FDP
wohin?
In
Baden-Württemberg ist der Landtagswahlkampf für die Entscheidung am 24. März
1996 schon in vollem Gange. Und nachdem die SPD im Bund ihrem Sommertheater mit
der Abwahl Rudolf Scharpings in Mannheim ein unrühmliches Ende gesetzt hatte,
schreiben die Freien Demokraten an der Fortsetzung dieses Politthrillers.
Nachdem sie sich nicht entscheiden konnten, wo sie sich im Einheitsdeutschland
politisch positionieren sollen, ob mehr links, mehr rechts oder in der kaum definierbaren
Mitte, glaubt man mit immer neuen Schlachtfesten von scheinbar Schuldigen neue
Richtungen einschlagen zu müssen. Große Erfolge konnte die FDP bisher im
Nachkriegsdeutschland nur als bürgerlich-liberale Partei verbuchen. Als sie
sich in den siebziger Jahren nach links öffnete, begann der Abstieg, seitdem
kämpft sie immer und immer wieder damit, Kraft zu sammeln, um wenigstens mit
Hängen und Würgen über die Fünf-Prozent-Hürde zu springen. Dritte politische Kraft ist sie schon lange nicht mehr, weder in
Deutschland noch in Baden-Württemberg, den Platz mußte sie an die junge Partei
der Grünen abgeben. Und im Ländle wurde sie dazu noch von den Republikanern
weit überflügelt. Aber ihre Politik hat sie offenbar nach diesen vielen
Niederlagen nicht neu geordnet. Ihr fehlen einfach die kantigen Köpfe von
Frauen oder Männern, die klar sagen, was sie in der Politik wollen und was sie
nicht wollen. Und da die Plätze auf der linken bis hin zu Mitte von PDS, Grünen
und SPD schon längst besetzt sind, in der Mitte nach rechts hin CDU und CSU die
Platzhirsche sind, fehlt nur noch das freiheitlich liberal-konservative
Korrektiv. Was einst die Garantie für zweistellige Stimmenergebnisse in
Baden-Württemberg war, dieses Feld wird von der FDP schon lange nicht mehr besetzt.
Und so wird sie ohne Pauken und Trompeten untergehen, wenn man den
Umfrageergebnissen glauben kann. Wenn
sie sich nicht vorher eines Besseren besinnt.
Flaschen-Boxen
Es
war das gesellschaftliche Ereignis in Baden-Württemberg am vergangenen Wochenende.
Was in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle im Ring von den beiden Boxern Axel
Schulz (Deutschland) und Frans Botha (Südafrika) gezeigt wurde, das war über
weite Strecken nur Gemurkse. Aber nachdem die Punktrichter ihre Entscheidung
für Botha als Sieger bekanntgegeben hatte, da prasselte ein Regen der
Sektkelche und Champagnerflaschen über den Ring herein. Und die „Very important
persons“, die VIPs in den ersten Reihen konnten nicht immer den Wurfgeschossen
der enttäuschten Fans ausweichen. Verletzte mußten gleich reihenweise vom Roten
Kreuz behandelt werden. In jedem Fußballstadion werden Getränke nur in Papp-
oder Plastikbechern ausgeschenkt. Aber
Fußball ist ja auch derzeit kein schicker Sport, zu dem die halbseidene Welt
aus Politik, Wirtschaft und Showbusineß begeistert pilgert. Wer war zu
sehen: Politikprominenz wie Dieter Spöri (baden-württembergischer
Wirtschaftsminister) und Manfred Stolpe (Ministerpräsident aus Brandenburg),
der oberste Landesherr des Axel Schulz, der bekanntlich aus Heilbronns Partnerstadt
Frankfurt an der Oder kommt. Ich verstehe es immer noch nicht ganz, warum
gerade Boxen zum Sport der deutschen Einheit geworden ist. Zeigt sich darin
etwa der neue, einheitliche Volkscharakter der wiedervereinten Deutschen? Und
warum gerade der einstige Kirchenfürst Stolpe begeistert in die Hände klatscht,
wenn seine Landeskinder Schulz oder Maske sich und anderen die Köppe blutig
schlagen, das will einfach nicht in meinen Steinschädel.Schließlich ist sein
einstiger oberster Dienstherr seit jeher ein entschiedener Gegner jeglicher
Gewalt. Und unser Dieter Spöri? Boxerqualitäten im politischen Geschäft sind
ihm nicht abzusprechen. Ulrich Maurer kann ein Lied davon singen. Aber der
Kampf ist ja nicht offen ausgetragen worden. Erwin Teufel heißt der Gegner, mit
dem im Ring „Wahlkampf“ über drei Monate gefightet werden muß. Und der weist
Steherqualitäten auf.
Einfach
unglaublich
Manchmal
steige ich ja von meinem Sockel herunter, um beim Neckar-Express meine Texte
abzugeben. Diese Woche bot sich mir ein ungewöhnlicher Anblick: Da stand doch
ein riesiger Stapel von rund 500 Postkarten mitten im Redaktionszimmer, und der
Praktikant war eifrig damit beschäftigt, diesen Haufen zu ordnen. Was das denn
zu bedeuten habe, wollte ich – neugierig wie ich bin – wissen. Ja, so bekam ich
zur Antwort, dies sind die Karten für die Kelly-Family-Verlosung. Interessiert
schmökerte ich daraufhin mal in dem Kartenberg. Einige Leute hatten sich
besondere Mühe gegeben und die Karten kunstvoll verziert. Besonders schön fand ich
eine Karte: Auf die eine Seite hatte der Teilnehmer einen Mann im Anzug geklebt
– und in der ausgestreckten Hand hält der einen Zettel mit der Lösung. Andere
Fans der Kelly Family glänzten durch profundes Fachwissen. So konnte ich lesen,
daß Steven Tyler auf dem „Out in the Green-Festival“ in der Schweiz gesagt
habe, er fände die Kellys „einfach unglaublich“. Die Kelly-Fans bringen der Redaktion noch was bei. Manch ein Schreiber
war offenbar so aufgeregt, daß er glatt vergaß, den Absender auf die Karte zu
schreiben. Auch ganze Familien schickten für jedes Familienmitglied eine
Karte ab, um die Gewinnchance zu erhöhen. Ein legaler Trick. Nützt allerdings
wenig. Insgesamt neun doppelte Karten von drei Geschwistern fanden sich im
Stapel – da hat nur die Post am Porto
verdient . Bisweilen schreiben die Leute auch die gesamte Neckar-Express-Frage
noch mal ab und bauen dann kunstvoll die Antwort mit hinein. Da heißt es: Ganz
genau lesen, ob die Antwort auch stimmt. Am besten sei es, so wurde mir gesagt,
wenn nur das Lösungswort neben Anschrift und Absender steht. Dorthin hat es
auch ein Mädchen geschrieben: Auf die Frage, wer die Kelly Family einfach
unglaublich finde, antwortete sie lakonisch: Die Ärzte.
Hase
und Igel
Katz
und Maus spielen derzeit die Dealer und Hintermänner im Rauschgiftgeschäft mit
Polizei und Stadtverwaltung. Oder besser gesagt: Hase und Igel. Ick bin allhier schon do. So lautet der
erfolgreiche Spruch der Verbrecher. Wie einen Ochsen mit Nasenring und Strick
führt die Rauschgiftmafia die staatliche Gewalt in Heilbronn vor. Ist es heute
der Friedensplatz, ist es morgen der Harmoniepark. Und wenn die Dealer auch
dort vertrieben sind, dann wird die Sülmercity belegt. Rauschgiftsüchtige
folgen ihrem Verderbern blind und bedingungslos. Die Feinde für sie sind Polizei, Geschäftsleute und die „spießigen“
Bürger Heilbronns. Klar, die nehmen ihnen ja auch die Freiheit, sich
allüberall hemmungslos auszubreiten. In den Hauseingänge, den Unterführungen,
selbst auf offenen Plätzen geben sie sich die Spritze – im Angesicht von
Polizei, Kindern, Erwachsenen. Die Strategie heißt: den liberalen Staat
vorführen, damit er sich repressiv zeigt, die Mitleider dann empört aufschreien
und das Feld für den ungehinderten Konsum und Verkauf endlich Süchtigen und Dealern
überlassen. Eine Kraftprobe nennt man sowas. In der Vorweihnachtszeit ist sie
besonders spektakulär. Jahrelang hat man in Heilbronn das Problem verniedlicht,
nicht wahrgenommen, daß in den Therapieeinrichtungen rund um die Stadt mehr
aufgefangen als erfolgreich therapiert werden kann. Sozialarbeiter
verniedlichten das Drogenproblem, anstatt es mit aller Härte anzugehen, Wege
aus der Droge aufzuzeigen. Ein Drogensüchtiger ist kein selbstbewußter Mensch,
richtet sein Verhalten nicht an allgemeingültigen sozialen Verhaltensmustern
aus, sondern ist das bedauernswerte letzte Glied in der Kette, Kanonenfutter im
Krieg der Drogenbarone gegen die zivilisierte Welt. Und dabei geht es nur um
dreckiges Geld. Geld, das nicht erarbeitet, sondern mit brutaler krimineller
Energie den Süchtigen und ihren Angehörigen gestohlen wird. Durch
Verniedlichung dieser Feinde, durch falsche Schuldzuweisungen werden verkehrte
Fronten aufgebaut – ganz im Sinne der
Verbrecher, die es mit Jubel sehen, wenn die Gesellschaft, deren schwächsten
Gliedern sie ihre tödliche Waren verkaufen, durch zermürbenden Streit sich
selber in ihrer Abwehrkraft schwächt .
Musical-Boom
Nicht
mit dem „Käthchen von Heilbronn“ wurde der Neubau des Stadttheaters am Berliner
Platz feierlich eingeweiht, sondern mit einem Musical. „My Fair Lady“, ein
Singstück, das heute kaum mehr im Programm der Staats- oder Stadttheater zu
finden ist, sondern mehr bei den Freilichtbühnen zur Sommerszeit. Die Zeit, in der Heilbronn als Musicalbühne
ein wenig Furore machte, ist allerdings auch schon längst vorüber. Wer Theater
dieser Sparte mag, der macht heute einen Ausflug. Zum Beispiel nach
Stuttgart-Möhringen. Dort hat der reiche
und rührige Rolf Deyle einen Theaterpalast mit Hotel und Erholungszentrum auf
die Krautäcker gestellt und bietet seit einem Jahr in seinem Musentempel
ununterbrochen „Miss Saigon“. Zehn Jahre insgesamt soll das Stück laufen.
Und der Zuspruch der Besucher ist bis heute nicht gebrochen. Denn es hat sich
herumgesprochen, daß in diesem Theater Qualität geboten wird. Die Tänzer und
Sänger proben täglich, als ob an jedem
Abend Premiere sei. Eine intensive Probenarbeit kann sich sich ein
Stadttheater nicht leisten. Dort verschlampen nach dem Premierenabend oftmals
die Aufführungen, weil halt zwei oder drei Stücke nebenher noch von der
Schauspielern einstudiert werden müssen. Jetzt wird in der Fildergemeinde vor
den Toren Stuttgarts sogar noch eine zweite Musical-Hall geplant. 1997 soll das
neue Musical-Theater mit 1.500 Plätzen fertig sein und über Jahre hinweg
„Phantom der Oper“ allabendlich bieten. Damit ist dann in Stuttgart ein
Kultur-Zentrum geschaffen, das neben dem abendlichen Vergnügen auf den
Brettern, den Erholungsmöglichkeiten auch noch Raum für Kongresse und Tagungen
aller Art bietet. Wenn demnächst vielleicht das Messegelände unmittelbar neben
diesen Gebäuden seinen Platz hat, dann ist Stuttgart vielleicht eine
Musical-Hochburg im Süden Deutschlands. Und neben einer solchen Hochburg, das
haben anderen Zentren schon gezeigt, entwickelt sich ja auch eine Szene. Zum
Beispiel wie in Hamburg: Dort existieren
über zehn andere, kleinere Musicaltheater. Kultur befruchtet, wenn sie
beim Publikum ankommt.
Berliner
Platz
Wer
sollte und wer wollte nicht schon alles auf den Berliner Platz in Heilbronn. Das
Kaufhaus Breuninger war im Gespräch, zeigte sich interessiert – und sprang dann
ab. Die Gründe sind nie ganz klar geworden. Dabei wäre Breuninger mit seinem
Sortiment eine Bereicherung der Stadt gewesen. Jetzt soll groß gebaut werden.
Einkaufpassagen, Kinos, Theater – ein richtig kleiner Konsumtempel neben dem
Heilbronner Stadttheater. Eine Aufwertung der Sülmer City könnte das werden.
Aber nachdem sich die Drogenszene dort festgesetzt hat, der Fußgängerbereich im
Norden immer noch nicht mit jenem in der Fleiner Straße Heilbronns konkurrieren
kann, macht jetzt auch noch ein Teil des Gemeinderats Schwierigkeiten. Am
Kurt-Schumacher-Platz im Bahnhofsviertel sollen ebenfalls Kinos in Planung
sein. Und nun sind sich die Stadträte unsicher: sollen sie am Berliner Platz im
Bülow-Bau auch noch Kinos genehmigen. Dabei wäre es durchaus sinnvoll, wenn
Heilbronn gerade in diesen Vierteln neue Filmtheater bekäme. Die
Parkplatzsituation im Bereich südliche Innenstadt ist reichlich dürftig für die
Mehrheit der jugendlichen, sehr mobilen Kinobesucher. Und außerdem: Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Wenn in
unseren wirtschaftlich schweren Zeiten mit unnötigem Gezerre und müden
Überlegungen auch noch die geplante Bebauung des Schandflecks in der
Nordinnenstadt vom Gemeinderat und der Verwaltung vergeigt wird, dann
Gute-Nacht Berliner Platz. Der Theater-Anbau sollte eigentlich schon kurz nach
Fertigstellung des Stadttheater-Neubaus 1982 kommen. Aber das ist mehr als 13
Jahre her. Hoffentlich kann der Erste Bürgermeister der Stadt, Werner Grau mit
seinem beneidenswerten Optimismus die Querelen beenden und das Projekt in
richtige Bahnen lenken, damit’s endlich was wird – mit der Nordinnenstadt.
Geplagte
Riedstraße
Die
Haller Straße führt aus Heilbronn heraus in Richtung Weinsberg. Daß dieses
Bauwerk nicht gerade den Erfordernissen des Straßenverkehrs des Jahres 1995
entspricht, das dürfte in Heilbronn hinlänglich bekannt sein. Dabei ist dieses
Nadelöhr der Zubringer für viele, die in Heilbronn ihrer geregelten Arbeit
nachgehen. Weinsberg hat mit seinem Teilstück der Bundesstraße 39 alles getan,
um den Verkehrsfluß angemessen zu führen. In Heilbronn war man offenbar der
Ansicht, das Weinsberger Tal sei weniger wichtig als andere Gegenden rund um
die Metropole der Region Franken. Jetzt aber stinkt’s den Bürgern rund um die
Haller Straße. Vor allem die Anwohner der Riedstraße (dort, wo die beiden Heinrich-Besenwirtschaften sind) fordern
vehement eine Fußgängerampel zum Überqueren der Haller Straße in Richtung
Krugstraße. Denn für Fußgänger sei das
Wechseln der Straßenseite in diesem Bereich durch den ununterbrochenen
Autoverkehr ein ständiges Risiko. Für die älteren Bewohner und Kinder stellt
die Haller Straße ohnehin eine nahezu unüberwindbare Barriere da. Die Kinder aber müssen zur Schule gehen,
die älteren Menschen müssen ihren Einkauf tätigen. Die Geschäfte jedoch liegen
alle im Bereich des Bahnhofs Karlstor. Von der Lärmbelästigung durch die B 39
für die Anwohner der Riedstraße gar nicht erst zu sprechen. Nun behaupten
einige Stadtmanager, man könne ja den Gehweg entlang der Haller Straße
benutzen. Aber der ist schmal, uneben, wird im Winter nicht geräumt und ist im
Sommer durch Gras und Brombeeren zugewachsen. Vor zehn Jahren schon war den Bewohner der Riedstraße
versprochen worden, daß eine akzeptable Lösung für eine Ausfahrt in die Haller
Straße und eine Unterführung für die Fußgänger geschaffen werde. Bis heute hat
sich nichts getan. Jetzt will man nicht mehr warten, sondern fordert eine
Ampellösung, „damit unsere Kinder sicher zur Schule kommen!“. Ich bin auf die
Reaktion der Stadt gespannt.
Bismarck
im Park
Der
eiserne Kanzler wurde er einst genannt. Der Schmied des zweiten Deutschen
Reiches. Um die Jahrhundertwende soll es in deutschen Landen eine regelrechte
nationalistische Bismarck-Euphorie gegeben haben. Und der Mann mit dem
heisernen Geschrei aus Braunau hatte sich mehr als zwölf Jahre heftig auf ihn
berufen und sich als Vollender des Bismarck-Werkes angesehen. Mit dem Unterschied: Bismarcks kleindeutsches
Reich hielt länger als Hitlers Großdeutsches. Auch in Heilbronn konnte man
sich der Begeisterung für den Eisernen nicht entziehen und errichtete ihm ein
Denkmal. Ich meine, sogar ein sehr schönes. Am Neckar stand’s, gleich am
Eingang zu Innenstadt – unübersehbar. Vor wenigen Wochen ist Fürst Bismarck
umgezogen – in den Bismarck-Park. Und da steht er nun reichlich versteckt, ohne
den Raum, den ein Denkmal benötigt. Skulpturen im öffentlichen Raum sollten
Ergänzung zur vorhandenen Architektur sein. In diesem Fall, so scheint es mir,
ist der Fürst am falschen Platz. Stünde er an der Spitze des Bismarckplatzes
(Ecke Herbst-/Bismarckstraße), dann wäre das Denkmal eine schöne Ergänzung zu
Gebäudekomplex und Park. So schaut der arme eiserne Kanzler aus Bronze auf die
gegenüberliegenden Häuser und der Betrachter muß mühsam aufblicken, um ihn zu
erblicken. In ihrer vollen Größe ist die Skulptur mit dem Auge kaum zu
erfassen. Stadtplanung – ein besonders heikles Thema heute in der Käthchen- und
Weinstadt am Neckar. Dabei waren doch die Vorgaben der früheren Planer mit
Prachtstraßen rund um die Innenstadt, den breiten Straßen, die aus der Stadt
herausführten, recht gut durchdacht. Aber Otto mußte jetzt dran glauben.
Gebühren
rauf!
Wenn
Politikern nichts mehr einfällt, dann erhöhen sie die Steuern. Kein neuer
Spruch. Aber er ist immer noch zutreffend. Busfahren wird 1996 teurer. Die
Müllgebühren steigen mal wieder. Insgesamt hatte die Stadtverwaltung in der
letzten Gemeinderatssitzung zehn Gebührenanhebungen eingebracht. Und die Damen
und Herren des Gemeinderats stimmten zu. Wenn die Steuereinnahmen der Stadt
gleichbleiben oder zurückgehen, wenn die laufenden Kosten steigen, Bund und
Land der Stadt immer mehr aufbürden, dann können Sparmaßnahmen allein keinen
Ausgleich bringen. Verkündete der SPD-Fraktionsvorsitzende Friedrich Niethammer
in der Partei-Postille „Heilbronner Rundschau“. Wenn ich mir das
Dezember-Fieber 1995 bei der Stadtverwaltung vor Augen führe, dann frage ich
mich allerdings, wo gespart wird. Eine Ausgabensperre wäre für viele Ämter ein
durchaus angemessener Sparansatz gewesen. Beklagt wird vom Gemeinderat, daß die
Bürger immer mehr Leistungen fordern würden. Die Bürger? So manche Vereinsmeier vielleicht, Leute, die an den Rockschößen
jener Stadträte hängen, die sich durch einnehmende Reden geschmeichelt fühlen.
Aber die Bürger, die wollen nichts als ein funktionierendes Gemeinwesen. Ich
glaube eher, daß sich bei einem Betrieb mit über 4.000 Arbeitnehmern viele
unnötigen Ausgaben verselbständigt haben. Sparen heißt auch, den Ämtern mehr
Selbstverantwortung für ihr Tun und Handeln zuzugestehen. Leistung und
Effizienz müssen belohnt werden und nicht sture Beamtenarbeit. Die
Stadtverwaltung ist für die Bürger da, ist ein Dienstleistungsunternehmen.
Meine Stadtverwaltung, meine Bürgermeister – diese Bezeichnung müssen Bürger im
Munde führen, nicht der OB. Dem gehört nichts. Seine vornehmste Aufgabe heißt
„Dienen“. Er ist nur oberster Verwalter und Repräsentant des Gemeinwesens. Und
in diesen Zeiten heißt das erste und letzte Gebot: Sparen.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen