Schoßtierchen?
Wenn
ich die heimischen Meldungen in diesen Tagen so verfolge, dann kommt es mir
vor, als ich irgendwo in Afrika auf einem Turm stünde. Wieso? Na ja, lange ist
es ja nicht her, da streunte ein Gepardenweibchen,
namens Minka, durch Heilbronns Villenviertel oberhalb der Oststraße. Minka
ist handzahm und wurde vom Besitzer mit Fleisch zurück in den Käfig gelockt.
Vor ein paar Tagen hielten dann drei
große Straußenvögel die Polizei im nördlichen Landkreis in Atem. Die
schnellen Laufvögel waren aus einer Farm bei Züttlingen ausgebüxt. Das klingt
ja alles ganz witzig und spaßig. Aber da könnte ja nun tatsächlich mal was
passieren. Überlegen Sie mal, der Gepard würde sich ein kleines Kind greifen.
Oder die Strauße würden einen schweren Verkehrsunfall auf der nahe bei
Züttlingen gelegenen Autobahn verursachen. Dann müßte man schon die Frage
stellen, ob solch exotische Tiere fern ihrer Heimat ein tristes Dasein in
irgendeinem Käfig oder Gatter in Deutschland fristen müßten. Besser wäre es
doch, sie dort zu lassen, wo sie eigentlich leben: In Afrika eben.
Kirche
offensiv
Die
Katholiken im Unterland gehen in die Offensive. 99.981 Katholiken sind im Dekanatsbereich Heilbronn/Neckarsulm
registriert. 1994 gabs nur 558 Austritte. Ein halbes Prozent. Vernachlässigbar?
Jetzt soll um jedes Schäflein gekämpft werden - mittels Aufklärung. Mit einer fünfzig Seiten starken Broschüre in
einer Auflage von 60.000 Stück wird den eigenen Mitgliedern und Interessenten
die harte kirchliche Arbeit aufgelistet. Und Höhepunkt ist die Veranstaltung „Kirche tut was“, bei der
am 8. Juli in der Böllingertal-Halle die Kirchendienste sich dem Publikum mit
einer Auflistung in ganzer Breite präsentieren. Kirchendienste zum Anfassen -
sozusagen. Das ist die Marketing-Seite. Aber beim 26. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg war viel von
Selbstgewißheit die Rede. „Es ist Dir gesagt Mensch, was gut ist.“, lautete das
Motto. Die Kirche redet vom Kreuz und blickt auf leere Kassen, so zog der
Theologe Christian Link auf dem Kirchentag Bilanz für die neunziger Jahre.
Junge Theologen warten fünf Jahre bis zur Anstellung. An die Stelle der
Wahrheitsfindung seien Anpassungsdruck und das Bemühen getreten, die Mitglieder
bei der Stange zu halten. Die Kirche habe den Anschluß an das
Wahrheitsbewußtsein der Gegenwart verloren und den Zeitgeist zu ihrem Gegner
stilisiert. Jetzt leide sie unter der Berührung mit der Zeit. So ist es halt
immer, wenn man sich selbst zum besseren Teil der Menschheit stilisiert und die
anderen vom selbsterkannten Bösen abhalten will. Zu all dem, wo wir heute
stehen, haben die Kirchen, ob katholisch oder evangelisch, in den letzten
Jahrhunderten entschieden mit beigetragen. Diese Erkenntnis sollte eigentlich
Schmerzen bereiten.
Neue
Treffs
Die
Drogenszene im Heilbronner Stadtgarten
ist aufgelöst. Sagt die Polizei in Heilbronn. Das ist gut so, wenn es so ist.
Nun war in letzter Zeit oft zu hören, daß sich ein teil der Szene auch im
neueröffneten Ziegeleipark in Böckingen treffen würde. Herbert Tabler, Böckinger SPD-Stadtrat
im Heilbronner Gemeinderat hat nachgefragt - und erhielt zur Antwort: „Die
Polizeidirektion teilt der Verwaltung mit, daß der Ziegeleipark kein
Drogentreff ist. Intensive Maßnahmen der Polizei haben die in der Presse
gemachte Aussage nicht bestätigt.“ - Wo aber ist die Szene abgeblieben? Denn
gehandelt wird in Heilbronn mit Drogen nach wie vor. „Nachdem die
Rauschgiftszene im Stadtgarten Heilbronn aufgelöst worden ist, haben sich
zahlreiche kleinere Brennpunkte abgezeichnet, ohne daß es bis heute zu einer
verfestigten Szene gekommen ist. Schwerpunkte zeichnen sich derzeit im Bereich
Stadttheater/Sülmerstraße/Kirchhöfle ab.“ Teilt die Polizei mit. Aber die
Drogenabhängigen seien auch an weiteren innerstädtischen Orten und Plätzen
anzutreffen. Zum Beispiel am Friedensplatz, Pfühlpark, Eisstadion, Unteres
Industriegebiet . Dabei will die Polizei an diesen Treffpunkten noch keinen
Schwerpunkt ausgemacht haben. Die Verfestigung „einer neuen offenen Rauschgiftszene“
in Heilbronn wollen die Ordnungshüter allerdings jetzt verhindern - und dazuhin
die Szene von öffentlichen Plätzen und Straßen verdrängen. Das klingt fast wie
die Quadratur des Kreises herbeizaubern.
Wurzeldemokratie
Von
Graswurzeldemokraten habe ich in der vergangenen Woche an dieser Stelle
geschrieben. Und dabei ein wenig der Urwahl bei der Nominierung der
Landtagskandidaten für die Wahl im März 1996 das Wort geredet. In diesem
Zusammenhang sprach ich auch davon, daß weder bei CDU, SPD, FDP, Grünen noch
Reps im Unterland alle Parteimitglieder ihren Kandidaten wählen könnten.
Heftigen Protest handelte ich mir mit diesem Satz ein. Denn er stimmt nicht. Thomas Strobl, der CDU-Kreisvorsitzende
teilt mir mit, daß bei seinen Christdemokraten im Stadt- und Landkreis
Heilbronn alle drei Landtagskandidaten „per Urwahl“ gewählt wurden: „Daß dies
so ist, darauf sind wir ein wenig stolz.“ Und sein Pressesprecher Walter Schwaß schrieb mir, daß die CDU
im Kreis Heilbronn keinen Nachholbedarf an Basisdemokratie habe. Denn seit
Gründung werden beim CDU-Kreisverband Heilbronn alle Wahlen urdemokratisch
durchgeführt. Gisela Käfer, Heilbronner
CDU-Stadträtin, erinnerte mich in ihrem Brief daran , daß das
CDU-Parteivolk in Heilbronn sich zahlreich versammelt hatte, um Johanna Lichy letztendlich zur
Landtagskandidatin zu wählen. Völlig richtig, werte Mitbürger von der CDU. Und
Asche über mein Haupt. Möge die CDU also Vorbild und Beispiel für jene sein,
die ihre Kandidaten immer noch von Delegierten und nicht von ihren
Parteimitgliedern wählen lassen.
Talmarkt
Das
ließ ich mir nicht nehmen: Runter vom Turm, rauf auf den Drahtesel - und ab
nach Bad Wimpfen zum 1030. Talmarkt. Wenns nicht so viele Mücken am Neckar
geben würde, dann wäre eine Radtour entlang dem stark industrialisierten,
schwäbischen Fluß eine Wohltat. gewesen.
Angenehm von der Temperatur her wars ja schon in den Neckartal- Auen, an diesem
heißen Tag. Aber eben muckestichig. Und auf dem Wimpfener Talmarkt? Da tummelten
sich fast soviele Menschen wie Mucken am
Neckar. Ein Gedränge und Geschiebe, daß es eine wahre Pracht und Freude für die
Händler und Schausteller gewesen sein muß. Und die Leut - so herrlich
sommerlich gewandet. Manchmal dachte ich im Gedränge so vor mich hin - wie jener Kaiser, der über einen
württembergischen Fürsten sagte: Es ist
schon erstaunlich, was die menschliche Haut alles fassen kann. Aber muß man
deshalb, wenn die Körperfülle schon in Faßnähe gerät, auch noch die engsten
aller Hemden, Blüschen oder Höschen sich über den Leib spannen? Nun ja - das
ist eben Geschmackssache. und über Geschmack läßt sich bekanntlich nicht
streiten. Genausowenig wie über fettige Würst
zu vier Mark und ein kühles Bier vom Faß. Mir hats geschmeckt. Und auf
dem Rückweg zum Heilbronner Turm war das überflüssige Fett wieder
abgestrampelt.
Béziers-Fest
Wir
Heilbronner festeln gern. Altbekannte Tatsache. Und ist das Traubenblütenfest auf dem Wertwiesenpark
(trotz weniger Besucher ein finanzieller Erfolg, so der Heilbronner Verkehrsdirektor
Winkler stolz) noch nicht mal eine Woche her, schon feiern wir in der
Fußgängerzone die dreißigjährige
Freundschaft mit der Partnerstadt Béziers. Die liegt übrigens in
Südfrankreich und nicht in der Nähe von Paris, wie einige auswärtige Besucher
vermuteten. Das deutsch-französische Fest in Heilbronn, das hat was - unter den
Bäumen der Sülmerstraße. Fast schon ein wenig französisch, wenn man da von
heimischen Gastronomen seinen schwäbischen oder französischen Wein in bauchigen Gläsern, seinen Imbiß auf einem richtigen
Teller serviert bekommt und zur Bierzeltbank trägt. Und dazu wird von jungen
Maiden heftig und schön zu lauter Musik getanzt. Und das nicht nur zu
französischer. Auch englische Titel drangen energisch an mein Ohr. Aber was solls.
Auch in Paris gibts Hamburger-Fast-Food. So wie es in Heilbronn neben
Maultaschen und Spätzle eben auch die weichen Brötchen mit Fleisch- und
Salatbeilage an vielen Ecken für den kleinen Hunger zu kaufen gibt. Selbst
bekannte Manager von Lebensmittelkonzernen sollen gelegentlich diese Art Imbiß
nicht verschmähen. Ich eß das Zeug auch - alle paar Monate mal. Und dann
schmeckts auch. Aber eben nicht französisch. Wie zur Zeit in der Fußgängerzone
Heilbronns.
Erstes
Opfer
Fünfzig
Jahre nach dem Kriegsende in Deutschland werden deutsche Soldaten wieder in ein
Kriegsgebiet entsandt. Vor sechs, sieben Jahren hätte sich niemand bei uns im
Traume vorstellen können, daß auf dem europäischen Kontinent ein grausames
Gemetzel stattfindet, bei dem deutsche Soldaten den Frieden sichern helfen
sollen. Im Auftrag von NATO und UNO. Die Mutlosen unter uns predigen den
schönen Frieden und wollen am liebsten überhaupt nichts mit dem zu tun haben,
was tagtäglich wenige hundert Kilometer von uns entfernt an Unmenschlichkeit auf
dem Balkan stattfindet. Aber die Kriegsflüchtlinge sind mitten unter uns - auch
hier im Unterland. Menschen aus allen Volksgruppen: Kroaten, Serben und
muslimische Bosnier. Und alle klagen an. Die Frage ist nur. Wen? Für mich ist
aus all dem Kriegsgeschehen nur eine Lehre herauslesbar: Im Krieg ist die Wahrheit immer das erste Opfer. Und wir im
friedlichen Deutschland müssen jenen helfen, die dem Krieg entronnen sind.
Welcher Nationalität sie auch immer sein mögen. Und wir müssen helfen, das
grausame Gemetzel im ehemaligen Jugoslawien zu beenden. Einen Königsweg dazu
gibts allerdings nicht. Nur abseits stehen gilt nicht.
Garten-Idylle
Wenn
man wie ich gelegentlich jetzt im Sommer mit dem Fahrrad durch die heimische
Landschaft gondelt, dann gibts da Dinge zu sehen, die mit dem Auto nur so
vorüberfliegen - ohne eigentlich wahrgenommen zu werden. Zum Beispiel sah ich
edel gepflegte Schrebergärten an der
Bahnlinie Heilbronn-Neckarsulm. Tip-top, kann ich da nur sagen. Und in
einem dieser Saubermann-Gärten flattert im sommerlichen Abendwind sogar das
schwarz-rot-goldene Banner der deutschen Nation. Mit Wetterhahn an der Spitze,
der die Windrichtung anzeigte. Nebenan im ebenso blitzsauberen Nachbargarten:
keine Flagge. Aber deutlich ist an den Kopftüchern der Frauen und an der
Sprache der Männer zu erkennen: Hier sind Menschen türkischer Nation zuhause.
Multikulturelle Kleingärtneridylle an einem deutschen Bahndamm - dachte ich so
bei mir. Hoffentlich ist das Hissen der deutschen Farben in diesem Heilbronner
Schrebergarten keine Demonstration gegen eine andere, die benachbarte Nation.
Denn hüben und drüben wachsen die gleichen Pflanzen. Und die sind weder deutsch
noch türkisch, weder moslemisch noch christlich. Nur Gottes Geschöpfe.
Rotgrün
statt Rotschwarz
Einst
war er die rechte Hand Erhard Epplers
im Wahlkreis Heilbronn. Das war zu jener Zeit, als die SPD im Unterland noch
das Bundestagsdirektmandat vom Wähler übertragen bekommen hatte. Aber das ist
schon lange her - genau genommen 23 Jahre. Damals hatte der frischgebackene
Rechtsanwalt Wolfgang Bebber aus
Friedberg im Hessenlande Gefallen am Unterland gefunden. Der Weg vom
Assistenten des Ministers bis zum Landtagabgeordneten in Stuttgart dauerte dann
nochmals zwölf Jahre. Denn seit 1984 ist er dank der Zweitauszählung
Abgeordneter im Wahlkreis Eppingen. Am Wochenende wurde er wieder von seiner
Partei ohne allzugroßes Aufsehen für die Wahl im März 1996 nominiert. Rotgrün
ist für Wolfgang Bebber die Koalition für die Zeit nach der Großen Koalition.
Eine realistisch absehbare Mehrheit sieht er am politischen Horizont Bad
Württembergs. Und Dieter Spöri ist für ihn der Trumpf im Ärmel der
Sozialdemokraten, der am Wahltag stechen soll. Sein eigenes hochgestecktes
Ziel: Das Direktmandat im Eppinger Wahlkreis dem CDU-Mann Gerd Zimmermann abjagen. Mal sehen wie der Happenbacher das
anstellt.
Heilbronner
Grün
Die
Erschließung neuer Wohngebiete und der ehemaligen militärischen Liegenschaften
In Heilbronn sind schon eine arge Plage für das Grünflächenamt in Heilbronn. Hinzu kommt die Übernahme des
Ziegeleiparks in Böckingen, die ja auch eine Menge neuer Arbeit mit sich bringt. Und deshalb blieben
die Randstreifen und kleineren Flächen an so mancher Heilbronner Straße in den
letzten Wochen und Monaten ungemäht. Urwaldähnliche Wucherungen als Freude für
Super-Grüne. Das soll sich jetzt ändern. Sagen die Grünflächen-Beamten. In den
nächsten Wochen, so heißts in einer Presseerklärung, wird das Grünflächenamt
„versuchen, die aufgelaufenen Pflegerückstände, insbesondere beim Mähen von
Straßenbegleitgrün, über Sondereinsätze jeweils an Freitagnachmittagen
abzubauen.“ Jetzt auf einmal steht in einer drei Punkte umfassenden
Prioritätenliste die Verkehrssicherung an erster Stelle: Stadtbäume,
Spielplätze, alle benutzbaren Grünflächen.
An zweiter Stelle erste stehen die Parks und an dritter die Beseitigung
von Müll in den Grünflächen Heilbronns. Eine schöne, praktische Liste ist da
aufgestellt worden. Aber neulich erst machte mich ein Mitbürger auf einen über
vier Meter langen Ast aufmerksam, der an einem Baum entlang des
Trimm-dich-Pfads auf dem Gaffenberg schon über ein halbes Jahre morsch lose
herunterhängt. Wer ist eigentlich zuständig, wenn dieser Ast des
„Waldpfad-Begleitgrüns“ mal einem Spaziergänger, Wanderer oder Jogger auf den
Kopf fällt?

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