Austritte
Wenn man
seit Jahrhunderten auf einem Kirchturm steht und so gar nicht als Repräsentant
des Glaubens in Erscheinung tritt, sondern mehr der weltlichen Macht mit seinem
Habitus die Ehre gibt, dann ist das auch ein Stück protestantischer Tradition
in Heilbronn. Jetzt aber ist meine Kirche ins Trudeln geraten. Viele Mitglieder
kehren ihr den Rücken und zahlen einfach keine Steuern mehr - sprich: sie
treten aus der Kirche aus. Dieser Tage erhielt ich einen Brief meines Dekans Hansjürgen Thomann, in dem er für eine
Kirche wirbt, die ihr Angebot allen Menschen mache und verläßlich Verantwortung
in der Gesellschaft übernehme. Aber der Dekan räumte auch ein, daß in der
vergangenen Zeit versäumt worden sei, ausdrücklich für die finanzielle
Unterstützung der Kirche durch die Kirchensteuer zu danken. Wenn es die
Kirchensteuer allein wäre. Wir steuerzahlenden Bürger geben - ob sie wollen
oder nicht - den beiden großen Volkskirchen auch über andere Töpfe noch
reichlich Geld, ob wir Christen, Muslime, Juden oder ohne Konfession sind. Auch
dafür bedankten sich die Kirchen bisher nicht. Dienstleister sind sie mit der
Zeit geworden - die Amtskirchen. Aber sie verhalten sich oftmals wie Behörden,
und so mancher Hirte schaut mitleidig und herablassend auf seine Schäfchen. Und
da es in der Demokratie keine Hirtenhunde mehr gibt, laufen die Schäfchen
dorthin, wo die Weiden grüner sind und der Klee süßer schmeckt.
Asyl
Können Sie
sich noch erinnern: die Wellen in Deutschland schlugen hoch als es um den
Streit über Asylbewerber ging. Gesetze wurden geändert. Und jetzt? Das Thema
ist aus den Schlagzeilen. Ob nun in Naturalien das Essen ausgegeben oder Geld
gezahlt wird, wo die Asylbewerber wohnen, ob in ehemaligen Kasernen oder in
Hotels - all das ist zur Nebensache in der deutschen Politik geworden. Klar,
denn laut UN-Wirtschaftskommission ging die Zahl der Asylsuchenden 1994
weltweit um 30 Prozent zurück. Und in Deutschland wurden 127.210 Asylbewerber
gegenüber 323.000 im Jahre 1993 gezählt. Dies stellt eine Verminderung von über 60 Prozent und den größten absoluten
Rückgang in den ECE-Ländern dar, zu denen alle europäischen Staaten, die USA,
Kanada, Israel und die meisten zentralasiatischen Republiken der früheren UdSSR
gehören. Folge bei uns: jene Politiker, die ihr Süppchen allein auf der
Asyl-Problematik zu kochen versuchten, verschwinden langsam in der Versenkung.
Siehe Republikaner.
Zwangsehe?
In der Ruhe liegt die Kraft, heißt es. Doch bei den Volksbanken des Landkreises Heilbronn herrscht
eher rege Aufbruchstimmung. Fusionierung ist allerorten angesagt. Jüngstes
Beispiel sind die Volksbank von Beilstein und die Volksbank Schozachtal. Die
werden vermutlich eine Ehe eingehen. Eine Zwangsehe, meinen viele Insider. Na
ja, wenn ich mir anschaue, was für ein Durcheinander derzeit auf dem Markt der
großen baden-württembergischen Banken herrscht und welche Bank nun mit welcher
zusammengehen soll, dann sind die Pläne der Volksbanken eigentlich nur
Nebensächlichkeiten. Für die Bankmitglieder freilich weniger, denn die erhoffen
sich durch Fusionierungen höhere Dividenden auf ihre Anteile und noch besseren
Service. Nebenbei bemerkt: wahrscheinlich werden die Volksbanken nur in der
Einigkeit eine Chance haben, den Einigkeit macht stark.
Millionenpoker
Es scheint fast ein bißchen Gras über die Neckarwestheimer Millionenverluste zu
wachsen. die Lokalzeitung berichtet nur noch auf den hinteren Lokalseiten
darüber. Die Tendenz der Geschichten: Resignierend - der Großteil des
verschwundenen Geldes, über das keiner so recht weiß, wieviel es eigentlich ist
- bleibt wohl verschwunden. Und Horst Armbrust, der Schultes (auch Atombomber
genannt), hält sich bedeckt. Glimpflich davongekommen ist wieder einmal das
Heilbronner Landratsamt. Wie schon im Fall Stadel (der sorgte vor Jahren als
Beilsteiner Bürgermeister für Negativ-Schlagzeilen) werden die Macher und
Kontrolleure im Landratsamt geschont. Nicht zu vergessen der Neckarwestheimer
Gemeinderat. Dieses Gremium hat, meiner Meinung nach, seine Kontrollpflichten
nur mangelhaft wahrgemommen. Immerhin sitzt im Gemeinderat einer der
Verantwortlichen des Kernkraftwerkes GKN. Der müßte ja nun in Gelddingen ein
bißchen Ahnung haben. Was ist, wenn sich die GKN-Verantwortlichen ähnlich wie
der Neckarwestheimer Gemeinderat von Horst
Armbrust über den Tisch ziehen lassen haben? Beispielsweise bei
Verhandlungen über Zuschüsse für die Gemeinde. Dann haben eben nicht nur die
Neckarwestheimer Bürger Nachteile gehabt, sondern alle GKN-Stromkunden, die
dann höhere Energiepreise zahlen mußten.
Südamerika
Noch ein
Skandal: er stammt aus unserer Gegend, der ehemalige
Südmilch-Chef Wolfgang Weber, und sitzt jetzt im Gefängnis. In Paraguay
wurde er verhaftet. Die Deutsche Bank soll er um etliche zig Millionen Mark
betrogen haben. Bisher - so sagen Diplomatenkreise - sei der mutmaßliche
Betrüger Weber von den paraguayischen Behörden gedeckt worden. Daß dem so war,
das können Unterländer Journalisten nur bestätigen, die nach dem Verschwinden
des heute 59 jährigen Weber aus dem Ländle, in Paraguay mit ihm telefonieren
konnten und von ihm Faxe empfangen haben. Jetzt türmen sich die Fragen: Wann
oder wird Wolfgang Weber überhaupt nach Deutschland ausgeliefert? Wird ihm der
Prozeß etwa in Stuttgart gemacht? Und wer muß da aus dem Unterland alles als
Zeuge auftreten? Freunde hatte der Wolfgang Weber ja viele hier bei uns in der
Gegend. Aber in der Not passen bekanntlich tausend auf ein Lot.
Verkehrsverbund
Lange haben
Stadt und Landkreis Heilbronn im öffentlichen Personennahverkehr (sprich ÖPNV)
nebeneinander her gewurstelt. Jetzt aber soll mittels einer gemeinsamen
Geschäftsstelle der Unterländer Verkehr koordiniert werden. 350.000 Mark kostet das pro Jahr. Und
dann sollen die Verkehrsbetriebe in Heilbronn samt Stadtbahn, die Bahn-Busse
und -Züge, die privaten Busunternehmer und die anderen Gemeinden mit ihren
Verkehrssystemen harmonisert, das heißt gut abgestimmt, für uns Bürger einen
Fahrplan bieten, der es leicht macht, schnell von Ilsfeld nach Jagsthausen oder
von Schwaigern nach Löwenstein zu gelangen - ohne das Privatauto benutzen zu
müssen. Wenn dann innerhalb der Stadt Heilbronn die Fahrpreise für den ÖPNV
steigen, dann solle niemand sagen, er hätte davon nichts geahnt - damals im
März 1995, als der Verkehrsverbund beschlossen wurde. Auch das wurde im
Heilbronner Gemeinderat laut und deutlich festgestellt.
SPD-Spitzenkandidat
Nicht nur
die Jungsozialisten, sondern auch so mancher gestandene Gewerkschafter wirft
dem baden-württembergischen Wirtschaftsminister
und Heilbronner SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Dieter Spöri vor, in der
großen Koalition zu sehr auf Harmonie bedacht zu sein. Spöri selbst wehrt sich
auch immer wieder dagegen, er will im nächsten Jahr weder die Große Koalition
mit der CDU in Stuttgart fortsetzen noch im Geruch stehen, ein Freund der Bosse
zu sein. Aber als sich der einstige SPD-Spitzenkandidat vor zwei Jahren auf
einem Parteitag als Beisitzer im Landesvorstand bewarb, da erhielt er weit
weniger Stimmen als etwa Innenminister Birzele, Familienministerin Unger-Soyka
oder der Gewerkschafter Riester. Spöri sei zu unternehmerfreundlich, meinten
einige Delegierte. Und man hatte nicht vergessen, daß der einstige
SPD-Hoffnungsträger 1988 nur 32 Prozent und 1992 nicht einmal mehr 30 Prozent
bei der Landtagswahl erreichen konnte. Jetzt geht es um die SPD-Spitzenkandidatur für die Wahl im März
1996. Wenn es eine Mitgliederbefragung für diese Kandidatur bei uns im
Südwesten gibt, dann hätte Dieter Spöri Chancen. Aber es spekulieren auch noch
andere Spitzen-Genossen auf diesen Posten: Ulrich Maurer, der
SPD-Landesvorsitzende, die robuste Bundestagsabgeordnete Hertha Däubler-Gmelin
und Harald B. Schäfer, der SPD-Umweltminister. Angst braucht Dieter Spöri um
seinen Arbeitsplatz allerdings nicht zu haben. Denn wäre er nach der Wahl 1996
nicht mehr Wirtschaftsminister, dann gibt es ja viele andere Posten im Lande,
die dem erfahrenen Volkswirt offenstehen. Ob in der Wirtschaft oder bei einem
Verband. Das lehrt die Politik im Ländle . Die SPD in Heilbronn muß also demnächst
genau hinschauen, wen sie als Zweitkandidaten nominiert. Denn über kurz oder
lang könnte die/der im Landtag sitzen.
CDU-Kandidat/in
Erwin Teufel, der CDU-Ministerpräsident der
Großen Koalition in Stuttgart, will wie sein SPD-Stellvertreter Dieter Spöri das Mammutbündnis im Lande
nach der Landtagswahl im März 1996 nicht fortsetzen. Recht haben sie, die
beiden Herren. Große Koalitionen aus CDU und SPD sind immer der Ausnahmefall,
wenn andere Bündnisse nicht mehr möglich sind. 1992 wäre mit dem Einzug der
Republikaner in den Landtag rein rechnerisch nur eine Koalition der CDU mit den
Grünen möglich gewesen, denn mit den Reps wollte ernsthaft kein Christdemokrat
ins Koalitionsbett steigen. Aber der Gedanke an Schwarz-grün war damals im
Ländle noch nicht salonfähig. Also blieb nur, in den sauren Apfel einer Großen
Koalition zu beißen. Schuld an dieser Konstellation war der Wähler, der die
politischen Verhältnisse so geschaffen hatte wie sie waren. Jetzt aber - rund
ein Jahr vor den Wahlen - wird an den Startpositionen schon gegraben. Zum
Beispiel im Wahlkreis Heilbronn, wo Dieter Spöri dem CDU-Abgeordneten Ulrich Stechele 1988 das Direktmandat
abnahm und auch 1992 gegen ihn verteidigte. Die Heilbronner CDU sucht nun einen
neuen, unverbrauchten Kandidaten gegen den SPD-Mann Spöri. Nahezu sicher dürfte
sein, daß es diesmal eine Frau ist, die gegen den SPD-Wirtschaftsminister
antritt. Zwei Stadträtinnen stehen zur Auswahl: die CDU-Fraktionsvorsitzende im
Heilbronner Gemeinderat Johanna Lichy
und die CDU-Stadtverbandsvorsitzende und Stadträtin Helga Drautz. Als Stimmensammlerinnen sind beide gut geeignet. Das
haben sie bei den Kommunalwahlen hinlänglich bewiesen. Jetzt müssen die
CDU-Mitglieder zeigen, welcher der beiden Frauen sie den stärkeren Biß gegenüber
Spöri zutrauen. Ich wüßte schon, welcher.
Landessender
Erwin
Teufel, unser Ministerpräsident, so ist aus Stuttgart zu hören, wünscht sich
bei der anstehenden ARD-Reform für Baden
Württemberg einen Landessender. Süddeutscher Rundfunk in Stuttgart und
Südwestfunk in Baden-Baden, die zwei zusammen sind ein wenig arg teuer geworden
und nicht gerade effektiv fürs Ländle. Aber so ist halt die baden-württembergische
Rundfunkgeschichte: im Nachkriegsdeutschland wurde die Grenze zwischen Südfunk
und Südwestfunk entlang der Autobahn Karlsruhe-Ulm gezogen. Dabei könnte ich
mir gut vorstellen, daß beim Hörfunk das Bessere den Vorrang erhält. SWF 1 ist
mit seinem Programm halt Südfunk 1, dem betulichen Spätzlesender musikalisch
und von der Berichterstattung her überlegen. Eben flotter, schneller, genauer
und angenehmer zu hören. Und auch SWF 3 war immer schon Klassen besser als
Südfunk 3 mit seiner Extrem-Musik und seinen Moderatoren , die oft meinen, es
sei besonders witzig im Ländle in einen rheinischen Dialekt zu verfallen. Von
der Musik bei S 4 will ich gar nicht erst reden. Wenn ich da mal gelandet bin,
denke ich oftmals, um mich dröhnt ein Bierzelt. Einziger Trost bei S 4: die
gute, regionale Berichterstattung des Frankenradios. Aber ich schätze, auf die
Reform zum Landesender kann ich lange warten - so wie ich unsere Politiker in
Stuttgart kenne.
Noch mehr
Pfusch?
Erinnern Sie
sich noch? Ein paar Monate ist es her, da schrieb ich übers vereinfachte Bauen.
Künftig soll es möglich sein, ohne die Prüfungen der Baurechtsämter vor Ort zu
bauen. Geplante Reform der
Landesbauordnung nennt sich das ganze. Verbraucherschützer in Heilbronn und
anderswo fürchten bei Wegfall dieser Prüfungen um Sicherheit und Kontrolle am
Bau. Starker Tobak ist das schon. Da wird behauptet, daß durch die Reform
erreicht wird, daß am Bau künftig noch mehr als ohnehin schon gepfuscht wird.
Aber vielleicht ist ja doch ein Quentchen dran. Besser wäre schon, wenn der
Bauherr künftig die Einhaltung wichtiger sicherheitsrelevanter Standards
überprüfen lassen muß.
Gefährliche
Fahrt
Auch in Heilbronn gibt es sie: die Rollbrettfahrer
oder Skater. Flott flitzen sie öfters unter meinem Aussichtspunkt auf dem
Kiliansturm über den Platz. Allerlei Kunststückchen haben die Burschen drauf.
Oft ist es wagemutig, wenn sie ein paar Treppenstufen in rasender Fahrt nehmen.
Und es macht sich unter den Skatern ein neues Mutpröbchen breit. Die Fahrt
im Schlepptau eines Busses. Das ist zumindest unlängst in Konstanz
passiert: Da wagen die Busfahrer ihren Augen nicht zu trauen. Im Rückspiegel
können sie sehen, wie sich Jugendliche auf Rollschuhen an den Lüftungsklappen
des Busses hängen und durch die halbe Stadt ziehen lassen. Ein kostenloser aber
lebensgefährlicher Trip. Denn schon das kleinste Schlagloch kann bei Tempo 50
zu schweren Stürzen und lebensgefährlichen Verletzungen führen. Also Skater,
bleibt auf den Treppen des Kiliansplatzes!
Auch noch da
Ach, den gibt es auch noch: Egon Susset, seines
Zeichens agrarpolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion und „Inhaber“ des
Heilbronner Bundestagsmandats. Vor wenigen Tagen hat sich der Landwirt wieder
einmal in einer kurzen Pressemitteilung für seine Klientel, die Bauern, stark
gemacht. Doch Heilbronn braucht mehr und breiteren Einfluß in Bonn. Es ist
nicht damit getan, den Acker als das ein und alles zu betrachten, lieber Egon
Susset. Die Themen der Zukunft heißen Umweltschutz, Computer, Sozialpolitik,
... Es wäre wohl an der Zeit, daß die CDU einen geeigneten Nachfolger sucht.
Im
Vollrausch
Manch einer
der jüngeren Leser wird die Satire-Zeitung „Titanic“ kennen. In einer
der neuesten Nummern wird eine Seite veröffentlicht, auf der mit kleinen
Sprüchen darauf hingewiesen wird, wie pfiffig „Titanic“-Leser sparen. Unter
anderem taucht folgender Spruch auf: ,,Es muß ja nicht jeden Tag ein Vollrausch
sein, oft reichen schon drei Viertele oder vier Fünftel." Angeblich stammt
diese Lebensweisheit von einem Siggi Schilling aus Heilbronn. Soviel gilt als gesichert:
Bei „Titanic“ arbeitet ein Journalist, der einst für die Heilbronner
Lokalzeitung tätig war.
Häßliche
Fassade
Zugpassagier, kommst du aus Richtung Heidelberg nach
Heilbronn, bietet sich dir beim Blick aus dem Fenster ein häßlicher Anblick.
Die Fahrt geht nämlich durch das Wohnviertel mit dem Spitznamen „Hawaii“.
Hier liegt oft auf den Straßen Müll und Dreck jeder Sorte. Heilbronn zeigt sein
häßliches Gesicht. Deswegen werden hier nun wohl auch die Fassaden der
Miethäuser renoviert. Ob es was nützt, ist zu bezweifeln. Denn hinter den
Mauern bieten sich dem Betrachter traurige soziale Verhältnisse. Die Menschen
prägen eine Wohngegend. Und wahrscheinlich hat die Stadt versäumt, hier einer
Entwicklung in asoziale Verhältnisse vorzubeugen. Ein Spaziergang des
Heilbronner Sozialdezernenten durchs „Hawaii“ - aber bitte nicht mit Pressetroß
- wäre angebracht. Die Verantwortlichen sollten sich ihr Bild vor Ort selbst
machen und nicht aus der Lektüre irgendwelcher Zustandsberichte.
Lappen-Kunst
Der Spagat
zwischen Kunst und Geld gelingt zur Zeit nur wenigen so gut wie dem Künzelsauer
Schrauben-Milliardär Reinhold Würth. Hat er doch mit seinem Mäzenatentum
die verschlafene Hohenloher Landschaft ein wenig wachgeküßt. Von der
Landeshauptstadt aus betrachtet besaß das Hohenloher Land bisher ungefähr den
gleichen Stellenwert wie „Badisch-Sibirien“ - um Tauberbischofsheim und ähnlich
reizvoll gelegene Orten. Jetzt aber pilgert alles nach Künzelsau-Gaisbach, weil
dort Christo, der internationale Verpackungskünstler, Teile des
Würth-Betriebsgeländes verpackt hat. So kann der Kultur-Tourist aus dem Zentrum
des Ländles nicht nur frische Landluft schnuppern, sondern an Kunst von
Weltniveau sich delektieren. Halsstarrige Leute, die sich von Kennern als
Banausen beschimpfen lassen müssen, meinen lapidar: was bei Würth als Kunst
gefeiert wird, das seien doch nur des Kaisers neue Kleider. Stimmt nicht: die
Lappen sind als Souvenirs heißbegehrt. Vielleicht kommt ein knitzer Hohenloher
noch auf die Idee, sich das Verpackungstuch preiswert zu sichern, um es in
kleinen Portionen dann teuer an Kunstliebhaber zu verscherbeln. So mancher
Enthusiast aus der nahen Großstadt würde bestimmt viel hinblättern, um sich ein
Christo-Würth-Tuch an die Wand zu hängen oder als Teppich zu benutzen.

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