An
der Müllfront scheint sich in Heilbronn einiges zu bewegen. Wenn man den Zahlen
jener glauben kann, die uns vorrechnen: Der Müll wurde in der
Käthchenstadt verglichen mit 1993 im
vergangenen Jahr um rund 27 Prozent
reduziert. Und bei der städtischen Deponie Vogelsang sehen die Zahlen noch
eindrucksvoller aus. Die Abfallmengen wurden dort sogar um 37 Prozent
reduziert. Dafür gibt es Gründe. Die Stadt Heilbronn sagt: erhöhte Deponiegebühren, Herkunftsnachweis des
Mülls und bessere Beratung hätten zur Reduzierung des Aufkommens geführt.
Und wir Bürger? Im Durchschnitt erzeugt jeder Heilbronner pro Jahr 222
Kilogramm Müll. Und trotz der Steigerung der Quote beim „Gelben Sack“ um 40
Prozent, beim Altpapier gar um 20 Prozent, meint Baubürgermeister Ulrich Frey, daß Heilbronn von Jahr zu Jahr
schmutziger werde. In der Wiederbesetzungssperre sei ein Grund dafür zu finden.
Wenn das Müllbeseitigungspersonal fehle,
dann könne die Stadt halt weniger vom herumliegenden Müll einsammeln. Und
außerdem würden 13.000 Haushalte überhaupt keine Müllgebühren bezahlen. Wo die
wohl ihren Abfall entsorgen?
Spitzenkräfte?
Viele
in der Käthchenstadt fragen sich: Sind
in Heilbronn keine Nachwuchsspitzenkräfte zu finden? Wenn es um die
Neubesetzung von Spitzenpositionen geht, dann holt man sich seit längerer Zeit
schon die Leute von auswärts. Nach dem Motto: Auswärtige Besen kehren besser
und gründlicher. Ob beim Vorstandsvorsitzenden der Kreissparkasse, beim
Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, beim Leiter des
Schulamtes, bei den Bürgermeistern, dem Präsidenten des Landgerichts, dem neuen
Chefredakteur oder zum Ende des Jahres beim Direktor des Finanzamtes. Die einen
sagen: Das ist gut so. Der neue Mann darf nicht im Heilbronn Geflecht und Mief
zu stark involviert sein. Die mehr lokalpatriotisch Gesinnten meinen: Früher
habe man auf Kontinuität gesetzt, die Leute im eigenen Hause herangezogen, den
regionalen und lokalen Gesichtspunkten mehr Bedeutung beigemessen. Think global, act local - lautet ein
Merkspruch, den sich so manche Firma, so mancher Verband oder so manches Amt
zum Leitgedanken gemacht hat. Beim globalen Denken und lokalen Handeln muß aber
noch einiges geschehen. Denn Heilbronn liegt immer noch abseits der großen
Verkehrsflüsse und im Zentrum der Wirtschaftskrise. Das heißt: Auch die
Spitzenkräfte müssen auch mehr raus, in Stuttgart und Bonn etwas für die Stadt
und Region in Bewegung setzen. Und sie müssen vor Ort umsetzen, was sie
auswärts gelernt haben.
SPD-Frauen
vor
Bei
der Aufstellung der Kandidaten für die Landtagswahl im kommenden Jahr hatte ich
eigentlich Frauenpower erwartet. Bei der
CDU in Heilbronn gabs diese Power gleich im Doppelpack. Johanna Lichy, die CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, machte
das Rennen gegen Helga Drauz, ihrer
Fraktionskollegin aus dem Heilbronner Stadtrat. Bei der SPD hatte es die Bürgermeisterin von Löwenstein Birgit
Kriegel versucht - und scheiterte kläglich am gestandenen Obersulmer
Mannsbild Alfred Schöffler. Nicht
mal als Zweitkandidatin wurde bei den genossen im Wahlkreis Neckarsulm eine
Frau aufgestellt. Vom Eppinger Wahlkreis ganz zu schweigen - denn auch dort war
offensichtlich der Proporz entscheidend. Der Abstätter Hauptkandidat Wolfgang Bebber und sein Sozius aus den
Eppinger Gemeinderat. Dr. Dieter Spöri,
der Wirtschaftsminister der Großen Koalition und designierte
SPD-Spitzenkandidat bei der März-Wahl 1996, wird in seinem Wahlkreis Heilbronn
diese Woche ganz offiziell nominiert. Sein Zweikandidat heißt Friedrich Niethammer, der
SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat. Anne
Allinger, die schon mal diesen Posten besetzt hatte, wollte nicht gegen
Niethammer kandidieren - so der SPD-Kreisvorstand. Mit der SPD-Frauenpower bei
der nächsten Landtagswahl im Unterland scheint es momentan schlecht bestellt zu
sein - was die Kandidaten anbetrifft.
Ratssprüche
„Seien
Sie doch still. Wenn Sie den Mund aufmachen, schwätzen Sie nur Scheiß, wie die
ganze Ecke dahinten. Keine Ahnung haben, nur immer Mist daherreden.“ - Harte Worte. Beleidigende Worte. In
diesem Wortlaut sollen sie im Fleiner Gemeinderat gefallen sein. Sagt eine
Rätin. der Bürgermeister will davon nichts gehört haben. Und auch jener Rat,
dem die Worte angeblich im Zorn entschlüpft sind, will sie nie und nimmer von
sich gegeben haben. Und deshalb wollte der Rat seine Kollegin per Gerichtsbeschluß
zwingen, daß sie nimmer wiederholt, er habe solches ihr gegenüber verlauten
lassen. Die Rätin hatte die sie beleidigenden Sätzchen nämlich schriftlich dem
Bürgermeister mitgeteilt. Das Amtsgericht Heilbronn wollte sich letzte Woche
nicht vor den Streithansel-Karren spannen lassen. Denn selbst wenn die Rätin
ihre Worte dem Bürgermeister gegenüber widerrufen hätte - der angerichtete
Schaden wäre geblieben. Ein gefundenes Fressen für das Sommerloch, in dem ja
zur Zeit viele Medien stecken. Wie wärs mit einem schönen Sommer-Blumenstrauß
für die Ratskollegin - Herr Rat? Nach dem altbekannten Motto: Laßt Blumen
sprechen.
Großveranstaltungen
Wenn
von der Harmonie in Heilbronn als guter Stube der Stadt gesprochen wurde, dann
hieß es vor Jahren schlicht: Einfach abreißen und eine neue, große Halle bauen.
Damals war das Prunkstück aus den Fünfzigern noch reichlich ramponiert. Aber zu
einem Abriß und Neubau einer großen Halle im Stadtzentrum Heilbronns - zwischen
Allee, Busbahnhof und Gymnasiumstraße - dazu konnte sich damals niemand
durchringen. Und so wurde die „Alte Tante“ kosmetisch aufgefrischt und sieht
derzeit ganz passabel aus. Aber mit einem Kongreßzentrum
wie dem Forum in Ludwigsburg zum Beispiel kann sie nicht mithalten. Um
Stuttgart herum haben sich auch einige andere Gemeinden mit schmucken Hallen
ausgerüstet und ziehen damit gewichtige Kongresse in ihre Mauern. Und was dann
dort stattfindet, das kann schon nicht in Heilbronn geschehen. Den Bau einer
Großveranstaltungshalle - den hat dieser Tage Dr. Dieter Spöri wieder entdeckt.
Wenn Heilbronn nur wolle, so würde er, der Wirtschaftsminister, schon Gelder
locker machen. Schließlich ist er ja zuständig für Landesplanung, Wohnungs- und
Städtebau. Und somit wären Landeszuschüsse und Fördermittel zugesichert. Jetzt
liegt der Schwarze Peter mal wieder beim OB und seinem Gemeinderat. Aber die
haben sich ja erst vor wenigen Monaten eine finanzielle Schlankheitskur
verordnet.
Majoretten
in Heilbronn
So
befruchtend kann Völkerfreundschaft sein. Vor mehr als zwanzig Jahren hatte die
Heilbronner Sport- und Gymnastiklehrerin
Sigrid Lipp eine Schülerin namens Heike Glasbrenner, die in eine der Jazzgymnastik-Stunden
einen „Stab“ der besonderen Art mitbrachte. Majoretten in den USA wirbeln
solche Dinger durch die Luft. Und da die Schülerin Kontakte zu einer
amerikanischen Familie in Heilbronn besaß, deren Tochter als Captain‘s Girl
auftrat, war die Idee von Sigrid Lipp
rasch umgesetzt. So entstand in mühseliger Kleinarbeit die Heilbronner
Majoretten-Tanzgruppe, die heute in flotten Käthchentrachten für Heilbronn als
gute Botschafterinnen durch die Welt wirbelt. 1992 nahmen die jungen Damen
sogar an der Steuben-Parade in New York teil. Am Wochenende feierten alte und
junge Majoretten samt Angehörigen und Freunden das zwanzigjährige Bestehen der
Tanztruppe. Und die Grand Dame der Truppe erhielt von „ihren Mädchen“ für „Best
Performance“ einen goldenen Oscar. Auch ich vom Turm wünsche den jungen Damen
weiterhin viel Freude und Anerkennung - und Sigrid Lipp einen steinharten
Durchhaltewillen. Denn ihre Arbeit ist für Heilbronn eine Botschaft der Freude
- für jene, die Heilbronn erst kennenlernen wollen.
Abonnement
Fragte
mich doch neulich ein Mensch aus dem ländlichen Bereich des Unterlandes: Wie
kann ich beim Stadttheater ein Abonnement bekommen? Darauf ich als standfester
Heilbronner: Lesen Sie die Theaterzeitung, da steht alles drin - und die können
Sie in Lebensmittelgeschäften, Ämtern oder beim Theater selbst bekommen. Der
kulturinteressierte Mann tat wie ihm geheißen ward. Wenige Tage später ein
Anruf. Also, die Theaterzeitung „toi, toi, toi“ habe er sich geholt. Schwierig zu lesen sei das Blatt. Weil
es ja eigentlich ein Plakat sei - und er, der arme Mann es von vor- und
rückwärts durchblättern müsse, aber dabei nie so richtig wisse, auf welcher
Seite er jetzt gerade sei. Wolle er einen richtigen Überblick, dann müsse er
das Blatt auf dem Fußboden ausbreiten. denn so groß sei sein schreibtisch
nicht, daß das gesamte Plakat daraufpasse. Jetzt aber wisse er endlich, wie er
ein Abo bekäme. Er müsse zu ganz bestimmten Tagen und Zeiten zum Theater und
sich einschreiben. Aber ob er da gerade Zeit habe? Also das wisse er nicht so
genau. Vielleicht sollte sich das Theater, so meinte der Mann, mal einen
Abo-Bestellschein im Blättle abdrucken. Dann hätte er jetzt schon sein
Abonnement für 1995/96 bestellt. Aber so - da müsse er sich das halt nochmal
überlegen - mit der Kultur in Heilbronn.
Nonverbal
Da
haben sich doch einige Psychologen - oder waren es Psychiater - was ganz
besonderes ausgedacht. Per Anzeige suchten sie Interessenten für einen
Arbeitskreis oder eine Arbeitsgruppe „Nonverbale Kommunikation“. Und es
meldeten sich fleißig einige, die sehr interessiert waren. Auch ich habe mich
gefragt, was das denn sei - die nonverbale Kommunikation. Wenn ich mit Ihnen,
meinen Lesern kommuniziere, dann geht das ohne gesprochene Worte ab. Halt mit
gedruckten Worten. Und wenn Sie mich hier oben auf meinem Turm betrachten, dann
schauen Sie halt von unten hoch - und denken sich Ihren teil. Ist dieses Denken jetzt schon Nonverbal? Wir
denken ja eigentlich in Worten, in ganzen Sätzen - selbst im Traum haben wir
unsere Sprache noch beisammen. Manche Sprachbegabten träumen französisch oder
englisch. Sie kommunizieren mit sich selbst noch in Worten. Und selbst wenn wir
uns nur anschauen oder betasten - wie da heute ja „in“ ist in so mancher Gruppe
- dann geht in den Köpfen nichts Nonverbales vor sich, sondern eben
unausgesprochen laufen da ganze Romane ab, die man sich später erzählt. In der
Gruppe - oder auch woanders. Trotz meines versteinerten Maules: Ich glaube, die
Herren Seelendoctores haben sich da einen derben Scherz mit zarten Seelchen erlaubt - mit ihrer
„Nonverbalen Kommunikation“.
Kulturtage
'95
Das
ist schon ein Ereignis, was der Harry
Mergel da alljährlich mit seinen Freunden auf dem Gaffenberg
heraufbeschwört. Fünf Tage war das Kulturspektakel in diesem Jahr von insgesamt
rund 22.000 Menschen besucht worden, 150 Künstler traten im Wald auf und alles
klappte organisatorisch reibungslos. Ein Volksfest für die gehobenen Stände.
Denn billig ist‘s ja nicht, den Kulturhügel von Heilbronn zu erklimmen. Aber
fürs Geld wird auch was geboten: Künstler aus zehn Ländern spielten für ein
Publikum auf, das ein unbeschwertes sommerliches Vergnügen suchte. Und da die
Macher nicht im eigenen Saft schmoren möchten, soll im kommenden Jahr noch mehr
auf auswärtige Besucher gesetzt werden. Sozusagen eine Durchmischung des
Publikums wird angestrebt. Heilbronner
Kulturtage - ein Geheimtip für alle zwischen Heidelberg und Stuttgart,
Karlsruhe und Crailsheim. Der Medienwald rauschte ja auch schon beträchtlich im
Vorfeld des freudigen Ereignisses auf dem Gaffenberg - und brachte Publizität
weit über die Stadtmauern der Käthchenmetropole hinaus. Und trotzdem:
verglichen mit anderen Volksfesten im Unterland bleiben die Kulturtage ein
Juwel für jene, die sie zu schätzen wissen. Nicht für Jedermann, sondern für
jeden, der interessiert ist an dem, was die Mergel-Crew an kulturbuntem
Abenteuer auch 1996 wieder auf die Beine stellt. 1997 wird das zehnjährige
Jubiläum gefeiert. Dann soll ein Programm mit den Highlights aus den
zurückliegenden Jahren geboten werden. Ich nehme an: Auch dann leuchtet
Heilbronn wieder - vom Gaffenberg aus.

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