht unter diese Kategorie. Schwäbisch Hall und andere Städte haben da für Heilbronn Vorbildfunktion.



Veterinär-Ämter

Nicht nur, daß die Gesundheitsämter im Unterland sich zweigeteilt haben, dank Koalitionsbeschluß in Stuttgart, nein, auch die Veterinärämter in Heilbronn haben sich dergestalt vermehrt. Kommt heute ein Viehtransport nach Bad Rappenau oder Neckarsulm, so ist das Amt in der Urbanstraße Heilbronns zuständig. Fährt der Transporter mit seiner Ladung in die Stadt, zum Beispiel nach Biberach oder Kirchhausen, so ist das Städtische Veterinäramt im Schlachthof die Anlaufstelle. Die Metzger in und um Heilbronn schütteln verwundert den Kopf, ob dieses weiteren Schildbürgerstreichs einer Verwaltungsreform. Allerdings sind sie mit den Leitern dieser neuen Ämter durchaus zufrieden. Ich frage mich immer wieder: Hat es nicht eine Möglichkeit gegeben, diesen Unsinn abzuwenden? Oder lag es doch nur an der Stadt Heilbronn, die unbedingt ihren Kopf durchsetzen wollte. Seltsamerweise ist jetzt, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, niemand mehr schuld an dem verzwickten Blödsinn, der da verzapft wurde. So ist das halt bei Staatsdienern: Sie sind kaum haftbar zu machen. Übrigens gilt das auch für viele Teile der Wirtschaft, wo in Großkonzernen einige Manager sehr schnell Nebelgranaten werfen, wenn es um Verantwortung geht.



Wo sind sie?

Vor der Nazi-Zeit gab´s in Heilbronn organisierte Kommunisten. Böckingen galt damals als Hochburg. Nach 1945 formierten sie sich wieder und sangen das Hohelied des Sowjetdiktatur. Dann wurden sie als Verfassungsfeinde eingestuft und ihre Organisation, die KPD, verboten. Anfang der siebziger Jahre tauchten sie als Wolf, der Kreide gefressen hatte, wieder  als DKP auf. Und lebten wie die Maden im Speck, bis ihre vielgeliebte DDR sang- und klanglos in sich zusammenbrach. Da war´s ganz plötzlich aus mit den Kommunisten in Heilbronn. Geld der Bruderparteien aus dem Osten fehlte. Heute wissen wir, daß viele dieser DKP‘isten zu einer Terrororganisation gehörten, ausgebildet und geschult in der Sowjetunion und der DDR. Diese sollte im Konfliktfall Sabotageakte im Hinterland des Feindes durchführen, damit die Rote Armee hätte besser durchmarschieren können. Ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, daß man von diesen gerade zur Friedensmarschierer-Zeit zu Beginn der Achtziger so aktiven DKP-Genossen und -innen nichts mehr hört und sieht. Sie sind spurlos vom politischen Erdboden verschwunden. Wie einst die Nazis nach dem verlorenen Krieg. Dabei könnten sie sich doch gerade in Heilbronn hinstellen und Auskunft über ihre Irrtümer geben. Auch über die ach so friedvollen Absichten ihrer schrecklichen Auftraggeber im Osten. Aber das wird eher Thema für angehende Geschichtswissenschaftler sein, die ihre Diplom- oder Doktorarbeiten über diese für viele Menschen im Osten grausame Zeit in der warmen und sicheren Studierstube einer freien Gesellschaft anfertigen. Aber formieren sie sich ja als echte sozialistische Partei im Unterland: PDS. Im Unterschied zu den Sozialdemokraten. Und in diese Partei können dann die Sozialisten aus der SPD endlich wechseln - in den wahren und sicheren Hort der kommunistischen Erkenntnis.



Handwerk wohin?

Klaus Hackert ist nicht nur ein hochangesehener CDU-Stadtrat in seiner Heimatgemeinde Heilbronn, sondern auch Handwerkskammerpräsident für die Region, Landeshandwerkskammerpräsident aller acht baden-württembergischen Kammern und überregional in vielen wichtigen Gremien an maßgeblicher Stelle tätig. Als am Wochenende in Heilbronn die Präsidenten der acht Kammern aus dem Ländle im Insel-Hotel tagten, da ließ es sich der baden-württembergische Wirtschaftsminister Dr. Dieter Spöri nicht nehmen, die Sorgen des Handwerks in direkten Gesprächen zu erfahren. Dabei wurde durchaus kontrovers diskutiert. Und was dabei herauskam, das konnte sich durchaus sehen lassen. Hatte doch Klaus Hackert in Gesprächen mit Wolfgang Schäuble in Bonn erreicht, daß die Zuschüsse für das Bildungs- und Technologiezentrum auf den Böllinger Höfen vom Bund  56,66 Prozent subventioniert wird. Auch Dieter Spöri versprach sogleich, daß die 12 Millionen vom Land, 33,3 Prozent der Summe, bereitstehen und in Teilbeträgen abgerufen werden können. Zehn Prozent der Bausumme muß die Kammer selbst tragen. Und damit ist das Projekt gesichert und kann als letztes unter den acht Kammern im Lande in Angriff genommen werden. Das ist auch bitter nötig, denn das Handwerk trägt die große Last bei der beruflichen Ausbildung, während Industrie und Handel trotz Ermahnungen aus der Politik sich in den vergangenen Monaten deutlich zurückgehalten haben, ja sogar ihre Ausbildungsplätze verringert hatten. Beim Meister-Bafög konnte Spöri dem obersten Handwerker im Lande jedoch keine gute Mitteilung machen. Denn der Bund will, daß die Länder sich mit 30 Prozent an diesen Haushaltsposten beteiligen. Die Finanzlage der Länder lasse das nicht zu, so Spöri. Im Vermittlungsausschuß werde man sich dann irgendwann einigen. Und bei diesem Kompromiß wollen die Länder so billig wie möglich davonkommen.



Fiat Heilbonn

„Fiat lux!“, heißt es in der Schöpfungsgeschichte. Auf deutsch: „Es werde Licht!“ Das ist die eine Variante. Und bei „fiat“ allein lautet die Übersetzung: Zustimmung, Genehmigung. Fiat justitia et pereat mundus. (Das Recht muß seinen Gang gehen und sollte die Welt darüber zugrunde gehen). Und die dritte Variante: Eine italienische Autofirma, deren deutscher Hauptsitz bisher noch mit 750 Mitarbeitern in Heilbronn angesiedelt ist. Die Sprüche passen wie die Faust aufs Auge. Denn derzeit wird heftig gestritten und gekämpft. Schließlich will einer der größten Gewerbesteuerzahler der Stadt umsiedeln. Nicht ganz. Aber immerhin mit so gewichtigen Abteilungen wie Marketing, Vertrieb und Vorstand soll‘s ab nach Frankfurt am Main. Dort seien die Verkehrsanbindungen besser. Stimmt. Und die Stadt liegt mehr im Zentrum Deutschlands als Heilbronn. Nicht zu vergessen der Internationale Flughafen, der die Manager schnell nach Turin und wieder zurück bringen kann - und natürlich auch in andere Landstriche der eng vernetzten Autowelt. Irgendwie verstehe ich diese Pläne. Denn bisher, und das von Jahr zu Jahr stärker, hat sich auch in Heilbronn alles nur noch um Audi gedreht. Von Fiat sprach kaum jemand. Und die Stadtoberen, die jetzt so zornig sind, bestellten ihre Dienstwagen auch mehr bei den Ingolstädtern (mit Zweigwerk in Neckarsulm) als bei der in Heilbronn ansässigen Firma. Dabei hat Fiat in den letzten Monaten als Importeur seine wirtschaftliche Lage erheblich verbessert. Aber all das nutzt wenig, wenn die Großkopfeten, ob Politiker, Präsidenten und Funktionäre die Fiat nicht als wichtigen Bestandteil der Stadt begriffen. Jetzt auf einmal ist die Aufmerksamkeit groß. Weil ihnen die Angst im Nacken sitzt, nicht nur wegen der Arbeitsplätze, sondern wegen des Wegfalls der in letzter Zeit so munter sprudelnden Steuern. Ein herber Verlust wär‘s, wenn nach und nach Fiat dem Unterland Ade sagen würde. Krisenmanager wollen der Wirtschaftsminister aus Stuttgart, der Heilbronner Landtagsabgeordnete Dieter Spöri - und Werner Grau, der Erste Bürgermeister und Kämmerer sein. Aber ihre Argumente dürften auf schwachen Füßen stehen.

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