Ein Held
Die
Todesanzeige, zu lesen in der Heilbronner Lokalzeitung, machte nachdenklich: Da
war ein Mann ums Leben gekommen. „...unsere Herzen sind voller Schmerz, daß er
für seine Tierliebe sein leben lassen mußte...“ Die tragische Geschichte hinter
dieser Todesanzeige: Der 30jährige, um den es geht, war mit dem Hund eines
Bekannten spazieren gegangen. Plötzlich sprang der Hund ins eiskalte Wasser
eines Flusses, wurde von der starken Strömung mitgerissen. Der Mann will den
Hund retten, springt hinterher. Der Hund lebt, erreicht das rettende Ufer. Der
Mann ertrinkt, wird mehrere Tage später im Ufergestrüpp gefunden. Seinen
selbstlosen Einsatz hat er mit dem Leben bezahlt - ein Held.
Ein Flopp?
Zeitungen in
der Landeshauptstadt Stuttgart wußten es wieder einmal schon vorher:
Umweltminister Harald B. Schäfers (SPD) Ozonversuch war ein Flopp. Außer
Spesen nichts gewesen, hieß es da bereits vor seiner gestrigen Pressekonferenz.
Nun ja, man muß sich schon fragen, wozu damals das ganze Tamtam veranstaltet
wurde im Raum Heilbronn/Neckarsulm. Denn, daß es leiser wird, wenn weniger
Autos fahren, daß ist nun wirklich keine einzige Mark Steuergeld oder gar einen
großangelegten Versuch wert. Da täte Schäfer besser daran, sich nun mit seinem
Regierungskollegen Hermann Schaufler (CDU) anzulegen. Der will nämlich
keine zusätzlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen rund ums Weinsberger Kreuz.
Auch unser Unterländer Mann Dieter Spöri (SPD-Landtagsabgeordneter und
Wirtschaftsminister) wäre gefordert. Ich frage mich schon, wie groß ist
eigentlich Heilbronns Einfluß in Stuttgart? Weit kann es damit nicht her sein,
wenn selbst eine konzertierte Aktion einiger Unterländer Bürgermeister für eine
Geschwindigkeitsbegrenzung noch keinen zählbaren Erfolg bringt.
Telefon
Wenn einer
will, dann kann er mit wenig technischem Verstand und einiger Fingerfertigkeit
offenbar Telefone anzapfen, sich einklinken - oder gar Telefongespräche führen,
die dem Anschlußteilnehmer teuer zu stehen kommen. Wie heißt es so schön bei
der Telekom: bis zur Telefon-Dose ist die „Post“, heute Telekom, der Eigentümer
der Leitung. Und wir armen Telefonkunden wissen nicht, wer wie oft und wann auf
unserer Leitung telefoniert hat - selbst wenn wir Strichlisten führen oder uns
einen Zähler einbauen lassen. Jetzt endlich bequemt sich der Telefonriese,
einen kostenlosen Einzelnachweis über geführte Gespräche anzubieten. Damit will
das Privatunternehmen Telekom seinen „Kunden einen zusätzlichen Service ihrer
Telefonrechnungen anbieten“. Aber erst jetzt. Nachdem das Kind schon in den
Brunnen gefallen ist, sprich Hacker deutlich nachgewiesen haben, daß unsere
Telefone offensichtlich sehr leicht anzuzapfen sind.
Hemmschuh
Alles redet
vom Aufschwung. Klar, auch die Unternehmer in der Region Heilbronn. Doch die
dringend nötige Gewerbe- und Industrieansiedlung bekommt nach Meinung einiger
Wirtschaftskapitäne einen unbequemen Hemmschuh verpaßt. Kritik mußte sich
Wirtschaftsminister Dieter Spöri unlängst in dieser Sache anhören. Es
geht um die „überzogenen Umweltgesetze“ in Deutschland. Der deutsche
Umweltperfektionismus habe ökonomisch gesehen gravierende Folgen für den
Wirtschaftsstandort Deutschland und damit auch für die Region Heilbronn. Nur
ein Beispiel in Sachen Umwelthaftung: Im Jahre 1990 ist das deutsche
Umwelthaftungsgesetz in Kraft getreten. Danach haftet der Inhaber einer Anlage
verschuldungsunabhängig für individuelle Rechtsgutverletzungen, die durch
Umwelteinwirkungen der Anlage verursacht worden sind. Ein vergleichbares
europäisches Umwelthaftungsgesetz für andere Länder existiert derzeit noch
nicht. Die Folge, so meinen die betroffenen Unternehmer, weniger Rechtsschutz
und höhere finanzielle Belastung durch Abschluß von Versicherungen für die
Anlagebetreiber. Dies sei mit der Grund dafür gewesen, daß sich ein
Chemiefabrikant gegen einen Standort im südlichen Landkreis Heilbronn
entschieden und lieber im Elsaß angesiedelt hat. Vielleicht sind wir in Sachen
Umweltschutz zu perfekt?
Einbruch ohne
Ende
Wieder eine
Hiobsbotschaft von der Einbruchsfront: ich habe hier oben vom Turm schon
darüber getönt, daß die Gauner nun auch vor Einbrüchen in Gartenhäuschen nicht
mehr zurückschrecken. Viel schlimmer: Es sieht bald so aus, als ob die Polizei
kapitulieren muß. Mir erzählte unlängst der Nachbar eines Einbruchopfers, daß
die ermittelnden Polizeibeamten sich zwar „groß Sonderkommission“ nennen, aber
den Namen wohl „nicht verdienen“. Die Ermittlungen der Polizei hätten sich
nämlich auf die Schadensaufnahme beschränkt. Befragungen unter den Nachbarn, ob
eventuell Beobachtungen gemacht worden seien, habe es nicht gegeben.
Liberal
Die Freien
Demokraten haben ihren Dreikönigsparteitag in Stuttgart überstanden. Richard
Drautz, der Wengerter und liberale Abgeordnete aus Heilbronn, der über die
Zweitauszählung im Eppinger Wahlkreis in den Landtag einzog, ist im
Landesvorstand seiner Partei präsent. Und der Schwäbisch Haller Abgeordnete
Dr. Walter Döring, von Beruf Lehrer, ist wieder Vorsitzender der Traditionspartei
FDP/DVP in Baden Württemberg. Bedeutet das nun die Wende für die
südwestdeutschen Liberalen? Bei der Landtagswahl 1988 hatte Döring als
Parteivorsitzender gerade 5,9 Prozent Wählerstimmen für die Freien Demokraten
verbuchen können. Er mußte zurücktreten. Jetzt erhielt er in Stuttgart fast 84
Prozent der Delegiertenstimmen - und darf neben seinem Fraktionsvorsitz auch
die FDP als Spitzenkandidat in die Landtagswahl 1996 führen. Flotte Sprüche
gehen dem vom Schuldienst beurlaubten Studienrat bekanntlich locker und rasch
über die Zunge. Aber im Schwäbischen heißt es bekanntlich: mit dem Maul hot
noch koiner a Kischt glupft.

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