Montag, 17. Februar 2014

Kiliansmännle, 25.01.1995

Türe zu
Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU in Bonn, die Industrieverbände, die Verbraucherverbände - viele wollen eine Veränderung der Ladenschlußzeiten. Der Einzelhandel wehrt sich nicht nur in Heilbronn im Schulterschluß mit den Gewerkschaften gegen die Änderung des Gesetzes zum Ladenschluß. Dabei wird es durchlöchert, wo immer möglich. Viele Geschäfte öffnen ihre Läden erst um neun oder zehn Uhr, manche machen zwei Stunden Mittag, wieder andere schließen am Mittwoch ganz. Einzige Rettung für viele Kunden: die Tankstelle, bei der es sonntags sogar frische Brötchen aus dem Backofen gibt. Aber beim Ladenschluß gibt’s auch keinen Einheitsbrei: die meisten Geschäfte schließen schon um 18 Uhr. Nur die großen Häuser lassen die Rolladen um 18.30 Uhr runter. Der Vorstoß einiger Politiker und Verbandsvertreter, werktags um 20 Uhr und samstags um 18 Uhr schließen zu dürfen, hat eine Welle des Protests unter Interessensvertretern hervorgerufen. Dabei sollen Geschäftsinhaber  schließen dürfen, nicht müssen. Und auch die beiden CDU-Abgeordneten aus Heilbronn und Neckar-Zaber, Egon Susset und Dr. Renate Hellwig, wollen nichts von einer Liberalisierung der Ladenschlußzeiten wissen. Mal sehen, ob in Zukunft in Europa nicht gleiches Recht für alle gilt, nämlich eine liberale Handhabung der Öffnungszeiten - zum Vorteil des Verbrauchers.

60/80 km/h
Die Luft sei so gut gewesen - beim Ozon-Versuch im letzten Sommer. Und jene, die unmittelbar neben der Autobahn wohnen, die haben festgestellt: verminderte Geschwindigkeit entspricht Verminderung des Lärms. Weil ja kurz nach dem Weinsberger Kreuz auf Heilbronner und Neckarsulmer Gemarkung ein Tempolimit vorgeschrieben war. Jetzt machen die Bürgermeister der unmittelbar an der Autobahn gelegenen Gemeinden mobil. Sie wollen erreichen, daß zwischen dem Weinsberger Kreuz und Untereisesheim Pkw nur 80 und Lkw maximal 60 pro Stunde fahren dürfen. Aber nicht alle Schultes wollen das. Der Bad Rappenauer Bürgermeister und CDU-Landtagsabgeordnete Gerd Zimmermann erhebt Bedenken. Einen Dammbruch befürchtet er - wenn alle Gemeinden zwischen Heidelberg und Stuttgart, deren Gebiete unmittelbar an einer Autobahn angrenzen, ebenfalls diese Forderung erheben und womöglich durchsetzen. Wenn die Lkws mit 60 zuckeln und die Pkws mit 80, ja dann weichen raffinierte Fahrer auf die Bundes- und Landstraßen aus. Da kommen sie schneller voran. Jetzt sollen die Politiker an einen Runden Tisch. Die Bürgermeister, Verkehrsminister aus Bund und Land und die Landtagsabgeordneten, das heißt auch Dieter Spöri, bekanntlich Wirtschaftsminister in Baden Württemberg. Mal sehen ob überhaupt, wann und wo sie sich treffen - die Rund-Tischler.

Geschäftstüchtig
Na also, man lernt von den Großen, wie man es richtig macht. Schon lange haben Leute wie Daimler-Sprecher Matthias Kleinert - ehemals ein Spezi von Lothar Späth - erkannt, daß Sport und Industrie eine harmonische Partnerschaft eingehen können. „Sponsoring“ nennt man das. Kleinere Unternehmen brauchen etwas länger. Die Bad Rappenauer Heil- und Mineralbrunnen GmbH beispielsweise. Dieter Baumann ist es, den die Rappenauer diese Woche zu Gast haben werden. Der Olympiasieger und Europameister über 5000 Meter soll Zugpferd spielen für die sprudelnde GmbH. Wer Baumann kennt weiß, daß der sich seinen Einsatz teuer bezahlen läßt. Wieviel, wollte mir niemand verraten. Ist vielleicht auch besser so, denn dann würde klar, wie gut es der Heil- und Mineralbrunnen GmbH in Bad Rappenau gehen muß.

Sicherheit
Unsere Polizei wirbt im Unterland damit, daß eine stärkere Präsenz ihrerseits an Unfallschwerpunkten zu einer Verminderung des Unfallgeschehens führt. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser - scheint das Motto zu lauten. Wenn es hilft, uns Bürgern kann das nur recht sein. Aber wie ist das bei den Wohnungseinbrüchen? Wäre da nicht auch Kontrolle besser - analog zum Verkehr? Mehr Präsenz von Polizei in besonders gefährdeten Wohngebieten zum Beispiel. Der gute Rat ist in diesem Fall das Vorbild im eigenen Hause - sprich in der Polizeidirektion Heilbronn.

Rauschgift
Den Sumpf trockenlegen. Das scheint jetzt die Devise der Stadt Heilbronn zu sein, wenn es um den Drogenhandel im Stadtpark an der Harmonie geht. Das Unterholz im hinteren Teil des Geländes ist lichter gemacht. Dubiose Gestalten aus aller Herren Länder können ihren ungenierten Rauschgifthandel jetzt nicht mehr im Schutz des Gehölzes tätigen. Das Problem ist damit sicher nicht beseitigt. Aber die Ordnungshüter haben eine bessere Sicht auf das Geschehen und wenn sie wollen, auch einen besseren Überblick, um geschickt und umsichtig eingreifen zu können. Sich blauäugig damit abzufinden, daß die Innenstadt verkommt, verdreckt und zu einem Hauptumschlagsplatz für Drogen wird, das kann doch ernsthaft niemand wollen. Das Drogenproblem ist damit vor allem nicht in den Griff zu bekommen, daß sich der Handel mit dem Teufelszeug ungehindert ausbreiten darf. Also: Dank an die Stadt für den ersten Schritt in die richtige Richtung.

Unter sich
Jetzt sind sie beinahe alle wieder unter sich, die Herren Bürgermeister. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft besitzt seit neuestem einen Aufsichtsrat. Bis auf einen Vertreter der Gewerkschaften sind da nur Schultes vertreten. Nicht schlecht wäre es doch, wenn da auch Unternehmer mit von der Partie wären, nachdem Industrie- und Handelskammer und Handwerkskammer abgelehnt hatten.

Vorwärts
Für die Stadt Heilbronn muß es nun darum gehen, im Vergleich der kleinen Großstädte an Boden gutzumachen. Die Innenstadt muß endlich attraktiver werden. Mehr kleinere Kneipen und Cafés gehören in die Flaniermeilen unter meinen Kiliansturm. Ein modernes Gebäude der Volksbank ist zwar ein allseits gelobtes Prachtstück, aber wenn die Bank ihre Pforten schließt, ist damit für uns Feierabendgänger kein Staat mehr zu machen. Also, mein lieber OB Manfred Weinmann, richten Sie Ihren Blick doch bitte mal ans Neckarufer gegenüber vom Insel-Hotel. Das einzige, was da gut läuft, sind jede Menge Autos. Für diesen Bereich Heilbronns böte sich eine Art Uferpromenade an, mit Geschäften und Wirtschaften zum Verweilen. Dazu ist es allerdings nötig, die Autos noch mehr aus der Innenstadt herauszuhalten. Wenn Sie, lieber Oberbürgermeister, wissen wollen, wie das geht, empfehle ich Ihnen einen Besuch in Reutlingen, Esslingen oder Tübingen. Auch hier wurde das Heilix Blechle nicht gänzlich verbannt, aber die Stadtplaner haben clevere Lösungen gefunden. Und sagen Sie jetzt nur nicht, dann würde die Innenstadt noch lebloser. Unsinn, auch Stuttgart hat jetzt seinen autolosen Innenstadtring. Und die Geschäfte der Einzelhändler laufen dort genauso gut wie zu Autozeiten. Übrigens hat dies auch das Beispiel unserer Kaiserstraße gezeigt. Würde die gänzlich autolos - Busse ausgenommen - gewänne unser Städtchen an Flair.

Eingemeindungs-Knatsch
Da scheint sich zwischen Möckmühl und Züttlingen ähnliches anzubahnen wie zwischen Elsenz und Eppingen. Es geht um die alten Versprechungen aus den Zeiten der Gemeindereform. Auch Züttlingen denkt über die Trennung von der Muttergemeinde Möckmühl nach. Bei allem Verständnis, ich halte das für kurzsichtiges Provinzdenken. Denn, meine Herren Züttlinger Ortschaftsräte, wenn es denn zum Schwur kommt, Ihre kleine Gemeinde kann doch heute die ganzen Anforderungen an eine auf Dienstleistungen getrimmte Verwaltung nicht mehr erfüllen - oder?

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