Wer bei uns in der Region gut speisen möchte, muß nicht unbedingt selber kochen. Auch wenn so mancher Hobbykoch von sich behauptet, so gut wie zuhause schmecke es ihm in keinem Restaurant. Da gibt es einerseits die guten Lokale mit heimischer Küche, in denen man preiswert und deftig verspern kann. Daneben die Schnellrestaurants amerikanischer, türkischer oder italienischer Geschmacksrichtung, die ihren Kunden im Vorübergehen sättigende Speisen offerieren, die nicht nur den kleinen Hunger stillen und sättigend sind, sondern auch zumeist gut schmecken. Und wie beim Fußball spielen viele in den unteren Klassen, einige im Mittelfeld und nur wenige in der Bundesliga. Spitzenrestaurants, da kann unsere Region locker mithalten. Und dabei sind die Preise für die Speisen noch nicht einmal überhöht. In Wertheim - besser gesagt im Ortsteil Bettingen - bieten Adalbert und Andreas Schmitt mit ihren Schweizer Stuben Genüsse für den Gourmet gleich in drei Restaurants. Einmal im französischen Restaurant Schweizer Stuben, das seit Jahren an der Spitze in deutschen Landen mit seiner Punktezahl durch Restaurantkritiker steht. Und daneben steht das Schober mit fränkischer Küche und das wohl beste italienische Restaurant in Süddeutschland, die Taverna La Vigna. Ganz in der Nähe, in Zweiflingen (bei Öhringen) zaubert der wohlbekannte Lothar Eiermann seinen Gästen mit perfekter Küche und Service im Wald- und Schloßhotel Friedrichsruhe Hochgenüsse der Kochkunst auf den Teller. Und in Heilbronn und Umgebung? Da tut sich vieles. Aber den langanhaltenden Erfolg wie bei den beiden Spitzenhäusern der Region, der ist den Unterländer Gastronomen noch nicht beschieden.
Rückschlag?
Die Furcht vor einem wirtschaftlichen Rückschlag in
der Bundesrepublik wächst derzeit. Denn beim im ersten Halbjahr 1995 noch
schnurrenden Konjunkturmotor scheint Sand ins Getriebe gekommen zu sein. Das
Wachstum im zweiten Halbjahr wird sich verlangsamen, sagen die
Wirtschaftsinstitute. Politiker diagnostizieren allerdings nur eine
„Wachstumsdelle“. Nach einem „Atemholen“ im Herbst werde sich der Aufschwung
vom Beginn des Jahres zum Ende hin wieder
fortsetzen, versichern sie mit ihrem treuem Politiker-Augenaufschlag. Aber glauben ist eine Sache, Vertrauen
wieder eine andere - und auf die Prognosen von Politikern setzen, da könnte man
das Geld ja gleich verbrennen. Verglichen mit dem, was uns vor Wahlen
versprochen und was dann eingehalten wurde - ja, da ist das breite Volk immer
hinters Licht geführt. Und was sagen die Fakten? Aus dem Verarbeitenden Gewerbe
werden Warnsignale gemeldet. Im Juni
brachen die Bestellungen saison- und preisbereinigt um 3,5 Prozent ein. Die
Geschäftserwartungen in der westdeutschen Industrie haben sich darüber hinaus
im Juli verschlechtert. Und das größte Sorgenkind, der Arbeitsmarkt hat
ebenfalls keine guten Zukunftsaussichten. Die Arbeitslosenquote kletterte von
neun auf 9,5 Prozent. Die Zahl der Erwerbslosen stieg im Juli wieder um 134.000
auf 3,59 Millionen. Dauerte es bislang nur ein halbes Jahr, bis sich der
Konjunktur-Aufschwung auch in einer höheren Beschäftigungszahl niederschlug, so
sind diesmal schon fast zwei Jahre verstrichen, ohne daß sich eine
durchgreifende Besserung auf dem Arbeitsmarkt abzeichnet.
Szene-Bus
Wer Alkohol trinkt, sollte gefälligst sein Auto stehen
lassen. Denn er gefährdet nicht nur sich und seine Mitfahrer, sondern auch
andere Teilnehmer am Straßenverkehr. Eine Binsenweisheit, die fortwährend in
Erinnerung gerufen werden muß. Denn Unfälle verursacht durch Alkohol am Steuer
stehen in der Statistik ganz oben an. Grund genug für die gute Tat in
Heilbronn, einen Szenen-Night-Trip einzurichten: Einen Bus, der dreizehn
Gaststätten und Discotheken in Heilbronn ansteuert. Erst im April diesen Jahres
war er ins Leben gerufen worden. Und jetzt ist er gestorben. Die Gastronomen hätten zuwenig Interesse
gezeigt, nicht genug geworben. Sagt der Heilbronner Verkehrsdirektor
Bernhard Winkler. Die Verbindungen zur Theresienwiese in Heilbronn seien nicht
gut gewesen. Kein Anschluß an andere Buslinien aus dem Landkreis. Sagt der
Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Thomas Aurich. Und die
Versuchsdauer sei viel zu kurz angelegt gewesen. Über die Notwendigkeit dieses
Busses sind sich beide allerdings einig. In einer mobilen Gesellschaft, in der
Jugendliche sich wie Fische im Wasser bewegen können, ist ein starres System
nun mal nicht vom Erfolg beschieden. Einer im Freundeskreis hat immer ein Auto.
Und mit dem ist man halt sehr schnell von einem Ort zum anderen in der Nacht.
Wichtig ist halt, daß die Gruppe sich einschärft: Der Fahrer sollte immer
nüchtern sein.
Kreuz schlagen
Das mit dem Kreuz in deutschen Schulzimmern ist schon
ein Kreuz. Zumindest die derzeitige Diskussion darüber. Dabei ging´s vor
Gericht in Karlsruhe nur darum, daß eine Bestimmung der bayrischen Schulordnung
nichtig sei, nach der Kreuze in Unterrichtsräumen staatlicher Pflichtschulen
aufzuhängen sind. Diese Vorschrift ist
durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts beseitigt. Nur die „Vorschrift“,
nicht das Kreuze-Aufhängen. Kreuze in deutschen Gerichtssälen, das wurde vom
Gericht einst untersagt. Denn es kann kein Anwalt zum Beispiel jüdischen oder
muslimischen Glaubens gezwungen werden, vor einem Kruzifix zu verhandeln. Jetzt
stellen sich so manche Zeitgenossen die Frage, ob demnächst vom
Bundesverfassungsgericht das christliche Glockengeläut zum Verstummen gebracht
wird, das ja viele Mitbürger als unchristlich laut empfinden. Aber da dieses
Geläut eine religiöse Betätigung der Kirchen und nicht des Staates ist, werden
die Gerichte in dieser Frage wohl kaum zu einer Entscheidung gezwungen sein.
Aber was nicht ist, kann ja manchmal noch werden. Mich stört das alles hier
oben auf dem Turm wenig. Die Stadtväter hatten ja einst vor rund 500 Jahren
entschieden, kein Kreuz oder einen Hahn auf dem Kirchturm zu postieren, sondern
einen Soldaten - eben mich, den steinernen Landsknecht. Die Heilbronner, dieses
besondere Völkchen hatte, schon immer zu seinen Symbolen ein eher nüchternes
Verhältnis.
Versuch
Am Montag hat er begonnen: Der zehnwöchige
Verkehrsversuch auf der Autobahn A 6 zwischen dem Weinsberger Kreuz und der
Ausfahrt Heilbronn/Untereisesheim. Von 22 bis sechs Uhr dürfen Lastwagen über
7,5 Tonnen nur noch mit 60 Stundenkilometern über die rund acht Kilometer lange
Strecke „rasen“. Und in der Nacht haben sie auch Überhol-Verbot. Sinn und Zweck
der Übung: Die lärmgeplagten Anwohner der Autobahn sollen wieder ruhiger
schlafen können. Lärmmeßgeräte sind aufgestellt und Radarkontrollen werden
durchgeführt. Darauf weisen strenge Schilder hin. Während des umstrittenen Ozonversuchs
in Heilbronn und Neckarsulm sei die Lärmbelästigung erträglich gewesen. Und da
der LKW-Verkehr in der Nacht mit 50 Prozent den Verkehr dominiere, so erwarte
man jetzt „interessante Ergebnisse“. Sagt die Stadt Heilbronn. Nun, ganz bestimmte Ergebnisse hatte das
baden-württembergische Umweltministerium damals auch erwartet. Und
herausgekommen war, was Experten schon lange wußten. Ich könnte mir
vorstellen, daß das Verkehrsaufkommen im Herbst höher ist als in den
sommerlichen Urlaubsmonaten. Also weniger Lärmreduzierung. Und hinzu kommt noch
ein zweites Problem, auf das der Landtagsabgeordnete aus Bad Rappenau Gerd
Zimmermann schon vor längerer Zeit hingewiesen hatte: Wenn man hier eine
Verringerung der Geschwindigkeit anordnet, dann könnte man gleich die gesamte
Autobahn zwischen Heidelberg und Stuttgart damit überziehen. Denn überall
gibt‘s Anwohner, die lärmgeplagt sind. Und eine Autobahn, auf der man langsamer
fährt als auf Bundesstraßen, ist eben keine Autobahn mehr.
1. Oktober
Heilbronn, die kleine Großstadt im Dreiländereck
Hohenlohe, Baden und Württemberg feiert am 1. Oktober ihren
ersten verkaufsoffenen Sonntag. Zahlreiche Aktionen gibt‘s an diesem Tag
in der Innenstadt. Die Kaufleute haben sich angestrengt. Die Verkehrsbetriebe
haben zusätzliche Busse eingesetzt. Die Parkhäuser werden länger geöffnet sein.
Durch das Ereignis „Verkaufsoffener Sonntag“, so die Verwaltung, werde das
Image der Stadt als attraktiver Veranstaltungsort und Einkaufserlebnis weiter
gestärkt. Das ist allerdings auch bitter notwendig. Denn in den letzten Jahren
wurde Heilbronn immer mehr abgehängt. Die
großen Verkehrsströme auf Autobahn und Schiene fließen an der Käthchenstadt
vorüber. Zum Bedauern von Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und
vielen Handels- sowie Industriebetrieben. Und eine schnelle Verbesserung ist
nicht in Sicht. Weder ein Pendolino-Zug (schon lange angekündigt), noch der
Ausbau der Autobahnen oder des Schienennetzes ist kurz- oder mittelfristig
realisierbar. Da dürfte es schwer sein, in nächster Zukunft moderne Technologie
nach Heilbronn zu bekommen, die Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sichert.
Festlesmäßig steht das Unterland mit seiner Metropole top da. Aber Wein, Weib
und Gesang bedeuten vielen in der Freizeit fast alles, aber sie sind eben nicht
alles im Alltagsleben. Es kann sich noch vieles ändern, so man in der
„Krämerstadt“ will.
Kein Terror
„50 Jahre Flucht und Vertreibung - Unrecht bleibt
Unrecht“. So das Motto am Sonntag beim „Tag der Heimat“, in der Heilbronner
Harmonie. 600 Vertriebene waren gekommen. Und zu ihnen sprach der 42 jährige
CDU-Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Landtag Günther H. Oettinger. Der 8.
Mai 1945 sei für Millionen der Tag der Befreiung gewesen. Für Millionen
Vertriebene aber habe er mannigfaltiges Leid und Hoffnungslosigkeit gebracht.
Der Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen
im Kreisverband Heilbronn, Georg Märtsch, ließ in seiner Rede allerdings
deutlich werden, daß für ihn und viele Vertriebene der 8. Mai 1945 kein Tag der
Befreiung gewesen war. Und folgerichtig rief der Heilbronner Verband dazu auf,
die „Vertreibungsverbrechen in Bosnien
nicht mehr tatenlos hinzunehmen“. Das ist mutig gesprochen, aber politisch
wohl kaum umsetzbar. In Deutschland organisiert man sich schnell, weil es einen
funktionierenden Staat gibt. Dort gibt‘s was zu holen. Gleich nach dem
katastrophalen Untergang begann in deutschen Landen staatliche Organisation
nahezu perfekt zu funktionieren. Und wenige Jahre später war das neue Land in
der Lage, hohe Ausgleichszahlungen zu leisten. In anderen Ländern stehen die
Bürger einer solchen straffen und perfekten Staatsorganisation eher skeptisch
gegenüber und vertrauen mehr den eigenen Kräften. Vertriebenenverbände im
geschundenen ehemaligen Jugoslawien mitaufzubauen, das wäre eine neue Art von
Entwicklungshilfe. Aber diese Hilfe müßte dann allen Volksgruppen zuteil werden
- Serben, Kroaten und bosnischen Muslimen.
Fachhochschule
Klagen in der einzigen Heilbronner Hochschule. Der Fachhochschulrektor Professor Dr. Otto
Grandi verabschiedete 265 Absolventen seiner Bildungseinrichtung mit dem
feierlichen Überreichen des Diploms: 121 Ingenieure, 120 Betriebswirte und 24
Medizinische Informatiker. In früheren Zeiten galt einmal, daß Heilbronner
Fachhochschulstudenten mühelos schon vor Beendigung ihrer Ausbildung einen
guten Job in der Tasche hatten. Auch die Zeiten sind vorbei. Der
Konkurrenzkampf ist wegen fehlender Jobs mörderischer und vor allem auch ungerechter
geworden. Verkündete der Rektor bei der Feier in der Heilbronner Harmonie. und
der IHK-Präsident Otto Christ konnte
auch keine Trendwende in der heimischen Wirtschaft mitteilen. Die
konjunkturelle Aufwärtsentwicklung zu Beginn des Jahres sei sich zur Jahresmitte
zum Stillstand gekommen. Und so befürchtet man jetzt in der Fachhochschule
Heilbronn, daß zum Wintersemester wieder zahlreiche Studienplätze nicht belegt
werden können. 1,1-Absolvent Magnus
Beier beklagte dann auch in seiner Absolventenansprache, daß der drastische
Rückgang vor allem in den Ingenieurwissenchaften zu Buche schlage. Um den
Wirtschaftsstandort Deutschland zu sichern, benötige man nämlich auch in der
Zukunft gut ausgebildete Ingenieure in Konstruktion, Entwicklung und
Produktion. Denn wie sonst sollen attraktive und wettbewerbsfähige Produkte auf
dem Weltmarkt angeboten werden.
Theaterschiff
Heilbronns Kulturdezernent Reiner Casse gab offen zu,
daß er zu Beginn dem Gedanken recht skeptisch gegenüberstand, daß im alten
Neckarhafen vor dem Hagenbucher ein
Schiff vor Anker liegt, in dessen Bauch Theater gespielt wird. Aber dem
Initiator des ganzen Theaterschiff-Spektakels Heinz Kipfer, in den siebziger Jahren einst Schauspieler und
Regisseur an Walter Bisons Provisorium-Bühne im Heilbronner Gewerkschaftshaus
fand ernergiegeladene Mitstreiter. Klaus
Rücker, vormals DGB-Chef in Heilbronn, und Peter Friedel, Inhaber einer nicht unbedeutenden Unterländer
Werbeagentur, legten sich in die Riemen und fanden Mitstreiter in vielen
Mitbürgern, denen die Heilbronner Kulturszene schon ein wenig zu festgezurrt
erscheint. In den nächsten Tagen und Wochen wird sich zeigen, was Heilbronn und
Umgebung von wirklichen Experimenten im Theaterbereich halten. Den
Theaterschiff-Macher ist der lange Atem zu wünschen, den sie benötigen, um all
die Riffe und Tiefen zu umschiffen, die auf der Kulturfahrt auf dem Kahn am
Hagenbucher noch vor ihnen liegen. Skeptiker befürchten, daß sich nach fünf
Jahren zeigt, ob der Ansatz erfolgsversprechend war oder ob er das zahlende
Publikum außer Acht bei der Kalkulation gelassen hatte . Aber auch diesem
Theater, einer Kleinkunstbühne, gilt: Nichts
ist beständiger als der Wandel. Und hinzulernen werden die Theaterschiffer,
ob sie wollen oder nicht. Jetzt aber müssen sie erst mal richtig anfangen. und
dazu kann ich vom Turm nur rufen: Toi, toi, toi.
Müll wohin
In früheren Zeiten war es unfein, über Abfall zu
reden. Man entledigte sich dieser Überbleibsel - irgendwie und irgendwo. Heute
ist Abfallbeseitigung eine Wissenschaft. Und ein teures Problem für die
Menschen in unserem Lande. In anderen Staaten Europas und rund ums Mittelmeer
ist man da weitaus sorgloser. Von Asien, Afrika oder Südamerika erst gar nicht
zu reden. Was wir bei uns in den letzten hundert Jahren, in denen wir
industriell schon reichlich vorangeschritten waren, mit dem Müll aus Industrie
und Haushalten angestellt haben, das wissen nur wenige noch. Alte Mülldeponien
sind oftmals gar nicht mehr in den Landkarten der Gemeinden zu finden. Wissenschaftler sagen, da würden richtige
„Atombomben“ in der Erde schlummern. Und die einfachste Lösung hieße dann,
den gesamten Müll einfach zu verbrennen. Denn Müllentsorgung mit Sammeln,
Trennen, Wiederaufbereiten ist in der Energiebilanz ganz schön teuer. Mit
vielen Plastikabfällen wird ja auch schon so verfahren. Gesammelt, zerkleinert,
mit anderen brennbaren Materialien vermischt ergibt das Zeug dann Brennstoff
für Hochöfen und Energieversorgungsanlagen. Die Rückstände aus diesen Anlagen
werden aus ganz Europa zum Beispiel nach Heilbronn gefahren, um hier im
Salzbergwerk „endgelagert“ zu werden. Mülltourismus nennt man das teilweise
abschätzig. Wo aber bleibt das, was bei uns noch verbuddelt ist? Ausgraben,
sortieren, wiederverwerten - und den Rest wieder auf die Müllhalde? Die
Allgemeinheit zahlt die vielen Müllexperimente, das heißt der einzelne kleine
Steuerzahler, wer auch sonst. Und das nicht nur mit seinen immer wieder
steigenden Müllgebühren, sondern auch mit den ganz normalen Steuern.

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