Advent,
Advent
Advent,
Advent ... – das kennen Sie ja schon. Erst brennt das eine Licht am Kranz, dann
das zweite, und so weiter. Bei vielen aber brennen gleich vom ersten
Adventssonntag an gleich alle vier. Sieht ja auch ein wenig popelig aus in
unserer armseligen Zeit, wenn da nur ein Lichtlein vor sich hinbrennt. Aber so
leid es mir tut, da bin ich konservativ bis in die Knochen und das bis zum
härtesten Stein. Bei mir brennt Sonntag um Sonntag vor Weihnachten ein Lichtlein
mehr. Ganz bescheiden. Ist es Ihnen auch schon aufgefallen, daß seit einigen
Jahren der Weihnachtsschmuck immer barockere Formen annimmt. In manchen
Wohnungen kann man jetzt schon kein Eckchen mehr finden, in dem nichts
Weihnachtliches herumliegt, kein Fenster, in dem es nicht blinkt, blitzt und
glänzt. Dekoration ist eine Sache, eine
ganz andere ist die vorweihnachtliche Stimmung. Und die muß anders erzeugt
werden. Weihnachtsdekoration dient da nur als Stimulans. Ruhig und besonnen, in
sich gekehrt – sagt die Tradition – soll diese Vorweihnachtszeit sein. Aber
wenn ich mich in der Innenstadt so umhöre bei den Verkäuferinnen und den
Ladenbesitzern, dann sagen sie mir, zur Zeit seien die Menschen schnell
aufbrausend, kurz angebunden, so gar nicht weihnachtlich gestimmt. Woran das
wohl liegen mag. Aufs Wetter schieben es viele. Auf den Streß, der von zu
großen Erwartungen herrührt. Und auf das fehlende Geld, meinen andere. An allem
dürfte etwas Wahres sein. Denn was uns da aus der Glotze allabendlich an Weihnachtszauber
bei glücklichen Werbe-Familien entgegenschlägt, das nachzumachen kostet viel
Zeit und noch mehr Geld. Also dann – auf in den Kampf, denn Bescheidenheit ist
eine Zier, dann kann man nix dafür, oder ...
Innenstadt-Parken
Über
die Verödung der Heilbronner Innenstadt, neudeutsch City genannt, wurde schon
viel geschrieben, gesprochen und lamentiert. Ungepflegte Fußgängerzonen, Dealerplätze, ständiger Ärger mit der
Verkehrs- und Parkplatzsituation, kurz: Niedergang der Heilbronner Innenstadt,
wie die „Initiative Lebendige Stadt“ dieser Tage feststellen mußte.
Einzelhändler und Gastronomen wurden befragt - 68 an der Zahl. Rund 44 Prozent beurteilen die Entwicklung der Stadt eher
negativ, 35 Prozent meinen, es habe sich
wenig verändert. Nur 21 Prozent sehen positive Aspekte. Und daß eine
Reduzierung der Parkplätze in der Innenstadt sich negativ auf ihre Umsätze
auswirke, das bestätigen 47 Prozent der Befragten, 29 sehen keinen
Umsatzrückgang und 24 Prozent wollten sich nicht äußern. Ich höre von vielen
Innenstadt-Besuchern Heilbronns, daß sie immer wieder verärgert sind, wenn es
darum geht, größere Einkäufe in der City zu tätigen. Da fährt man doch lieber
gleich auf die grüne Wiese, irgendwo vor irgendeiner Stadt, wo es jederzeit
ausreichend Parkplätze hat. Dort kann man sperrige Gegenstände an Laderampen
abholen, muß nicht kilometerlang mit Tüten vollgepackt durch Straßen laufen.
erst vor wenigen tagen rief mich eine alte Heilbronnerin an und klagte mir ihr
leid über die Verkehrssituation in der Heilbronner Innenstadt. Sie fand einfach
nicht mehr heraus. erst als sie am Marktplatz dort zufällig stehende Polizisten
sah, die ihr den Weg aus dem Chaos wiesen, war sie dem Heilbronner
Innenstadt-Labyrinth entronnen. Nun ja, wenn jemand ins Rathaus mit Chauffeur
und Dienstwagen fährt, dann weiß er wenig über die Plage für den Normalbürger
der Käthchenstadt. Wie sollte er auch. Hoffentlich ändert sich das jetzt in der
vorweihnachtlichen Einkaufszeit. Denn der Handel in der Stadt braucht Umsätze.
Sonst schließen noch mehr Geschäfte ihre Pforten. und es war einmal .
Oskar
und Dieter
Oskar
Lafontaine war schon für manche Überraschung in Deutschland gut. Aber seine
handstreichartige Kür zum SPD-Parteivorsitzenden war bisher der absolute Coup.
Das hatte es bei Sozis noch nie gegeben. Die SPD hat sich selbst in ihren
marxistischen Zeiten als revolutionäre, nie aber - so der Theoretiker Karl
Kautsky - als Revolution machende Partei verstanden. Deshalb kehrte auch nach
dem spontanen Aufstand der Delegierten schnell wieder Nüchternheit auf dem
Mannheimer Parteitag ein. Mit überbordender Versöhnungsbereitschaft,
Großherzigkeit und Gemeinschaftsgefühl gegenüber dem gestürzten Vorsitzenden
Rudolf Scharping wurde das Feuer der Revolte schnell wieder gelöscht. Aber die
Schockwellen waren bis in die Provinz hinein zu verspüren. Zum Beispiel im
Unterland. Manche Genossen waren glücklich, andere wiegen heute noch bedenklich
den Kopf. Die Glücklichen erhoffen sich
vom Polarisierer Lafontaine eine bessere Ausgangsbasis für die baden-württembergische
Landtagswahl am 24. März 1996. Eine vage Hoffnung. Denn der Napoleon von
der Saar bietet viele Bonbons für das Selbstwertgefühl der Genossen,
bundesweite Mehrheiten hat er bisher nicht zustande gebracht. Die SPD könnte
mit Lafontaine am Strauß-Syndrom leiden. Der war in den eigenen Reihen auch
hochgeschätzt und vielgeliebt, konnte aber darüber hinaus die Wähler aus der
Mitte nicht mobilisieren. Und die geplante SPD-Annäherung an die kommunistische
PDS? Dieses Politspiel war in den achtziger Jahren, als die Sozialdemokraten
mit den furchtbaren SED-Genossen kungelten, zum selbstbeschädigenden
SPD-Rohrkrepierer geraten. Damals hatte die Partei dank Oskar die Einheit
verpennt. Bei uns im Ländle ist mit PDS-Flirts ohnehin kein Blumentopf zu gewinnen,
höchsten in einigen links-evangelischen Kreisen. Und die sind nicht
mehrheitsbildend. Trotzdem: jetzt werden
Alternativen sichtbar. Dafür sorgt Oskar schon. Rechts oder links, oder lechts
oder rinks.
Grüne
Welle
Von
Böckingen wollte ich in die schöne Stadt Heilbronn fahren. Aber nach der
Otto-Konz-Brücke über Neckar begann eine eigentümliche Fahrt. Startete ich an
einer Ampel und fuhr ganz vorschriftsmäßig, so war an der nächsten Ampel schon
wieder rot geschaltet. Und es ging nicht nur mir so. Alle anderen Autofahrer,
die mit mir zusammen gestartet waren, mußten ebenfalls schön halten. Stop and
go, nennt man das ja wohl in der Fachsprache. Verwunderlich auch, daß gerade die Südstraße, also die Ampeln an einer
Umgehungsstraße der Heilbronner Innenstadt so eigentümlich geschaltet sind. Früher – ich erinnere
mich noch genau – da war es modern gewesen, auf derartigen Straßen mit einer
grünen Welle vorangetragen zu werden. Jetzt aber will man offenbar den Anwohner
der Süd- und Oststraße sowie der jeweiligen Nebenstraßen mehr Abgasdüfte
gönnen. Sie hatten bisher ja auch zu wenig davon. Beim Stehen vor den
jeweiligen Ampeln schaltet kaum ein Autofahrer - vor allem jetzt in der kalten
Jahreszeit - sein Gefährt ab. Vorteil:
Der Verkehr wird gebremst und verlangsamt, die Fahrer sind verärgert,
werden es sich künftig zweimal überlegen, ob sie die Stadt ansteuern, und
irgendwann wird Heilbronn immer mehr umfahren werden. Zum Vorteil für die
saubere Luft, zum Nachteil für den Handel. Standortnachteile für Heilbronn?
Unbekannt. Man kann halt nicht alles auf einmal haben.
Cluss-Ende
Schön
war die Zeit - als Heilbronn noch eine eigene Brauerei hatte. Mit der
außerordentlichen Cluss-Hauptversammlung am Montag dieser Woche ging endgültig
eine Aera zu Ende. Betroffen von der Stillegung sind lediglich noch 34
Mitarbeiter. Vor einem Jahr zählte die
Brauerei noch insgesamt 117 Beschäftigte. Harte Worte sind gefallen. Vor allem
in Richtung Stadt Heilbronn, deren Oberbürgermeister ja im Cluss-Aufsichtsrat
sitzt. Der Betriebsratsvorsitzende
Alfred Zimmermann warf Dr. Manfred Weinmann vor, daß er sich in den letzten
drei Aufsichtsratssitzungen nicht habe sehen lassen. Und ansonsten habe
sich die Stadt auch wenig um die verbliebenen Cluss-Beschäftigten
gekümmert. Jetzt geht es offensichtlich
nur noch um Immobilien. 2,2 Hektar am Neckar – und zehn weitere Objekte in
Nordwürttemberg. Wohnhäuser sollen auf dem Cluss-Gelände entstehen, so die
Wünsche der Heilbronner Stadtplaner. Allerdings muß dafür der Bebauungsplan
geändert werden. Das wird Unruhe bringen. Aber vielleicht kann die Stadt ja
dann ihren Götzenturm-Park
verwirklichen.
Tafelsilber
Privatisierung
von Landeseigentum. Ein Wort, das die beiden Spitzenkandidaten für die
Landtagswahl im März 1996 zur Zeit gern in den Mund nehmen. Am vergangenen
Wochenende kündigte der Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Erwin Teufel
eine Innovationsoffensive an. Das Geld dafür soll aus Erlösen beim Verkauf
staatlicher Unternehmen kommen. So die Teufel-Worte in Ravensburg beim CDU-Landesparteitag.
Sein Kontrahent Dieter Spöri, SPD-Wirtschaftsminister und Teufel-Stellvertreter
in der Großen Koalition konnte da in Heilbronn beim Treffen mit den acht
baden-württembergischen Handwerkskammer-Präsidenten nur lächeln. Hatte er doch
vor drei Jahren schon das gefordert, was
Teufel jetzt angekündigt hatte. Auch er will, so er Regierungschef in Stuttgart
wird, privatisieren, um die Spitzenposition des Landes zu erneuern. Zahlen und Wahlversprechen wollte Spöri
noch nicht in Umlauf setzen. Aber klare Vorstellungen, was verkauft werden
könnte, hat er schon: Die Anteile an EVS und Badenwerk, also
Energieversorgungsunternehmen und Bankenanteile
zum Beispiel. Ob er dabei auch an die Landesanteile bei den Südwestdeutschen
Salzwerken denke, wurde der Minister in Heilbronn gefragt. Aber darüber wollte
er sich noch nicht äußern. Übrigens: Die Stadt Heilbronn hätte dann ein
Vorkaufsrecht. Land und Kommune halten bekanntlich je 45 Prozent der Aktien.
Ich frage mich immer: Was sollen diese Beteiligungen? Wirtschaft ist Wirtschaft
und Staat ist Staat. Wir brauchen keinen Staatskapitalismus, sondern eine freie
Marktwirtschaft. Also weg mit den Staatsanteilen an Betrieben. Die können auf
privater Basis weitaus besser wirtschaften. Verkaufen heißt auch: Schulden drücken.
Das käme dann allen Bürgern zugute. Aber da sind offensichtlich SPD und CDU im Heilbronner
Stadtrat davor. Und in Stuttgart? Sie wollen halt alle ein bißchen Manager
spielen und in Aufsichtsräten sitzen.
Fachwerkhaus
Heilbronn
ist wahrlich nicht mit Gebäuden gesegnet, die als architektonische Meisterwerke
gelten könnten. Mal abgesehen von den historischen Gebäuden - wie Kirchen,
Rathaus, Käthchenhaus und einigen anderen. Von meinem Turm sehe ich ja
tagtäglich die Silhouette der Stadt, mal deutlicher, mal im Dunst. Ob ich nun
gen Norden in die Industriezone, gen Süden in die Großbautenzone, gen Westen
zum Böckinger Wasserturm oder gen Osten in die Landschaft mit viel Bäumen
schaue, nirgendwo ist etwas architektonisch Herausstechendes zu bemerken.
Nützliches viel. Industriebauten, Wohnkolosse oder das Theater zum Beispiel. Es
zeichnet sich von seinem Baukörper nicht als etwas Besonderes aus. So baute man
Kreissparkassen. Und manches Verwaltungsgebäude in Heilbronn strahlt mehr
Charme aus als dieser von plüschiger Nüchternheit geplagte Musentempel. Jetzt hat der Fraktionsvorsitzende der SPD
im Gemeinderat angeregt, daß in der Kaiserstraße gegenüber dem Käthchenhaus ein
Gebäude im Fachwerkstil entstehen soll. Heilbronn war vor seiner Zerstörung
im Zweiten Weltkrieg gesegnet mit solchen Bauwerken. Aber eine
Architektengruppe, die mit ihm über das Vorhaben diskutierte, hatte nur Hohn
und Spott für das Anliegen Friedrich Niethammers bereit. Mir kam es so vor, als
ob man in der alten DDR mit Kommunisten über die Vorteile der westlichen
Freiheit diskutierte. Man wußte von Beginn an, was das Ergebnis der Diskussion
sein wird. Dabei haben die Polen mit dem Wiederaufbau ihrer Städte wie Danzig,
Breslau oder Warschau gezeigt, wie wertvoll für die Menschen alte Bausubstanz
ist - und welche Bereicherung sie für eine Stadt ist. Warum soll in Heilbronn
nicht endlich einmal etwas entstehen, was für die meisten Menschen eine Freude
fürs Auge darstellt. Die Architekten-Werke der letzten Jahrzehnte fallen nicht
unter diese Kategorie. Schwäbisch Hall und andere Städte haben da für Heilbronn
Vorbildfunktion.
Veterinär-Ämter
Nicht
nur, daß die Gesundheitsämter im Unterland sich zweigeteilt haben, dank
Koalitionsbeschluß in Stuttgart, nein, auch die Veterinärämter in Heilbronn
haben sich dergestalt vermehrt. Kommt heute ein Viehtransport nach Bad Rappenau
oder Neckarsulm, so ist das Amt in der Urbanstraße Heilbronns zuständig. Fährt
der Transporter mit seiner Ladung in die Stadt, zum Beispiel nach Biberach oder
Kirchhausen, so ist das Städtische Veterinäramt im Schlachthof die
Anlaufstelle. Die Metzger in und um
Heilbronn schütteln verwundert den Kopf, ob dieses weiteren
Schildbürgerstreichs einer Verwaltungsreform. Allerdings sind sie mit den
Leitern dieser neuen Ämter durchaus zufrieden. Ich frage mich immer wieder: Hat
es nicht eine Möglichkeit gegeben, diesen Unsinn abzuwenden? Oder lag es doch
nur an der Stadt Heilbronn, die unbedingt ihren Kopf durchsetzen wollte.
Seltsamerweise ist jetzt, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, niemand
mehr schuld an dem verzwickten Blödsinn, der da verzapft wurde. So ist das halt
bei Staatsdienern: Sie sind kaum haftbar zu machen. Übrigens gilt das auch für
viele Teile der Wirtschaft, wo in Großkonzernen einige Manager sehr schnell
Nebelgranaten werfen, wenn es um Verantwortung geht.
Wo
sind sie?
Vor
der Nazi-Zeit gab´s in Heilbronn organisierte Kommunisten. Böckingen galt
damals als Hochburg. Nach 1945 formierten sie sich wieder und sangen das
Hohelied des Sowjetdiktatur. Dann wurden sie als Verfassungsfeinde eingestuft
und ihre Organisation, die KPD, verboten. Anfang der siebziger Jahre tauchten
sie als Wolf, der Kreide gefressen hatte, wieder als DKP auf. Und lebten wie die Maden im Speck,
bis ihre vielgeliebte DDR sang- und klanglos in sich zusammenbrach. Da war´s
ganz plötzlich aus mit den Kommunisten in Heilbronn. Geld der Bruderparteien
aus dem Osten fehlte. Heute wissen wir,
daß viele dieser DKP‘isten zu einer Terrororganisation gehörten, ausgebildet
und geschult in der Sowjetunion und der DDR. Diese sollte im Konfliktfall
Sabotageakte im Hinterland des Feindes durchführen, damit die Rote Armee hätte
besser durchmarschieren können. Ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, daß man
von diesen gerade zur Friedensmarschierer-Zeit zu Beginn der Achtziger so
aktiven DKP-Genossen und -innen nichts mehr hört und sieht. Sie sind spurlos
vom politischen Erdboden verschwunden. Wie einst die Nazis nach dem verlorenen
Krieg. Dabei könnten sie sich doch gerade in Heilbronn hinstellen und Auskunft
über ihre Irrtümer geben. Auch über die ach so friedvollen Absichten ihrer
schrecklichen Auftraggeber im Osten. Aber das wird eher Thema für angehende
Geschichtswissenschaftler sein, die ihre Diplom- oder Doktorarbeiten über diese
für viele Menschen im Osten grausame Zeit in der warmen und sicheren
Studierstube einer freien Gesellschaft anfertigen. Aber formieren sie sich ja
als echte sozialistische Partei im Unterland: PDS. Im Unterschied zu den
Sozialdemokraten. Und in diese Partei können dann die Sozialisten aus der SPD
endlich wechseln - in den wahren und sicheren Hort der kommunistischen
Erkenntnis.
Handwerk
wohin?
Klaus
Hackert ist nicht nur ein hochangesehener CDU-Stadtrat in seiner Heimatgemeinde
Heilbronn, sondern auch Handwerkskammerpräsident für die Region,
Landeshandwerkskammerpräsident aller acht baden-württembergischen Kammern und
überregional in vielen wichtigen Gremien an maßgeblicher Stelle tätig. Als am Wochenende in Heilbronn die
Präsidenten der acht Kammern aus dem Ländle im Insel-Hotel tagten, da ließ es
sich der baden-württembergische Wirtschaftsminister Dr. Dieter Spöri nicht
nehmen, die Sorgen des Handwerks in direkten Gesprächen zu erfahren. Dabei
wurde durchaus kontrovers diskutiert. Und was dabei herauskam, das konnte sich durchaus
sehen lassen. Hatte doch Klaus Hackert in Gesprächen mit Wolfgang Schäuble in
Bonn erreicht, daß die Zuschüsse für das Bildungs- und Technologiezentrum auf
den Böllinger Höfen vom Bund 56,66
Prozent subventioniert wird. Auch Dieter Spöri versprach sogleich, daß die 12
Millionen vom Land, 33,3 Prozent der Summe, bereitstehen und in Teilbeträgen
abgerufen werden können. Zehn Prozent der Bausumme muß die Kammer selbst
tragen. Und damit ist das Projekt gesichert und kann als letztes unter den acht
Kammern im Lande in Angriff genommen werden. Das ist auch bitter nötig, denn
das Handwerk trägt die große Last bei der beruflichen Ausbildung, während
Industrie und Handel trotz Ermahnungen aus der Politik sich in den vergangenen
Monaten deutlich zurückgehalten haben, ja sogar ihre Ausbildungsplätze
verringert hatten. Beim Meister-Bafög konnte Spöri dem obersten Handwerker im
Lande jedoch keine gute Mitteilung machen. Denn der Bund will, daß die Länder
sich mit 30 Prozent an diesen Haushaltsposten beteiligen. Die Finanzlage der
Länder lasse das nicht zu, so Spöri. Im Vermittlungsausschuß werde man sich
dann irgendwann einigen. Und bei diesem Kompromiß wollen die Länder so billig
wie möglich davonkommen.
Fiat
Heilbonn
„Fiat
lux!“, heißt es in der Schöpfungsgeschichte. Auf deutsch: „Es werde Licht!“ Das
ist die eine Variante. Und bei „fiat“ allein lautet die Übersetzung:
Zustimmung, Genehmigung. Fiat justitia et pereat mundus. (Das Recht muß seinen
Gang gehen und sollte die Welt darüber zugrunde gehen). Und die dritte
Variante: Eine italienische Autofirma, deren deutscher Hauptsitz bisher noch
mit 750 Mitarbeitern in Heilbronn angesiedelt ist. Die Sprüche passen wie die
Faust aufs Auge. Denn derzeit wird heftig gestritten und gekämpft. Schließlich
will einer der größten Gewerbesteuerzahler der Stadt umsiedeln. Nicht ganz.
Aber immerhin mit so gewichtigen Abteilungen wie Marketing, Vertrieb und
Vorstand soll‘s ab nach Frankfurt am Main. Dort seien die Verkehrsanbindungen
besser. Stimmt. Und die Stadt liegt mehr im Zentrum Deutschlands als Heilbronn.
Nicht zu vergessen der Internationale Flughafen, der die Manager schnell nach
Turin und wieder zurück bringen kann - und natürlich auch in andere Landstriche
der eng vernetzten Autowelt. Irgendwie verstehe ich diese Pläne. Denn bisher, und das von Jahr zu Jahr
stärker, hat sich auch in Heilbronn alles nur noch um Audi gedreht. Von Fiat
sprach kaum jemand. Und die Stadtoberen, die jetzt so zornig sind,
bestellten ihre Dienstwagen auch mehr bei den Ingolstädtern (mit Zweigwerk in
Neckarsulm) als bei der in Heilbronn ansässigen Firma. Dabei hat Fiat in den
letzten Monaten als Importeur seine wirtschaftliche Lage erheblich verbessert.
Aber all das nutzt wenig, wenn die Großkopfeten, ob Politiker, Präsidenten und
Funktionäre die Fiat nicht als wichtigen Bestandteil der Stadt begriffen. Jetzt
auf einmal ist die Aufmerksamkeit groß. Weil ihnen die Angst im Nacken sitzt,
nicht nur wegen der Arbeitsplätze, sondern wegen des Wegfalls der in letzter
Zeit so munter sprudelnden Steuern. Ein herber Verlust wär‘s, wenn nach und
nach Fiat dem Unterland Ade sagen würde. Krisenmanager wollen der
Wirtschaftsminister aus Stuttgart, der Heilbronner Landtagsabgeordnete Dieter
Spöri - und Werner Grau, der Erste Bürgermeister und Kämmerer sein. Aber ihre
Argumente dürften auf schwachen Füßen stehen.

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