Montag, 17. Februar 2014

Kiliansmännle, 11.01.1995



Ein Held
Die Todesanzeige, zu lesen in der Heilbronner Lokalzeitung, machte nachdenklich: Da war ein Mann ums Leben gekommen. „...unsere Herzen sind voller Schmerz, daß er für seine Tierliebe sein leben lassen mußte...“ Die tragische Geschichte hinter dieser Todesanzeige: Der 30jährige, um den es geht, war mit dem Hund eines Bekannten spazieren gegangen. Plötzlich sprang der Hund ins eiskalte Wasser eines Flusses, wurde von der starken Strömung mitgerissen. Der Mann will den Hund retten, springt hinterher. Der Hund lebt, erreicht das rettende Ufer. Der Mann ertrinkt, wird mehrere Tage später im Ufergestrüpp gefunden. Seinen selbstlosen Einsatz hat er mit dem Leben bezahlt - ein Held.

Ein Flopp?
Zeitungen in der Landeshauptstadt Stuttgart wußten es wieder einmal schon vorher: Umweltminister Harald B. Schäfers (SPD) Ozonversuch war ein Flopp. Außer Spesen nichts gewesen, hieß es da bereits vor seiner gestrigen Pressekonferenz. Nun ja, man muß sich schon fragen, wozu damals das ganze Tamtam veranstaltet wurde im Raum Heilbronn/Neckarsulm. Denn, daß es leiser wird, wenn weniger Autos fahren, daß ist nun wirklich keine einzige Mark Steuergeld oder gar einen großangelegten Versuch wert. Da täte Schäfer besser daran, sich nun mit seinem Regierungskollegen Hermann Schaufler (CDU) anzulegen. Der will nämlich keine zusätzlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen rund ums Weinsberger Kreuz. Auch unser Unterländer Mann Dieter Spöri (SPD-Landtagsabgeordneter und Wirtschaftsminister) wäre gefordert. Ich frage mich schon, wie groß ist eigentlich Heilbronns Einfluß in Stuttgart? Weit kann es damit nicht her sein, wenn selbst eine konzertierte Aktion einiger Unterländer Bürgermeister für eine Geschwindigkeitsbegrenzung noch keinen zählbaren Erfolg bringt.

Telefon
Wenn einer will, dann kann er mit wenig technischem Verstand und einiger Fingerfertigkeit offenbar Telefone anzapfen, sich einklinken - oder gar Telefongespräche führen, die dem Anschlußteilnehmer teuer zu stehen kommen. Wie heißt es so schön bei der Telekom: bis zur Telefon-Dose ist die „Post“, heute Telekom, der Eigentümer der Leitung. Und wir armen Telefonkunden wissen nicht, wer wie oft und wann auf unserer Leitung telefoniert hat - selbst wenn wir Strichlisten führen oder uns einen Zähler einbauen lassen. Jetzt endlich bequemt sich der Telefonriese, einen kostenlosen Einzelnachweis über geführte Gespräche anzubieten. Damit will das Privatunternehmen Telekom seinen „Kunden einen zusätzlichen Service ihrer Telefonrechnungen anbieten“. Aber erst jetzt. Nachdem das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, sprich Hacker deutlich nachgewiesen haben, daß unsere Telefone offensichtlich sehr leicht anzuzapfen sind.

Hemmschuh
Alles redet vom Aufschwung. Klar, auch die Unternehmer in der Region Heilbronn. Doch die dringend nötige Gewerbe- und Industrieansiedlung bekommt nach Meinung einiger Wirtschaftskapitäne einen unbequemen Hemmschuh verpaßt. Kritik mußte sich Wirtschaftsminister Dieter Spöri unlängst in dieser Sache anhören. Es geht um die „überzogenen Umweltgesetze“ in Deutschland. Der deutsche Umweltperfektionismus habe ökonomisch gesehen gravierende Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland und damit auch für die Region Heilbronn. Nur ein Beispiel in Sachen Umwelthaftung: Im Jahre 1990 ist das deutsche Umwelthaftungsgesetz in Kraft getreten. Danach haftet der Inhaber einer Anlage verschuldungsunabhängig für individuelle Rechtsgutverletzungen, die durch Umwelteinwirkungen der Anlage verursacht worden sind. Ein vergleichbares europäisches Umwelthaftungsgesetz für andere Länder existiert derzeit noch nicht. Die Folge, so meinen die betroffenen Unternehmer, weniger Rechtsschutz und höhere finanzielle Belastung durch Abschluß von Versicherungen für die Anlagebetreiber. Dies sei mit der Grund dafür gewesen, daß sich ein Chemiefabrikant gegen einen Standort im südlichen Landkreis Heilbronn entschieden und lieber im Elsaß angesiedelt hat. Vielleicht sind wir in Sachen Umweltschutz zu perfekt?

Einbruch ohne Ende
Wieder eine Hiobsbotschaft von der Einbruchsfront: ich habe hier oben vom Turm schon darüber getönt, daß die Gauner nun auch vor Einbrüchen in Gartenhäuschen nicht mehr zurückschrecken. Viel schlimmer: Es sieht bald so aus, als ob die Polizei kapitulieren muß. Mir erzählte unlängst der Nachbar eines Einbruchopfers, daß die ermittelnden Polizeibeamten sich zwar „groß Sonderkommission“ nennen, aber den Namen wohl „nicht verdienen“. Die Ermittlungen der Polizei hätten sich nämlich auf die Schadensaufnahme beschränkt. Befragungen unter den Nachbarn, ob eventuell Beobachtungen gemacht worden seien, habe es nicht gegeben.

Liberal
Die Freien Demokraten haben ihren Dreikönigsparteitag in Stuttgart überstanden. Richard Drautz, der Wengerter und liberale Abgeordnete aus Heilbronn, der über die Zweitauszählung im Eppinger Wahlkreis in den Landtag einzog, ist im Landesvorstand seiner Partei präsent. Und der Schwäbisch Haller Abgeordnete Dr. Walter Döring, von Beruf Lehrer, ist wieder Vorsitzender der Traditionspartei FDP/DVP in Baden Württemberg. Bedeutet das nun die Wende für die südwestdeutschen Liberalen? Bei der Landtagswahl 1988 hatte Döring als Parteivorsitzender gerade 5,9 Prozent Wählerstimmen für die Freien Demokraten verbuchen können. Er mußte zurücktreten. Jetzt erhielt er in Stuttgart fast 84 Prozent der Delegiertenstimmen - und darf neben seinem Fraktionsvorsitz auch die FDP als Spitzenkandidat in die Landtagswahl 1996 führen. Flotte Sprüche gehen dem vom Schuldienst beurlaubten Studienrat bekanntlich locker und rasch über die Zunge. Aber im Schwäbischen heißt es bekanntlich: mit dem Maul hot noch koiner a Kischt glupft.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen