Eigentlich ist es ja kaum jemandem aufgefallen. Da wurde von unseren Politikern in Baden-Württemberg vor Jahren zum zweitenmal das Landesmediengesetz geschaffen, denn das erste tat nicht so wie es sollte. Viele Lokalsender und Regionalsender sollten ab 1987 privat senden. Aber damit konnte die Privatwirtschaft wenig anfangen. Bei den Lokalsendern gingen gar nicht erst alle auf Sendung. Und viele verschwanden im Laufe der Jahre sang- und klanglos, weil mit den Dorfsendern kein Geld zu verdienen war. Bei der Regionalsendern sah es nicht viel anders aus. Aus dem, was übrig blieb hatte die Landesanstalt für Kommunikation dank des neuen Landesmediengesetzes einen neuen Radiokuchen gebacken: Drei Bereichssender und knapp 15 Lokalsender sah dieser vor. Bei uns in der Region sind die beiden Bereichssender Antenne 1 (Stuttgart) und Radio Regenboden (Mannheim) stark zu empfangen. Und bei den Lokalsendern tönt „Radio Ton Regional“ mit Studios in Bad Mergentheim und Heilbronn am lautesten, der Zusammenschluß der einstigen Regionalsender „Radio Regional Heilbronn“ und „Radio T.O.N. Bad Mergentheim“. Jetzt im Herbst aber wird dieser Privatsender unbenannt. Er heißt ganz schlicht wieder „Radio Ton“. Und das ganze unter dem Motto „Da hören Sie‘s!“ Wie sagte mir neulich ein braver Zeitgenosse: „Diese privaten Radios hören sich alle gleich. Dieselben Sprüch, dieselbe Musik, die gleichen Nachrichten.“ Meine Ansicht: Dafür sind sie aber auch umsonst. Und das ist auch nicht billig.
Pfeifen
im Walde
Am
deutschen Wesen soll die Welt genesen. Dachten einst ein paar hirnlose
Großmäuler. Und verschwanden deshalb auch nach zwölf Jahren von der Bildfläche.
Aber viel von diesem unseligen Geist blieb. Ausländer stellen das in
Deutschland immer wieder fest. Vor allem bei der Regelungswut, die aus
deutschen Politiker- und Amtsstuben dampft. Zum Beispiel beim Ladenschluß. Die meisten Länder in Europa kennen kein
Gesetz zur Regelung von Ladenschlußzeiten. In deutschen Landen aber wird
streng danach geschaut, daß werktags Punkt 18.30 Uhr die Läden dicht sind. Aber
seitdem viele Deutsche in andere Länder reisen, haben sie festgestellt, daß es
ganz sinnvoll sein kann, wenn der Einzelhandel sich „gesetzlos“ nach den
Wünschen der Kunden richtet. Niemand muß dort zu bestimmten Zeiten geöffnet
haben. Und trotzdem funktioniert die Versorgung der Bevölkerung mit allen
Waren, die zum Leben notwendig sind. Die Diskussion bei uns über den
Ladenschluß ist gelaufen. es gibt kaum mehr ein Argument, das nicht auf dem
Tisch ist. Jetzt müssen Politiker entscheiden. Nur einige Gewerkschaftsbosse
scheinen noch nicht begriffen zu haben, daß der Wind sich gedreht hat. So droht
zum Beispiel der Heilbronner HBV-Sekretär
Bernhard Franke: „Wir werden die verantwortlichen Politiker und Parteien an
ihre Aussagen und Versprechungen vor der Bundestagswahl erinnern: Drei
Millionen Einzelhandelsbeschäftigte und deren Familien werden ihr Gewicht als
Wählerinnen und Wähler in die Waagschale werfen.“ - Aber werden nicht so
abstimmen, wie Herr Franke es will. Da pfeift doch jemand im Wald, dem die
Argumente fehlen.
Kreuz
und quer
Da
hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, daß Kreuze in Schulen nicht per
Anordnung eines Ministeriums hängen dürfen. Und wenn schon eins hängt, dann muß
es auf Wunsch eines Schülers entfernt werden, so es ihn bei seinem Lernen
stört. Es geht um Bayern, wo in vielen Schulklassen noch Kreuze hängen. Bei uns
im Ländle ist das schon lange nicht mehr üblich. Ich verstehe die ganze
Aufregung jetzt nicht. Schließlich ist Religion doch in unserem Staate immer
noch die Sache eines jeden einzelnen. In vielen Klassen sitzen Kinder von
Christen, Juden, Moslems, Hindus, Sektenmitgliedern und Atheisten friedlich
beieinander. Da kann niemand den
Anspruch erheben, daß das Symbol seiner Religion fortwährend im Klassenzimmer,
vielleicht sogar amtlich angeordnet an der Wand hängt. Man stelle sich vor,
in einer schwäbischen Grundschule sind mehr als 50 Prozent der Schüler Moslems,
und deren Eltern verlangten nun, daß die Fahne des Propheten fortwährend im
Klassenzimmer aufgehängt wird. Zur Toleranz in einem Staat, der die
Religionsfreiheit garantiert und schützt, gehört auch, daß er die Freiheit der
Minoritäten gewahrt bleibt. Wenn nicht,
dann haben wir sehr schnell bei uns einen Ansatz für jugoslawische Zustände.
Telefon
Mit
der Telefonleitung, die uns in die Wohnung gelegt ist, können wir schon eine
Menge anfangen: Mit jedermann in aller Welt sprechen, Faxen oder sich per
Computer in die Datenautobahnen auf dem Globus einklinken. Alles das kostet
Geld. Und künftig wird das Telefonieren teurer.
Zum 1. Januar 1996, so sagt die Telekom, werde mit einer Tarifreform
vieles billiger. Wie sieht´s aber ab ´96 bei Otto Normalverbraucher aus? Die
Grundgebühr bleibt bei 24,80 Mark. Aber die zehn Freieinheiten fallen weg.
Teurer also! Der Grundpreis für Sozialanschlüsse fällt von 19,80 auf neun Mark.
Billiger! Ein neuer Anschluß - ob ISDN oder normal kostet pauschal 100 Mark.
Teurer! Bei Übernahme oder Änderung des Anschlusses (dann 50 Mark) sparen wir
15 Mark. Billiger! Die Tarifeinheit wird von 23 auf 12 Pfennige gesenkt.
Teurer! Aber die Zähltakte werden verkürzt. Teurer! Konkret heißt das aber, daß
vor allem Ortsgespräche, die länger als drei Minuten dauern, und Nahgespräche
in der neuen Fünfzig-Kilometer-Zone teurer werden. Da mehr als die Hälfte aller
Ortsgespräche, so die Telekom, weniger als 90 Sekunden dauern, kosten sie
künftig statt 23 nur noch 12 Pfennige. Rund 20 Prozent der Gespräche dauerten
zwischen anderthalb und drei Minuten. Und die verteuerten sich somit um einen
auf 24 Pfennige. Nur 30 Prozent aller Ortsgespräche von Privatkunden dauerten
länger als drei Minuten. Und nur die würden erheblich teurer. Ab 1. Januar 1996 heißt es am Telefon also
wieder: Fasse Dich kurz. Und überprüfen Sie mal selbst, ob´s Telefonieren
für Sie ab 1.1.96 teurer oder billiger wird.
Rolling
Stones
Vier
Karten gab´s vom Neckar-Express für das Rolling-Stones-Konzert am
Hockenheim-Ring am Samstag letzter Woche zu gewinnen. Klar, daß hunderte von
Lesern sich die Gelegenheit nicht entgehen ließen und anriefen, um mit von der
Partie zu sein. Von 16.30 bis 20 Uhr am letzten Donnerstag stand das
Redaktionstelefon nicht mehr still. Alle Leitungen des Verlags waren vor allem
in der Zeit von 17 bis 18 Uhr blockiert. Die anderen Abteilungen mußten eine
Pause beim Telefonieren machen. Aber es konnten eben nur vier Neckar-Express-Leser die Rolling-Stones-Karten gewinnen.
Da nutzt es dann auch nichts, wenn Leser den ganzen Abend über anrufen, um sich
bitter über die Ungerechtigkeit beschwerten, daß sie nicht durchkamen.
Innerhalb einer Viertelstunde wurden Namen telefonisch entgegengenommen, die
dann in die Verlosung kamen. Das war angekündigt - und so ging´s über die
Bühne. Die Namen der Gewinner sind auf der letzten Seite dieser Ausgabe
veröffentlicht. Nochmals herzlichen Glückwunsch. Es lohnt sich halt, den
Neckar-Express aufmerksam zu lesen. Vor allem, wenn man Rolling-Stones-Fan ist
- und auf den Gewinn einer 65-Mark-Eintrittskarte spekuliert.
Super-Fernsehen
Für
den Empfang von Fernsehen und Radio zahlen wir Geld - sprich Gebühren. 285,60
Mark pro Jahr oder 23,80 Mark im Monat. Und damit nicht genug. Wer verkabelt
ist, der zahlt zusätzlich nochmals Gebühren. Nun wirbt schon seit längerer Zeit
ein Fernsehsender namens „Super RTL“,
daß er „Über Astra 1A auf 1139 oder 1641
MHz (H) oder über Kabel“ zu empfangen sei. Das stimmt: Wer über eine
Satellitenschüssel verfügt, der kann den Sender empfangen mit der „Super
Unterhaltung für jedes Alter. Das ist Familien-TV - sauber und ohne Gewalt.“ -
Schöne Werbung, die der Disney-Kanal
„Für Frauen und Männer ab Fünf“ da macht. Aber im Heilbronner Kabelnetz
ist dieser neue Fernsehsender noch tot. Auf der Mitteilungstafel S 23 hat die
„Deutsche Telekom - Heilbronn 1“ mitzuteilen, daß die Kanäle S 21 und S 22
nicht belegt seien. Aber dafür verantwortlich sei nicht sie, sondern
Entscheidungen über die Belegungen der Kabelfrequenzen würde die „Landesanstalt
für Kommunikation Baden-Württemberg“ treffen und nicht die Telekom. So redet
sich jeder raus - bezahlen müssen wir, die Kabelkunden, trotzdem. Hatte uns
nicht die Telekom einst versprochen, wir würden keine Nachteile gegenüber den
Schüsselbesitzern haben? Entweder pennt da jemand bei der LfK in Stuttgart oder
das Privatunternehmen hält seine Zusagen gegenüber Kunden nicht ein.
Atombomben
Da
testen demnächst die Franzosen unterirdisch mal wieder Atombomben irgendwo in
der Südsee. Die Bewohner dieser Inseln sind der Ansicht, wenn die Politiker aus
Frankreich diese gefährlichen Tests wollen, dann sollten sie doch ihre A-Bomben
in Frankreich testen. So oder ähnlich denken noch viele Bürger in Australien
und Neuseeland. Aber nicht nur Frankreich testet seine Bomben, auch China will
mit seinen Tests fortfahren. Und die USA erwägen eventuell die unterirdische
Zündung ihrer A-Bomben zum Test. Greenpeace kämpft dagegen an. Und mit diesen aktiven Saubermännern und
-frauen zusammen wollen Rundfunkstationen und Zeitschriften werbewirksam gegen
die Tests protestieren. Bis hin zu Touristenreisen für Gutbetuchte in die
Südsee soll das heftige Protestgebaren gehen. Und einige Supersauber-Fundis
rufen zum Boykott französischer Waren auf. Es ist halt schick derzeit, wenn´s
ungefährlich ist heftig zu protestieren. Wenn´s gefährlich wird, schweigt man
lieber. Sagte mir doch neulich jemand: Für das Überleben der Wale kämpfen sie.
Aber wenn´s um die sterbenden Kinder in Sarajewo geht, dann ist von diesen
Schicki-Micki-Protestlern nichts zu hören. - Ich hoffe, der Mann hat nicht
recht.
Kino-Center
Es
geht um Arbeitsplätze. Um den Erhalt der bestehenden und die Schaffung neuer.
In Stuttgart trat neulich samt Landesregierung der Musical-Mogul Deyle vor die
versammelte presse und verkündete, daß er neben dem vorhandenen Musicaltheater
in Stuttgart noch ein zweites setzen will - samt Kinocenter. Der
Ministerpräsident applaudierte, der Stuttgarter Gemeinderat läßt erst vor vier
Jahren gebaute Wohnhäuser für Spätaussiedler im Wert von 10 Millionen Mark
abreißen, damit das neue Vergnügungscenter in der Nähe des Flughafens entstehen
kann. Und auch unser Heilbronner
SPD-Landtagsabgeordneter Dr. Dieter Spöri, Erwin Teufels Stellvertreter und
baden-württembergischer Wirtschaftsminister, ist von der Deyle-Idee begeistert.
Stuttgart, das künftige Musical-Zentrum Deutschlands, war aus seinem Munde zu
vernehmen. Wie wär´s denn mal mit der Käthchenstadt? Heilbronn könnte durchaus
ein Kino-Center auf der grünen Wiese vertragen. Das Umland für diese attraktive
Idee wäre vorhanden. Jetzt fehlt es nur noch an einem der das umsetzt und
Zuschüsse, von Stadt und Land erhält. So wie der Deyle in Stuttgart. Aber
offenbar müssen in Heilbronn die Kühe zum Saufen getragen werden.
Parken
und Trinken
Wenn
am Abend oder in der Nacht das Leben in der City Heilbronns dank angenehmer
Temperaturen derzeit mit südlichem Flair schmückt, dann ist das den
Straßencafes, den Bierkneipen und Restaurants zu verdanken. Fußgängerzonen in
Heilbronn laden kaum zum Bummeln ein, weil die Schaufenster schon sehr ohne
Beleuchtung sind. Aber wer mit seinem Auto in die Innenstadt will, der benötigt
einen Parkplatz. Und die sind im Kern der Stadt - also zwischen Allee, Neckar,
Weinsberger Straße und Rosenbergstraße rar. Trotzdem findet offensichtlich das unternehmungsfreudige Völkchen der
Nachtschwärmer genügend Parkraum. Sonst wären die bereitgestellten
Parkplätze in den Tiefgaragen rund um den Stadtkern ja am Abend und in der
Nacht ausgebucht. Nichts dergleichen ist jedoch festzustellen. Die
Parkhausbetreiber klagen seit Monaten über zu wenige Parker in den Tiefgaragen.
Vielleicht liegt´s aber auch daran, daß wegen der bekannten harschen
Umgehensweise gar nicht mehr so viele Auswärtige in die Innenstadt Heilbronns
fahren. Jene, die in Heilbronn wohnen, erreichen ja mühelos bei diesen
Temperaturen ihre weiter entfernt liegenden Kneipen mit dem Fahrrad.
Im
Blatte lesen
Das
kennen wir ja aus der Schulzeit. Da müssen alle Pennäler irgendwann den Faust
lesen. Den von Johann Wolfgang von Goethe (Deutscher Dichter - 18. und 19.
Jahrhundert). Und da schrieb dieser Dichterfürst doch treffend einer
verlassenen Ehefrau namens Marthe Schwerdtlein
- als sie vom Tod ihres Mannes im fernen Italien erfahren hatte - auf
den Leib: „Ich bin von je der Ordnung Freund gewesen, Möcht ihn auch tot im
Wochenblättchen lesen.“ - So traurig der
Anlaß, so hart die Realität. Ein anständiger Tod ist nur einer, der auch
standesgemäß angezeigt wird. Und so sind Todesanzeigen in Tageszeitungen und
Ortsblättern beliebter Lesestoff - entscheidender sogar für die Leser-Blatt-Bindung,
behaupten die Marketing- und Werbefachleute. Aber manchmal frage ich mich, ob
nicht zuviel getan wird. Da erscheinen dann von Freunden, Bekannten,
Schulkameraden, Arbeitskollegen oder Kneipenkumpels Anzeigen, die bestimmt
ehrlich gemeint sind, aber durchaus auch in Eigenwerbung abrutschen können.
Davon hat der geliebte und verehrte Tote nichts, umso mehr aber jene, die den
Tod mehrmals anzeigen. Pietät heißt das
Stichwort. Und da ist weniger in stiller Trauer immer mehr als ein Zuviel
an Aufwand. Aber über Geschmack läßt sich andererseits wieder nicht streiten.
Drum laßt die Toten ehrenvoll ruhen und kümmert Euch umso mehr liebevoll um die
Lebenden.
Hunde
im Wald
Immer
wieder kommt das Thema hoch. Heilbronns Wälder, das Klo für die Stadthunde. Wo
sollen sie auch sonst hin? Fragen die Hundebesitzer. In der Stadt müssen sie
mit einem Schäufelchen hinter ihrem Vierbeiner herlaufen, so er Gassi muß - und
das Häufchen brav in den Rinnstein oder auf den Gehsteig setzt. Wasserlassen an
Bäumen, das ist eine Selbstverständlichkeit für Hundebesitzer. Wo soll der
Wauwau das auch sonst machen? In der Dreizimmer-Wohnung etwa? Igitt. Am elegantesten ist daher, man packt Waldi
ins Auto, fährt aufs Jägerhaus oder den Gaffenberg, und schon springt das arme
Vieh von Baum zu Baum, beschnuppert die Nachlassenschaft der Vorgänger, findet
ein noch relativ geruchsfreies Plätzchen, drückt den Kot, bespritzt noch ein
paar Baumstämme - und dackelt brav hinter Herrchen oder Frauchen durch die
Landschaft. Gelegentlich scheucht der Köter dann auch noch ein paar Rehe
durch Unterholz, ehe er es sich wieder auf dem bequemem Polster des
Autorücksitzes gemütlich macht und zurück in die Stadtwohnung chauffiert wird.
Im Sommer geht‘s ja. Da stinkt der Wald nur bei entsprechender Luftfeuchtigkeit
und Temperatur nach Hundescheiße. Im Winter jedoch sind die Spuren im Schnee in
all ihrer abscheulichen Prächtigkeit zu bewundern. Tierliebe nennt man das im
Volksmund. Ich nenne es Tierquälerei.
Auto-Telefon
Manche
finden es schick. Die Polizei warnt davor. Und für die meisten ist es einfach
lästig. Das Telefon im Auto oder einfach in der Tasche: Das sogenannte Handy.
Nur ein paar von mir erlebte kleine Szenen mit dem Ding. Mitten in der Stadt
Heilbronn im offenen Wagen, Cabrio nennt man´s, fährt einer und telefoniert.
Sieht schon lässig aus. und an der nächsten Ampel hält er mit einem heftigen
Quietschen in den Reifen, das Handy fliegt ihm aus der Hand. Unfall gerade noch
verhindert. Oder man sitzt im Café, es
piept, der Nachbar holt sein Handy aus der Tasche und spricht locker und
selbstbewußt, so daß alle mithören können mit irgendeinem Bekannten. Einfach
lästig. Oder: Irgendwo an einem Unterländer Waldesrand. Eine rostige Karre. Die Fahrertür ist geöffnet - und Mister X
unterhält sich per Handy mit Misses Y, gurrend, zirpend und mit reichlich
verblödetem Gesichtsausdruck. Naja. Es war halt schon immer etwas teurer,
einen guten Geschmack zu haben. Das heißt im Handy-Fall: Es war schon immer
etwas geschmackvoller, nicht jederzeit erreichbar zu sein. Den Mann von Welt,
die Frau mit Geschmack macht´s halt aus, daß sie das Handy dort benutzt, wo es
sinnvoll ist. Man geht ja schließlich auch nicht mit Gummistiefeln in die Oper
oder mit dem Smoking zum Wandern. Und im übrigen ist´s immer noch zu teuer, mit
einem solchen Ding zu telefonieren - für Otto Normalverbraucher und Lieschen
Müller. Nur ein Stenz trägt Handy privat.
Fast
Food oder Essen
Die
Wirte klagen, die gehobene Gastronomie klagt. Man geht weniger aus, ißt und
trinkt weniger in den Gaststätten und Restaurants als noch vor wenigen Jahren.
Vielen Gastronomen geht‘s schlecht. Aber den Fast-Food-Unternehmen umso besser.
Ist ja auch klar. Die bewegliche Jugend will sich für den kleinen Hunger nicht
in eine Gaststube setzen, mit der Bedienung die Nahrung aus der Speisekarte
aussuchen, warten bis das Essen kommt - um dann noch länger zu warten, bis man
bezahlen darf. Ist auch beim Essen-Fassen angesagt. Man geht hin, sucht sich
nach Bildern aus, was man futtern will, bestellt und bekommt das schmackhafte,
ausgewogen kombinierte Mahl auf einem nett angerichteten Tablett
rübergeschoben, setzt sich an den Tisch und verzehrt´s. Oder noch schneller: Man steigt gar nicht erst aus dem Auto aus,
bestellt per Fernsprecheinrichtung, bezahlt und bekommt das Menue in einer Tüte
serviert und kann essen, wo immer man will - auf dem Parkplatz, irgendwo am
Waldesrand oder schlicht daheim. Dabei ist man sich sicher: Die streng
kontrollierten Fast-Food-Ketten bieten Speisen von hoher Qualität, was man bei
der „Gaststätte zum Fettigen Löffel“ nebenan nicht unbedingt erwarten kann.
Preiswert ist es dazu noch, weil eine kleine Speisekarte ohne allzu aufwendigen
Service die Kosten niedrig hält. Mir sagten schon Leute, die ins Ausland
reisten, daß sie dort zunächst die ihnen bekannte Fast-Food-Kette aufsuchten,
weil sie wußten, welche Qualität sie beim Essen in diesem Haus erwartet. Kann
ich durchaus verstehen. Denn ein gewisser Standard an Hygiene und bei der
Zusammensetzung läßt den Magen nicht gleich revoltieren, ob in Moskau, New
York, San Francisco, Madrid oder Rom. Wir kennen die Lokale halt schon aus dem
Unterland.
Städte
und Bauen
Die
Gebäude in einer Stadt zeugen vom Geist in diesem Gemeinwesen. So wuchsen
vielerorts entweder schöne oder häßliche Gebilde in den Jahrhunderten heran.
Vieles wurde im Krieg vor fünfzig Jahren zerstört, wieder aufgebaut oder
geschleift und Neues an diese Stelle gesetzt. Schöne Städte in unserer Region
sind Schwäbisch Hall, Ludwigsburg, Bad Mergentheim, Tauberbischofsheim,
Würzburg - aber auch kleinere Orte wie Lauffen, Gundelsheim, Mosbach,
Brackenheim, Güglingen oder Öhringen. Wenn man von Heilbronn als
architektonisch schön gestalteter Stadt reden will, dann muß man sich schon arg
anstrengen. Kilianskirche, Rathaus, die neue Volksbank oder das neues
Knorr-Verwaltungsgebäude, vielleicht auch noch das eine oder andere Privathaus.
Dann ist aber schon das Ende der architektonischen Fahnenstange erreicht.
Vieles wertvolle an Bausubstanz hat man in den wilden Fünfziger und Sechzigern
einfach abgerissen, so manche Jugendstilvilla und das durchaus wieder
aufbaubare Stadttheater. Die Theatersünde sollte man den verantwortlichen
Stadtvätern und -müttern immer wieder vorhalten, damit ihre Nachfolger daraus
lernen. Übrigens: Einige Schmuckstücke
des alten Jugendstiltheaters wollte man ja in den Neubau, das Kupfergebäude am
Berliner Platz, integrieren. Zum
Beispiel die am Foyer befindlichen Köpfe. Sie aber sind verschwunden. Lagern in
irgendwelchen Magazinen. So verstaubt halt der Geist von einst.
Warum
soviel?
Rief
mich doch erst vor wenigen Tagen eine junge Dame an, die dem Blatte vorwarf:
„Warum steht denn soviel über Rauschgift im Neckar-Express? Schreiben Sie doch
mal über den Drogenkonsum mit Alkohol auf dem Weindorf oder dem Unterländer Volksfest!
Darüber regt sich niemand in Heilbronn auf, wenn die Besoffenen nachts nach
Hause torkeln oder sogar noch Auto fahren. Und wenn in der Innenstadt
Heilbronns die Hauseingänge der Anwohner vollgepinkelt werden, Straßen und
Gassen erfüllt sind vom Lärm grölender Weindorfbesucher, so daß niemand mehr
richtig schlafen kann.“ Recht hat sie, die junge Dame aus Heilbronn. Nur wohnt
sie nicht in der Innenstadt, wie sich herausstellte. Und Drogensüchtige kennt
sie auch nicht. Sie spricht aus purem Mitleid. Wenn in Familien das Problem
Drogensucht mit Heroin oder anderen harten Rauschmitteln zur Kenntnis genommen
wird, dann ist es meistens schon zu spät. Die Folgen haben die unmittelbaren
Angehörigen zu tragen, so der Süchtige noch im Kreis der Familie lebt. Da werden
Sparkassenbücher geplündert, Geld geklaut, die Nächsten um die Hab und Gut
gebracht. Asozialität breitet sich wie Mehltau über die Gemeinschaft. Denn Drogensucht kostet pro Tag um die 300
bis 500 Mark. Meistens aber flieht der Süchtige aus dem Familienkreis, wenn
er überhaupt die Lebensgemeinschaft Familie nennen konnte. Und auf der freien
Wildbahn muß dann ja auch das Geld für die Sucht beschafft werden. Arbeiten ist
bei dieser Krankheit da kaum drin. Kriminalität, Prostitution liefern die Kohle
für den Stoff. Ein Teufelskreis, in den niemand gern geraten möchte, der mit
Arbeit die Existenz seiner Familie in unserer harten Zeit sichern muß. Ein
kleiner Alkoholrausch auf dem Volksfest oder Weindorf - das ist noch lange
keine Sucht. Hier sollte genau unterschieden werden, mit welchen Drogen die
Mehrheit der Bevölkerung seit Jahrhunderten eingeübt ohne Schaden umgehen kann.
Welcher
Computer?
Wer
sich einen Computer kaufen will, der steht in den meisten Fällen wie ein Ochs
vor dem Tor. Die sogenannte Hardware, also Bildschirm, Rechner, Drucker - all
das wird von Monat zu Monat preiswerter, trotz stärkerer Leistung. Aber es gilt
immer noch: Alles in allem kostet das
High-Tech-Gerät samt Drucker für den Hausgebrauch so um die 3.000 bis 3.500
Mark. Und jeder sollte wissen, daß der gerade gekaufte Personalcomputer,
schon der Computer von gestern ist. Derzeit wird viel von Windows 95, das neue
Betriebssystem des allesbeherrschenden
Microsoft-Herstellers geredet. In diesem Monat noch soll es vorgestellt werden.
Aber Programme, die unter diesem System angemessen laufen, die sind kaum auf
dem Markt. Wer sich mit einem Personal Computer bisher eingedeckt hatte,
arbeitet mit den Betriebssystem DOS/Windows oder OS 2 von IBM. Daneben gibt‘s
seit Jahren schon jene Computer, die all das können was Windows 95 jetzt
verspricht: Die Apple-Macintosh-Computer. Zehn Prozent Marktanteil hat dieses
System. Derzeit sind elf verschiedene Rechnersysteme und verschiedenen
Prozessortypen und -varianten auf dem Markt. Aber laut Apple-Händlern herrscht
die professionelle Kundschaft in diesem Bereich der Computer immer noch vor.
Ich frage mich, warum eigentlich. denn der Apple-Computer ist weitaus leichter
von Beginn an zu bedienen als alle Rechner der Intel- und DOS-Typen. Naja, nach
wie vor trifft ein überwiegender teil der Käufer seine Entscheidung beim
Computerkauf innerhalb der Welt der Intel-Architektur. Die dort herrschende
Vielfalt von Anbietern und Kombinationsmöglichkeiten - und damit auch das
wesentlich höhere Risiko, schlecht harmonierende Komponenten zusammenzustellen
- gibt es bei Apple nicht. Jedem Computer-Tierchen sein Plaisierchen. Übrigens
vom Preis her sind sie heute alle nahezu gleich - ob Apple oder DOS/Windows.
Musical
Es
gab mal eine Zeit an deutschen Theatern, ob Staats-, Stadt- oder
Freilichttheatern, da galt das Musical als etwas nicht Spielbares. Man übte sich in hehrer Kunst. Dieses
Sing- und Tanztheater aus Amerika hatte den Straßengeruch von Show an sich. Das
breite Publikum trällerte die Melodien so einfach nach, ohne lang zu überlegen.
Ballett, Oper und Schauspiel wurden an deutschen Bühnen geboten. Also etwas zum
Nachdenken, etwas Erhabenes, eben Kunst. Und was für eine Kunst!? Die Theater wurden immer leerer - aber
waren immer voller Lehrer. Man die predigte Darstellende Kunst wie in einer
Kirche. Dann aber - so vor zwanzig, dreißig Jahren fingen einzelne Bühnen an,
Musicals aufzuführen. Vor allem jene, die bisher auch ganz erfolgreiche
Vorstellungen mit Operetten gemacht hatten. Und mit der Zeit ahmten alle das
nach. Zunächst spielte man das, was das Kinopublikum schon längst kannte: „My
Fair Lady“, „Annie get your gun“, „Hello Dolly“ oder „Porgy and Bess“. Und mit
der Zeit wurde alles gespielt, was aus Amerika und England ins deutsche
Vaterland so rüberschwappte. Spät, sehr spät entdeckten dann die
Freilichtbühnen das Musical. Und heute sind die Straßen-Operette die großer Freilicht-Publikumsrenner,
bringt ordentlich Geld in die Kasse. „Oper der kleinen Leute“ - so nannte man
das Musical einst in Deutschland - und siedelte es unterhalb der Operette an.
Wie sich die Zeiten doch ändern. Heilbronn heute ohne Musical - das wäre wie
die Kilianskirche ohne Männle.
Kleine
Abkühlung
Das
Konjunkturbarometer zeigt für den Westen Deutschlands eine Abkühlung, aber
keinen Temperatureinbruch an. So las ich dieser Tage in einem klugen Blatte.
Wenige Tage später teilt die Industrie- und Handelskammer für die Region
Franken mit: „Die konjunkturelle
Aufwärtsentwicklung im Kammerbezirk Heilbronn ist im zweiten Quartal dieses
Jahres vorerst zum Stillstand gekommen. In vielen Bereichen der heimischen
Wirtschaft ist die Stimmung von zunehmender Skepsis geprägt.“ Die vorsichtigen
Beobachter aus der IHK wählen ihre Worte mit Bedacht. Und wenn jetzt davon
gesprochen wird, daß die Unternehmen ihre Geschäftslage im Vergleich zum ersten
Quartal nahezu unverändert beurteilen, dann ist vom erwarteten Aufschwung eben
keine Rede mehr. Vor allem der Einzelhandel, der sich laut Kammer nun „seit
über zwei Jahren auf Talfahrt“ befindet,
steckt noch immer tief in der Rezession. Das Kaufverhalten ihrer Kunden
schätzten die Einzelhändler laut IHK-Umfrage ähnlich schlecht wie im Vorquartal
ein. Das heißt für die Kunden in diesem Sommer: Über den Schlußverkauf hinaus
wird es noch Preisnachlässe geben. Denn die Lager sollen ja restlos geräumt
werden.
Nonverbal
Da
haben sich doch einige Psychologen - oder waren es Psychiater - was ganz
besonderes ausgedacht. Per Anzeige suchten sie Interessenten für einen
Arbeitskreis oder eine Arbeitsgruppe „Nonverbale Kommunikation“. Und es
meldeten sich fleißig einige, die sehr interessiert waren. Auch ich habe mich
gefragt, was das denn sei - die nonverbale Kommunikation. Wenn ich mit Ihnen,
meinen Lesern kommuniziere, dann geht das ohne gesprochene Worte ab. Halt mit
gedruckten Worten. Und wenn Sie mich hier oben auf meinem Turm betrachten, dann
schauen Sie halt von unten hoch - und denken sich Ihren Teil. Ist dieses Denken
jetzt schon Nonverbal? Wir denken ja
eigentlich in Worten, in ganzen Sätzen - selbst im Traum haben wir unsere
Sprache noch beisammen. Manche Sprachbegabten träumen dann französisch oder
englisch. Sie kommunizieren mit sich selbst auch in Worten. Und selbst wenn wir
uns nur anschauen oder betasten - wie das heute ja „in“ ist in so mancher
Gruppierung, dann geht in den Köpfen nichts Nonverbales vor sich, sondern eben
unausgesprochen laufen da ganze Romane ab, die man sich vielleicht später
erzählt. In der Gruppe - oder auch woanders. Trotz meines versteinerten Maules:
Ich glaube die Herren Seelendoctores aus dem Unterland haben sich da einen
derben Scherz mit zarten Seelchen
erlaubt - mit ihrer „Nonverbalen Kommunikation“. Oder wie? Oder was?
Vom
Volksfest zum Weindorf
Das
war schon ein besonderes Volksfest für die Festwirtin
Josefine Maier und ihren 28jährigen Sohn Karl. Selten in der vergangenen Jahren war Auftakt und
Volksfesttrubel mit so gutem Besuch und runden Einnahmen gekrönt. Die Besucher
strömten und gaben dazu auch noch verhalten, aber ausreichend ihr Geld aus. Das
Bier floß zur Freude von Cluss-Direktor
Dr. Hans Wilhelm Dietel in Strömen,
ganz seinem Motto entsprechend - frei nach Karl Valentin: „Leute, versaufts
nicht Euer ganzes Geld. Kauft‘s lieber Bier dafür.“ Bier wurde auch gekauft -
und nicht so gewaltig wie zu jenen Zeiten, als unsere amerikanischen Freunde
noch soldatisch im Lande weilten. War die letzten zehn Jahre Unterländer
Volksfest der Bierverkauf stark rückläufig oder stagnierte, so hatte sich der
Wind beim 69. Volksfest auf gedreht. Nicht Radler oder Sprudel wurden
geschluckt, sondern das süffige, extra für diesen Anlaß bei Cluss in Heilbronn
gebraute Bier. Es schmeckte offensichtlich. Aber das will ja nichts heißen in
einem Weinland, wo der edle Rebensaft in allen Variationen verkostet, getrunken
und besungen wird. Heilbronns OB Weinmann, ein Mann, der eine Flasche Wein
wahrscheinlich schneller und besser entkorken kann als ein Bierfaß anstechen.
So ist das halt mit den OBs von Weinstädten. Beim Weindorfbeginn am 7.
September ist er von einem Faßanstich mit anschließender Überschwemmung
befreit.

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