Dienstag, 18. Februar 2014

Kiliansmännle, 13.12.1995



FDP wohin?
In Baden-Württemberg ist der Landtagswahlkampf für die Entscheidung am 24. März 1996 schon in vollem Gange. Und nachdem die SPD im Bund ihrem Sommertheater mit der Abwahl Rudolf Scharpings in Mannheim ein unrühmliches Ende gesetzt hatte, schreiben die Freien Demokraten an der Fortsetzung dieses Politthrillers. Nachdem sie sich nicht entscheiden konnten, wo sie sich im Einheitsdeutschland politisch positionieren sollen, ob mehr links, mehr rechts oder in der kaum definierbaren Mitte, glaubt man mit immer neuen Schlachtfesten von scheinbar Schuldigen neue Richtungen einschlagen zu müssen. Große Erfolge konnte die FDP bisher im Nachkriegsdeutschland nur als bürgerlich-liberale Partei verbuchen. Als sie sich in den siebziger Jahren nach links öffnete, begann der Abstieg, seitdem kämpft sie immer und immer wieder damit, Kraft zu sammeln, um wenigstens mit Hängen und Würgen über die Fünf-Prozent-Hürde zu springen. Dritte politische Kraft ist sie schon lange nicht mehr, weder in Deutschland noch in Baden-Württemberg, den Platz mußte sie an die junge Partei der Grünen abgeben. Und im Ländle wurde sie dazu noch von den Republikanern weit überflügelt. Aber ihre Politik hat sie offenbar nach diesen vielen Niederlagen nicht neu geordnet. Ihr fehlen einfach die kantigen Köpfe von Frauen oder Männern, die klar sagen, was sie in der Politik wollen und was sie nicht wollen. Und da die Plätze auf der linken bis hin zu Mitte von PDS, Grünen und SPD schon längst besetzt sind, in der Mitte nach rechts hin CDU und CSU die Platzhirsche sind, fehlt nur noch das freiheitlich liberal-konservative Korrektiv. Was einst die Garantie für zweistellige Stimmenergebnisse in Baden-Württemberg war, dieses Feld wird von der FDP schon lange nicht mehr besetzt. Und so wird sie ohne Pauken und Trompeten untergehen, wenn man den Umfrageergebnissen  glauben kann. Wenn sie sich nicht vorher eines Besseren besinnt.



Flaschen-Boxen

Es war das gesellschaftliche Ereignis in Baden-Württemberg am vergangenen Wochenende. Was in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle im Ring von den beiden Boxern Axel Schulz (Deutschland) und Frans Botha (Südafrika) gezeigt wurde, das war über weite Strecken nur Gemurkse. Aber nachdem die Punktrichter ihre Entscheidung für Botha als Sieger bekanntgegeben hatte, da prasselte ein Regen der Sektkelche und Champagnerflaschen über den Ring herein. Und die „Very important persons“, die VIPs in den ersten Reihen konnten nicht immer den Wurfgeschossen der enttäuschten Fans ausweichen. Verletzte mußten gleich reihenweise vom Roten Kreuz behandelt werden. In jedem Fußballstadion werden Getränke nur in Papp- oder Plastikbechern ausgeschenkt. Aber Fußball ist ja auch derzeit kein schicker Sport, zu dem die halbseidene Welt aus Politik, Wirtschaft und Showbusineß begeistert pilgert. Wer war zu sehen: Politikprominenz wie Dieter Spöri (baden-württembergischer Wirtschaftsminister) und Manfred Stolpe (Ministerpräsident aus Brandenburg), der oberste Landesherr des Axel Schulz, der bekanntlich aus Heilbronns Partnerstadt Frankfurt an der Oder kommt. Ich verstehe es immer noch nicht ganz, warum gerade Boxen zum Sport der deutschen Einheit geworden ist. Zeigt sich darin etwa der neue, einheitliche Volkscharakter der wiedervereinten Deutschen? Und warum gerade der einstige Kirchenfürst Stolpe begeistert in die Hände klatscht, wenn seine Landeskinder Schulz oder Maske sich und anderen die Köppe blutig schlagen, das will einfach nicht in meinen Steinschädel.Schließlich ist sein einstiger oberster Dienstherr seit jeher ein entschiedener Gegner jeglicher Gewalt. Und unser Dieter Spöri? Boxerqualitäten im politischen Geschäft sind ihm nicht abzusprechen. Ulrich Maurer kann ein Lied davon singen. Aber der Kampf ist ja nicht offen ausgetragen worden. Erwin Teufel heißt der Gegner, mit dem im Ring „Wahlkampf“ über drei Monate gefightet werden muß. Und der weist Steherqualitäten auf.



Einfach unglaublich

Manchmal steige ich ja von meinem Sockel herunter, um beim Neckar-Express meine Texte abzugeben. Diese Woche bot sich mir ein ungewöhnlicher Anblick: Da stand doch ein riesiger Stapel von rund 500 Postkarten mitten im Redaktionszimmer, und der Praktikant war eifrig damit beschäftigt, diesen Haufen zu ordnen. Was das denn zu bedeuten habe, wollte ich – neugierig wie ich bin – wissen. Ja, so bekam ich zur Antwort, dies sind die Karten für die Kelly-Family-Verlosung. Interessiert schmökerte ich daraufhin mal in dem Kartenberg. Einige Leute hatten sich besondere Mühe gegeben und die Karten kunstvoll verziert. Besonders schön fand ich eine Karte: Auf die eine Seite hatte der Teilnehmer einen Mann im Anzug geklebt – und in der ausgestreckten Hand hält der einen Zettel mit der Lösung. Andere Fans der Kelly Family glänzten durch profundes Fachwissen. So konnte ich lesen, daß Steven Tyler auf dem „Out in the Green-Festival“ in der Schweiz gesagt habe, er fände die Kellys „einfach unglaublich“. Die Kelly-Fans bringen der Redaktion noch was bei. Manch ein Schreiber war offenbar so aufgeregt, daß er glatt vergaß, den Absender auf die Karte zu schreiben. Auch ganze Familien schickten für jedes Familienmitglied eine Karte ab, um die Gewinnchance zu erhöhen. Ein legaler Trick. Nützt allerdings wenig. Insgesamt neun doppelte Karten von drei Geschwistern fanden sich im Stapel  – da hat nur die Post am Porto verdient . Bisweilen schreiben die Leute auch die gesamte Neckar-Express-Frage noch mal ab und bauen dann kunstvoll die Antwort mit hinein. Da heißt es: Ganz genau lesen, ob die Antwort auch stimmt. Am besten sei es, so wurde mir gesagt, wenn nur das Lösungswort neben Anschrift und Absender steht. Dorthin hat es auch ein Mädchen geschrieben: Auf die Frage, wer die Kelly Family einfach unglaublich finde, antwortete sie lakonisch: Die Ärzte.



Hase und Igel

Katz und Maus spielen derzeit die Dealer und Hintermänner im Rauschgiftgeschäft mit Polizei und Stadtverwaltung. Oder besser gesagt: Hase und Igel.  Ick bin allhier schon do. So lautet der erfolgreiche Spruch der Verbrecher. Wie einen Ochsen mit Nasenring und Strick führt die Rauschgiftmafia die staatliche Gewalt in Heilbronn vor. Ist es heute der Friedensplatz, ist es morgen der Harmoniepark. Und wenn die Dealer auch dort vertrieben sind, dann wird die Sülmercity belegt. Rauschgiftsüchtige folgen ihrem Verderbern blind und bedingungslos. Die Feinde für sie sind Polizei, Geschäftsleute und die „spießigen“ Bürger Heilbronns. Klar, die nehmen ihnen ja auch die Freiheit, sich allüberall hemmungslos auszubreiten. In den Hauseingänge, den Unterführungen, selbst auf offenen Plätzen geben sie sich die Spritze – im Angesicht von Polizei, Kindern, Erwachsenen. Die Strategie heißt: den liberalen Staat vorführen, damit er sich repressiv zeigt, die Mitleider dann empört aufschreien und das Feld für den ungehinderten Konsum und Verkauf endlich Süchtigen und Dealern überlassen. Eine Kraftprobe nennt man sowas. In der Vorweihnachtszeit ist sie besonders spektakulär. Jahrelang hat man in Heilbronn das Problem verniedlicht, nicht wahrgenommen, daß in den Therapieeinrichtungen rund um die Stadt mehr aufgefangen als erfolgreich therapiert werden kann. Sozialarbeiter verniedlichten das Drogenproblem, anstatt es mit aller Härte anzugehen, Wege aus der Droge aufzuzeigen. Ein Drogensüchtiger ist kein selbstbewußter Mensch, richtet sein Verhalten nicht an allgemeingültigen sozialen Verhaltensmustern aus, sondern ist das bedauernswerte letzte Glied in der Kette, Kanonenfutter im Krieg der Drogenbarone gegen die zivilisierte Welt. Und dabei geht es nur um dreckiges Geld. Geld, das nicht erarbeitet, sondern mit brutaler krimineller Energie den Süchtigen und ihren Angehörigen gestohlen wird. Durch Verniedlichung dieser Feinde, durch falsche Schuldzuweisungen werden verkehrte Fronten aufgebaut –  ganz im Sinne der Verbrecher, die es mit Jubel sehen, wenn die Gesellschaft, deren schwächsten Gliedern sie ihre tödliche Waren verkaufen, durch zermürbenden Streit sich selber in ihrer Abwehrkraft schwächt .



Musical-Boom

Nicht mit dem „Käthchen von Heilbronn“ wurde der Neubau des Stadttheaters am Berliner Platz feierlich eingeweiht, sondern mit einem Musical. „My Fair Lady“, ein Singstück, das heute kaum mehr im Programm der Staats- oder Stadttheater zu finden ist, sondern mehr bei den Freilichtbühnen zur Sommerszeit.  Die Zeit, in der Heilbronn als Musicalbühne ein wenig Furore machte, ist allerdings auch schon längst vorüber. Wer Theater dieser Sparte mag, der macht heute einen Ausflug. Zum Beispiel nach Stuttgart-Möhringen. Dort hat der reiche und rührige Rolf Deyle einen Theaterpalast mit Hotel und Erholungszentrum auf die Krautäcker gestellt und bietet seit einem Jahr in seinem Musentempel ununterbrochen „Miss Saigon“. Zehn Jahre insgesamt soll das Stück laufen. Und der Zuspruch der Besucher ist bis heute nicht gebrochen. Denn es hat sich herumgesprochen, daß in diesem Theater Qualität geboten wird. Die Tänzer und Sänger proben täglich, als ob an jedem  Abend Premiere sei. Eine intensive Probenarbeit kann sich sich ein Stadttheater nicht leisten. Dort verschlampen nach dem Premierenabend oftmals die Aufführungen, weil halt zwei oder drei Stücke nebenher noch von der Schauspielern einstudiert werden müssen. Jetzt wird in der Fildergemeinde vor den Toren Stuttgarts sogar noch eine zweite Musical-Hall geplant. 1997 soll das neue Musical-Theater mit 1.500 Plätzen fertig sein und über Jahre hinweg „Phantom der Oper“ allabendlich bieten. Damit ist dann in Stuttgart ein Kultur-Zentrum geschaffen, das neben dem abendlichen Vergnügen auf den Brettern, den Erholungsmöglichkeiten auch noch Raum für Kongresse und Tagungen aller Art bietet. Wenn demnächst vielleicht das Messegelände unmittelbar neben diesen Gebäuden seinen Platz hat, dann ist Stuttgart vielleicht eine Musical-Hochburg im Süden Deutschlands. Und neben einer solchen Hochburg, das haben anderen Zentren schon gezeigt, entwickelt sich ja auch eine Szene. Zum Beispiel wie in Hamburg: Dort existieren  über zehn andere, kleinere Musicaltheater. Kultur befruchtet, wenn sie beim Publikum ankommt.



Berliner Platz

Wer sollte und wer wollte nicht schon alles auf den Berliner Platz in Heilbronn. Das Kaufhaus Breuninger war im Gespräch, zeigte sich interessiert – und sprang dann ab. Die Gründe sind nie ganz klar geworden. Dabei wäre Breuninger mit seinem Sortiment eine Bereicherung der Stadt gewesen. Jetzt soll groß gebaut werden. Einkaufpassagen, Kinos, Theater – ein richtig kleiner Konsumtempel neben dem Heilbronner Stadttheater. Eine Aufwertung der Sülmer City könnte das werden. Aber nachdem sich die Drogenszene dort festgesetzt hat, der Fußgängerbereich im Norden immer noch nicht mit jenem in der Fleiner Straße Heilbronns konkurrieren kann, macht jetzt auch noch ein Teil des Gemeinderats Schwierigkeiten. Am Kurt-Schumacher-Platz im Bahnhofsviertel sollen ebenfalls Kinos in Planung sein. Und nun sind sich die Stadträte unsicher: sollen sie am Berliner Platz im Bülow-Bau auch noch Kinos genehmigen. Dabei wäre es durchaus sinnvoll, wenn Heilbronn gerade in diesen Vierteln neue Filmtheater bekäme. Die Parkplatzsituation im Bereich südliche Innenstadt ist reichlich dürftig für die Mehrheit der jugendlichen, sehr mobilen Kinobesucher. Und außerdem: Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Wenn in unseren wirtschaftlich schweren Zeiten mit unnötigem Gezerre und müden Überlegungen auch noch die geplante Bebauung des Schandflecks in der Nordinnenstadt vom Gemeinderat und der Verwaltung vergeigt wird, dann Gute-Nacht Berliner Platz. Der Theater-Anbau sollte eigentlich schon kurz nach Fertigstellung des Stadttheater-Neubaus 1982 kommen. Aber das ist mehr als 13 Jahre her. Hoffentlich kann der Erste Bürgermeister der Stadt, Werner Grau mit seinem beneidenswerten Optimismus die Querelen beenden und das Projekt in richtige Bahnen lenken, damit’s endlich was wird – mit der Nordinnenstadt.



Geplagte Riedstraße

Die Haller Straße führt aus Heilbronn heraus in Richtung Weinsberg. Daß dieses Bauwerk nicht gerade den Erfordernissen des Straßenverkehrs des Jahres 1995 entspricht, das dürfte in Heilbronn hinlänglich bekannt sein. Dabei ist dieses Nadelöhr der Zubringer für viele, die in Heilbronn ihrer geregelten Arbeit nachgehen. Weinsberg hat mit seinem Teilstück der Bundesstraße 39 alles getan, um den Verkehrsfluß angemessen zu führen. In Heilbronn war man offenbar der Ansicht, das Weinsberger Tal sei weniger wichtig als andere Gegenden rund um die Metropole der Region Franken. Jetzt aber stinkt’s den Bürgern rund um die Haller Straße. Vor allem die Anwohner der Riedstraße (dort, wo die beiden  Heinrich-Besenwirtschaften sind) fordern vehement eine Fußgängerampel zum Überqueren der Haller Straße in Richtung Krugstraße. Denn für Fußgänger sei  das Wechseln der Straßenseite in diesem Bereich durch den ununterbrochenen Autoverkehr ein ständiges Risiko. Für die älteren Bewohner und Kinder stellt die Haller Straße ohnehin eine nahezu unüberwindbare Barriere da. Die Kinder aber müssen zur Schule gehen, die älteren Menschen müssen ihren Einkauf tätigen. Die Geschäfte jedoch liegen alle im Bereich des Bahnhofs Karlstor. Von der Lärmbelästigung durch die B 39 für die Anwohner der Riedstraße gar nicht erst zu sprechen. Nun behaupten einige Stadtmanager, man könne ja den Gehweg entlang der Haller Straße benutzen. Aber der ist schmal, uneben, wird im Winter nicht geräumt und ist im Sommer durch Gras und Brombeeren zugewachsen. Vor zehn  Jahren schon war den Bewohner der Riedstraße versprochen worden, daß eine akzeptable Lösung für eine Ausfahrt in die Haller Straße und eine Unterführung für die Fußgänger geschaffen werde. Bis heute hat sich nichts getan. Jetzt will man nicht mehr warten, sondern fordert eine Ampellösung, „damit unsere Kinder sicher zur Schule kommen!“. Ich bin auf die Reaktion der Stadt gespannt.



Bismarck im Park

Der eiserne Kanzler wurde er einst genannt. Der Schmied des zweiten Deutschen Reiches. Um die Jahrhundertwende soll es in deutschen Landen eine regelrechte nationalistische Bismarck-Euphorie gegeben haben. Und der Mann mit dem heisernen Geschrei aus Braunau hatte sich mehr als zwölf Jahre heftig auf ihn berufen und sich als Vollender des Bismarck-Werkes angesehen. Mit dem Unterschied: Bismarcks kleindeutsches Reich hielt länger als Hitlers Großdeutsches. Auch in Heilbronn konnte man sich der Begeisterung für den Eisernen nicht entziehen und errichtete ihm ein Denkmal. Ich meine, sogar ein sehr schönes. Am Neckar stand’s, gleich am Eingang zu Innenstadt – unübersehbar. Vor wenigen Wochen ist Fürst Bismarck umgezogen – in den Bismarck-Park. Und da steht er nun reichlich versteckt, ohne den Raum, den ein Denkmal benötigt. Skulpturen im öffentlichen Raum sollten Ergänzung zur vorhandenen Architektur sein. In diesem Fall, so scheint es mir, ist der Fürst am falschen Platz. Stünde er an der Spitze des Bismarckplatzes (Ecke Herbst-/Bismarckstraße), dann wäre das Denkmal eine schöne Ergänzung zu Gebäudekomplex und Park. So schaut der arme eiserne Kanzler aus Bronze auf die gegenüberliegenden Häuser und der Betrachter muß mühsam aufblicken, um ihn zu erblicken. In ihrer vollen Größe ist die Skulptur mit dem Auge kaum zu erfassen. Stadtplanung – ein besonders heikles Thema heute in der Käthchen- und Weinstadt am Neckar. Dabei waren doch die Vorgaben der früheren Planer mit Prachtstraßen rund um die Innenstadt, den breiten Straßen, die aus der Stadt herausführten, recht gut durchdacht. Aber Otto mußte jetzt dran glauben.



Gebühren rauf!

Wenn Politikern nichts mehr einfällt, dann erhöhen sie die Steuern. Kein neuer Spruch. Aber er ist immer noch zutreffend. Busfahren wird 1996 teurer. Die Müllgebühren steigen mal wieder. Insgesamt hatte die Stadtverwaltung in der letzten Gemeinderatssitzung zehn Gebührenanhebungen eingebracht. Und die Damen und Herren des Gemeinderats stimmten zu. Wenn die Steuereinnahmen der Stadt gleichbleiben oder zurückgehen, wenn die laufenden Kosten steigen, Bund und Land der Stadt immer mehr aufbürden, dann können Sparmaßnahmen allein keinen Ausgleich bringen. Verkündete der SPD-Fraktionsvorsitzende Friedrich Niethammer in der Partei-Postille „Heilbronner Rundschau“. Wenn ich mir das Dezember-Fieber 1995 bei der Stadtverwaltung vor Augen führe, dann frage ich mich allerdings, wo gespart wird. Eine Ausgabensperre wäre für viele Ämter ein durchaus angemessener Sparansatz gewesen. Beklagt wird vom Gemeinderat, daß die Bürger immer mehr Leistungen fordern würden. Die Bürger? So manche Vereinsmeier vielleicht, Leute, die an den Rockschößen jener Stadträte hängen, die sich durch einnehmende Reden geschmeichelt fühlen. Aber die Bürger, die wollen nichts als ein funktionierendes Gemeinwesen. Ich glaube eher, daß sich bei einem Betrieb mit über 4.000 Arbeitnehmern viele unnötigen Ausgaben verselbständigt haben. Sparen heißt auch, den Ämtern mehr Selbstverantwortung für ihr Tun und Handeln zuzugestehen. Leistung und Effizienz müssen belohnt werden und nicht sture Beamtenarbeit. Die Stadtverwaltung ist für die Bürger da, ist ein Dienstleistungsunternehmen. Meine Stadtverwaltung, meine Bürgermeister – diese Bezeichnung müssen Bürger im Munde führen, nicht der OB. Dem gehört nichts. Seine vornehmste Aufgabe heißt „Dienen“. Er ist nur oberster Verwalter und Repräsentant des Gemeinwesens. Und in diesen Zeiten heißt das erste und letzte Gebot: Sparen.

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